Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

07/08 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Das Jahr in Berlin hat mir unglaublich viel gebracht, sowohl persönlich als auch fachlich.

Ich habe eine andere Studienkultur kennengelernt, konnte 4 Fächer fürs Liz II abschliessen und nebenbei 2 Stempel erwerben und ich habe unglaublich viele neue Freunde aus Berlin und aus ganz Europa kennengelernt, die ich gerne und oft besuchen werde!

Insgesamt hat mir das Jahr eine Menge neuer Eindrücke, Welt- und Weitsicht vermittelt und neue Perspektiven eröffnet.

Vorbereitung

Es heisst zwar immer, dass es ein ziemlich groser Aufwand sei, sich auf ein Auslandsjahr vorzubereiten, der Aufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zum Gewinn, den man aus einem solchen Jahr mit nach Hause nimmt.

Ausserdem ist die Vorbereitung auf das Auslandsjahr selbst bereits eine gute Erfahrung. Zu wissen, dass man es auf die Reihe kriegt, alle Formalitäten und anderen praktischen Problemchen, die sich so stellen, zu meistern, so dass man ein Jahr im Ausland leben kann, ist schon ein gutes Gefühl.

Und so schlimm, wie man sich das vorstellt, ist es nun auch wieder nicht. Die Humboldt-Uni informiert und unterstützt bei der Immatrikulation, bei der Beantragung der Aufenthaltsbewilligung bei der Ausländerbehörde und bei der Beantragung des Begrüssungsgeldes (ja, jeder, der in Berlin studiert, erhält als Begrüssung erstmal 110 Euro...) und auch bei der Krankenversicherungs-Geschichte sind Leute von der Uni dabei, die einem beim Ausfüllen des entsprechenden Formulars helfen.

Ein wenig nervig ist Anfangs, dass das Vorlesungsverzeichnins der Humboldt-Universität erst sehr spät online ist, so dass man das Anrechnungsgesuch zwangsläufig erst zu spät einreichen kann und vor dem Austausch nicht weiss, welche Fächer abgeschlossen werden können. Sarah Notter, die Erasmuskoordinatorin in Zürich ist jedoch sehr engagiert und hilfsbereit und berücksichtigt diese spezielle Situation der Berliner Erasmus-Studenten, was die vorher beschriebene Schwierigkeit doch erträglich macht.

Ankunft

Die Ankunft war angenehm. Kurz nach der Ankunft wird man nämlich zu mehreren Veranstaltungen der Uni eingeladen, an denen man die Räumlichkeiten der Uni und die anderen Erasmus-Studenten kennenlernt und über die Abläufe und Studienmöglichkeiten an der Humboldt-Universität informiert wird und eine kurze Einführung ins deutsche Rechtssystem erhält. Erste Kontakte werden geknüpft, erste Handynummern werden ausgetauscht, man verabredet sich zum Fussballspielen, ins Kino gehen, zudem bietet der internationale Club der HU, der Orbis Humboldtianus ein umfangreiches kulturelles Veranstaltungsprogramm an, unter anderem Schifffahrten auf der Spree, Museumsbesuche, Führungen durch die Kanalisation Berlins und natürlich auch einige Partys...

Fürs erste ist man ganz gut bedient und bekommt einen Vorgeschmack dessen, was Berlin so alles zu bieten hat...

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche ist besonders am Anfang des Semesters nicht gerade leicht, da viele auf Wohnungssuche sind. Am einfachsten geht es jedoch über entsprechende Online-Plattformen. Z.B über www.wg-gesucht.de oder über www.studenten-wg.de

Dort findet sich eine Vielzahl von Angeboten und es ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei. Es empfielt sich jedoch, nach Möglichkeit, so viele Wohnungen wie möglich persönlich zu besichtigen und die Leute, die dort wohnen, kennenzulernen. Es ist in Berlin auch nichts aussergewöhnliches, dass noch 40-jährige in WG's leben, davon sollte ma sich nicht abschrecken lassen. Am besten besichtigt man auch Wohnungen, die auf den ersten Blick nicht den eignen Vorstellungen entsprechen, im Gespräch mit den vielleicht zukünftigen Mitbewohnern ergibt sich meistens eine Lösung, die für alle passt.

Persönlich habe ich in drei verschiedenen Wohnungen gewohnt: Zuerst in einer Wohnung im Prenzlauer Berg, wo ich zwar ein wunderschönes Zimmer hatte und auch nette MitbewohnerInnen. Als ich jedoch erfahren habe, dass meine Mitbewohnerin, die selbst Haupmieterin der Wohnung war und mir das Zimmer untervermietet hatte, selbst keine Miete bezahlte, sondern sich ihr Zimmer von uns, den anderen Mitbewohnern querfinanzien liess, bin ich ziemlich schnell wieder ausgezogen. Auch solche Sachen gibt's in Berlin und ich war kein Einzelfall, andere haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dann bin ich zwischenzeitlich zu einer Freundin gezogen und habe 3 Wochen auf einer Matratze im Wohnzimmer gelebt.

Während dieser Zeit habe ich zusammen mit 3 anderen Freunden eine grosse Wohnung gesucht und dann in Kreuzberg auch eine passende gefunden. So haben wir zu viert eine WG gegründet und uns dann, weil wir noch 2 Zimmer frei hatten, weitere Mitbewohner gesucht. Da die Wohnung komplett leer war, mussten wir alle Einrichtungsgegenstände irgendwie besorgen. Einen Grossteil haben wir geschenkt bekommen über eine Internetplatform (www.alles-und-umsonst.de), einen Teil haben wir über ebay günstig ersteigert.  Umzugswagen zum Transport können in Berlin günstig bei Robben&Wientjes gemietet werden. (www.robben-wientjes.de)

Universität

Die Humboldt Universität ist gerade für das Rechtsstudium geeignet und hat ein ziemlich gutes Renommee. Gerade im Völker- und Europarecht lehrt mit Professor Pernice eine internationale Koryphäe in diesen Gebieten an der HU. Die juristische Fakultät besitzt an sehr prominenter Lage am Bebelplatz ein eigenes Gebäude mit Bibliothek und kleiner Cafeteria. Manchmal ist die prominente Lage allerdings von Nachteil, wenn auf dem Bebelplatz Grossveranstaltungen mit lauter Musik wie zum Beispiel der Christpher-Street-Day stattfinden, dann ist's vorbei mit der Ruhe. Aber solche Veranstaltungen finden nicht sehr oft statt.

Die Betreuung durch das internationale Büro der HU ist sehr gut. Die Koordinatorin mag Anfangs etwas sehr tough und streng wirken, lernt man sie jedoch näher kennen, stellt sie sich als sehr hilfsbereit und freundlich heraus.

Einer der Höhepunkte des akademischen Jahres war sicher die Teilnahme an der MEUC (Model European Union Cenference) in deren Rahmen wir einen Fall des EuGH nachgespielt haben (Moot Court), eine Studienfahrt nach Luxemburg und Brüssel unternommen haben und in den Gerichtssälen des EuGH plädiert haben!

Leben/Freizeit

Berlin hat einfach unglaublich viel zu bieten, architektonisch, historisch, kulturell, politisch u.v.m. ... (wo sonst sieht man Barack Obama von 20 Metern Entfernung eine Rede halten?) Alleine um alle Berliner Museen zu besichtigen bräuchte man mehrere Jahre.  Das Sport-Angebot der Uni ist ebenfalls sehr breit, so habe ich angefangen, regelmässig Squash zu spielen. Einen Besuch wert sind auch die zahlreichen Weinereien. Das sind Weinbars, in denen man so viel Wein trinken kann, wie man will und am Ende so viel bezahlt, wie es einem Wert war! Schön, dass so ein Konzept funktionieren kann!

Besonders lebenswert ist Berlin im Sommer, wo die Stadt richtig grün wird und an allen Ecken und Enden der Stadt gegrillt wird. Mit Vorteil legt man sich die Vorlesungen hauptsächlich ins Wintersemester, da dann die Stadt, so schön sie im Sommer auch ist, ziemlich grau erscheint und man dann das sommerliche Berlin mit mehr Freizeit geniessen kann!