Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

07/08 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

Ich bin froh, dass ich mich für Berlin entschieden habe, es ist eine grossartige Stadt, wo einem nie langweilig wird. Hier habe ich wunderbare Freundschaften geschlossen, mit Berlinern und Erasmus-Studenten aus aller Welt, mit denen ich ganz bestimmt den Kontakt aufrecht erhalten werde. Es bietet sich natürlich auch die Möglichkeit an, einander besuchen zu gehen.

Jedoch scheint mir die Aufenthaltsdauer von einem Jahr (beziehungsweise zwei Semester) besser und sinnvoller als nur ein Semester. Vier Monate gehen für mich viel zu schnell vorüber. Man reist genau dann wieder ab, wenn man richtig beginnt sich einzuleben.

Hier in Berlin habe ich ja keine Fremdsprache gelernt, aber ich habe immerhin mein Spanisch auffrischen können durch viele Bekanntschaften mit spanisch-sprachigen Leuten. (Vor sechs Jahren habe ich spanisch gelernt im Austauschjahr in Argentinien.) Dass deutsch meine Muttersprache ist, hat mir an der Universität und auch sonst im Alltag natürlich einiges erleichtert. Es gibt offenbar Erasmus-Studenten hier, welche während zwei Semestern kein einziges Seminar an der Uni durchgezogen haben, nicht aus Faulheit, sondern schlicht weil sie zu schlecht deutsch sprachen. Ich bin froh, dass mir so etwas nicht hätte passieren können.

Ich fand es ausserdem spannend, einen Einblick zu erhalten in eine andere Uni und ein anderes Ethnologie-Institut.

Mein Gesamteindruck meines Erasmus-Semesters ist, dass es sich definitiv gelohnt hat, das Angebot zu nutzen und nochmals einen Austausch zu machen. Ich denke, man lernt als junger Mensch dabei unheimlich viele wertvolle Dinge fürs Leben; es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Vorbereitung

Ich hatte die Vorbereitung überschätzt, letztendlich war die grösste Arbeit nur das Vorlesungsverzeichnis der FU rechtzeitig zu bekommen für das Learning Agreement. Denn die FU hat andere Semesterdaten, dieses Jahr hat das Sommersemester erst am 14. April begonnen, d.h. das provisorische Vorlesungsverzeichnis wurde erst Ende Dezember herausgegeben. Dieses benötigte ich aber für das Learning Agreement, welches ich bis spätestens Ende Januar von der Erasmus-Koordinatorin meines Instituts in Zürich unterzeichnen lassen musste, weil ich nachher verhindert war. Bis Ende Januar war jedoch die Koordinatorin in den Ferien. Zum Glück konnten wir dann gerade noch am 30. Januar einen Termin ausmachen.

Das Learning Agreement an sich war wenig Aufwand: Ich habe mir die Seminare herausgepickt, die mich interessierten und so wurde dies auch unterschrieben von der Koordinatorin.

Ankunft

Ich bin erst am 13. April in Berlin angekommen, d.h. am Abend vor Semesterbeginn, da ich bis dahin noch in den Ferien war. Das war glücklicherweise überhaupt kein Problem. Am Montag habe ich ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnet,  den Papierkram beim Erasmusbüro der FU und bei der Studierendenversicherung erledigt, das Geld für das Semesterticket der FU (Legi mit  ÖV-Ausweis) einbezahlt , und mich bei dem Bezirksamt angemeldet. Die Mitarbeiter beim Erasmusbüro der FU sind sehr hilfsbereit und geduldig.

Online-Einschreibung bei den Seminaren war für mich als Liz-Studentin (hier Äquivalent zu Magister) nicht nötig und so konnte ich am nächsten Tag schon loslegen mit den Kursen.

Zimmersuche
Wohnen

Glücklicherweise konnte ich fürs Erste ein Zimmer bei einer Freundin meiner Eltern in Neukölln untermieten. Die Anmeldung für ein Zimmer in einem der vielen Studentenheime in Berlin hatte ich verpasst, diese hätte sechs Wochen vor der Ankunft passieren sollen.

In Berlin ist es zur Zeit nicht sehr schwierig ein WG-Zimmer zu finden (auch kurzfristig) und auch die Preise sind deutlich tiefer als in Zürich. Neukölln hat mir nicht so zugesagt und so machte ich mich auf die Suche nach einem WG-Zimmer in einem symathischeren Bezirk (meiner Meinung nach Kreuzberg, Prenzlauerberg und Friedrichshain) per www.wgzimmersuche.de, eine Plattform wo es immens viele Angebote gibt. Innerhalb von wenigen Tagen habe ich mir sechs Zimmer angeschaut, von denen eines passte. Leider stellte sich die Hauptmieterin wenig später als sehr unumgänglich heraus. In der Wg einer Freundin wurde zu dieser Zeit gerade ein Zimmer frei und so zog ich dann zu ihr nach Kreuzberg.

Universität

Die Dozenten an der FU sind sich Erasmus-Studenten gewöhnt und darum sehr nachsichtig mit ihnen. Ich habe das Ethnologie-Institut der FU im Gegensatz zu dem in Zürich als sehr zukunftsorientiert und praxisnah empfunden. In den Seminaren wurde oft die praktische Methodik der Ethnologie in theoretische Diskussionen eingebunden. Ich habe unter anderem ein Seminar zum Thema Ethnologie der virtuellen Welten besucht, was mich unheimlich interessiert und für welches ich eine kleine Feldforschung (mit Seminararbeit) machen werde. In Zürich wurde leider nie ein Seminar mit einem ähnlichen Thema (Ethnologie und Internet) angeboten, deshalb bin ich froh, dass ich diese Chance im Ausland wahrnehmen konnte.

Die Atmosphäre an der Uni empfand ich im Allgemeinen als angenehm.

Ich habe während dieses Semesters nicht das Pensum erfüllt, was ich mir vorgestellt habe im Learning Agreement: Ein Seminar habe ich nach zwei Wochen wieder aufgegeben, weil mich das Thema nicht interessierte. Bei einem anderen Seminar habe ich mir vorgenommen, eine Arbeit dazu zu schreiben; leider aber reicht mir die Zeit dafür nicht, weil die Feldforschung sehr arbeitsintensiv ist. Das Problem ist ausserdem, dass das die Ferien in Berlin erst am 19. Juli begonnen haben und das Semester in Zürich schon Mitte September wieder beginnt. Das bedeutet natürlich, dass mir nicht so viel Zeit bleibt für Hausarbeiten wie den Berliner Studenten.

 Ich habe nur Kurse meines Hauptfachs (Ethnologie) besucht. 

Leben/Freizeit

Ich hatte Glück, dass ich im Sommer in Berlin war. Von allen Seiten wurde mir gesagt, dass der Winter in Berlin ziemlich hart ist und dies auch gehörig auf die Stimmung der Leute schlägt.

Es hat sich ausbezahlt, dass ich mir ein Second-Hand-Fahhrad für 50 Euro am Mauerpark (Flohmarkt immer sonntags) gekauft habe, mit dem ich auch nachts schnell und unabhängig unterwegs war.

Das Berliner Kulturangebot ist wahnsinnig gross: Fast jede Woche gibt es ein Filmfestival, auch Clubbing, Museen, Kino (auch viel Openair-Kino), Poetry Slam und Kunst-Performances, Musikfestivals welche man sich nicht entgehen lassen sollte.

Man lernt schnell Leute kennen. Die Berliner sind sehr offen und direkt. Am schnellsten jedoch lernt man andere Erasmus-Studenten kennen, die auch auf der Suche nach neuen Freunden sind. Ich war an einigen Erasmus-Partys, die immer sehr lustig sind und wo ich rasch neue Bekanntschaften gemacht habe. Ausserdem organisiert das Erasmus-Büro der FU immer wieder coole Ausflüge in die Stadt und auch nach Hamburg, Dresden und Leipzig. 

Das Sportangebot der FU ist sehr gross, wobei man sich bei den Kursen eintragen muss und die meist ca. 20 Euro Semesterbeitrag kosten. Ich habe einen sehr guten Flamenco-Kurs für Anfänger in einer Tanzschule in Kreuzberg besucht.