Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Erziehungswissenschaft (7220)

Gesamteindruck

Berlin ist eine Stadt voller Gegensätze. Schillernde Touristenmeilen erstrecken sich vom Ku'damm über den Potsdamer- bis zum Alexanderplatz - dazwischen liegt das noble Regierungsviertel und die schöne Altstadt, wo auch die Humboldt-Uni angesiedelt ist. Dann gibt es aber auch Viertel, die von heruntergekommenen Plattenbauten und hässlichen Betonklötzen gezeichnet sind. So z.B. einige Teile von Kreuzberg und Neukölln, wo ich gewohnt hatte. Ich pendelte also tagtäglich zwischen sichtbarer Armut und protzigem Grossstadt-Prunk. Die schiere Grösse Berlins (im Vergleich zu Zürich) wird dadurch erfahrbar. Bei 15 % Arbeitslosigkeit sind viele Menschen hier froh, wenn sie überhaupt einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können und nehmen so auch Arbeitsbedingungen und Löhne in Kauf, die in der Schweiz fast unvorstellbar anmuten. Dies merkt man nicht nur all den Obdachlosen an, die täglich in U-Bahn und sonst wo betteln, sondern auch dem Verkaufspersonal in den Billigst-Supermärkten und Imbiss-Schuppen. Die rauhe Berliner Schnauze ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig, aber in gewisser Hinsicht auch einfach ehrlich: Vorsicht vor den Busfahrern und Bademeistern!!! Das beste Rezept: selber höflich bleiben. Überwältigend sind die vielen Möglichkeiten hier. Das Angebot ist nicht nur an der Uni riesig, auch kulturell hat Berlin unendlich viele Möglichkeiten zu bieten - für jedermanns Geschmack. Und dies 24/7.

Vorbereitung

Administrative Angelegenheiten konnte ich über die ERASMUS-Koordinationsstellen fast alle im Vornherein klären. Eine Bleibe habe ich mir über www.wg-gesucht.de im Vorfeld gesucht - bin aber erst hier definitiv ein Mietvertragsverhältnis eingegangen. Ich wollte mich noch ein bisschen umschauen, ehe ich zugesagt habe. Wer gute Nerven hat und keine Angst, dass es nicht klappt, muss wegen der vielen freien Wohnungen nicht mal das leisten. Es empfiehlt sich NICHT in ein Studentenwohnheim zu ziehen, da die alle in der Peripherie liegen. Amtliches regelt man am besten, wenn man schon eine Wohnung hier hat.

Ankunft

Ich bin mit einem Freund und meinem Vater per Zug angereist (da umweltfreundlich). Wir haben uns für ein Wochenende in ein Hotel eingemietet, von wo aus ich meine definitive Wohnungssuche gestartet hatte. Es empfiehlt sich, früh einen Stadtplan und eine Handy-Karte zu kaufen! Das Semesterticket hier - entspricht unserer Legitimationskarte - ermächtigt einen zur kostenlosen Benützung sämtlicher öffentlicher Verkehrsmittel in zwei Tarifzonen (worin alles enthalten ist, was man im Alltag braucht). Ehe man dieses aber erhält, braucht man unbedingt Fahrscheine, die man nicht den Obdachlosen abkaufen sollte.

Zimmersuche
Wohnen

Wie oben schon erwähnt, hatte ich mich im Vorfeld zwar im Internet orientiert und einige Adressen schon mal angefragt. Ich wollte mir jedoch ein Bild vor Ort machen, was auch sehr gelungen ist - ich habe eine WG gefunden, die mich herzlich aufgenommen hat und die ich auch nur sehr ungern wieder verlasse. Mir war wichtig, mit mehr als 3 Leuten zusammen zu wohnen, damit auch mal jemand zu Hause ist, wenn mal keine Uni ist. So habe ich meine 4 MitbewohnerInnen in der Zeit hier sehr gut kennengelernt und zähle sie unterdessen zu guten Freunden! Ich bereuhe allerdings ein bisschen, dass die Wohnung nicht am Prenzlauer Berg gelegen war - diese Ecke würde ich allen Studierenden empfehlen. Super schöne Gegend mit tollen Lokalen und nahe zur Humboldt-Uni.

Universität

Hier einige Stichworte:- gross- eher schlecht organisiert- fast nur Präsenzbibliotheken- namhafte Dozenten (einige davon sind auch gut)Das schöne Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) thront an der Strasse, die vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor führt: Unter den Linden. Gleich nebenan ist die Staatsoper - alles im barocken und neoklassizistischen Baustil. Sehr schön! Ansonsten habe ich keine grossen Unterschiede zur Uni Zürich erfahren. Es werden Vorlesungen gehalten und Seminare mehr oder weniger gut besucht. Vorträge von Kommilitoninnen sind wie gewohnt mal langweilig, mal brilliant. Die Anfoderungen für Scheine (i.e. Testate) sind auch in etwa die selben wie in Züri.

Leben/Freizeit

Von meiner bisherigen Studienzeit werde ich dieses Semester in Berlin wohl als das erinnerungsträchtigste im Gedächtnis behalten! Ich empfehle allen Studierenden auch einmal mindestens ein Semester im Ausland zu verbringen. Man lernt ja nicht nur neue Leute kennen, sondern auch sich selber. Ein Tipp noch: Wer nach Berlin will, sollte im Sommer gehen! Ausser man will gleich für ein Jahr bleiben; dann ist es wohl schlauer, im Winter zu beginnen um in den Sommer hineinzuleben.