Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Publizistikwissenschaft (7251)

Gesamteindruck

Nach dem nun fast verstrichenen Jahr in Berlin darf ich eine wohl sehr positive Bilanz ziehen. Während mein universitäres Leben sich zwar eher anonym gestaltete, das heisst, ich eher seltener auch von sozialen Kontakten profitierte, waren meine gesellschaftlichen Erfahrungen extern des Campuslebens äusserst ausgeprägt. Berlin ist eine wahnsinnig aufregende Stadt, die andauernd zu neuen Entdeckungen einlädt und die es nicht mal nachts erlaubt, Müdigkeit vorzutäuschen. Den frotzligen Berliner-Dialekt habe ich ebenso ins Herz geschlossen wie die unterschiedlichsten Bekannt- und Freundschaften. Wer das grossstädtische Erlebnis mit all den Vorzügen und Nachteilen sucht, der wird in Berlin gut aufgehoben sein. Obwohl gerade im gesamt-heterogenen Berlin auch die Chance liegt, sich im fast dörflich anmutenden Kiez, des studentisch-homogenen Bezirks Friedrichshain beispielsweise, zurückzuziehen und das kleinstädtische auszuleben. Gerade dem Charme des ehmaligen Ost-Berlins bin ich erlegen. Hier pulsiert die Stadt, was sich aber nicht in westliche Hektik umschlägt, sondern einem zeit- und raumlos erscheinen lässt.

Vorbereitung

Neben den vom Ressort für Internationale Beziehungen empfohlenen Vorbereitungen wie beispielsweise das Learning Agreement mit dem zuständigen Erasmus-Koordinator meines Instituts habe ich keine weiteren Dinge geklärt. Naja, das heisst, irgendwie schien mir das alles sehr unfassbar und ich hatte mir vorgenommen, einige Dinge schon im Voraus abzusichern oder einfach zu konkretisieren, weshalb ich mich mit den dringlichsten Fragen zu gewissen Seminaren und Anrechnugsverfahren an einige Professoren der Heim- und Gastuniversität wendete. Was sich aber dabei herausstellte, war alles andere als erleuchtend und ich kann nur davon abraten, denn alles wissenswerte erfährt man dann schon früh genug.

Ankunft

Ich bin sehr gut damit gefahren, Punkt für Punkt der zugesandten Empfehlungen des Erasmus-Büros der FU Berlin penibelst im Abhakeverfahren durchzugehen. Anmelden beim Bürgeramt, Krankenversicherung anerkennen lassen, immatrikulieren, Semesterticket abholen. Natürlich, mal musste ich an einer Amtsstelle länger warten, mal hätte ich doch ein benötigtes Dokument vorher einzuholen etc. und die ganzen administrativen Umständlichkeiten forderten so einiges an Ausdauer. Auf alle Fälle rate ich aber ab von zu früher Resignation, denn: Zu guter letzt belohnt das Begrüssungsgeld von 110 Euro der Stadt Berlin all die mühsamen Strapazen. Weiter gilt als unerlässlich die kostenlose Eröffnung eines Bankkontos, eine Handy-Prepaid-Sim-Karte und der Kauf eines Fahrrads, und zwar möglichst nicht während der Saison. Ansonsten war ich eine Woche vor Semesterbeginn in Berlin. Gerade noch früh genug, die eine Einführungsveranstaltung nicht zu verpassen, an der ich  jede Menge ErasmusstudentInnen kennen gelernt hatte, mit denen ich dann vor allem in den ersten Wochen einen regen Austausch an Neuentdeckungen pflegte. Gute Sozialisierung, und auch dies gerade zu Beginn des Aufenthalts, bieten die regelmässig veranstalteten Erasmus-Partys,

Zimmersuche
Wohnen

Ganz so einfach, wie es mir von anderen Berlin-Aufenthaltern vorausgesagt wurde, gestaltete sich die WG-Suche nicht. Zwei Wochen vor Einzugstermin mit der Suche zu starten, schien doch sehr knapp gewesen zu sein. Ungefähr 20 Wohnungen habe ich mir in 5 Tagen angeschaut, was ein ziemliches Full-Time-Programm war, bedenkt man doch die Grössendimensionen Berlins. Sehr zu empfehlen ist dabei die Seite http://www.wg-gesucht.de/  Anhand der Filterfunktion fokussierte ich den hippen Bezirk Prenzlauerberg, das alternative Kreuzberg sowie das studentische Friedrichshain. Alle haben sie unfassbar viele Attraktivitäten fürs junge Volk, und auch wenn der Uni-Weg etwas länger ausfällt, so lohnt es sich doch eindeutig, sich in X-berg/F'hain/Prenzlberg niederzulassen. Glücklicherweise hatte ich die perfekte Wohnung mit den tollsten Mitbewohnerinnen gefunden, was mir den Einstieg ins Friedrichshainer-Kiez-Leben unheimlich vereinfachte.

Universität

Nicht nur, dass die FU Berlin im Südwesten der Stadt ohnehin schon sehr dezentral gelegen ist, liegen auch die verschiedenen Institute nicht allzu nah voneinander entfernt. So kam es, dass ich öfters von Lankwitz nach Dahlem pendeln musste, und obwohl ein Extrabus eingesetzt wird, so müssen solche Bedingungen doch im Stundenplan, sollte ein solcher bestehen, miteinberechnet werden. Von allen Veranstaltungen war ich in fachlicher Hinsicht positiv überrascht. Was mir jedoch  verhängnisvoll erschien, ist das Fehlen von Pausen in Seminaren und Vorlesungen, denn die Wichtigkeit eines Pausen-Käffchens für den Austausch mit Komiltonen/innen ist einfach unersetzbar. Als Perfektes Lernambiente ist die Philologische Bibliothek, im 3. Stock mit Super-Sesseln, zu empfehlen. Eine Mensa-Card ist auch von Vorteil, ist es doch dadurch tatsächlich möglich, sich noch(!) billiger zu sättigen.

Leben/Freizeit

In Berlin tobt das Leben, det is janz klar!. Im Winter vertreibt man sich die Zeit mit Lesen und Spielen in tollen Café's, geniesst das kulturelle Riesenangebot an Museen, sei es auf der Museumsinsel, am Potsdamer Platz oder in den zahlreichen Mitte-Galerien, oder man lässt ganz einfach mal die Nacht nicht enden, was übrigens auch im Sommer gilt...Diverse Fluss-Bars locken 24 Stunden an die Spree, und wer das Badegefühl Zürichs vermisst, dem sei das Badeschiff direkt in der Spree geraten. An Sonntagen wird jedes Trödler-Herz an den diversen Flohmärkten (am Boxi, Mauerpark etc.), wo neben viel Unrat auch echte Schnäppchen zu erhandeln sind, erwärmt. Erschlagen von den ganzen Sehenswürdigkeiten, den gewaltigen Baumassen, auch aber der unheimlichen Fläche an Leerraum, lässt es sich in den überall zu findenden Parks und Ruheplätzchen optimal ausruhen und auftanken.