Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

BE-LIEGE01
Liège - Université de Liège

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Vorausschicken möchte ich gleich, dass ich sehr froh bin, einen Erasmusaufenthalt gemacht zu haben. Es war für mich eine Bereicherung in vielerlei Hinsichten, sowohl sprachlich, persönlich als auch fachlich.

 Ich kann jeder anderen Person nur empfehlen, sich diese ausserordentliche Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Ich kann auch Liège als Destination befürworten, obwohl mein erster Eindruck dieser Stadt nicht besonders gut war. Mir fiel gleich zu Beginn auf, dass Liège nicht besonders sauber ist und nicht über ein besonders schönes Stadtbild verfügt. Ich entdeckte aber bald den Charme dieser Stadt und begann mich sehr wohl zu fühlen. Mir gefallen vor allem die unzähligen Möglichkeiten, die sie bietet und die Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Bewohner. Liège ist eine sehr belebte Stadt. Stets füllen unzählige Passanten die Strassen.

Unter den Erasmusstudenten lernt man sich sehr einfach und schnell kennen, ich hatte das Glück viele nette Personen aus ganz Europa kennen zu lernen. Ich hoffe, den Kontakt zu ihnen aufrecht erhalten zu können.

Vorbereitung

Vor meiner Abreise erkundigte ich mich anhand der Homepage der Universität Liège über die Universität, die Wohnmöglichkeiten, den Sprachkurs und auch über die Stadt selber. Die Homepage bietet alle nötigen Informationen, was getan werden muss bei der Ankunft und an welche Stellen man sich wenden kann bei den verschiedensten Problemen. Später erhielt ich auch eine Informationsbroschüre mit den selben Informationen in einer etwas handlicheren Form.

Eine Einschreibung an der Universität Liège musste bis Ende Mai erfolgen. Bei dieser Anmeldung muss man entscheiden, welche Vorlesungen man besuchen will. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht genau, wie ich vorgehen musste und habe ziemlich zufällig meine Vorlesungen ausgewählt. Diese kann man später wieder abändern. Erst später, bei der Ausarbeitung des learning agreements, habe ich versucht Vorlesungen zu finden, die solchen an der Universität Zürich entsprechen. Vor meiner Abreise habe ich ein Zimmer im Studentenwohnheim reserviert. Es empfiehlt sich dies genug früh zu tun, um sicher zu sein ein Zimmer zu bekommen. Gleichzeitig habe ich mich auch für den Französischkurs eingeschrieben. Es besteht auch die Möglichkeit sich einen Paten zuteilen zu lassen. Ich habe von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, meine Patin aber nur ein einziges Mal getroffen, da ich im Wohnheim stets jemanden finden konnte, der mir Auskunft geben konnte.

Ich habe die gute Organisation sehr geschätzt.

Ankunft

Ich habe mich entschieden, vor Studienbeginn den „cours préparatoire de français“ zu besuchen. Das war einerseits eine gute Möglichkeit, mein Französisch wieder etwas aufzufrischen und bereits die ersten Kontakte zu knüpfen mit anderen Erasmusstudenten. Wenige Tage vor Semesterbeginn fand der Empfang an der Universität Liège statt. Ein Teil davon richtete sich ausschliesslich an die Erasmusstudenten, ein anderer Teil war ein Erstsemestrigentag für die belgischen Studenten, der auch Informationen über die Universität bot. Zu Beginn stand auch die Anmeldung im Erasmusbüro an wo sich Marta Kucharska als sehr hilfsbereit und freundlich vorstellte. Sie war jederzeit bereit, Fragen zu beantworten. In der ersten Woche im Semester fand eine Informationsveranstaltung der Fakultät statt, wo sie uns erklärten, dass wir mindestens 20 ECTS pro semester erreichen mussten und uns eine Liste der verschiedenen Verantwortlichen gaben. Wir hatten 3 Wochen Zeit um uns die Vorlesungen anschauen zu gehen um dann zu entscheiden, welche wir besuchen würden und die Prüfung ablegen würden. Diese musste man dann in eine Liste eintragen und mit der Fachkoordinatorin besprechen.

In den ersten Wochen standen auch die ganzen administrativen Angelegenheiten an, wir mussten uns auf der Cité administrative einschreiben gehen, um eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Diese Prozedur ist eher mühsam, da man mehrmals hingehen muss und jeweils viel Zeit mit Warten verliert und normalerweise nicht sehr freundlich behandelt wird. empfehlenswert ist auch, sich in einer Krankenversicherung einzuschreiben. Das ist im Vergleich zur Aufenthaltsbewilligung kostenlos.

Zimmersuche
Wohnen

Noch in Zürich habe ich die Homepage der Universität Liège konsultiert. Dort konnte ich Erklärungen finden zum System hier. Es gibt zum einen 2 Wohnheime eines im Stadtzentrum und eines auf dem Campus, wovon dasjenige im Stadtzentrum nächstes Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sein wird. Daneben gibt es die so genannten Kots. Das sind Zimmer die man mieten kann. Häufig sind dies einzelne Zimmer in einem Haus, die normalerweise einzeln abgeschlossen werden können. Die Küche und das Badezimmer teilt man sich häufig mit den anderen Studenten die ein Zimmer im selben Haus haben.

Ich habe mich für das Studentenwohnheim entschieden, da es mich reizte zu erleben, wie es sich in solchen Wohnheimen lebt. Eigentlich kann man im Studentenwohnheim nur für ein halbes Jahr wohnen, da ich aber erst später entschieden habe ein ganzes Jahr zu bleiben, konnte ich den Verantwortlichen dazu überreden, ein ganzes Jahr im Studentenwohnheim wohnen zu können. Als ich das Wohnheim das erste Mal betrat, bereute ich mich dafür entschieden zu haben. Das Gebäude ist nicht gerade besonders schön und die Zimmer auch nicht. Aber mit ein paar Postern lässt sich das Zimmer sehr wohnlich einrichten und schon sehr bald gefiel es mir sehr gut. Das Zimmer reserviert man per Internet, einen Link dazu findet man auf der Homepage der Universität Liège. Das Zimmer kostet 250 Euros pro Monat, man teilt sich die Dusche mit dem Zimmernachbarn. Im Preis inbegriffen sind frische Leintücher, die alle 2 Wochen gewechselt werden. Das Wohnheim stellt Staubsauger und Bügeleisen zur Verfügung, einen Kühlschrank kann man für 5 Euros pro Monat mieten. Zudem verfügt das Wohnheim über einen Internetraum. Pro Stock wohnen 32 Studenten, die sich 2 Küchen teilen.

Mir hat vor allem das Zusammenleben mit so vielen  Personen aus verschiedenen Ländern gefallen. In der Küche wurden die verschiedensten Gerichte aus vielen Ländern zubereitet und sehr häufig wird man eingeladen, um davon zu kosten. Ich habe die grossen Hilfsbereitschaft untereinander sehr geschätzt und auch die Tatsache, dass man immer jemanden findet, um mit der Person zu reden oder etwas zu unternehmen. Für mich, die immer in Stadtzentren aufgewachsen ist, war es eine schöne Erfahrung im Grünen zu wohnen nur 2 Minuten zu Fuss vom Wald entfernt.

Universität

Ich habe die Universität als relativ gut organisiert empfunden. Bei Fragen konnte man sich jederzeit an die Fachkoordinatorin wenden. Will man sich die Prüfungen in Zürich anrechnen lassen, so muss man darauf achten, dass die Vorlesungen sowohl im Inhalt, als auch in der Anzahl Vorlesungen pro Woche denjenigen an der Universität Zürich entsprechen. Ich habe folgende Vorlesungen besucht: Völkerrecht, Europarecht Institutionen, Privatrechtsgeschichte und Kriminologie.

 Zunächst war es schwierig einerseits dem Professor zuzuhören und gleichzeitig Notizen zu machen, ich war zu sehr mit der Orthografie beschäftigt, so dass ich jeweils den nächsten Satz verpasste. Zum Teil konnte ich nicht alle Wörter verstehen, vor allem nicht die mir noch unbekannten Fachbegriffe. Ich war auch erstaunt, dass die Vorlesungen im Normalfall nicht mit Folien oder einer Powerpointpräsentation unterstützt werden. Dies erleichtert das Verständnis nicht besonders. Ich war erstaunt, dass die belgischen Studenten mit wenigen Ausnahmen wortwörtlich versuchten in den Vorlesungen mitzuschreiben und sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Für mich am schwierigsten waren diejenigen Vorlesungen, die nicht einmal mit einem Skript unterstützt wurden, dies war der Fall in Privatrechtsgeschichte. Die Vorlesung wurde durch eine so genannte Repetition unterstützt. Dies gestaltete sich aber als ein reines Diktat, was für mich am Anfang auch ziemlich gewöhnungsbedürftig war. Zudem war es beim eingeschlagenen Tempo auch nicht immer besonders leicht der Assistentin bei dieser Repetition zu folgen.

Die anderen rein juristischen Vorlesungen gestalteten sich aus dem Grund als schwierig, dass sie das ganze juristische Vokabular auf Französisch beinhalteten. So verbrachte ich zu Beginn viel Zeit damit, solche Begriffe in Wörterbüchern nachzuschlagen. Als die Prüfungen in die Nähe rückten, erschien mir unmöglich auch nur eine davon zu bestehen. Auch zeigten praktisch alle Professoren grosses Interesse an den Erasmusstudenten, doch machten gleich zu beginn klar, dass sie uns nicht anders behandeln würden, als die belgischen Studenten. Sie würden lediglich in sprachlicher Hinsicht Rücksicht nehmen. Die Assistenten zeigten sich meistens hilfsbereiter, kopierten uns zum Beispiel ihre Lösungen der Übungen. Wenn es auch sehr schwierig war Kontakte mit Belgiern in Vorlesungen zu knüpfen, so waren sie doch praktisch immer bereit, ihre Notizen zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Hilfe und einen sprachbedingten Mehraufwand sind auch diese Prüfungen zu bewältigen. Einige wenige Professoren sind auch bereit für die Erasmusstudenten mündliche Prüfungen durchzuführen, wo sie im Normalfall etwas mehr Rücksicht auf die sprachliche Schwierigkeit nehmen.

Als Erasmusstudent muss man immer darauf achten, in den Listen mit den die Prüfung absolvierenden Studenten aufgenommen zu sein. Sehr häufig muss man die Koordinatorin darum beten, dies nachzuholen.

Leben/Freizeit

Die Wallonen (so werden die Belgier genannt, die im französischsprachigen Teil Belgiens leben) sind im Normalfall sehr hilfsbereit, freundlich und feiern sehr gerne. Liège ist eine Studentenstadt mit Studentenvereinigungen die sehr häufig grosse Feste organisieren. Das Carré ist das eigentliche Ausgangsviertel und ist unter den Studenten sehr beliebt. Dort herrscht eigentlich immer an jedem Abend eine sehr angenehme und ausgelassene Stimmung. Das Carré besteht in 2 von kleinen Bars gesäumten Strassen.

Die Wochenende eignen sich sehr um zu reisen. In Belgien kann man eine 10-Fahrtenkarte für 90 Euro kaufen. Dies hat mir erlaubt, das Land zu bereisen. Ich war beeindruckt von der Schönheit der flämischen Städte wie Brügge, Gent, Antwerpen, Brüssel und Leuven. Zudem liegt Lüttich nur 3 Zugstunden von Amsterdam und 2 Zugstunden von Paris entfernt. Es lässt sich allerlei unternehmen.

Die Batte, der Markt der jeden Sonntag an der Maas in Liège statt findet, ist unter den Studenten auch beliebt. Einerseits bietet die Batte die Möglichkeit billig Früchte und Gemüse zu kaufen, zum anderen hat sie seinen ganz eigenen Charme.

Ich kannte niemanden, als ich in Liège ankam, so war ich vor der Abreise auch ziemlich nervös. Doch sind auch alle anderen in der gleichen Situation und auf Suche nach Kontakten. So bleibt man nicht lange alleine. Im Studentenheim schon konnte ich schnell viele Kontakte knüpfen. Das Studentenheim ist in drei Blöcke aufgeteilt, wovon einer nur von Erasmusstudenten bewohnt wird. Einerseits ist es schade, da dadurch Kontakte zu Belgiern nur schwierig zu knüpfen sind, aber anderseits lernt man viele verschiedene Kulturen kennen. Der Nachteil besteht einfach darin, dass unter den Erasmusstudenten häufig Englisch gesprochen wird. Mit etwas Eigeninitiative ist es aber meistens nicht schwierig, die anderen Mitbewohner zu motivieren, französisch zu sprechen. Ich hatte das Glück, auf demselben Stock mit ein paar Belgiern zu wohnen, die in den belgischen Blöcken kein Zimmer bekommen hatten. Dank ihnen konnte ich mein Französisch verbessern und die belgische Kultur wirklich kennen lernen.

Die Verantwortlichen für die Erasmusstudenten informierten uns wöchentlich per Mail über Theaterveranstaltungen, Konzerte und über das sonstige grosse kulturelle Angebot. Meistens sind sogar verbilligte Tickets beim Vorweisen der Studentenkarte erhältlich.

Ich habe hier viele Personen aus den verschiedensten Ländern Europas kennen lernen könne und mit ihnen viel unternommen. Dies war für mich sehr bereichernd und einige davon werden mir bestimmt als Freunde erhalten bleiben.