Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Berlin ist eine Erasmus-Stadt. Oder zumindest eine Studenten-Stadt, so dass man zeitweise den Eindruck kriegt, in Berlin eigentlich keine Berliner zu treffen. Wahrscheinlich liegt das aber einfach an der Grösse und der Vielseitigkeit der Stadt, die allen die Möglichkeiten bietet, sich an den Orten, mit den Leuten zu treffen, die man im Verlaufe von zwei Semestern kennen und lieben lernt. Berlin ist also gar nicht so unpersönlich und so unübersichtlich, wie das Grossstädte suggerieren können. Viele Berliner kriegen in der Stadt keinen Studienplatz, der schon vom Münchner mit dem besseren Abizeugnis belegt ist, was mir hier viele SchicksalsgenossInnen beschert hat. Vielleicht habe ich es den vielen Berlinliebhabern unter den Deutschen zu verdanken, dass ich nicht in den Schweizer-Erasmus-Studis-Treffen Sog geraten bin. Aber diese Möglichkeiten stehen denjenigen, die Lust haben, in Berlin auch einmal Dialekt zu sprechen durchaus offen.

Der Sommer in Berlin ist auf jeden Fall unvergleichlich - ebenso wie der Winter, der allerdings eher weniger zu empfehlen ist. Insbesondere wenn man die Stadt erst noch kennenlernen muss.

In zwei Semestern lernt man zwar die Stadt erst langsam kennen. Für die persönliche Erfahrung also auf jeden Fall anzuraten. Akademisch ist zu empfehlen, sich schon im Voraus geanken zu machen, was man lernen will und v.a. bei wem. In zwei Semestern kann man einen Dozenten kennenlernen und wirklich was profitieren. Bei dem grossen Angebot der vielen Unis in Berlin, besteht jedoch die Gefahr, einfach viel Zeit zu brauchen um die richtigen Profs zu finden und es gab Zeiten, da habe ich mir einige wehmütige Blicke auf das Zürcher KVV nicht verkneifen können. 

Vorbereitung

Die Dokumentationen der jeweiligen Erasmus-Büros waren ausgezeichnet. Speziell von Berliner Seite wurden mir sehr übersichtliche Informationen sowohl das Studium, die ganze Bürokratie, als auch das Leben in Berlin betreffend per Mail zugesandt. 

Mit den zwei drei benötigten Papieren und Unterschriften bin ich ohne weitere Vorbereitungen aufgebrochen.

Wie bereits erwähnt, würde ich empfehlen sich früh genug über Lehre und Dozenten zu informieren.  

Ankunft

Es lohnt sich, schon einige Zeit vor Studienbeginn in Berlin anzukommen. Dann hat man genügend Zeit, sich eine Wohnung zu suchen, die Stadt schon mal ein wenig wirken zu lassen und den ganzen Administrativ-Kram zu erledigen. 

Letzteres empfiehlt sich sofort in Angriff zu nehmen und ist schnell und eingentlich problemlos erledigt, folgt man den Tipps des Erasmus-Büros in Berlin (wurd mir per Mail zugesandt). 

Ein Fahrrad und ein Stadtplan sind unerlässliche - na ja, auf jeden Fall sehr nützliche - Hilfsmittel beim Kennenlernen der Stadt.

Es versteht sich von selbst, dass man sich genug Zeit auch während der Vorlesungszeit frei halten sollte, um nicht nur in der Bibliothek zu sitzen, sondern es auch leben lassen.

Berlin ist eingentlich eine ziemlich kleine Stadt. Vielleicht ein bisschen weitläufig aber überschaubar. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe Berlin bis zu meiner Ankunft überhaupt nicht gekannt. Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, bin ich mit Rucksack und Sporttasche los und habe mich erstmal in einer Herberge einquartiert. Via Internetsuche habe ich dann überraschend schnell eine ausgezeichnete WG gefunden. Der Wohnungsmarkt ist gross, aber speziell zu Studienbeginn auch die Nachfrage nach Zimmern. Mit ein wenig Selbstvertrauen und dem chicken kuhschweizer Akzent findet aber jeder was er sucht.

Bei einer Stadt wie Berlin die weitläufig und sehr widersprüchlich ist, ist es wohl zu empfehlen, dem gewählten Stadtteil, also dem Bezirk oder gar dem Kiez keine zu geringe Bedeutung zuzumessen. Das Leben spielt hier wirklich überall ein wenig anders und wenn man sich hier richtig wohlfühlen will, sollte man sich die Freiheit nehmen, sich den dazu passenden Ort genauer aus zu wählen.

Speziell die Anfahrtszeit zur Uni sollte hier keine Rolle spielen. Die HU ist von den meisten Orten gut zu erreichen, die FU von keinem. Zumindest von keinem an dem man gerne wohnen wollte.

Universität

Für Geisteswissenschaften kommen in Berlin zwei Unis in frage. Die Humboldt und die Freie Uni.

Egal an welcher man sich einschreibt, Kurse können ohne nachfragen und Probleme an beiden Unis gleichberechtigt besucht werden. Die Wahl einer Uni dient also vorerst mal den Austauschformalitäten. Das Studium lässt sich (noch) völlig frei organisieren.

Ich bin an der FU eingeschrieben und habe auch mit Schwerpunkt dort studiert. Das Institutsgebäude für Geschichte ist klein und persönlich und so ist auch die Lehre. Selten Massenveranstaltungen, gute Betreuung und Interesse der Lehrenden an den Studis, angeregte und hochstehende Diskussionen während den Seminaren untern den Studis - was mich besonders beindruckt und gefördert hat.

Die Bibliothek ist allerdings eine Präsenzbibliothek, was mich dazu gebracht hat, oft auf andere Bibliotheken auszuweichen, insbesondere die Staatsbibliothek (Stabi), deren ganzer Bestand ausgeliehen werden kann. 

Leben/Freizeit

Erst habe ich mich ein wenig erschlagen gefühlt von der Fülle des kulturellen
Angebots in Berlin. Tausend gemütliche Cafés und Bars, Kellerkonzerte, Flohmärkte, Bühnen, sehr viele Grünflächen, um die von Fühling bis Herbst immer was los ist. Ziemlich schnell habe ich habe ich jedoch gefiltert, was nicht heisst, dass neben dem Besuch von bekannten Orten nicht auch immer wieder Ausflüge in neue Eckkneipen und Strandbars aufregend sein können. 

Sehr zu empfehlen sind die vielen Theater in Berlin, die prima Studentenpreise bieten. Aber im Prinzip ist eigentlich alles billiger als in Zürich, was für niemanden eine neue Erkenntnis sein wird.

Ich werde es auf jeden Fall vermissen ganz unbekümmert und spontan mir den Bauch in einer meiner Lieblingsrestaurants voll zu schlagen.