Erfahrungsberichte

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Wer

nbunschoten[at]gmx.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Musikwissenschaften (7760)

Gesamteindruck

Mein Gesamteindruck des Studienausstausches ist ein durchwegs positiver und ich würde jedem Studenten empfehlen, sich eine solche Erfahrung nicht entgehen zu lassen! Nicht nur verursacht der Einblick ins Studium an einer anderen Universität eine Horizonterweiterung, auch die Kontakte mit fremdländischen Studenten,Österreicher oder andere Austauschstudenten, sind eine enorme Bereicherung. Wien spezifisch bietet ein riesiges Angebot an Kultur, das man zu vergleichsweise sehr erschwinglichen Preisen geniessen kann (Stehplätze). Vor allem im Bereich klassischer Musik ist das Angebot unvergleichlich.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen verliefen sehr unkompliziert, mit wenig Papierkrieg, obwohl die zürcher Musikwissenschaft damals noch nicht ins ERASMUS-Programm eingebunden war und ich fachfremd gehen musste. Ein WG-Zimmer habe ich übers Internet gefunden, war etwas schwierig, weil die meisten ihre zukünftigen Mitbewohner auch gern persönlich kennenlernen möchten. (was eigentlich auch zu empfehlen ist. Ich habe es dann mit der ersten WG nicht so gut getroffen und bin nach einem halben Jahr umgezogen).

Ankunft

Ich bin mit meinem Vater und 4 Koffern im Zug angereist (auf dem Hinweg ging das noch, zurück ist er mich mit dem Auto holen gekommen). Wir haben uns dann einen Kleinbus gemietet um die Möbel transportieren zu können (mein Zimmer war unmöbliert). Ich hatte mir zuvor über ebay in Wien ein Bett ersteigert, das wir dann abholten (hab es dann später meiner Nachmieterin verkaufen können).

Ich bin schon etwa 1,5 Monate vor Studienbeginn angekommen und hatte also viel Zeit mich schon mal ein zu leben. Leider greift das Buddy-System so früh noch nicht, als ich endlich einen bekam, brauchte ich eigentlich keinen mehr... Mit meinen Mitbewohnern verstand ich mich aber zu diesem Zeitpunkt noch gut und sie haben mich herumgeführt und standen bei Fragen zur Verfügung.

Etwa 1 Monat vor Studienbeginn gibt es die ESN-Einführungen (Stadtführung, Heuriger...). Dort trifft man dann auf andere Erasmus-Studenten, bekommt den Studentenausweis, wird über das Meldewesen informiert, etc...

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mein WG-Zimmer übers Internet gefunden, ein sehr kleines, aber feines Zimmer in einer superschönen Wohnung im 9. Bezirk. Leider habe ich mich auf Dauer nicht mit den Mitbewohnern vertragen und bin dann umgezogen in den 19. Bezirk. Das ist so etwa der Züriberg Wiens mit vielen Villen und grossen Gärten, sehr schön! Etwas weiter draussen zwar, aber es hat mir gefallen, aus dem Fenster ins Grüne zu schauen. Im Vergleich zu Zürich ist das Wohnen in Wien relativ billig. Studentenheime verlangen jedoch horrende Kautionen und da sie über die ganze Stadt verteilt sind, läuft man Gefahr, sehr weit draussen zu landen (Eine Mitstudentin hatte 1 Stunde Weg...). Ich glaube, ich bin mit den WG-Zimmern ganz gut gefahren.

Universität

Studieren in Wien ist leider zumindest für Musikwissenschaft nicht so gut wie das sonstige Leben. Es gibt sehr viel mehr Studenten als in Zürich, worunter die Betreuung manchmal etwas leidet. Ein Seminar mit 60 Leuten ist eben nicht dasselbe wie eines mit 10... Ausserdem ist die Qualität der Dozenten sehr unterschiedlich, man muss v.a. wissen, bei wem man studieren möchte und weniger welches Thema. Bei vielen Dozenten ist es nicht üblich, dass sie dei Seminararbeiten lesen, sie werden nur durchgeblättert und dann benotet, Besprechungen gibt es auch nicht. Ein weiteres Problem ist, dass das Studium extrem breitgefächert ist, da auch Musikethnologie und Systematik integriert werden. Im Grundstudium werden v.a. Einführungsveranstaltungen besucht, wodurch die Studenten, wenn sie ins Hauptstudium kommen, eigentlich noch sehr wenig wissen. Darunter leidet wiederum die Qualität der Seminare, die in erster Linie aus Referaten bestehen. Wenn man jedoch nicht gerade die überloffenen Veranstaltungen besucht, kann man durchaus auch Glückstreffer landen und Veranstaltungen mit engagierten Studierenden und Professoren finden. Und Wenn man die Gelegenheit nützt und öfter als gewöhnlich in Konzerte geht gewinnt amn viel an Hörerfahrung und Repertoire, was für das manchmal unbefriedigende Universitätsleben mehr als entschädigt!

Leben/Freizeit

Das Kulturangebot Wiens ist, wie gesagt kaum zu übertreffen. Es gibt jeweils zwei grössere Opernhäuser, Konzerthäuser und Theater, für die man preiswert Stehplatzkarten kaufen kann. Für klassische Musik ist die Stadt ein Mekka, zu dem alle möglichen Berühmtheiten pilgern, die man sich dann auch anschauen kann, wobei man sich zumindest bei der Staatsoper jedoch mit langen Wartezeiten abgeben muss (für Stars wie Netrebko oder Villazon muss man sich mindestens! 5-6 Stunden vorher anstellen). Neben diesen grösseren Veranstaltern gibt es noch unzählige kleinere Theater- und Konzertorte, für die man eigentlich kaum noch Zeit aufbringt.  Ausserdem gibt es zahlreiche Museen mit oft sehenswerten Ausstellungen (allerdings nicht ganz so preiswert...). Und wenn man nicht gerade auf Kulturjagd ist, kann man sich in einen der vielen Pärke setzen oder die legendären Kaffeehäuser besuchen und Wiener Melange trinken (besonders empfehle ich Demel, Hawelka und Schwarzenberg), abends ist es vor allem im Museumsquartier sehr gemütlich.