Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Philosophie (7160)

Gesamteindruck

Zur Entscheidung ein ERASMUSjahr zu machen: Ich würde sagen, dass ich in allen Lebensbereichen sehr von meinem Aufenthalt in Berlin profitiert habe. Es tut einfach gut, mal eine andere Universität zu erleben und neue Inputs durch neue Dozenten zu kriegen! Natürlich ist die Zeit schnell vorüber gegangen, aber man kann in einem Jahr doch einiges machen und sich ziemlich intensiv auf die fremde Stadt einlassen.

Zur Wahl von Berlin als Ziel meines Aufenthalts: Ich bin froh, nicht ins fremdsprachige Ausland gegangen zu sein, weil ich so gleich von Beginn an aktiv an den Lehrveranstaltungen teilnehmen und mich auch aufs Studium konzentrieren konnte und nicht erstmal an meinen Sprachkenntnissen arbeiten musste.  Um neue Leute und andere Philosophiestudenten kennen zu lernen war Berlin sicher eine gute Wahl, denn zumindest im Universitären Umfeld sind die Leute da sehr sehr offen und man lernt 'automatisch' Leute kennen; sowohl andere ERASMUSstudenten (von denen es ausserordentlich viel hat an der HU) als auch deutsche Studenten.

In diesem Sinne bin ich mit dem vergangen Jahr sehr zufrieden. 

Vorbereitung

Ich habe mich wenig auf meinen Aufenthalt in Berlin vorbereitet.

Den Entschluss das ERASMUSjahr zu machen, habe ich ziemlich spontan gefällt und mich dann beim Fachkoordinator angemeldet. Danach gab es eine kurze Verwirrung, da ich dachte (wurde mir auch so gesagt), dass ich danach nur noch auf eine Meldung aus Berlin zu warten hätte. Tatsächlich musste ich noch ein weiteres Formular (eines der Universität in Berlin) ausfüllen und mit einer Bestätigung der Uni Zürich nach Berlin schicken. Da habe ich dann auch gleich einen Platz in einem Wohnheim in Berlin beantragt.

Ansonsten habe ich die Checkliste, die ich aus Berlin bekommen hatte studiert um alle nötigen Abklärungen zu treffen (ist meine Krankenkasse auch im Ausland gültig? etc.) und die erforderlichen Dokumente mit zu nehmen.

Abgesehen von all diesen formalen Sachen habe ich mich nicht vorbereitet, da ich zwei Tage vor meiner Abreise die Zwischenprüfung in meinem Nebenfach (den Deutsch-Akzess) hatte und davon vollständig absorbiert war. Natürlich hatte ich mit meinem Freund und meiner Familie abgeklärt ob alle einverstanden sind damit und ob das finanziell überhaupt in Frage kommt etc, doch diese Gespräche hatten eigentlich alle schon vor meiner Anmeldung stattgefunden.

Ankunft

Ich reiste ungefähr drei Wochen vor Semesterbeginn nach Berlin, weil mir für dieses Datum ein Termin für meine Einschreibung an der Universität zugewiesen wurde. Für die ersten zwei Wochen kam mein Freund mit, der mich beim transportieren der vielen Sachen, dem Einrichten der Wohnung und dem Gang durch die Ämter und Behörden unterstüzte.

Die Anmeldung an der Universität erfolgte alles in allem relativ problemlos, wobei es nicht immer ganz einfach war herauszufinden an wen man sich mit welchen Problemchen wenden muss bzw. wie vorgegangen werden sollte um sie zu beheben. Insbesondere die Mitarbeiterinnen des Amt für Internationale Angelegenheiten an der HU (allen voran Frau Mücke) erwiesen sich oft als nicht sehr kompetent. Weitere bürokratische und andere Hürden waren zu überstehen: Telefon- und Internetanschluss, Handykarte, Bankkonto etc. wollen erst eröffnet sein! Das Meiste funktionierte erst nach mehrmaligem Nachfragen bzw. im zweiten Anlauf, was aber nicht so schwierig zu ertragen war, da ich wusste, dass es vielen anderen ebenso ergieng.

Neben der Einschreibung an der Uni waren diverse andere Dinge zu erledigen. Sehr dankbar war ich, dass es an der HU einen Service gibt, der für die ausländischen Studenten die Aufenthaltsgenehmigung organisiert. Dieser Service hat zwar auch nicht so reibungsfrei funktioniert wie erwartet, doch es war sicher viel einfacher über diesen Service zur Aufenthaltsgenehmigung zukommen als einen Termin bei der völlig überlaufenen Ausländerbehörde zu kriegen!

Grössere Assimilierungsprobleme oder ein Von-der-Stadt-überwältigt-sein blieben aus, vermutich da ich mich nicht im fremdsprachigen Ausland befand und da ich die Stadt schon ziemlich gut kannte (ich habe mehrere Verwandte da) und wusste worauf ich mich einlasse.

Neben Formalitätenkram und Sightseeing stand in den ersten Wochen vor allem auch ein Erkunden der fremden Universität auf dem Programm: ich habe die kommentierten Vorlesungsverzeichnisse studiert und bin durch die Gebäude gestreift. Es hat sich dabei herausgestellt das eigentlich alles ziemlich ähnlich läuft wie in Zürich! Wobei noch anzumerken ist, dass hier vielleich doch ein kleiner Schock eintraff: die Räumlichkeiten der HU sind teilweise ziemlich heruntergekommen. Bis am Ende meines Aufenthalts konnte ich es manchmal kaum fassen in was für dreckigen und 'sanierungsbedürftigen' Räumlichkeiten da unterrichtet wird. Dies ist jedoch nicht falsch zu verstehen: ich finde es durchaus charmant wenn nicht alles so auf hochglanz poliert ist und man die Geschichte der Universität förmlich spüren kann.

Zimmersuche
Wohnen

Ein Zimmer hatte ich mir schon von Zürich aus, durch das Amt für Internationale Angelegenheiten der HU, organisieren lassen. Auf diesem Weg wird einem ein Platz in einem Studentenwohnheim im Osten Berlins zugewiesen, den man sich nicht selbst auswählen kann. Ich wusste auch erst kurz vor meiner Ankunft, ob ich Bad und Küche mit anderen Leuten teilen müsste. Dies war nicht der Fall. Ich bekam ein kleines Ein-Zimmer-Appartment, das mit Bett, Arbeitstisch, Kleiderschrank und Bücherregal ausgestattet war. Vom Leben im Wohnheim konnte ich so leider nicht gross profitieren, denn alles war sehr anonym, da jeder seine eigene Infrastruktur in der Wohnung hatte und man sich höchstens im Flur kurz begegnete, da es auch kein Café, Aufenthaltsraum oder ähnliches gab.

Das Wohnheim (Aristotelessteig) ist nicht sehr zentral gelegen und im Quartier, das ein reines Wohnquartier ist, gibt es fast keine Ausgehmöglichkeiten. Deshalb hatte ich anfangs überlegt, im laufe des Jahres umzuziehen in eine zentralere Gegend. Dies habe ich dann aber aus mehreren Gründen doch nicht getan: Erstens war das Wohnheim für den Komfort, den es bot ziemlich günstig, zweitens hatte ich mich an die ruhige und vor allem grüne Umgebung (gleich hinter dem Haus lagen Schrebergärten und bei der U-Bahnstation lag der riesige Ostberliner Tierpark) gewöhnt und drittens genoss ich auch die Möglichkeit ein weniger bekanntes Gesicht der grossen Stadt zu erkunden.

Ausser für den Ausgang am Abend war die nicht so zentrale Lage auch gar kein Problem, denn verkehrstechnisch ist das Wohnheim ziemlich gut erschlossen. Mit der U-Bahn ist man in 15min am Alexanderplatz von wo aus es nur noch wenige Busstationen zum Hauptgebäude der HU sind, in welchem meine Veranstaltungen hauptsächlich stattfanden.

Universität

Vom Organisatiorischen her funktioniert an der HU alles ziemlich ähnlich wie an der Uni Zürich. Die Studenten, die im selben Semester studieren wie ich, studieren ebenfalls noch im Magister/Liz-system. Ich konnte mich also ganz auf die Seminare konzentrieren, da mir die Rahmenbedingungen vertraut waren.

Hauptsächlich habe ich mich für das ERASMUSjahr entschieden, weil ich der Meinung bin, dass es für die eigene Kompetenz sehr wichtig ist, auch zu wissen, was an anderen Universitäten angeboten wird und was da für Meinungen vertreten werden, wie da Argumentiert wird etc. Das Fazit ist, dass die Unterschiede zwischen Zürich und Berlin nicht wahnsinnig gross sind. Doch auch das Lernen bei anderen sehr kompetenten Dozenten eröffnet neue Sichtweisen, die mir sehr viel gebracht haben.

Vor allem im Herbstsemester war das Angebot sehr vielfältig und für mich sehr interessant. Leider konnte ich nicht alles besuchen, was mich interessiert hätte. Hauptsächlich habe ich micht auf zwei Philosophieseminare konzentiert und habe dabei unglaublich viel gelernt. Zu Beginn war ich etwas erschrocken über das hohe Niveau der Diskussion, doch damit war mein Ehrgeiz geweckt. Da ich sonst nicht viel Bekanntschaften und Verpflichtungen hatte in Berlin, konnte ich mich voll ins Thema einarbeiten. Dadurch habe ich nicht nur über die besprochenen Texte selbst, sondern auch über aktuelle Debatten sehr viel gelernt, wohl mehr als es mir in Zürich möglich gewesen wäre.

Das Sommersemester war dann etwas weniger interessant. Das Angebot an Lehrveranstaltungen entsprach nicht so meinen Interessen. Ich habe trotzdem einige gute Veranstaltungen gefunden und nebenbei für noch anstehende Prüfungen in Zürich gelernt.

Was ich anfügen möchte ist, dass ich in dieser Zeit in Berlin, wohl dadurch, dass sich mein Bekanntenkreis hauptsächlich aus anderen Philosophiestudenten zusammensetzte, begonnen habe auch abends an Vorträge etc. des Instituts zu gehen. Für die Kenntnis und das Verständnis von aktuellen Debatten der Philsosophie war das sehr hilfreich und ich werde versuchen diese gute Angewohnheit auch nach Zürich mit zu nehmen.

Leben/Freizeit

Vom riesigen Angebot an Freizeitaktivitäten in Berlin habe ich nicht wahnsinnig viel gebrauch gemacht. Hin und wieder bin ich ins Theater, leider viel zu wenig!! Ein paar mal bin ins Konzert oder die Oper und manchmal ins Kino. Da bin ich vor allem Stummfilme mit live Klavierbegleitung schauen gegangen, etwas was man in Zürich leider nicht allzu oft findet. Ehrlich gesagt, war ich vom riesen Angebot in Berlin fast etwas überfordert. Es gibt riesen Listen was man im Theater alles so sehen könnte und man hat praktisch von allem noch nichts gehört. Das macht es sehr schwierig was auszuwählen!

Die zwei Dinge die ich fast am meisten genossen habe an Berlin sind erstens, dass man die ganze Woche zu jeder Tages oder Nachtzeit nach Hause kommt, entweder mit U-Bahn oder mit den Nachtbussen und zweitens, dass die Küchen in den Restaurants nie geschlossen sind. So kann man seinen eingenen Rhythmus voll ausleben.

Eine wunderbare Möglichkeit seine Freizeit in Berlin zu verbringen sind die vielen riesigen Parks und die unzähligen Seen in der und vor allem um die Stadt. Ich hatte das Glück ein Fahrrad zu haben, so dass ich mich auch in vernünftigem Zeitrahmen in den Parks bewegen konnte.