Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

05/06 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Mathematik (8160)

Gesamteindruck

Berlin als Stadt im Sommer ist wundervoll. Das Leben spielt sich hauptsächlich auf der Strasse ab, meistens in den Strassencafés, sogar zur späten Stunde. Es ist praktisch unmöglich, alles kennenzulernen in einem halben Jahr, nach ein paar Monaten etablieren sich die eigenen Favourits. Bei den meisten Leuten ist die Universität (gerade im Sommer) wohl Nebensache. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die FU nicht gerade zentral liegt. Was das Studium anbelangt, unterscheidet es sich nicht gross von Zürich. Diejenigen, die nach dem Bachelor-Master studieren, werden wohl keine Probleme bekommen. Für die anderen reicht eine kurze Absprache mit dem Dozenten, um abzuklären, was zur Anrechnung an der Heimatuni benötigt wird. Alles in allem sehr unkompliziert, sieht man davon ab, dass es natürlich anstrengend ist, sich einzuleben: Wo ist der Caféautomat, wie bezahlt man in der Mensa, wo ist der nächste Copy-Shop, wo kriegt man das Skript, wo ist die nächste Fachbuchhandlung, wo schreibt man sich ein, usw... Das ständige Suchen am Anfang des Auslandsemesters findet selbstverständlich auch im Alltag statt: Wo ist der nächste Supermarkt, wo das Meldeamt, wo das Erasmusbüro, wo muss ich das Bankkonto eröffnen und...

Wer sich jedoch zu organisieren weiss und die nötige Neugierde besitzt, kann nach ein paar Wochen den U- und S-Bahn-Plan auswendig und kennt sich in Berlin gleich, wenn nicht schon besser aus, als die in Berlin lebenden....

Vorbereitung

Ganz wichtig bei der Vorbereitung ist das Konsultieren des Internets. Obwohl in Berlin noch nicht alles so internetlastig wie in Zürich (oder allg. in der Schweiz) ist, kriegt man von dort (der Unihomepage) die wichtigsten Informationen. Wichtig ist das Abklären, bezüglich Einschreibung zu den verschiedenen Seminaren, Proseminaren oder Vorlesungen. Oft ist es möglich, sich Online zu registrieren, ansonsten hilft ein kurzes Abklärungsgespräch, mit dem Erasmusverantwortlichen des betreffenden Instituts. Wichtiger aber sind die Papiere, die benötigt werden, um sich zu immatrikulieren. Auf der Erasmus-Seite der betreffenden Universität findet man eine Auflistung (Visa, Versicherung, Erasmus-Bestätigung usw...). Diese Unterlagen sind dringend nötig, um sich beim Meldeamt zu registrieren und um sich zu immatrikulieren. 

Ankunft

Sofern man schon ein Zimmer hat (was sehr empfehlenswert ist, denn entgegen aller Stimmen, dauert es doch eine Weile, bis man was passendes gefunden hat), ist fast das allererste, was erledigt werden muss: der Gang zur AOK und zum Meldeamt. Das AOK bestätigt die Gültigkeit der Versicherung (für diejenigen, die bei ihrer Schweizer-Versicherung Ausland-versichert sind, was in den meisten Fällen so ist), das Meldeamt gibt die Bescheinigung, dass der Wohnsitz in Berlin ist. Ohne diese beiden Zettel, sowie den Personalausweis, kommt man hier in Berlin nicht weit. Bei den meisten Registrierungen (Immatrikulation, Bibliothek, Videothek...) muss man die Meldebescheinigung, sowie den Personalausweis zeigen, beim Gang zum Arzt, ist der AOK-Zettel vorzulegen.

Zimmersuche
Wohnen

Am besten ist natürlich, wenn man schon Leute kennt, die was kennen, was man beziehen kann. Da man in solchen Sachen nicht immer alleine auf Beziehungen zählen kann, ist die effizienteste Methode der Zimmersuche wohl wiederum das Internet. Am besten ist es, sich vorher im Klaren zu sein, in welchem Gebiet man das Zimmer sucht, denn Angebote gibt es zuhauf. Empfehlenswert für Erlebnisleute sind die Stadtgebiete Prenzlauerberg, Friedrichshain und Kreuzberg. Abzuraten (auch als Aufenthaltsort) sind die berüchtigten Szenen der Rechtsradikalen, wie Pankow, Lichtenberg, insbesondere Marzahn. Dem einen oder anderen dürfte es wohl auch mulmig werden, sich bei Nacht alleine in Wedding auf der Strasse zu befinden oder am Hermannsplatz. Die Gangster-Szene befindet sich hauptsächlich in Neukölln. Natürlich ist nicht gleich das ganze Gebiet betroffen, meistens spielt sich die Szene im Umkreis einer Haltestelle ab. Eine Haltestelle weiter, bekommt man schon wieder die alternative Szene zu sehen. Was ich damit sagen wollte: es lohnt sich, vorher abzuklären, wohin man zieht, nicht, dass man im Wespennest landet.

Gerade im Prenzlauerberg sind die Preise in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt, trotzdem ist es möglich, sehr billig ein tolles Zimmer zu ergattern, wenn auch schwieriger. Ab 330 Euro ist die obere Grenze, die man zu zahlen bereit sein sollte, es sei denn, es ist eine grosse Einzimmerwohnung oder ein tolles grosses Zimmer an toller Lage. Durchschnittlich kostet ein Zimmer so um die 250 Euro warm.

Falls einem das Internet wichtig ist, empfiehlt es sich, nach diesem Kriterium zu suchen, da es in Berlin noch lange keine Selbstverständlichkeit ist, Internetanschluss zu haben. Natürlich gibt es all die Internetcafés oder Cafés mit W-Lan; dies kann aber nach einiger Zeit, wenn man oft im Internet zu tun hat, sehr anstrengend werden. 

Universität

Bei der Universität ist eigentlich nur zu sagen, dass bezüglich Vorlesungssaal immer zu schauen ist, welche U-Bahnstation angegeben ist (es gibt mindestens zwei Grunewaldstrassen in der Stadt und an beiden sind Vorlesungsräume beispielsweise). Es empfiehlt sich, an den Erasmus-Einführungstagen dabei zu sein, um eine Führung zu bekommen. Alles kann man sich eh nicht merken, aber es geht ja eher um das Schon-Einmal-Gesehen-Haben. Da das Mensa-Essen praktisch gleich teuer wie in der Schweiz war, hab ich die FU-Hauptmensa nur wenig mit meiner Anwesenheit beglückt und kann dazu wenig sagen. Für all diejenigen, die Filmwissenschaft, Musik oder Theater studieren: es gibt in diesem Gebäude ein Café, wo man sich selber Brote schmieren kann für 1 Euro. Café kriegt man für 50 Cent (plus 50 Cent Pfand für die Tasse).

Leben/Freizeit

Da ich nicht so der Klubgänger bin, kann ich hier wenig Tips abgeben (ausser vielleicht das Week-End und das RIO). In Kreuzberg gibts super Essen an der Bergmannstrasse, Cafés an der Oranienstrasse und Places-to-be im Bereich Gräfestrasse oder um den Görlitzer-Park. In Prenzlauerberg kriegt man alles am Helmholtzplatz. Die Kastanienallee ist eher zum shoppen da und wenn man kostenlos per W-Lan ins Internet möchte, dann bietet sich das St.Oberholz am Rosenthalerplatz oder das Coffee to go an der Kastanienallee an. Allgemein hab ich mich in der Freizeit am meisten in Mitte (Hackscher Markt, Friedrichstrasse), Prenzlauerberg (Helmholtzplatz, Kastanienallee, Zionskirchplatz-Umgebung und Rosenthalerplatz) aufgehalten, in Kreuzberg die oben erwähnten Orte. Am besten kauft man sich die Zitty oder den Tip (ich habe immer die Zitty gekauft, aber es ist wohl Gewöhnungssache), da steht alles drin über Theater, Kino, TV-Programm, Partys, Konzerte und vieles mehr. Die Zeitschrift kommt alle 2 Wochen raus und ist auch nicht so teuer... Ansonsten lohnt es sich ein Fahrrad zu kaufen, so lernt man die Stadt gut kennen. Zudem kann man mit dem Semesterticket das Fahrrad auch in die U-Bahn oder S-Bahn mitnehmen!