Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

05/06 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Berlin ist eine grossartige, lebendige Stadt. Und grossartig war auch mein Berlinaufenthalt. Bei der Anmeldung gab es zwar einige Probleme, doch nach der Ankunft verlief alles relativ reibungslos. Die Erasmusstudenten werden sehr freundlich betreut und das grosse Angebot an Veranstaltungen für Erasmusstudenten hilft, schnell Leute kennen zu lernen. So habe ich die ersten, schwierigeren Tage schnell überwunden und das Austauschsemester war nur noch eine tolle Erfahrung.

Das Austauschsemester war für mich persönlich sehr wichtig, hat mich auch selbstsicherer gemacht. Daneben war es auch fachlich eine grosse Bereicherung und ich kann es nur weiterempfehlen. An der Humboldt-Universität zu Berlin ist das Angebot an Veranstaltungen viel breiter als an der Universität Zürich und man kann auch die Veranstaltungen der Freien Universität besuchen. Das heisst, dass auch andere Themenschwerpunkte angeboten werden als in Zürich. Das hat einen frischen Wind in mein Studium gebracht und wirkte sehr motivierend auf mich.

Mein Gesamteindruck ist also auf allen Ebenen positiv und ich würde sofort nochmals ein Austauschsemester machen.

Vorbereitung

Wenn man ins Ausland geht, muss man einiges vorbereiten. Durch das Programmstudium wird jedoch alles viel unkomplizierter. Es ist einfach wichtig, dass man sich die nötigen Unterlagen zusammensucht und diese dabei hat. Die Humboldtuniversität hat da sehr gute Richtlinien für Erasmusstudenten auf ihrer Website.

Weiter muss man sich eine Wohnung organisieren. Über die vielen Websites mit Wohnungsmärkten geht das relativ leicht. Dennoch bin ich vor meinem Aufenthalt einmal nach Berlin gereist und habe mir ein paar WGs angschaut. So konnte ich dann auch viel ruhiger Abreisen, da ich wusste, dass ich in einer tollen WG wohnen würde. In Zürich habe ich auch schnell eine Untermieterin für mein WG-Zimmer gefunden.

Die Vorbereitungen hielten sich also sehr in Grenzen. Das einzige, was mir Probleme gemacht hat, war, dass es mit meiner Anmeldung zweimal nicht geklappt hat. Die Universität Zürich war sehr verlässlich und mir wurde auch wirklich geholfen. Doch in Berlin haben sie zweimal meine Anmeldung verloren. Ich habe gelernt, gelassen zu sein und schliesslich hat es auch geklappt.

Ankunft

Am Flughafen Berlin Tegel wartete glücklicherweise eine Bekannte auf mich. Allein hätte ich meinen Koffer nicht in die WG schleppen können! Ich darf gar nicht daran denken, wie ich meine Ware wieder nach Hause bringen soll! Es war schön, bei der Ankunft ein bekanntes Gesicht zu sehen, auch wenn es mir wichtig war, meinen Aufenthalt selbstständig und auf eigene Faust zu gestalten und mir selber Leute zu suchen.

Der Aufstieg in den vierten Stock unseres Altbaus war ein einziger Kraftakt. Verschwitzt und mit rotem Kopf stand ich vor meiner einen Mitbewohnerin, die mich aber auch so sehr herzlich empfangen hat. So sind auch das Gefühl des Fremdseins und die Unsicherheit sehr schnell verschwunden.

Zimmersuche
Wohnen

Über das Internet habe ich relativ leicht ein möbliertes WG-Zimmer in Berlin gefunden. Auf der Website der Freien Universität zu Berlin gibt es verschiedene Links zu WG-Suchsites, die ganz nützlich sind. Es braucht etwas Geduld, sich immer wieder die Sites nach neuen Inseraten durchzusehen, aber der Wohnungsmarkt in Berlin ist ziemlich entspannt. So findet man relativ einfach ein schönes, günstiges Zimmer in einer WG. Ich bin froh, mich für die WG entschieden zu haben. Studentenheime liegen oft eher am Stadtrand und man ist weniger spontan und hat längere Verkehrswege. So war ich meist mit dem Fahrrad unterwegs, konnte auch spontan Leute treffen und war schnell an der Uni.

Meine beiden Mitbewohnerinnen haben mir den Einstieg hier in Berlin erleichtert. Ich bin herzlich empfangen worden und habe durch sie schnell Leute kennengelernt. Zudem haben sie mich an verschiedenste Orte mitgenommen. Oder es war jemand da, mit dem man quatschen konnte, jemand für spontane Aktionen usw. Durch Evi, einer ehemaligen Ostberlinerin, habe ich viel über die Stadt und über die DDR erfahren. Wir sassen viele Stunden zu dritt in der Küche oder auf dem Balkon und genossen den Sommer. So konnte ich mich in Berlin schnell zu Hause fühlen, kam in einen schon bestehenden Haushalt und hatte nicht das Problem, noch irgendwelche Pfannen oder Möbel kaufen zu müssen.

Universität

Der Humboldt-Universität zu Berlin stehen nicht gleich viele Mittel zur Verfügung wie der Universität Zürich. Das merkt man schnell: Die Gebäude und Einrichtungen sind älter, es gibt durchaus Seminare bis zu 80 Leuten, wobei in den engen Räumen die Hälfte stehen muss.

Das Angebot an Veranstaltungen ist aber auch viel grösser und breiter. Es ist spannend, Veranstaltungen zu ganz neuen Gebieten besuchen zu können und andere Dozierende zu haben. Ich habe diese Chance genutzt und Seminare zu deutschlandspezifischeren Themen besucht. So zum Beispiel zur Geschichte der Stasi oder auch ein Seminar über den Umgang der zweiten und dritten Generation mit dem Holocaust in der Literatur. So habe ich auch viel über das heutige Deutschland erfahren, und zugleich mein Fachwissen erweitert.

Die Universität bietet ein umfassendes Programm für Erasmusstudenten an. Man kann eine Schifffahrt auf der Spree unternehmen, günstig nach Dresden reisen und vieles mehr. Auf diese Weise lernt man auch schnell andere Erasmusstudenten kennen, was vor allem am Anfang sehr angenehm ist.

Leben/Freizeit

Das Leben in Berlin ist grossartig. Es war ein wunderbarer, heisser Sommer, so dass man Berlins viele Parks und Badeseen zum Grillieren und Schwimmen nutzen konnte. In Berlin gibt es ein riesiges kulturelles Angebot, das von der Oper bis zum Designmai oder der Sandsation, von Theater bis zu Partys reicht. Ich kam nie dazu, alles zu machen, was ich eigentlich wollte. Ich erlebte wunderbare Sommerabende in Strandbars, Openairkino auf der Museumsinsel oder gemütliche Stunden draussen vor einer der vielen Kneipen und Restaurants. Das Leben in Berlin ist für uns Schweizer viel günstiger, so dass man leicht spontan mit Freunden etwas essen gehen kann, usw.

Diesen Sommer war zusätzlich die WM in Deutschland. Die Stimmung war unglaublich, fröhlich und friedlich. Ich habe in Biergärten oder auch an der Fanmeile beim schauen zuerst mit den Schweizern und danach mit den Deutschen mitgelitten und mitgefeiert und die ausgelassene Stimmung genossen.

An der Uni habe ich mich fürs Volleyball angemeldet. Es gibt zwar auch ein sehr grosses Angebot, doch anders als in Zürich muss man einen kleinen Beitrag zahlen und sich für einen bestimmten Sportkurs anmelden. Dennoch hat es sich für mich gelohnt. Über das Training habe ich auch wieder neue Leute, und vor allem auch Berliner, kennengelernt.