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Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

05/06 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Ein Erasmusaufenthalt ist meiner Meinung nach eine lohnende Erfahrung. In meinem Fall - Berlin - war offensichtlich weder die Idee, eine Fremdsprache zu lernen, noch das Kennenlernen einer anderen Kultur wichtig. Entsprechend habe ich mir von meinem Aufenthalt anderes versprochen.

Im Ausland tut man ja, was man auch zuhause macht, Leben und Arbeiten. Nur in einem neuen Umfeld - neue Orte, andere Menschen. Und abgesehen davon dass man frische Erfahrungen macht und Geschichten für's Zuhause erzählen sammelt, lernt man auch sich selbst ein wenig besser kennen. Der Aufenthalt in Berlin war für mich schön und spannend. Und ja, ich will wieder mal hin, ja, ich hab' Leute kennengelernt denen ich schreiben will. Das ist denke ich auch etwas vom Schönen was ein Auslandssemester mit sich bringt.

Vorbereitung

Neben der Suche nach einem Zimmer in Berlin bestand meine Vorbereitung hauptsächlich in der Planung meines Stundenplans an der Humboldt Uni. Sonst war da lediglich das Organisieren eines Mietautos für die Hinfahrt und die Untervermietung meines Woko-Zimmers hier in Zürich, was ohne grössere Schwierigkeiten möglich war.

Ankunft

Dank Navi und viel Glück kamen wir irgendwann gegen Mitternacht nach ca. zehnstündiger Fahrt heil in Berlin an. Da wir erheblich später als abgemacht eintrafen, mussten wir, um die Schlüssel für unsere Wohnung am Prenzlauerberg abzuholen, den Vermieter in Kreuzberg besuchen. Dank Navi ging das aber ohne stressiges Kartengesuche über die Bühne (Wir hatten vorher nach 30 Minuten Rumgefahre auf Parkplatzsuche ein Stelle im Halteverbot für völlig okay befunden).

Wir lieferten dann unser Gepäck in der Wohnung ab und gingen auf die Suche nach der hiesigen Europcarstation, die am Alexanderplatz liegt. Man hatte uns vorgewarnt dass dieser gerade eine grosse, hässliche und unübersichtliche Baustelle sei. Das war in der Tat so. Aber nach ein paar Runden um den Platz fanden wir die Filiale und nachdem wir den Wagen aufgetankt hatten konnten wir ihn schliesslich gegen 3 Uhr morgens im Parkhaus einstellen. Wir rauchten erstmal eine Zigarette und sahen uns dann mit den beiden Varianten konfrontiert, uns gleich hier vor Ort im Auto dem wohlverdienten Schlummer zu ergeben oder uns doch nochmal aufzuraffen und in die Wohnung fahren. Letztere gewann ganz knapp.

Am nächsten Tag gingen wir zum Einwohnermeldeamt um uns dort anzumelden, was trotz einiger Wartezeit recht reibungslos lief. Die Anmeldung am Auslandsschalter der HU (Orbis) war ebenfalls gut zu erledigen. Die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Insgesamt blieb das üble Ämtergerenne das wir erwartet hatten, also erfreulicherweise aus. 

Zimmersuche
Wohnen

Meine Vorbereitung für den Aufenthalt in Berlin bestand hauptsächlich aus der Organisation einer Wohnmöglichkeit. Zusammen mit einer Mitstudentin, die meine beste Freundin ist, flog ich einen Monat vor dem geplanten Einzugstermin für ein Wochenende in die deutsche Hauptstadt. Vorher hatten wir diverse Internetseiten [1] nach Wohnmöglichkeiten (WGs hauptsächlich) abgeklappert. Nach (gefühlten) 500 Telefongesprächen hatten dann wir ein paar Angebote zusammen.

In Berlin angekommen begannen wir die Angebote durchzuarbeiten, und es waren auch tatsächlich ordentliche Sachen dabei. Es gefiel uns aber nichts so richtig - wir waren zugegebenermassen auch anspruchsvoll und wollten am liebsten etwas im Stadtteil Prenzlauerberg - darum besorgten wir uns zusätzlich noch Zeitschriften mit Mietanzeigen (z.B. ist diese empfehlenswert) und führten weitere Telefonate. Schliesslich fand sich dann auch eine sehr okaye 1-Zimmerwohnung für 300 Euro inkl. Nebenkosten (dafür sagt man in Berlin Miete warm).

In Berlin ist die Wohnungssuche kein allzu grosses Problem. Von der Schweiz aus etwas zu organisieren ist zwar anstrengend, aber die Angebote sind dafür sehr zahlreich und günstig. Besonders im Osten gibt es viel günstige Wohnfläche, die relativ ideal ist für Studenten.

  • http://www.aia.hu-berlin.de/int/wegweiser/4_vor_einreise/4_4_4
  • http://www.zitty.de
  • Universität

    Die Humboldt-Uni ist sehr empfehlenswert für einen Erasmusaufenthalt. Sie bietet (zumindest in meinem Fach, der Germanistik) ein sehr breites Angebot an Veranstaltungen, grösser als beispielsweise das in Zürich. Es gibt jeweils auch spezielle, projektbezogene Angebote. So habe ich unter anderem ein Seminar Theatertexte als Spielanlässe besucht, in dessen Rahmen von kleinen Gruppen Dramentexte literaturwissenschaftlich betrachtet, aber anschliessend auch geprobt und gespielt wurden. Dies war eine sehr spannende und besondere Erfahrung. Ein weiteres Seminar speziell für Erasmusstudenten befasste sich mit textanalytischen Methoden und Techniken, die anhand von Schriften des jungen Goethe besprochen und erarbeitet wurden. Die Ergebnisse wurden am Schluss in einer Blockveranstaltung präsentiert, wobei einem die Form (Vortrag, Inszenierung, etc.) völlig freistand. Teil des Seminars war auch eine gemeinsame zweitägige Exkursion nach Weimar. Schön, wenn solche Angebote da sind.

    Das vielbeschworene Problem der überfüllten Räume ist tatsächlich eines. Allerdings kommt es sehr auf die Veranstaltung an. Bestimmte, offensichtlich populäre Angebote (dieses Semester etwa eine Kafka-Vorlesung) sind gerne überlaufen und wer auf einen Sitzplatz nicht verzichten kann, muss jeweils früh vor Ort sein. Den überfüllten Veranstaltungen stehen jedoch auch viele kleinere Seminare mit überschaubaren Teilnehmerzahlen - wie hier in Zürich - gegenüber. Dort ist auch die Betreuung durch die Dozierenden sehr gut, was man von den grossen Kursen nicht immer behaupten kann.

    Ein Nachteil des Germanistik an der HU ist, dass die entsprechenden Gebäude sich an verschiedenen Orten befinden. Sie sind zwar alle im Stadtteil Mitte, man muss aber jeweils mit 20-30 Minuten Weg rechnen, was etwas mühsam ist. Daher gibt es an der HU die (etwas gewöhnungsbedürftige) Regelung, dass die Stunden, die c.t. um 15 nach beginnen immer ohne Pause eineinhalb Stunden bis 15 vor gehen, damit die Zeit zum Pendeln reicht. Das ist für pausengewöhnte Leute eher anstrengend und macht das aufmerksambleiben nicht gerade leichter, besonders an heissen Sommertagen.

    Leben/Freizeit

    Berlin ist gross, billig und spannend.Es gibt viel anzuschauen, zu besuchen und zu erleben. Das Kulturangebot ist wohl praktisch konkurrenzlos. In wenig anderen Städten gibt es so viele Museen, Theater und Konzerthäuser wie hier. Wer sich ein anspruchsvolles Kulturprogramm zusammenstellen möchte hat hier alle Möglichkeiten dazu. Clubs, Kneipen und Cafés jeglicher Art und jeden Ambientes gibt es ebenso. Mit dem Zubringen der freien Zeit gibt es in Berlin entsprechend wenig Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass die Stadt - nicht nur im Vergleich mit der Schweiz extrem preiswert ist. Öfter mal auswärts essen wird plötzlich erschwinglich. Was ja sehr angenehm ist.