Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

05/06 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Berlin ist eine gefährliche Stadt... Anfangs kalt, schroff und abweisend, nimmt sie einen plötzlich auf und verschluckt die Erasmus-Studenten einen nach dem anderen. Mir selber ging es nicht anders als den vielen Schweizern, die von Berlin nicht mehr weggkommen. Nach drei, vier harten Wintermonaten, in denen ich arg von Heimweh geplagt wurde, habe ich Berlin liebgewonnen und will hier gar nicht mehr weg. Um nicht bereits im Juli wieder in die Schweiz zurückkehren zu müssen, habe ich mich um einen Praktikumsplatz bemüht und bleibe nun bis Ende Dezember in Berlin. 

Vorbereitung

Im Gegensatz zu meinen Freunden, die ebenfalls Erasmus machen, hatte ich keine Probleme mit der Vorbereitung. Es bedeutet zwar einigen Aufwand und raubt viel Zeit, alle Dokumente zu beschaffen, sich um eine Wohnung zu kümmern, die Reise zu buchen etc. Aber gepaart mit der grossen Vorfreude ist das ganze Gerenne gar nicht mehr so schlimm.

Ich habe mich insofern auf Berlin vorbereitet, als ich im Juli letzten Jahres bereits für zwei Wochen hier war und die Stadt als Touristin kennengelernt hatte. Deshalb konnte ich mich nach meiner Ankunft im Oktober direkt in den Alltag stürzen, was ich als sehr positiv empfunden habe. Ich habe auch sofort angefangen hier zu arbeiten, mich einem Chor angeschlossen und überhaupt die Sachen gemacht, die ich in Zürich in meiner Freizeit auch so machte. 

Ankunft

Mein Mitbewohner Micha hat grossen Anteil daran, dass ich mich sofort gut aufgehoben gefühlt habe in Berlin. Er hat mich vom Bahnhof abgeholt, mir die Umgebung gezeigt und mir die Basics des Berliner Lebens erklärt. Ausserdem hat er auch dafür gesorgt, dass ich meinen Geburtstag, den ich 2 Tage nach meiner Ankunft gefeiert habe, nicht alleine zubringen musste. Da ich noch niemanden kannte in Berlin, hatte er einige Freunde eingeladen und mir so doch noch einen geselligen Abend beschert.

Universität

Der Betrieb an der Humboldt ist sehr ähnlich wie der in Zürich. Ich hatte keine Mühe, mich da anzupassen. Was mir jedoch von Beginn an aufgefallen ist, ist dass in den Semiaren viel lebhaftere Diskussionen stattfinden als in Zürich. Man hat das Gefühl, dass die Studenten tatsächlich dabei sind, interessiert zuhören und auch aktiv mitdenken in den Sitzungen. Die Infrastruktur der Uni, sprich die Austattung der Seminarräume, der Bestand der Bibliothek etc. ist zwar wesentlich schlechter als in Zürich, die Studenten machen aber viel mehr draus.

Als sehr positiv empfand ich die Tatsache, dass ich trotz meines Erasmus-Jahres eine Prüfung in Zürich ablegen konnte, die mir auch anerkannt wird. Da funktioniert die internationale Zusammenarbeit tatsächlich sehr gut!

Leben/Freizeit

Ich bin bewusst mit dem Gedanken nach Berlin gekommen, dass mein Erasmus-Jahr nicht ein Partyjahr werden soll wie bei anderen Studenten. Natürlich gibt es ab und zu eine Party, vor allem jetzt im Sommer, aber bei mir sollte die Uni darunter nicht leiden.

In meiner Freizeit bedeutet mir zur Zeit der Chor am meisten. Bereits in Zürich war ich im Unichor und hier habe ich mit den studiosi cantandi einen qualitativ etwas weniger guten, aber dafür im geselligen Beisammensein exzellenten Chor gefunden. Der Chor hat mir viele Freunde beschert, ohne die mein Leben in Berlin wesentlich schwerer wäre. Ausserdem habe ich dort auch meine zukünftige Mitbewohnerin kennengelernt!

Da Berlin sehr multikulturell ist, war es einfach, ein Spanisch-Tandem zu finden. Um mein Spanisch nicht gäzlich dem Dornröschenschlaf zu überlassen, habe ich bereits kurz nach meiner Ankunft ein spanischsprachiges Tandem gesucht. Tatsächlich habe ich nicht nur einen Sprechpartner gefunden, sondern einen guten Freund, durch den sich mein Freundeskreis abermals erweitert hat.

Grossen Spass macht mir auch meine Arbeit im Service. Ich hatte das Glück, nach zwei Monaten einer frustrierenden Arbeit in einem Hotel, einen Job zu finden in einem Schweizer Restaurant.  So bleibt mir das Heimatgefühl etwas erhalten, ich arbeite in einem tollen jungen Team und ausserdem fliesst das Geld jeweils Ende des Monats.