Erfahrungsberichte

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Wer

damdurrer[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

BR-
São Paulo - Universidade de Sao Paulo

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

 Mein Austauschsemester an der FEA-RP der Universität São Paulo war eine einmalige Erfahrung. Brasilien als Land, die Brasilianer und ihre unglaubliche Gastfreundlichkeit und Offenheit, die USP mit all ihren Möglichkeiten und Aktivitäten... Ich kann ein Austauschsemester in Ribeirão Preto jedem ohne Vorbehalt empfehlen.

Da ich Brasilien von früheren Aufenthalten schon gekannt habe war die Kultur für mich nicht neu. Trotzdem war ich abermals begeistert und überwältigt von der Gastfreundlichkeit und Offenheit der Brasilianer. Speziell in kleineren Städten wie Ribeirão Preto (doppelt so gross wie Zürich) freuen sich alle über den Kontakt mit Gringos. Ich hatte es noch nie im Leben so einfach, mich an einem neuen Ort zurecht zu finden und Leute kennen zu lernen.

An der USP hat es eine Studentenorganisation mit dem Ziel, Austauschstudenten den Aufenthalt so einfach und interessant wie Möglich zu machen. Dieses iTeam hat sich von Anfang an um alle meine Probleme gekümmert, Events für Austauschstudenten organisiert und uns in die brasilianische Lebensweise eigeführt. Meine Mitbewohner haben mich seit dem ersten Tag als Teil der Familie akzeptiert und mein Handballteam hat mich trotz meiner fehlenden Erfahrung sofort akzeptiert.

Die Veranstaltungen an der Uni sind angenehm Familiär und Angewandt, mit kleinen Klassen, interaktivem Unterricht sowie vielen Arbeiten und Präsentationen. Inhaltlich habe ich vor Allem viel über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung Brasiliens und Südamerika gelernt. Die Professoren sind sehr zugänglich und oft genauso interessiert an den Austauschstudenten wie die Mitstudenten,

Die Ausgangsmöglichkeiten in der Stadt beschränken sich auf einige Bars mit gutem hausgebrautem Bier und Livemusik. Ausserdem gibt es jede Menge Feste für Studenten. Wer möchte, der findet jeden Tag eine dieser überdimensionalen Homeparties, welche für viele ein fester Bestandteil des Studentenleben sind sind.

Brasilien als Land von kontinentalem Ausmass und bietet jede Menge Möglichkeiten für unvergessliche Reisen. Die Nähe zu São Paulo, der Hauptstadt Südamerikas, öffnet zudem Tür und Tor für Ausflüge in Nachbarländer wie Argentinien, Bolivien, Peru, Uruguay oder Paraguay.

Es gibt jedoch einige Wermutstropfen: Die Anwesenheitspflicht an den Veranstaltungen verunmöglichen das UZH typische Podcasten und schränkt daher die Flexibilität etwas ein. Ausserdem hat Ribeirão Preto als Stadt nur wenig zu bieten. Auch die Umgebung, das Hinterland von São Paulo, ist nicht die spannendste Gegend Brasiliens. Diese negativen Punkte werden jedoch durch die enorme Vielfalt an Aktivitäten an der USP-RP und den vielen Reisemöglichkeiten in ganz Brasilien längst wieder Wettgemacht.

Jeder offene, interessierte und flexible Student wird ein Austausch in Ribeirão Preto ganz sicher genauso geniessen wie ich.

Es lohnt sich, schon frühzeitig damit anzufangen, portugiesisch zu lernen. Die grosse Mehrheit der Kurse an der Uni werden auf Portugiesisch gehalten, Tests können jedoch auf Englisch geschrieben werden und Professoren haben viel Verständnis für die Sprachprobleme der Austauschstudenten. Ausserdem vereinfacht eine gewisse Basis in Portugiesisch (oder zumindest Spanisch) die Integration in die brasilianische Kultur. Das von der UZH verlangte Niveau B2 ist jedoch keineswegs nötig für ein erfolgreiches Austauschsemester, sei es akademisch oder sozial. Kein einziger der 30 Austauschstudenten, welche das Semester mit mir in Ribeirão Preto verbracht hat, sprach zu Beginn das Semesters Portugiesisch auf diesem Niveau.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für das Austauschsemester waren langwierig, verliefen aber ohne ernsthafte Schwierigkeiten. Einige Punkte sind jedoch beachtenswert.

Bewerbung:

Den grössten Aufwand war das zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen. Für den Austausch im Frühjahressemester muss die Bewerbung schon mehr als ein Jahr vor dem Beginn des Austauschsemesters abgeschickt werden.

- Provisorischer Stundenplan: Für die Bewerbung muss schon ein provisorischer Stundenplan zusammengestellt werden. Auf dem Jupiterweb, der offiziellen Webseite der USP, hat es eine Liste von angebotenen Kurse (https://uspdigital.usp.br/jupiterweb/listarGradeCurricular?codcg=81&codcur=81101&codhab=4&tipo=N ) . Die Liste ist jedoch nicht komplett und die Vorlesungen variieren jedoch leicht von Jahr zu Jahr.

- Portugiesisch Zertifikat: Die von der Universität Zürich zu meiner Zeit geforderten Portugiesischkenntnisse (B2) sind NICHT nötig für ein erfolgreiches Austauschsemester. Ich wurde für das Programm akzeptiert, obwohl ich nur ein B1 hatte. Mein Portugiesisch war jedoch viel besser als jenes der grossen Mehrheit der Austauschstudierenden an der FEA.

Ein weiteres Problem ist, dass diese Kenntnisse schon ein halbes Jahr oder ein Jahr vor dem Anfang des Austausches bewiesen werden müssen(je nachdem, ob der Austausch im Herbst oder Frühling stattfinden soll). Die Bestätigung für die Portugiesischkenntnisse kann am Sprachenzentrum der UZH relativ einfach und günstig gemacht werden. Der Test beinhaltet einen schriftlichen Test am Computer und einen mündliches Gespräch mit einer Professorin für brasilianisches Portugiesisch.

Administratives:

Einmal fürs Programm akzeptiert ist der Prozess sehr gut geführt. Die Mobilitätsstelle der UZH sendet immer rechtzeitig Erinnerungsemails wenn etwas gemacht werden muss. Auch das International Office der USP hat gute Dokumentationen, ist hilfsbereit und für brasilianische Verhältnisse sehr zuverlässig. Das einzige Problem ist die Lernvereinbarung, welche die Kurswahl sehr unflexibel macht. 

- Bewerbung bei der USP: Nachdem die UZH mich nominiert hatte, war die Bewerbung bei der USP eine reine Formalität. Die formalen Anforderungen müssen jedoch eingehalten werden. Es sind ZWEI Referenzschreiben notwendig (nicht zwingend von Professoren, Assistenten genügen). Ausserdem ein Zeugnis in Englisch (stellt die UZH auf Anfrage aus).

- Visum: Für das das Visum musste ich zweimal auf die brasilianische Botschaft. Zuerst für den Antrag und eine Woche später um das Visum abzuholen. Der Prozess verlief problemlos.

- Lernvereinbarung: Dies ist mit Abstand der mühsamste Teil des Prozesses. Die UZH verlangte eine verbindliche Lernvereinbarung bevor die USP das offizielle Vorlesungsverzeichnis des Semesters veröffentlicht. Das heisst, es war für mich unmöglich zu wissen, welche Kure sich überschneiden, welche neu Angeboten werden und welche es nicht mehr gibt. Sobald die Kurse von der USP veröffentlicht wurden, musste ich ein Stundenplan für die USP zusammenstellen und von dem International Office der USP bestätigen lassen. Dies hat eine Weile gedauert. Danach musste ich per offiziellem Antrag die Lernvereinbarung von der UZH ändern. Wiederum ein Prozess, der einige Zeit in Anspruch genommen hat. Da die UZH einige der Fächer nicht in dem Topf anrechnen liess, in welche, ich die Credits brauchte, musste ich den Entscheid per Gesuch anfechten. Dies hat glücklicherweise geklappt hat. Ansonsten hätte ich den Stundenplan der USP wieder ändern müssen, wofür die Zeit wohl kaum gereicht hätte. Theoretisch lässt die USP die Austauschstudenten bis eine Woche nach Universitätsbeginn den Stundenplan umstellen. Danach ist die Wahl jedoch fix. Das heisst, wenn die UZH eines der geänderten Fächer nicht akzeptiert ist es durchaus möglich, dass die nötigen oder gewünschten Credits nicht absolviert werden können.

Buddy, International Office und iTeam:

Für angehende Austauschstudenten an der USP gibt es eine Unmenge von Anlaufstellen und Hilfen für alles von Wohnungssuche über Fächerwahl bis zu administrativen Problemen. Brasilianer lieben es zu helfen.

- iTeam: Das iTeam ist eine grosse und extrem aktive Studentenorganisation, deren Ziel es ist, Austauschstudenten einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Es organisiert Events, Whatsapp- und Facebookgruppen und hilft bei der Wohnungssuche. Das iTeam kann via Facebook oder Email für jegliche Fragen kontaktiert werden. Dies ist kein offizielles Organ der USP, sondern eine Beratung von Student zu Student.

- Buddy: Das iTeam Stellt jedem Student einen Buddy zur Verfügung. mein Buddy hat mir bei der Fächerwahl geholfen und mir ein Zimmer in einer WG organisiert. Buddies machen ihre Arbeit freiwillig, weil sie den Kontakt zu internationalen Studenten suchen. Sie freuen sich daher normalerweise über Fragen und helfen gerne.

- International Office: Das International Office der UZH ist offiziell zuständig für alles was die Administration der Austauschstudenten angeht. Für administrative Fragen ist es die beste Anlaufstelle.

Ankunft

RIBEIRÃO PRETO LIEGT NICHT IN DER UNMITTELBAREN UMGEBUNG DER STADT SÃO PAULO! Ich persönlich war bis kurz vor meinem Austausch fest davon überzeugt, dass dieser in einer Vorstadt São Paulos stattfinden wird. Tatsächlich liegt Ribeirão Preto jedoch zirka 5 Stunden Busfahrt im Landesinnern der Grossstadt und gilt als die Hauptstadt vom Hinterland des bevölkerungsreichsten Staates in Brasilien. Der günstigste Weg, um dahin zu gelangen, ist mit einem Flugzeug nach São Paulo zu fliegen und von da den Bus zu nehmen. Die Langstreckenbusse in Brasilien sind sicher und Komfortabel. Ribeirão Preto hat auch einen Flughafen. Es ist daher auch möglich mit dem Flugzeug anzureisen.

Bei meiner Ankunft wurde ich von meinem Buddy (siehe Vorbereitungen) und einem angehenden Mitbewohner am Busbahnhof abgeholt. Falls eine Abholung aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist (oder niemand auftaucht, was in Brasilien durchaus passieren kann), ist UBER die schnellste, sicherste und günstigste Weise um ans Ziel zu gelangen.

Zimmersuche
Wohnen

Mein Plan war ursprünglich, in Ribeirão Preto anzukommen, einige Nächte in einem Hostel zu verbringen und mich da um eine Unterkunft zu kümmern. SCHLECHTE IDEE! Die Repúblicas (WGs) vergeben ihre Plätze normalerweise im Voraus. Eine gute gelegene und günstige Einzelwohnung zu finden ist auf die Schnelle auch nicht so einfach.

Bei der Wohnungssuche hilft das iTeam (Studentenorganisation) und der Buddy (siehe Vorbereitungen). Es gibt eine Facebook-Gruppe, in welcher ab ca. 3 Monaten vor Semesterbeginn die meisten Zimmer in Repúblicas und Apartamentos ausgeschrieben werden. Oft kann der Buddy über persönliche Kontakte auch andere Zimmer finden oder bei der Wohnungssuche helfen.

Austauschstudenten haben vier Möglichkeiten zu Wohnen: República, Casa/Apartamento (WG im Schweizer Sinne) Studio oder eine Familie.

República:

Repúblicas sind sowas wie grosse WGS von normalerweise zwischen 10 und 20 Studenten (Ausnahme ist República SPARTA mit ca. 40 Bewohnern und immer einigen Austauschstudenten). Die Repúblicas sind das Herz des Studentenlebens an der USP. Wer Ruhe und Privatsphäre sucht ist da sicherlich fehl am Platz. Die Zimmer werden geteilt (normalerweise auch, wenn im Voraus das Gegenteil versprochen wird). Das Leben findet im Garten oder im Wohnzimmer statt. Es gibt dauernd Feste oder Festchen. Repúblicas organisieren ausserdem Sportwettkämpfe untereinander und Pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Die Miete ist normalerweise zwischen 400 und 600 Reais (ca. 100-200 CHF) für ein geteiltes Zimmer und beinhaltet alle Nebenkosten inkl. Putzfrau.

Repúblicas sind grosse Familien. Das leben in einer República ist der der einfachste Weg um Anschluss an die brasilianische Kultur zu finden und Brasilianer, sowie auch andere Austauschstudenten kennen zu lernen. Austauschstudenten von Repúblicas sind normalerweise am besten integriert in allen Aktivitäten rund um die Universität. Wer portugiesisch lernen möchte tut gut daran, bei der Wohnungssuche darauf zu achten, nicht in einer República mit zu vielen Austauschstudenten zu enden. (Mehrmals Nachfragen ist empfehlenswert! Ein Ja in Brasilien bedeutet oft Vielleicht, Keine Ahnung oder auch schlicht Nein).

Ich persönlich kann jedem mit der nötigen Lärm- und Unordnungstoleranz nur empfehlen, sich um ein Zimmer in einer República zu bemühen.

Casa/Apartamento:

Dies ist die ruhigere Variante der Repúblicas. Viele Studenten teilen ein Wohnung oder ein Häuschen mit 2-4 weiteren Studenten. Diese WGs sind ähnlich organisiert wie die in der Schweiz. Generell sind es eher Zweckgemeinschaften als Freunde, es gibt aber Ausnahmen. Die Miete ist normalerweise zwischen 600-800 Reais (ca. 200-250 CHF) für ein privates Zimmer. Oft kommen aber noch Nebenkosten dazu.

Einige Austauschstudenten teilen sich eine Wohnung. Andere leben in WGs mit Brasilianern. Es ist jedoch nicht ganz einfach ein freies Zimmer zu finden.

Studio:

Dies ist die teuerste und am wenigsten verbreitete Variante. Für 700-1000 Reais (ca. 200-300 CHF) findet man ein eigenes Studio.

Familie:

Einige Austauschstudenten wohnen mit Familien. Mir ist jedoch nicht bekannt, wie sie diese finden und was sie normalerweise bezahlen. Das iTeam oder der Buddy kann aber sicherlich helfen.

Universität

Die FEA-RP gilt als die beste Wirtschaftsfakultät Südamerikas. Die USP hat in Brasilien und über die Grenzen hinaus einen sehr guten Ruf. Die Aufnahmeprüfung für die Uni ist extrem schwierig (für Nicht-Austauschstudenten) und das Niveau entsprechend hoch.

Campus:

Die Anzahl der Studenten an der USP-RP ist ähnlich wie an der UZH. Da jedoch alle am selben, riesigen Campus studieren wirkt die ganze Universität viel grösser. Die Wirtschaftsfakultät FEA hingegen wirkt viel kleiner und Familiärer als die WWF, da die eine Hälfte der Studenten am Tag studiert und die andere in am Abend. Der Campus auf einer alten Kaffeeplantage ist weitläufig, wunderbar grün und hat ein eigenes Busssystem sowie Sportanlagen.

Inhalt (VWL) und Unterricht:

Im Bereich VWL (Bachelor) sind die Fächer inhaltlich ähnlich wie an der UZH. Die FEA ist bekannt für eine orthodoxe, quantitativ ausgerichtete Ausbildung. Im Gegensatz zur Uni Zürich gibt es jedoch eine grosse Auswahl an Kursen im Bereich Wirtschaftsgeschichte, einige davon mit explizitem Fokus auf Brasilien (Formação Econômico e Social do Brasil, Economia Brasileira) oder Südamerika (Economia da America Latina). Dafür sind Kurse im Bereich Banking und Investments kaum zu finden. Es hat viel weniger Studenten pro Vorlesung. Daher ist der Unterricht interaktiver und der Kontakt zum Professor persönlicher. Studenten und Professoren duzen sich und diskutieren nach dem Unterricht neben dem Stoff auch gern mal über die letzten Fussballspiele. Professoren geben Austauschstudenten auch gerne Referenzschreiben wenn diese sich Mühe geben, sich aktiv beteiligen und gute Noten schreiben.

Stundenplan:

Die USP schrieb zu meiner Zeit vor, dass mindestens 18 USP-Credits (= 27 ECTS) absolviert werden und Kurse an mindestens drei Tagen besucht werden. Während meinem Semester haben die meisten Austauschstudenten ihre Kurse von Montag bis Mittwoch gewählt, um das lange Wochenende für Reisen freizuhalten. Ausserdem bietet die FEA sowohl Kurse am Tag (BWL, Buchhaltung; 8:00 - 17.00 Uhr) sowie in der Nacht an (BWL, VWL, Buchhaltung; 17:00 - 22:30 Uhr). Einige VWL Fächer können jedoch mit anderen Studiengängen (zum Beispiel BWL oder Angewandte Mathematik für Finanzen), auch am Tag gewählt werden. Da Ribeirão Preto und die Umgebung nicht all zu viel an Tagesausflügen zu bieten hat, lohnt es sich am Tag zu studieren und die Abende für andere Aktivitäten oder zum lernen freizuhalten.

Aufwand:

Der Arbeitsaufwand ist sehr Vorlesungsabhängig. Vorlesungen auf Englisch sind meist speziell an Austauschstudenten gerichtet. Die Vorlesungen der Administração (BWL) sind generell leichter und weniger aufwändig als jene der Contabilidade (Finanzen und Buchhaltung) und der Economia (VWL). Während dem Semester ist der Arbeitsaufwand höher als an der UZH. Dies liegt erstens an der Präsenzkontrolle (mindestens 70% der Veranstaltungen jeder Vorlesung müssen besucht werden), zweitens an den Midterms, welche es bei einem Grossteil der Veranstaltungen gibt, und drittens an den vielen Arbeiten und Präsentationen. Der Stress am Semesterende ist hingegen deutlich geringer. Die Semesterendprüfungen prüfen normalerweise nur den zweiten Teil des Stoffes (wegen den Midterms). Ausserdem gibt es keine schweizer Rausschmeissmentalität: Die Selektion der Studenten ist die Aufnahmeprüfung vor dem Unistart. Die Prüfungen wurden meiner Ansicht nach anhand des Könnens der Studenten bewertet, nicht aufgrund von Quoten. Es ist jedoch keineswegs so, dass die Prüfungen geschenkt werden. Ungenügende Notenschnitte sind keine Seltenheit. Wie überall gilt ausserdem: Freiwillige Fächer sind einfacher als Obligatorische. 

Leben/Freizeit

Die Liste an Möglichkeiten für Aktivitäten an der USP ist Endlos.

Sport:

Jede Fakultät hat eigene Sportteams (von Tischtennis über Fussball und Handball bis zu Muay Thai, und vieles mehr), welche sich an verschiedenen Turnieren und Meisterschaften untereinander und mit den Teams andere Universitäten messen. Die Teams trainieren zwei Mal pro Woche nehmen die Trainings und Spiele aber sehr ernst. Sie lassen jedoch auch schwächere Spieler mittrainieren (vor allem Austauschstudenten). Ich habe mich nach 15 Jahren ohne Handballtraining entschieden, beim Handballteam mit zu trainieren. Dies war eine der besten Entscheidungen. Neben den Repúblicas bieten auch Sportteams eine sehr gute Möglichkeit, am brasilianischen Studentenleben teilzunehmen und Anschluss zu finden.

Das Sportcentrum CEFER auf dem Campus bietet auch jede Menge an Möglichkeiten, sich individuell fit zu halten. Es beinhaltet ein Hallenbad, Turnhallen, eine Leichtathletikanlage, Fussballfelder und ein Fitnesscenter. Alles kann gratis und ohne Voranmeldung benutzt werden.

Studentenorganisationen:

Neben den Sportteams gibt es auch eine grosse Auswahl an Studentenorganisationen. Viele habe ein rigoroses Auswahlverfahren und akzeptieren nur einen Bruchteil der interessierten Studenten. Austauschstudenten sind jedoch immer willkommen.

Ausgang:

Feste gibt es an der USP zur genüge. Egal welcher Tag der Woche, irgend eine República oder Studentenorganisation findet immer einen Grund zum feiern. Die Feste sind günstig, unbefangen, unterhaltsam und für viele Brasilianer sowie die meisten Austauschstudenten ein essentieller Bestandteil des Studentenlebens.

Ausserhalb der Universitären Feste gibt es in Ribeirão Preto eine Vielzahl an Bars und Brauereien. Diese sind gemütlich und servieren gutes Bier. Die Preise sind jedoch teuer. Ausserdem gibt es in Ribeirão Preto einige Festivals, wie zum Beispiel das Joao Rock, eines der grössten Rockfestivals Brasiliens.

Ribeirão Preto:

Ribeirão Preto ist ca. doppelt so gross wie Zürich. Es gilt als die Hauptstadt der ländlichen Region des Staates São Paulo. Die Stadt hat für Touristen nur wenig zu bieten. Das Leben der meisten Studenten an der USP dreht sich rund um die Uni: Studentenfeste, Studentenorganisationen und Universitäre Sportmannschaften. Ich war enttäuscht, wie gering der Kontakt der Studenten mit der Stadt und anderen Universitäten ist (denn in Ribeirão Preto gibt es eine Unmenge an Unis). Ein grosser Teil der Studenten kommt ursprünglich aus anderen Städten und kennt sich in Ribeirão Preto genauso wenig aus wie wir Austauschstudenten.

Rund um die Stadt gibt es einige Ausflugsmöglichkeiten. Kleine Nationalparks und viele von den Brasilianern geliebte Wasserfälle (Cachoeiras). Diese sind jedoch nur per Auto erreichbar. Ein solches lässt sich relativ simpel und günstig mieten.

Reisen:

São Paulo ist von Ribeirão mit dem Bus bequem in 5h erreichbar. Von da gibt es Flüge nach ganz Brasilien und Südamerika. Nach Rio de Janeiro oder Belo Horizonte dauert die Busfahrt rund 10h. Flüge direkt ab Ribeirão Preto sind normalerweise teuer.