Erfahrungsberichte

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Wer

ferdinand.arenstorff[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

CN-
Beijing - Peking University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Einen Austausch im letzten Studienjahr zu unternehmen kann ich nur jedem empfehlen, der darüber nachdenkt. Menschen aus vielen verschiedenen Ländern zu treffen und dabei auch noch eine Kultur kennen zu lernen ist einfach ein super Studienabschluss. Für mich war dieses Frühjahrssemester an Peking University genau das und ich habe es als grosse Bereicherung empfunden. Ob der Standort (Peking in meinem Fall) dafür der Richtige ist muss man zu Beginn abschätzen, kann es aber bis zum Ende nicht mit voller Gewissheit sagen.

Vorbereitung

Im Vorlauf zum Austausch stand die Bewerbung und nach Annahme an der Universität die Reise- und Aufenthaltsorganisation. Dabei sind die Universität Zürich sowie jene in Peking sehr hilfreich. Zürich steht einem bei, wann immer man Fragen hat und Peking schickt mit der Zusage ein Handbuch für alle möglichen Fragen. Allerdings sollte man sich bereits im Vorfeld informieren, da die Zusage erst relativ spät ankommen kann (für mich im zwei Monate vor Semesterbeginn, was jedoch daran lag, dass ich mich auf übrig gebliebene Plätze beworben habe und somit der gesamte Prozess spät ablief). Grundsätzlich sind Flüge nach Peking relativ günstig zu bekommen und auch das Visum ist ohne Probleme in den chinesischen Botschaften und Konsulaten zu erhalten. Es benötigt jedoch die Zusage der Partneruni und andere Formulare. Abgesehen davon ist es hilfreich sich mit chinesischen Sitten vertraut zu machen und Einschränkungen wie den Internetzugriff zu recherchieren (Uni-VPN funktioniert).

Ankunft

In Peking gelandet kommt man relativ einfach zur Universität mit der U-Bahn, dem Taxi oder einem Bus. Das Problem ist dabei jedoch sich dann im Detail zurecht zu finden. Das heisst, die Universität nach der Bus- oder Bahnfahrt zu finden und das richtige Gebäude für die Registrierung. Man sollte sich darauf vorbereiten, indem man sich das Handbuch mit der Karte vom Campus genauer anschaut und die Anreise plant. Es sprechen jedoch die meisten Studenten Englisch (im Gegensatz zur sonstigen chinesischen Bevölkerung) und helfen gern. Nach Registrierung heisst es einrichten und die ersten Freunde finden, bis ca. 5 Tage später die Vorlesungen beginnen. Dabei geht das Kennenlernen sehr schnell, da jeder auf der gleichen Suche ist. Die ersten Tage werden dann genutzt mit Ausflügen zu IKEA (Big Deal in China) oder zur Verbotenen Stadt und Ausgang am Abend um einander näher zu kommen und Anschluss zu finden bevor der Alltag sich einstellt.

Zimmersuche
Wohnen

Die Universität bietet allen internationalen Studierenden Zimmer im sogenannten Global Village an. Diese sind zwar relativ teuer, aber sehr nahe an der Uni gelegen. Meiner Erfahrung nach leben die meisten Austauschstudenten dort, was es umso reizvoller macht dem zu folgen um sich nichts entgehen zu lassen. Günstigere Wohnungen zu finden schien auch nach Berichten anderer relativ schwierig. Die Zimmer im Global Village sind etwas kalt eingerichtet, aber reichen allemal aus und am Ende ist es ein wenig wie das Leben im Internat, was viel Spass macht.

Universität

Die Peking University ist die älteste und wohl renommierteste Universität Chinas, auch wenn Tsinghua und Fudan den meisten Menschen eher ein Begriff sind. Das spiegelt sich auch in der Qualität der Lehre. Als Zürcher Student ist man zwar verwöhnt was Organisation angeht, welche an der PKU gelegentlich etwas unübersichtlich ist, aber die Professoren sind alle eindeutig erstklassig und zählen zur Elite des Landes. Das merkt man auch an der anerkennenden Reaktion, welche die Universität bei Chinesen auslöst.

Zu den Fächern, welche ich gewählt habe:

Chinese Financial Markets and Financial Institutions:

Dieses Fach beschäftigt sich mit den Finanzmärkten. Dabei ist der Unterschied zwischen China und dem Westen eher gering und nur in einigen Regulationen vorhanden. Die Prinzipien sind logischerweise die gleichen. Wem Finance liegt, der wird hier kein Problem haben. Der Professor ist sehr fähig und die Vorlesung nach bereits 12 Wochen beendet. Wie in allen anderen Vorlesungen zählen Teilnahme am Unterricht, eine Gruppenarbeit und die Klausur zur Note.

Doing Business in China:

Dieses Fach gibt einen guten Überblick in die Unternehmens- und wirtschaftliche Landschaft Chinas. Es beschäftigt sich dabei mit den verschiedenen Möglichkeiten in den Markt einzutreten und auf welche Probleme westliche Unternehmen dabei gestossen sind. Für mich war es genau, was ich mir vom Fach erhofft hatte. Wieder ist der Professor durchaus gut und bekannt in der Wirtschaft. Die Note besteht wie immer aus Mitarbeit, Gruppenarbeit und Klausur.

Chinese Perspectives on International and Global Affairs:

Der Professor in diesem Fach hat die Vorlesung zum ersten Mal gegeben und ist noch sehr jung. Jedoch entstanden hier durch die geringe Kursgrösse auch richtige Gespräche mit ihm. Das Thema selbst ist gerade in heutigen Zeiten besonders spannend und besonders als Student der Wirtschaftswissenschaften eine interessante Abwechslung. Wie immer ergibt sich die Note aus Mitarbeit, Gruppenarbeit und Klausur.

Zu den Credits ist anzumerken, dass 1 Credit in China je nach Department 2-3 ECTS entspricht.

Leben/Freizeit

Das Leben in Peking hat zwei Seiten. Auf der einen sind leider Bilder von Smog und Dreck die Realität. Damit muss man umzugehen wissen. Auf der anderen Seite kann man in Peking viel Spass für wenig Geld haben. Besonders in Studentenbars und in Parks und Tempeln ist das der Fall. In Kombination mit vielen unterschiedlichen Studenten aus verschiedensten Ländern wird es dabei nie langweilig und es gibt immer Interessen, die sich finden um zusammen Neues zu entdecken. Das geht in Peking besonders gut, da die Stadt sich ständig verändert. Besonders empfehlen kann ich dabei die Hutongs, solange sie noch existieren. Pekings alte Stadtteile, die mittlerweile zu Barvierteln geworden sind, sind äusserst interessant sind. Zusammenfassend ist die Stadt wahnsinnig spanend gefüllt mit einer Mischung aus Geschichte, Politik, Kultur, wirtschaftlichem Wachstum und die Universität einer der besten Ausgangspunkte, sie zu erkunden.