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Erfahrungsberichte

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Wer

simona.eicher[at]gmx.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

CL-
Santiago - Pontificia Universidad Catolica de Chile

Studienfach

Management and Economics (3022)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester in Chile hat mir sehr gefallen und viel Spass gemacht. Zusätzlich konnte ich meine Spanischkenntnisse erheblich verbessern, ein sehr interessantes Land und Kontinenten kennen lernen und an der renommiertesten Uni im spanischsprechenden Südamerika studieren. 

Vorbereitung

Da ich keine Spanischkenntnisse hatte bevor ich mich entschied einen Austausch in Südamerika anzustreben, habe ich drei Semester lang intensiv Spanisch gelernt. Dies war auch nötig, da die angebotenen Vorlesungen an der Católica alle auf Spanisch sind und wie von Südamerika erwartet, die Englischkenntnisse in der breiten Bevölkerung eher mager sind. Die Católica verlangt offiziell ein Niveau B2. Mein DELE Diplom B1 und eine Bestätigung, dass ich im Moment der Bewerbung einen Kurs Niveau B2 an der UZH besuchte, haben ausgereicht.

Die Bewerbung an der UZH hat zusätzlich etwas Aufwand gekostet, dieser war es aber Wert. Um sich danach an der Católica zu bewerben, musste ich nichts mehr zusätzlich organisieren. Ich habe allerdings ziemlich viel Zeit benötigt um das genaue Kursangebot auf der Webseite der Católica ausfindig zu machen. Nach längere Suche fand ich endlich den Katalog (catalogo.uc.cl). Allerdings gibt es hier nur eine allgemeine Liste aller je angebotenen Kurse mit Angaben zum Niveau Bachelor oder Master. Um dann herauszufinden welche Fächer genau angeboten werden im kommenden Semester, muss man diese im Buscador (buscacursos.uc.cl) finden. Allerdings wird man erst bei Ankunft an der Católica wirklich herausfinden welche Fächer nun definitiv angeboten werden.

Ankunft

Ich bin nach einer ca. 17 stündigen Reise über Madrid Anfang Februar in Chile angekommen. Das Semester hat erst am ersten März begonnen, allerdings habe ich zuvor einen dreiwöchigen intensiven Spanischkurs der Uni besucht. Dieser hat mir persönlich nochmals sehr geholfen, da ich ein eher tiefes Spanischniveau hatte, vor allem dafür, dass der Unterricht dann ausschliesslich in Spanisch stattgefunden hat. Allerdings war der Kurs sehr intensiv. Der tatsächliche Unterricht ging zwar nur von 8.30 bis 13.00, jedoch hatte man täglich mehr als zwei Stunden Hausaufgaben. Ich musste in diesen drei Wochen drei Präsentationen durchführen, drei mehrseitige Essays abgeben und seitenlange Grammatikübungen ausfüllen. Vor allem wenn man erst gerade in einer neuen Stadt angekommen ist, diese etwas erkunden will und gleichzeitig eine Wohnung suchen muss und sich als Ausländer registrieren muss, ist der Kalender ziemlich voll. Daher wäre es sicher besser gewesen eine Woche vor Kursbeginn und für all jene, die den Kurs nicht machen, eine Woche vor der Einführungsveranstaltung nach Chile zu kommen. Besodners, da das Registrieren des Visas und anschliessende Registrieren für eine Identitätskarte für Ausländer im Normalfall einen bis zwei Tage dauert wegen der langen Wartezeiten.  

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungssuche war sehr einfach. Ich habe mich auf compartodepto.cl registriert und ab der ersten Minute pausenlos Angebote erhalten. Allerdings sind die guten Wohnungen schnell vergeben, also ist es auch aus diesem Grund schlau, etwas vor der Einführungsveranstaltung in Chile zu sein. Zudem sehen Wohnungen auf Bildern oft sehr viel besser aus als in der Realität, also unbedingt besichtigen bevor man eine Zusage gibt. Zudem kann es im Winter in der Nacht ein bisschen kalt werden. Die Isolation und Heizungen sind aber schlecht bis zu nicht vorhanden. Diesem sollte man sich bei Wohnungssuche bewusst sein. 

Ich habe ein Haus in Bellavista (ein Teil von Providencia) gefunden. Die empfehlenswertesten Teile der Stadt sind Providencia, Metropolitana und Las Condes. In der Nähe des Campus San Joaquin, wo die meisten Studienrichtungen unterrichtet werden, ist die Wohnsituation eher suboptimal: man wohnt weit weg von Restaurants und Bars, wo man sich abends oft trifft, zudem ist der Stadtteil eher etwas ärmer, was die Qualität der Wohnungen und der Umgebung senkt. Allerdings fährt die Metro sehr verlässlich und preisgünstig aber nur bis ca. 22.30. Es lohnt sich also etwas mehr auszugeben und dafür in einem schöneren Viertel der Stadt zu wohnen. 

Mit einheimischen Studenten zu wohnen ist eher schwer sofern man nicht bei einer Familie einzieht. Da die meisten Studenten der Católica direkt aus Santiago stammen, wohnen diese im Normalfall noch bei der Familie aus Kostengründen. Da es aber sehr viele Austauschstudenten in Chile gibt, findet man einfach Studenten-WGs, allerdings bestehen diese meist aus Ausländern.

Universität

Die Universität  hat mir sehr gefallen. Das Angebot an Fächern und auch das Niveau der Kurse ist ähnlich, wenn nicht umfangreicher als an der UZH. Auch Masterkurse werden angeboten und im Katalog als solche vermerkt, was von der UZH problemlos akzeptieret wird. Die Klassen sind klein und der Kontakt zum Professor sehr viel persönlicher. Allerdings ist alles etwas unorganisiert. So werden Prüfungstermine auch mal kurz verschoben (durch ausschliesslich mündliche Ankündigung im Unterricht), ob und wann Übungen stattfinden ist nicht immer ganz klar und so weiter. Man sollte sich also ziemlich schnell einen chilenischen Kommilitonen in jedem Fach suchen, der bei Unklarheiten Auskunft geben kann. Wenn man direkt auf die Mitstudenten zugeht und um Hilfe bittet, sind diese oft sehr hilfsbereit, der erste Schritt muss aber selber gemacht werden. Man darf aber auch gern dem Professor persönlich eine E-Mail schicken, diese werden stets sehr schnell und hilfreich beantwortet. Leider gab es in vielen meiner Vorlesungen keine Folien, was mit meinen mittleren Spanischkenntnissen am Anfang sehr hart war. Zudem werden während dem Semester immer wieder Tests durchgeführt, die oft auch spezifischen Lektüren Inhalt abfragen. So habe ich hier, vor allem im Vergleich zu der UZH, sehr viele Stunden gelesen und konnte es mir nicht leisten Vorlesungen zu verpassen, da diese aufgrund fehlender Folien und Podcasts nur schwer aufzuarbeiten waren. Das Planen grösserer Reisen während des Semesters ist also eher schwierig.

Der Campus San Joaquin und die Uni im Allgemeinen bieten aber sehr viel. Es gibt unzählige Veranstaltungen, riesige Bibliotheken und Lernräume, viel persönliche Unterstützung der Ayudanten, mehrere Mensen, sogar einen Starbucks auf dem Campus, ein Sportzentrum und so weiter.  Ich konnte hier nochmals eine ganz andere Unterrichtsform kennen lernen, sehr viel Spanisch hören und auch sprechen und habe in meinen Fächern sehr viel über Chile und ihre Ansichtsweisen gelernt. Da es aber wirklich fordernd ist und man vielleicht auch an verlängerten Wochenenden etwas reisen will, empfehle ich es nicht mehr als 21-24 Credits hier zu belegen.  

Leben/Freizeit

Chile und auch Santiago als Stadt haben sehr viel zu bieten. Es gibt hier für alle, vor allem aber für Naturliebhaber, sehr viel zu erleben. Von Patagonien ganz im Süden bis zu der Atakamawüste ganz im Norden gibt es sehr viel zu sehen. Chile ist das Land, das sich über die meisten Breitengrade spannt und die meisten aktiven Vulkane der Welt besitzt. Die Stadt selbst ist von Bergen umgeben, was Wochenendausflüge zum Wandern oder einfach nur Staunen zulässt. Zudem kann man auch kleiner Ausflüge über die Grenzen nach Argentinien, Peru oder Bolivien machen. Die benötigten Kurzstreckenflüge oder Busreisen sind ziemlich preiswert. Aber auch in der Stadt selber gibt es viel zu sehen. Es gibt unzählige Bars, Restaurant und Clubs. Zudem ist die Stadt voll von Parks, Museen und interessanten Bauten.

Eine Kommission der Universität (CAUC) organisiert fast wöchentlich Veranstaltung für Austauschstudierende wie der Besuch einer Brauerei, eines Weinguts, einer Schokoladenfabrik, des nahen Skigebiets und so weiter. Da die Gruppe der Austauschstudenten sehr gross ist, findet man immer jemanden, der einen auf Reisen begleitet. Die Austauschstudenten untereinander sind über soziale Medien auch sehr gut vernetzt, so findet man immer jemandem, der einem Auskunft geben kann oder unterstützend zur Seite steht. Aber auch die Chilenen selber sind sehr offen und unternehmen gerne etwas mit Freunden. So wird es einem bestimmt nicht langweilig in der Stadt, ausser sonntags, den sie hier den Fomingo = fome domingo nennen, denn dann hat alles geschlossen.

Chile ist ein Land mit einer interessanter Kultur, einer spannenden Geschichte und vielen Eigenheiten , die sich auch in den sogenannten Chilenismos widerspiegelt. Es war eine enorm bereichernde Erfahrung, dieses Land und seine Leute kennenzulernen.