Erfahrungsberichte

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Wer

sarah.haag[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Insgesamt war mein Semester in China für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Im Vorfeld meines Aufenthaltes in Shanghai bin ich einige Wochen durch Südostasien gereist, was mich sehr beeindruckt hat. Mehrere Monate in einem fremden Land zu leben, war aber nochmals eine ganz andere Erfahrung, da man den Alltag lebt und in eine völlig neue Kultur eintaucht. Ich konnte in Shanghai wertvolle Kontakte knüpfen und mich mit Menschen austauschen, die einen ganz anderen Hintergrund haben. Auch auf akademischer Ebene empfand ich mein Aufenthalt als bereichernd. Es war spannend mehr über ein Land zu erfahren, in dem die Wirtschaft in vielen Bereichen ganz anders gestaltet ist, als in meinem eigenen. 

Vorbereitung

Die Bewerbung für das Austauschsemester über das Fakultätsabkommen verlief für mich ohne Probleme. Da die Anmeldefrist aber im Januar (sowohl für das Frühlings- als auch für das Herbstsemester) abläuft und somit auf die Prüfungszeit fällt, ist es empfehlenswert möglichst früh mit dem Zusammentragen der benötigten Dokumente anzufangen.

In einem zweiten Schritt müssen für die Anmeldung und Bewerbung an der Fudan noch einige Formulare online ausgefüllt werden. Danach erhält man alle benötigten Unterlagen, um ein Visum auf dem Chinesischen Generalkonsulat in Zürich oder der Chinesischen Botschaft in Bern zu beantragen. Dies verläuft sehr unkompliziert: man kann ohne Voranmeldung vorbeigehen und die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel fünf Arbeitstage.

Vor der Abreise hatte ich einen Sprachkurs besucht, der mir die Basics der chinesischen Sprache vermittelt hat. Der Kurs hat sich für mich sicher gelohnt, da in Shanghai die wenigsten Chinesen Englisch sprechen. Ich würde zudem empfehlen vor der Abreise ein VPN zu installieren, da google, facebook, instagram, sowie viele weitere westliche Plattformen gesperrt sind. 

Ankunft

Nach meiner Ankunft am Flughafen Pudong bin ich mit der Magnetschwebebahn „Maglev“ (fährt mit über 400 km/h!) und der U-Bahn ins Zentrum gefahren. Ein Taxi ist sicher bequemer, wenn man sehr viel Gepäck dabeihat, oder, wenn man zur Rushhour ankommt. Taxis in Shanghai sind sehr preiswert und sind gesetzlich dazu verpflichtet mit einem Taximeter ausgestattet zu sein. Man sollte für den Taxifahrer unbedingt die Adresse der Unterkunft in Chinesisch bereithalten.

Die ersten Tage habe ich für die Anmeldung an der Universität und zur Wohnungssuche genutzt. Auf dem Campus wurden zudem günstige SIM-Karten verkauft und chinesische Studenten halfen mir beim ausfüllen der Formulare. Eine Woche vor Semesterbeginn fanden verschiede Einführungsveranstaltungen, wie z.B. ein Stadt- und Campusrundgang, statt. Insbesondere wenn man nicht auf dem Campus wohnt, sollte man versuchen teilzunehmen, da man so schnell Kontakte mit anderen Studenten knüpft.

Zimmersuche
Wohnen

Die meisten Erfahrungsberichte empfehlen ein Zimmer in der Stadt zu wählen anstatt im Studentenwohnheim. Da ich schon immer vom Grossstadleben geträumt habe, entschied auch ich mich für diese Alternative, da die Uni etwas ausserhalb des Zentrums liegt. Hierbei muss ich aber anmerken, dass die anderen internationalen Studenten mehrheitlich auf dem Campus wohnten, was den Vorteil hat, dass man einfacher am sozialen Leben der Uni teilhaben kann. Zudem sind die Zimmer für internationale Studenten für Chinesische Standards wirklich sehr schön und vom Preis-Leistungs-Verhältnis oftmals besser als ausserhalb des Campus. Da man in Shanghai üblicherweise eine Kaution (1.5 Monatsmieten) bezahlt, kann das Mieten für nur ein Semester teuer werden, wenn man keinen Nachmieter findet.

Ich habe über die Platform „smartshanghai“ ein Zimmer gefunden, dass ganz in der Nähe des People’s Square lag. Jetzt wo ich Shanghai besser kenne, würde ich mich aber eher für eine Lage in Nähe der U-Bahn-Stationen West Nanjing, Jing’An Temple oder South Shaanxi Rd. entscheiden. Diese Stadteile haben meiner Meinung nach am meisten zu bieten, da sich dort viele angesagte Bars, Clubs und Restaurants, sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten befinden.

Leider hatte ich bezüglich wohnen ein bisschen Pech, da ich bereits zwei Wochen nach meiner Ankunft wieder ausziehen musste. Der Vermieter wollte die Wohnung verkaufen und da der Mieterschutz in China praktisch inexistent ist, gab man uns knapp zwei Wochen Zeit um auszuziehen und etwas Neues zu finden. Insgesamt bereue ich meine Entscheidung im Zentrum zu wohnen trotzdem nicht, da ich durch meine Mitbewohner viele Kontakte ausserhalb der Uni knüpfen konnte. Mit meinen zwei chinesischen Mitbewohnerinnen verstand ich mich besonders gut und konnte durch sie viel über das Land, die Kultur und die Sprache erfahren. 

Universität

Ich habe insgesamt fünf Vorlesungen an der School of Economics belegt. Davon waren drei Kurse aus dem EMA-Programm: Chinese Economy, Labor Economics, Corporate Finance, sowie zwei Short Courses, die von Gastdozenten über jeweils zwei Wochen unterrichtet wurden. Der Leistungsausweis erfolgte mehrheitlich über Präsentationen und Essays, während die Prüfung am Ende des Semesters weniger stark gewichtet wurde. Die Prüfungen empfand ich als eher einfach, aber der Arbeitsaufwand während des Semesters war ziemlich hoch. Insgesamt habe ich sicher viel dazugelernt, da auch die Klassengrössen kleiner waren als an der UZH und man die Assistenten jederzeit um Hilfe fragen konnte.

Der Inhalt der Vorlesungen unterschied sich nicht bedeutend von dem, was an der UZH vermittelt wird. Jedoch wurde ein stärkerer Fokus auf die Bekämpfung der Armut, sowie auf die Ungleichverteilung der Einkommen gelegt. Es war zudem interessant in der Vorlesung Chinese Economy mehr über das chinesische Wirtschaftswunder zu erfahren und ein Verständnis vom Übergang der Plan- zur Marktwirtschaft zu erhalten.

Zudem belegte ich die Vorlesung Integrated Chinese, die am Department of Chinese Language and Literature angeboten wurde. Diese fand zweimal wöchentlich statt und vermittelt etwas mehr Kenntnisse als die Chinesischkurse, die an der School of Economics angeboten werden.

Leben/Freizeit

Da ich im Zentrum gewohnt habe, konnte ich voll vom Nachtleben in Shanghai profitieren. Meine internationalen Freunde haben mich durch die angesagtesten Clubs und Bars geführt, in die man mithilfe eines Promotors kostenlos reinkommt. Mit meinen chinesischen Bekannten, die sich mehr fürs Singen als fürs Tanzen interessierten, habe ich tolle Karaokeabende (K2) verbracht.

Selber gekocht habe ich praktisch nie, da das Essen auswärts sehr billig war und man durch die grosse kulinarische Vielfalt in Shanghai immer wieder neues ausprobieren konnte.

Shanghai hat auch kulturell etwas zu bieten, besonders das Urban Planning Exhibition Center, sowie das Propaganda Poster Art Centre und diverse Kunstausstellungen sind zu empfehlen.

Das Grossstadtleben ist sehr spannend und abwechslungsreich, aber auch etwas ermüdend, da die Luftverschmutzung in Shanghai doch sehr hoch ist und relativ wenig Grünflächen anzufinden sind. So habe ich mich einer Outdoor Gruppe angeschlossen, die Wochenendausflüge für Studenten organisiert hat. Zudem habe ich einige verlängerte Wochenende dazu benutzt, um in China zu reisen. Die Infrastruktur ist wirklich sehr gut ausgebaut und man kommt von Shanghai aus schnell in die umliegenden Städte. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug kann man zudem auch komfortabel über längere Strecken reisen, z.B. nach Peking, das fünf Zugstunden von Shanghai entfernt liegt.