Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

jasmin.egger[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester in Peking war eine besondere und definitiv einer meiner besten Erfahrungen während der ganzen Studienzeit. Ich empfehle wirklich allen, welche die Möglichkeit haben eine Auslanderfahrung in Form eines Auslandssemester zu machen, es zu tun. Insbesondere rate ich Studenten eine kulturell herausfordernde und bereichernde Erfahrungen zu machen wie beispielsweise mit einem Austausch in China. Da meist aus akademischen Gesichtspunkt die Anforderungen in einem auswärtigen Land eher geringer ausfallen, und somit viel Platz und Zeit für kulturelle Ausflüge bietet. Gleichzeitig möchte ich betonen das ich zeitweise sehr anstrengende Wochen hatte, welche universitär bedingt waren, da viele Kurse sich auf die ersten 8 Wochen konzentriert haben. Ebenfalls rate ich an, sich entweder vor oder nach dem Auslandsemester einige Wochen zu reservieren, um die unglaubliche Vielfalt Chinas noch zu erforschen.

Vorbereitung

Die Beantragung eines Visa und die Einschreibung für die Vorlesungen im online Bidding System sind unabdingbar bevor man abfliegt. Das Visa habe ich 3 Wochen vor der Abreise beantragt, zusammen mit der Bestätigung von der Tsinghua Universität und dem zusätzlichen Formular von der chinesischen Botschaft (findet man online auf der Homepage). Zusätzlich fällt noch eine Bearbeitungsgebhr von 80 CHF an, welche Bar bezahlt werden muss.

Nebst Visa und Kurseinschreibung ist es ratsam noch weitere Dinge im Vorfeld zu organisieren. Um Google und Facebook in China zu nutzen, ist es notwendig einen Proxy Server auf dem Handy und dem Laptop zu installieren. Ich persönlich habe den VPN der Universität Zürich genutzt, welcher meist gut funktioniert hat und nicht kostenpflichtig ist. Zudem sollte man die chinesische Adresse bei der Ankunft für den Taxifahrer bereit haben, da diese kein Englisch sprechen. Falls man ein Zimmer auf dem Campus hat, dann unbedingt direkt die Adresse vom Nordost Gate der Tsinghua Universität zeigen, da das Haupttor der Universität von den Studentenheimen etwa 20-25 min zu Fuss entfernt sind. Ich empfehle ebenfalls Pleco und Baidu Translation, zwei nützliche Übersetzungs-Apps, herunterzuladen. Pleco kann man offline nutzen, ist jedoch von der Eingabemethode etwas eingeschränkt. Bei der Baidu App kann das Gesprochene direkt aufgenommen und übersetzt werden. We-Chat sollte man natürlich auch installieren. Es ist ebenfalls ratsam sich vor dem Auslandsemester mit seinem Buddy (Götti/Gotti-System von der Tsinghua Universität organisiert) anzufreunden und in der Facebook Gruppe Tsinghua SEM beizutreten, so hat man bereits im Vorfeld die Möglichkeit Mitstudenten kennenzulernen und allfällige WG-Mitbewohner zu rekrutieren. Zuletzt habe ich für den Anfang ein paar Hundert Franken in Renminbi gewechselt und diese Bar mitgenommen. Danach habe ich meine EC-Karte zum Geld abheben und Kreditkarte zum zahlen genutzt (an vielen Orten kann man nur Bar bezahlen), und hatte eigentlich nie Probleme. Allenfalls könnte man seine Bank informieren, dass man nach China für ein Semester geht, da einige Mitstudenten zu Beginn Probleme hatten.

Ankunft

Angekommen am Flughafen in Peking sollte man sich nicht von Leuten in Anzügen ansprechen lassen, welche versuchen dich zu überzeugen mit ihrem Taxi zu fahren. Am besten steht man einfach in die offizielle Schlange für die normalen gelben Taxis, welche alle mit Taxometer fahren. Und unbedingt die chinesische Adresse irgendwo bereit halten. Am Nordost Gate angekommen von der Tsinghua Universität geht man dann zuerst zum Building 19, 1. Stock, wo man sich fürs Zimmer anmelden kann. Danach kann man sein Zimmer beziehen. Um sich noch offiziell zu registrieren, sollte man nachher zum Building 21, 1.Stock, gehen.

Für den Internetzugang muss man zum Hauptgebäude, wo man dann seine Login-Daten erhält. Am besten nimmt man seinen Pass und sämtliche Unterlagen am Anfang immer mit. Im Café (Paradiso) im Building 21, wo man aber nur von aussen über die Treppe Zugang hat, hat es auch ein Wifi und genügend Platz, falls man nicht gerade am ersten Tag zum Hauptgebäude will. Im C-Building, welches sich hinter den Sportplätzen befindet, findet man alles, was man braucht. Von den Esswaren, ATM, Elektronikecke, Buchladen, Copy Shop, Handy-Abo, Fotostudio bis hin zum Coiffeur. Danach würde ich anraten ein Velo kaufen zu gehen, da alle weiteren organisatorischen Sachen schneller mit einem Velo machbar sind. Und es auch einfach Spass macht mit dem Velo den Campus entdecken zu gehen. Es gibt verschiedene Velostände, welche über den Campus verteilt sind. Wenn möglich geht man mit seinem Buddy oder einem Mitstudenten unterschiedliche Velos anschauen und auch unbedingt Probe fahren, da die Bremsen manchmal nicht so gut funktionieren. Für ein neues Fahrrad (mit Korb und Schloss) sollte man nicht mehr als 350 Rmb bezahlen, kriegt aber auch bereits ab 200 Rmb eins, und die Occasion Fahrräder sind dementsprechend etwas günstiger (verhandeln ist erlaubt). Man kann den Preis auch auf dem Handy eingeben, und so über den Preis verhandeln, falls man kein Buddy dabei hat. Mit dem Fahrrad kann man dann den Campus und auch Wudaokou entdecken, wo die nahegelegenste Metro Station, viele Bars, Karaoke Bars, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Kino usw. sind.

Zimmersuche
Wohnen

Grundsätzlich gibt es zwei Optionen für Austauschstudenten zum Wohnen. Einerseits ist es möglich auf dem Campus ein Zimmer zu buchen, und andererseits ist denkbar eine Wohnung ausserhalb des Campus mit Mitstudenten zu mieten. Ich konnte mich zu den paar glücklichen zählen, welche sich ein Zimmer auf dem Campus ergattern konnten. Dazu gehört aber auch eine Portion Glück, da die Zimmer innerhalb einer Minute bereits ausgebucht waren (Keine Übertreibung!). Hilfreich ist es, wenn man bereits genügend früh am Laptop sitzt und versucht sich kurz vor der Aufschaltzeit immer wieder einzuloggen (Achtung Zeit-Verschiebung 6h). So kann man einen möglichen Vorsprung gewinnen, auch wenn es nur wenige Sekunden sind. Ebenfalls bereithalten sollte man seine Kreditkarte, das Einzugsdatum und die Anmeldedaten von der Tsinghua Universität. Ein weiterer Tipp ist es, den anfangs abgebildeten Vertrag im Online-System nicht durchzulesen, sondern direkt anzunehmen, da dort am meisten Zeit verloren geht. Ihr müsst den Vertrag sowieso annehmen, wenn ihr das Zimmer möchtet. Und zudem steht nichts im Vertrag womit man sich nicht arrangieren könnte. Was die meisten bemängelt haben, mich aber nicht störte, ist, dass man keinen Besuch nach 23.00Uhr haben darf und sich jeder Besucher/in an der Rezeption ein- und austragen musste. Die Vorteile eines Zimmer auf dem Campus waren sicherlich logistischer, organisatorischer und finanzieller Natur und zusätzlich erfährt man das Campus-Leben. Man ist mit dem Velo schnell bei der Vorlesung, muss sich nicht bei der Fremdenpolizei anmelden, hatte keine Diskussionen mit Vermietern und hat es aus meiner Sicht auch einfacher Mitstudenten kennenzulernen, da sich vieles auf dem Campus abspielt. Zwei nachteilige Punkte möchte ich noch nennen, welche ein Zimmer auf dem Campus mit sich bringen. Zum einen ist das Zimmer lediglich mit einem Wasserkocher ausgestattet, welcher nur erlaubt Noodle Soups zu machen. Es gibt auch keine gemeinsame/öffentliche Küche im Studentenheim, was mich vor allem gegen Ende des Semesters etwas gestört hat, weil ich auch gerne mal selbst koche und Lust auf etwas Selbst-gekochtes hatte. Zum anderen gibt es keinen Aufenthaltsraum in den Studentenheimen, wo man sich mit Mitstudenten treffen konnte, was ich sehr schade fand und auch ein bisschen einengend empfand gerade in den Wintermonaten, wo man sich nicht immer gerne draussen getroffen hat. Im Grossen und Ganzen hat mir das Wohnen auf dem Campus aber sehr gut gefallen und würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

Universität

Die Tsinghua Universität ist einer der renommiertesten Universitäten in China, nebst der Peking Universität. Sie liegt im nordwestlichen Stadtbezirk Haidian, und befindet sich unmittelbar neben der Peking Universität. Unzählige prominente und wichtige chinesische Persönlichkeiten sind Absolventen der Tsinghua Universität. Dazu gehört ebenfalls der heutige Staatspräsident Chinas, Xi Jinping.

Als Masterstudent nimmt man ein Semester an dem MBA Programm der School of Economics and Management (SEM) teil. Aus diesem Grund sind die meisten Mitstudenten keine Chinesen, sondern kommen aus der ganzen Welt. In meinem Semester hat es eine gute Mischung von verschiedenen Nationalitäten gegeben (die Deutschen und Franzosen waren aber deutlich in der Überzahl). Obwohl die Anzahl der verfügbaren Kurse etwas eingeschränkt war, weil man im Vorfeld nur für die 'Elective Courses' bidden konnte, hat es genügend Kurse, um das Semester zu füllen. Und anfangs des Semester werden noch weitere Vorlesungen angeboten, welche im Nachhinein noch gebucht werden können. Falls es durch das Bidding System nicht möglich war alle gewünschten Kurse zu buchen, kann man in der Regel in der ersten Woche sich noch bei den Professoren direkt oder dem International Office melden und nach Möglichkeit noch nachbuchen.

Ich habe die folgenden 7 Kurse belegt. Die ersten 6 Kurse konnte ich mir anrechnen lassen, 'Elementary Chinese' habe ich noch zusätzlich belegt. Es ist empfehlenswert den chinesisch Kurs zu besuchen, auch wenn er nicht angerechnet wird. Somit werden mir 22 ECTs an mein Studium angerechnet (ein chinesischer Punkt wird in 2 ECTs Punkte konvertiert). 7 Kurse sind gut machbar, jedoch muss man beachten, dass die meisten Kurse in den ersten 8 Studienwochen abgeschlossen werden. Und man deshalb die unterschiedlichen Abgabeterminen von jedem Kurs gut im Überblick behalten muss. Bei den meisten Kursen hat man wöchentliche Assignments, die man einreichen muss. Dafür hat man die meisten Kurs schon nach der 8. Studienwoche beendet. 

Theory of Investment (2 chinesische Pkte)

War für mich ein sehr interessanter Kurs, da ich keinen Finance Background habe. Der Zeitaufwand für diesen Kurs ist relativ hoch, weil wöchentliche Assignments anfallen. Es werden die Basics vom Investment vermittelt, und vor allem empfehlenswert für Studenten, welche ihr Finance Wissen aufbessern wollen.

Business Innovation in an Interconnected World (2 chinesische Pkte)

Dieser Kurs war vorallem durch Case Studies (erste Hälfte des Semesters) und Vorträgen von seitens der Studenten (zweite Hälfte des Semesters) über neue Business Cases geprägt. Ebenfalls erhält man einen guten Überblick von neuen Trends. Bei dieser Vorlesungen sind ebenfalls wöchentliche Assignments einzureichen. Würde ich wieder wählen.

Personal Assessment and Selection (2 chinesische Pkte)

Diese Vorlesung behandelt klassische Theorien der  Personal Bewertungs- und Auswahlmethoden sowie moderne Verfahren. Zudem wird ebenfalls auf die Vorhersage der Mitarbeiterleistung und des Auswahlverfahrens eingegangen. Im grossen und ganzen ist es ein spannender Kurs und nicht sehr aufwändig.

China Roots Seminar (1 chinesische Pkte)

Dieser Kurs ist auf jeden Fall empfehlensweert, da ein guter Überblick über das soziale, ökonomische und politische System Chinas vermittelt wird. Das Seminar besteht aus 4 Vorlesungen, welche abwechselnd von unterschiedlichen Dozenten gehalten werden je mit einem spezifischen Thematik. Die Schlussnote wird zum einen durch die wöchentliche Teilnahme und zum anderen durch eine kleine Abschlussarbeit zusammengesetzt.

Technology driven Business Innoavtion (2 chinesische Pkte)

Das ist der einzige Kurs, den ich persönlich nicht mehr wählen würde. Der Arbeitsaufwand ist zwar relativ gering mit einer Abschlussarbeit von 5-10 Seiten, jedoch fand ich ihn überhaupt nicht spannend. Gastreferenten von BT (British Telecom Company) haben die verschiedenen Vorlesungen gehalten und Business Innovationen aus einer technologischen Sicht beleuchtet.

Leadership in a New Era (2 chinesische Pkte)

Der McKinsey Leadership Kurs setzte sich aus verschiedenen Vorträgen von unterschiedlichen top Level Führungskräften von McKinsey zusammen. In diesem Kurs wurden insbesondere auf zukünftige Herausforderungen eingegangen, und wie welchen Strategien man diese angehen kann. Durch den Kurs kriegt man aus erster Hand mit, was Führungskräfte von heute beschäftigt und Führungskräfte von morgen beschäftigen sollte. Ich habe den persönlichen Input der jeweiligen Referenten hinsichtlich der heutig immer mehr steigenden Komplexität sehr geschätzt, und als sehr hilfreich empfunden. Meiner Meinung einer der besten Kurse, würde ich auf jeden Fall wieder wählen.

Elementary Chinese

Empfehle ich absolut weiter, da es sehr hilfreich ist ein paar Brocken Chinesisch zu sprechen, und man eine Grundidee für die chinesische Sprache kriegt. Die Betonung der Wörter ist sehr schwierig, also nicht gleich verzweifeln anfangs. Es braucht ein bisschen Übung bis man ein Gefühl für die Aussprache entwickelt. Es macht aber insgesamt sehr viel Spass. Ich hatte eine super spontane und lustige Lehrerin sowie  die Unterrichtsklasse.

Leben/Freizeit

Das Auslandsemester in China hat mir definitiv ermöglicht, eine andere Kultur kennen zu lernen. Es war eine sehr bereichernde Zeit gerade kultureller Hinsicht. Es gibt etliche Essensmöglichkeiten auf und ausserhalb des Campus (vor allem chinesische, koreanische, japanisch sowie westliche Küche). Insbesondere in Malls in den oberen Stockwerken gibt es viele gute Restaurants, was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig war. Wudaokou, welches die nächst gelegene Metro-Station ist, hat schon sehr vieles zu bieten, und ist vom Campus mit dem Fahrrad nur wenige Minuten entfernt (siehe oben). Wenn man genug von Wudaokou hat, kann man auch etwas mehr in die Stadt hinein fahren, nach Sunlitun. Sunlitun ist das klassische Ausgeh-Viertel, wo viele gute Restaurants, Bars, Einkaufsmöglichkeiten, Botschaften und viele Expats zu finden sind. Es ist im Vergleich zu anderen Distrikten eher etwas teurer, aber immer noch relativ günstig für Schweizer Standards. Man sollte ebenfalls zur Einkaufsstrasse in Wangfujing gehen, wo es einerseits in einer Seitengasse ein chinesischen Markt gibt (mit Skorpionen, Larven und sonstigen Leckereien:) und andererseits viele Teehäuser und Marken Läden gibt.

Um noch mehr mit chinesischen Studenten in Kontakt zu treten, würde ich anraten einem Sportclub der Universität beizutreten (grosse Auswahl). Gleichzeitig ist es für Peking bekannt, dass die Luftverschmutzung an gewissen Tagen gefährlich werden kann. Aus diesem Grund war Joggen oftmals keine Option, um sich sportlich zu betätigen. Auch habe ich teilweise eine Maske getragen, gerade im Winter ist es vermehrt vorgekommen. Die Maske hat jedoch den Vorteil etwas zu wärmen. Dafür bieten verschiedene outdoor Aktivitäten und Ausflüge wie beispielsweise zur Great Wall, oder sonst wo in die Bergen die Möglichkeit Natur und frische Luft zu tanken. Verschiedene Gruppen/Organisationen bieten solche Trips vor allem am Wochenende an. Die Trips werden oftmals in We-Chat Gruppen gepostet, und jeder der gerne daran teilnehmen möchte, kann sich dafür anmelden. Es lohnt sich auf jeden Fall an solchen Aktivitäten teilzunehmen, da es Spass macht und oft die Gelegenheit bietet neue Leute kennenzulernen. Zudem besitzt Peking (China) ein relativ gut ausgebauten öffentlichen Verkehr. Dadurch kann auch gut auf eigene Faust dies Stadt/Land mit der Metro, dem Bus oder dem Zug erforschen. Wobei Taxis oftmals auch eine praktische alternative sind, ausser bei rush hour (was oft der Fall ist).