Bilder zum Bericht

Die Montrealer Skyline vom Mont-Royal aus gesehen

Piknic Electronik im Park Jean-Drapeau

Herbstfarben auf dem Mont-Tremblant

Ein Bison im Park Omega, das man mit dem Auto durchfahren kann

Erfahrungsberichte

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Wer

david.colameo[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

CA-
Montreal - McGill University

Studienfach

Neurowissenschaft (07DO)

Gesamteindruck

Mir war schon immer klar, dass ich ein Semester an einer englischsprachigen Universität absolvieren wollte. Als ich die Liste der Partneruniversitäten der UZH durchstudierte, fiel mein Auge auf Kanada und die McGill Universität in Montreal. Ich war sofort fasziniert von der Uni und der Idee in einer zweisprachigen Stadt zu studieren. Obwohl mein verrostetes Französisch in diesem halben Jahr noch schlechter wurde, wird mir die Zeit in einer der kulturreichsten Städten Nordamerikas lange in Erinnerung bleiben.

Vorbereitung

Wenn man sich für ein Austauschprogramm entschieden hat, muss man sich am Anfang etwas Zeit nehmen, um sich auf den Seiten der Internationale Beziehungen einzulesen. Was ist alles gefordert? Was muss man sich anschaffen? Ist es der richtige Zeitpunkt?

Was mir am Anfang etwas Sorgen bereitete, war das nötige Englischzertifikat. Zum Glück nimmt die Uni McGill auch das uniinterne Englisch Assessment Test des Sprachzentrums der UZH und ETH an. Da hat man den Vorteil, dass man von einer echten Person befragt wird und nicht in ein Mikrofon reden muss wie beim TOEFL. Ausserdem kostet das Assessment etwa halb so viel wie der TOEFL.

Die MNF bietet einem an, gratis die Leistungsübersicht zu übersetzen. Man muss nur dem Dekanat ein Email schrieben und man bekommt dann ca. 1 Woche später das auf Englisch übersetzte und zertifizierte Dokument nach Hause geschickt über.

Ankunft

Da ich weniger als 6 Monate in Kanada verbracht habe, brauchte ich kein Visa, was die Papierarbeit am Flughafen erheblich beschleunigte. Nachdem ich bei der Passkontrolle einige Fragen beantwortet hatte (ich musste nicht mal meine Studienbestätigung zeigen), kriegte ich einen Stempel, der 6 Monate gültig ist. 

Bevor ich in Kanada ankam, hörte ich, dass eine Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt 40$ kostet. Was man mir nicht mitteilte, ist, dass dieser Tarif nur für Downtown gültig ist und da ich im Plateau wohnte, zahlte ich 50$. Diese lohnten sich jedoch trotzdem, da man nach 8 Stunden Flug und 1 Stunde bei der Passkontrolle anstehen etwas müde wird. 

Ich kam etwa 2 Wochen vor Semesterbeginn an, um mich mit der Umgebung in aller Ruhe bekannt zu machen. In dieser Zeit lernte ich auch den anderen Austauschstudent aus der UZH kennen, den Psychologiestudenten Dino Semadeni. Mit ihm traf ich mich einige Male während des Semester, um uns über das Leben an der McGill oder Montreal auszutauschen, ein Bierchen zu trinken oder einfach um wieder einmal auf Schweizerdeutsch z'schwätze. Die während dieser Zeit aufgebaute Freundschaft werden wir wohl auch in der Schweiz weiter pflegen.

In dieser Zeit ging ich auch bei der Service Point vorbei, um die McGill ID machen zu lassen (dauert etwa 5 Minuten) und die obligatorische Krankenversicherungskarte abzuholen. Bei der STM (sozusagen die Montrealer SBB) sollte man sich auch eine Opus-Karte für Studenten machen lassen, da man fast 50% bei den Monatsabos einspart. Anfang Monat kann man dann die Karte an einem Schalter wieder aufladen.

Zimmersuche
Wohnen

Da ich eine Woche vor meinem Abflug noch in den Ferien war, wollte ich auf Nummer sicher gehen und mit der Zimmersuche schon vor meiner Ankunft beginnen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht in ein Studentenwohnheim einziehen wollte. Wenn man aber auf der Suche nach der American College Experience ist, ist eine Residence auf jeden Fall in Betracht zu ziehen. Die Zimmer werden bevorzugt an Erstsemestler vergeben und  danach werden diese im zweiten Jahr so gut wie rausgeschmissen, sodass das Durchschnittsalter eher tief (17-18) liegt. Die Uni bietet auch eine ganze Residence für Austauschstudenten an. Man sollte sich auf jeden Fall früh genug informieren.

Ich entschied mich nach ein paar Skypemeetings mit einigen WGs in ein Studioapartment im Plateau einzuziehen, da ich dachte, es sei unmöglich eine WG via Skype richtig kennen zu lernen. Meine möblierte Wohnung war sehr zentral in der Nähe der Kreuzung von Avenue Mont-Royal und Boulevard St-Laurent gelegen und nur einige Gehminuten von der Metro Mont-Royal entfernt. Der Besitzer der Wohnung, auch Schweizer, bat mir an, die Miete in Schweizer Franken zahlen zu dürfen, was mir das Eröffnen eines kanadischen Bankkontos ersparte. Falls jemand auch in Betracht zieht, alleine zu wohnen,  leite ich sehr gerne die Kontaktangaben des Vermieters weiter. Er hat mehrere Studios im selben Gebäude und die Nachbarn sind oft auch Austauschstudenten.

Universität

Am Anfang buchte ich 5 Kurse, aber nach der ersten Woche merkte ich, dass es nicht realisierbar ist. Ich buchte schlussendlich zwei 300er und zwei 500er Kurse, wobei der Arbeitsaufwand bei den 300er fast mehr war als die höhergestuften 500er Kurse. Jede Woche hatte ich pro Kurs nur drei Vorlesungsstunden, was weit weniger ist als das Vorlesungspensum, das ich mir von der UZH gewohnt bin. Der grosse Unterschied liegt im Aufwand, den man in seiner Freizeit betreiben muss. In jedem Fach hatte ich mindestens eine Zwischenprüfung Mitte bis Ende Oktober. Ausserdem fielen oft Übungen, Vorträge oder Arbeiten an, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Einen grossen Vorteil von diesem Lehrsystem ist, dass die Schlussprüfung etwas lockerer genommen werden kann. Sie zählte oft nur 50% und konzentrierte sich auf den Stoff nach der Zwischenprüfung. Ausserdem fühlte ich mich gegen Ende nicht so unter Druck eine gute Note zu schreiben, weil man den Prüfstil des Professors schon kennt und man durch die vielen Übungen während dem Semester den Stoff ständig wiederholt.

Am Ende des Semesters kann ich nicht sagen, welches Lehrsystem besser ist, jenes der McGill oder der UZH und würde behaupten, dass beide Vor- sowie Nachteile haben. Das Semester bei McGill hat mir aber auf jeden Fall geholfen mein Englisch zu verbessern und disziplinierter während des Semesters zu arbeiten. Ich empfehle wärmstens mindestens ein Seminar zu nehmen, in dem man sich mit Studenten und Professoren austauschen kann und sich zwingen muss, an Diskussionen teilzunehmen.

Leben/Freizeit

Montreal bietet eine ganze Palette von Aktivitäten an. Es ist eine sehr hippe Stadt mit vielen Restaurants, Bars, Pärke und Natur. Im Sommer empfehle ich ein BIXI-Abo zu lösen. Das Velo-Mietsystem in der Stadt ist phänomenal, sei es um zur Uni zu fahren oder die Stadt zu erkunden. Passt einfach gut auf die Einbahnzeichen und Schlaglöcher auf! 

Im Sommer sollte man wenigstens einmal das Piknic Electronik Festival im Park Jean-Drapeau besuchem, vor allem wenn man ausgelassene Musikabende im Freien geniesst (inkl. schöner Sicht auf die Montrealer Skyline). Das Winterpendant dazu ist der Igloofest am alten Hafen, aber hierfür sollte man sich schon warm anziehen. 

Apropos Winter, bis Anfang November war das Wetter echt super. Ich erlebte den wärmsten Herbst meines Lebens (vielleicht habe ich auch ein gutes Jahr erwischt). Aber es kann sehr schnell sehr kalt werden. Ab spätestens Anfang Dezember sollte man sich wirklich warm anziehen (was dann die Fahrten in der Metro umso unangenehmer macht, da auf mindestens 25 Grad geheizt wird, und durch die Winterpause der BIXIs mehr Leute Metro fahren und somit bei Stosszeiten alles vollgestopft ist). Aber man sollte sich trotzdem nicht davon abhalten lassen, sich nach dem strengen Semester eine Auszeit zu gönnen und herumzureisen. 

Die idyllischen Städte Quebec City und Ottawa sind ein paar Autostunden von Montreal entfernt und im Herbst sollte man auch mal einen Nationalpark besucht haben. Am besten mietet man ein Auto, das wohl billigste Transportmittel für etwas längere Strecken. Es bietet sich auch an, im Winter einen Abstecher auf New York zu machen, da das Wetter definitiv wärmer ist als in Montreal und man keine grosse Touristenschwärme wie sonst im Jahr erwarten muss.