Erfahrungsberichte

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Wer

marco.geiger2[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

 Mein Austauschsemester in Shanghai gehört sicher zu den wertvollsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Deshalb kann ich es jedem Studenten sehr ans Herz legen, sich auch für einen Austausch zu bewerben. Shanghai als Destination bietet starken Kontrast zum relativ ruhigen und grünen Zürich und ist vor allem für Studenten geeignet, die in einer pulsierenden Stadt leben möchten. Von Shanghai aus lässt sich die Ostküste China's durch Wochenendtrips bequem mit dem Zug erkunden und auch die Stadt an sich hält ein breites Angebot an Aktivitäten bereit.

Vorbereitung

In erster Linie kann ich sehr empfehlen, möglichst früh alle Unterlagen zusammenzutragen, da die Anmeldefrist meistens während der Lern- und Prüfungsphase abläuft und die Bewerbung doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt.

Sobald man dann die Bestätigung der UZH erhalten hat, muss man sich separat bei der Fudan Universität bewerben. Dieser Schritt ist aber nur rein formeller Natur und stellt meiner Meinung nach keine Hürde mehr dar. Nach der Rückmeldung von der Fudan erhält man dann nach einiger Zeit die Visa-Unterlagen für China per Post, mit welchen beim chinesischen Generalkonsulat in Zürich ein Visum erhältlich ist.

Obwohl Shanghai eine Weltstadt ist, darf man die Englischkenntnisse der lokalen Bevölkerung nicht überschätzen. Darum ist es empfehlenswert, wenigstens alltägliche Begriffe und Zahlen auf Chinesisch vor dem Aufenthalt zu erlernen.

 Nicht zu vergessen ist ein VPN vor Abreise zu installieren, da Google und andere westliche Plattformen nach wie vor in China gesperrt sind. Dabei würde ich mich nicht auf den VPN der UZH verlassen, sondern beispielsweise die kostenpflichtigen Dienste von Express VPN in Anspruch nehmen, welcher bei mir einwandfrei funktioniert hat. VPNs sind übrigens, soweit ich weiss, nicht illegal in China. Zudem sollte man Wechat herunterladen und sich ein Benutzerkonto einrichten. Obwohl Whatsapp einwandfrei funktioniert, ist Wechat als Alternative viel populärer in China.

Ankunft

Nach der Ankunft am Flughafen würde ich ein Taxi als Transportmittel zur Unterkunft empfehlen, da es sehr mühsam sein kann mit einem Koffer in der U-Bahn zu reisen. Hier bietet sich auch bereits die erste Möglichkeit seine Chinesischkenntnisse sinnvoll anzuwenden, da der Preis für die Taxifahrt dringend heruntergehandelt werden muss, wobei mit Englisch höchstwahrscheinlich ein schlechterer Preis resultiert als mit Chinesisch. Mit etwas unter 200 RMB pro Taxi ins Zentrum kann man sich zufrieden geben.

 Wenn dann die erste Fahrt mit der U-Bahn ansteht, sollte man am besten gleich zu einem Schalter in einer Station gehen und eine Karte beziehen, die man mit Guthaben aufladen kann. Man spart so den mühsamen Kauf von Einzeltickets. Das Personal an den Schaltern spricht auch in den meisten Fällen Englisch.

Zimmersuche
Wohnen

Da es für Austauschstudenten relativ schwierig ist, ein Zimmer im Studentenwohnheim an der Fudan zu erhalten, sollte man sich direkt um ein eigenes Zimmer ausserhalb vom Campus kümmern. Meine Empfehlung ist es, zuerst für eine Woche in einem Hostel unterzukommen und während dieser Zeit sich intensiv mit der Suche nach einem eigenen Zimmer zu befassen. Wichtig ist, dass das eigene Zimmer entweder in der Nähe der Fudan gelegen ist, oder sonst eine U-Bahn Station der Linie 10 zu Fuss nicht länger als 10 Minuten entfernt liegt. Informationen über verfügbare Zimmer findet man auf www.smartshanghai.com oder in diversen Wechat-Gruppen, bei denen man am besten Bekanntschaften fragt, um in die Gruppen eingeladen zu werden.

 In den meisten Fällen findet man ein Zimmer, welches von einer Agentur untervermietet wird und ein Depot in der Höhe von einer Monatsmiete bezahlt werden muss. Um dieses Depot am Ende der Vertragslaufzeit zurückzuerhalten wird verlangt, dass ein Nachmieter präsentiert wird. Jemanden zu finden ist immer mit Glück, aber noch mehr mit Aufwand verbunden. Da gegen Ende des Semesters alle Kanäle geflutet werden mit Angeboten für Zimmer, geht das eigene Angebot schnell unter in der Menge. Daher muss man nicht nur unzählige Fragen zu seinem Zimmer beantworten, sondern auch stets das eigene Angebot sichtbar halten. Man sollte also nicht unbedingt damit rechnen, das Geld aus dem Depot zurückzuerhalten.

Universität

Die Fudan Universität liegt im nord-östlichen Teil von Shanghai und ist vom Zentrum in circa 25 Minuten erreichbar. Da der Campus relativ gross ist, empfehle ich ein Fahrrad zu kaufen. Dies kostet ungefähr 150 bis 300 RMB inkl. Schloss und ist fast an jeder Strassenecke in der Umgebung der Uni erhältlich.

Das Sportangebot ist bei weitem nicht so breit wie an der UZH. Wenn man aber seine Lieblingssportart auch während dem Austausch ausüben möchte, lassen sich bestimmt gleichgesinnte Kommilitonen finden, mit denen man sich individuell organisieren kann.

Das Essen auf dem Campus in den verschiedenen Mensen ist vorwiegend Chinesisch und ziemlich billig. Neben der School of Economics wurde dieses Semester eine weitere Mensa eröffnet, was den Weg zu einer Mensa für die dortigen Studenten deutlich verringert hat. Off-campus gibt es in der Nähe der Uni diverse Restaurants, auch mit westlichem Essen, welche aber deutlich teurer sind als die Mensen. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ist vorwiegend in muslimischen Restaurants zu finden, welche sich durch einen kleinen Grill vor dem lokal kennzeichnen (gilt auch für das Stadtzentrum). Ansonsten findet man diverse Printshops auf und neben dem Campus, wo eine Kopie nur wenige Rappen kostet, sowie verschiedene kleine Lebensmittelläden.

 Bezüglich dem Akademischen gibt es grundsätzlich drei Merkmale, wodurch sich ein Semester an der UZH von demjenigen an der Fudan unterscheidet. Erstens gibt es verhältnismässig viel weniger Prüfungen, und falls es überhaupt gibt, machen die meistens nur einen Teil der Endnote aus. Zweitens werden in fast allen Modulen Berichte oder Präsentationen verlangt, mehrheitlich sogar beides. Dabei gilt bei den Berichten eher Quantität vor Qualität. Drittens ist der Arbeitsaufwand während des Semesters um einiges höher als an der UZH, jedoch kann man bei guter Zeitplanung das Ende des Semesters beinahe geniessen.

Ich habe bei meinem Aufenthalt vier Module à jeweils drei Fudan-Punkte gebucht. Dies entspricht einem Aufwand von rund 24 ECTS Punkten und ist für ein Austauschsemester genau richtig, da einem nebenbei noch genügend Zeit bleibt um China für sich zu entdecken. Anzumerken ist, dass nicht alle Module gleich arbeitsintensiv waren, sondern sich zum Teil in dieser Hinsicht stark voneinander unterschieden. Beispielsweise war das Fach China's Taxation System and Fiscal Policy nur halb so viel Aufwand wie das Modul Labor Economics. Meine anderen beiden Fächer Chinese Economy und International Finance hielten sich ungefähr die Waage. Was die Professoren anbelangt, waren alle vier fachlich kompetent und fliessend in Englisch ohne Akzent.

 Als kleiner Tipp kann ich die Bibliothek der School of Management als Ort zum lernen empfehlen. Im Gegensatz zu den restlichen Bibliotheken ist es dort immer schön warm und die Öffnungszeiten sind auch ausgedehnter. 

Leben/Freizeit

 Was Shanghai besonders macht, ist die kulinarische Vielfalt. Einerseits findet man Gerichte aus all den Provinzen China's, andererseits gibt es auch viele Restaurants mit Küchen aus der restlichen Welt, die man zur Abwechslung aufsuchen kann. Hinzu kommt, dass man sich all das Essen bequem und günstig nach Hause liefern lassen kann (beispielsweise mit www.sherpa.com.cn, wochentags ist die Lieferung bis 18:00 Uhr gratis), zu jeder erdenklichen Tageszeit. Allgemein nimmt einem die ständige Verfügbarkeit von Dienstleistungen und Produkten einiges an Planungsaufwand ab. Jedoch ist dies auch mit einem erhöhten Lärmpegel verbunden, der sich selten zu beruhigen scheint. Shanghai ist also eine Destination für Grossstadtmenschen oder solche, die so ein Leben gerne einmal ausprobieren möchten. Naturverbundene Personen werden es aber nicht so einfach haben, sich mit der Stadt anzufreunden.