Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

pablo.rohner[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Kulturanalyse (7380)

Gesamteindruck

Berlin, eine Stadt, in der Jede und Jeder schon mal war, zu der alle schon eine Geschichte haben. Für mich bedeutete die Zugfahrt von Zürich nach Berlin zwei Wochen vor Semesterbeginn hingegen die Erstbegegnung. Ich verbrachte die ersten Wochen hauptsächlich mit Flanieren und entdeckte dabei, dass sich die Stadt in Gestalt und Atmosphäre mit jedem Kilometer verändern kann. Auch vier Monate später könnte ich noch immer so vorgehen, ohne dass die Entdeckungen des Neuen und das Staunen über das ständige sich-Erneuern der Stadt in ihrer Anzahl abnehmen würden.

 Im Stadtzentrum, in den Bezirken Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Mitte, scheinen fast alle Gebäude in irgendeiner Form im wörtlichen Sinn offen zu sein. Die Dichte an Geschäften, Cafés, Bars und Clubs auf einem Gebiet dieser Ausdehnung ist unvergleichlich. In diesem anregenden Umfeld zu Leben und zu Studieren und sich in beidem mit der Stadt auseinanderzusetzen, war eine grossartige Erfahrung. Dazu trug massgeblich bei, dass die zuständigen Menschen des Instituts für Kulturwissenschaft der HU und der Kulturanalyse der UZH zielsicher und unkompliziert durch den administrativen Aufwand, den ein Auslandsemester mit sich bringt, begleiteten.

Vorbereitung

Downloadbare Checklisten und die reaktionsschnelle Betreuung durch die zuständigen Menschen beider Universitäten gaben mir stets das Gefühl, dass «es läuft» und ich über die lange Liste von im Vornherein zu erledigenden To-do’s den Überblick behalten kann. Um die allermeisten organisatorischen Belange kümmerten sich sowieso die FachkoordinatorInnen der Universitäten. Zum Zeitpunkt der physisch vor Semesterbeginn im Hauptgebäude der HU Unter den Linden stattfindenden Immatrikulation alle benötigten Dokumente vorliegen zu haben, erwies sich neben der Zimmersuche noch als grösste Herausforderung.

 Aber auch hier erwiesen sich Merkblätter und der Kontakt mit den KoordinatorInnen als sicherer Kompass, auch wenn man glaubte, mal mit etwas zu spät dran zu sein. Als unverzichtbar hat sich der Besuch des Einführungstags erwiesen, der auch einen Rundgang über den Campus und die Hauptbibliothek beinhaltet und die Möglichkeit bietet, erste Kontakte zu anderen Studierenden zu knüpfen, die sich in meinem Fall über das ganze Semester hinweg erhielten.

Ankunft

Für die in Berlin zu Erledigenden administrativen Aufgaben (vor allem Registrierung beim Bürgeramt, Immatrikulation an der HU) empfiehlt es sich einige Wochen vor Semesterbeginn anzureisen. Wenn noch ein Zimmer gefunden werden muss, sowieso.

 Auch für erste Erkundungen, die Aufnahme von Rhythmus und Atmosphäre der Stadt sowie die Gewöhnung an die Zirkulation (U-/S-/Ringbahn, anderer öffentlicher Verkehr, Fahrradverkehr etc.) empfand ich die Wochen vor Semesterbeginn als wertvoll.

Zimmersuche
Wohnen

Diese von der Schweiz aus zu betreiben, nahm ich als ziemlich schwierig wahr, auch, weil ich erst ca. zwei Monate vor Semesterbeginn damit anfing. Trotz eines eigentlich grossen Angebots an auf verschiedenen Wohnungsportalen ausgeschriebenen Zimmern, wurden viele meiner Anfragen zu WG-Zimmern gar nicht erst oder negativ beantwortet. Dies wohl auch, weil bei der grossen Nachfrage in Berlin BewerberInnen bevorzugt werden, die sich schnell vor Ort vorstellen können.

 Alternative mir bekannte Möglichkeiten wären, sich um einen Platz in einem Studierendenheim zu bewerben, oder, früher anzureisen und sich vor Ort nach einem Zimmer umzusehen. Gerade letzteres soll im Grossen und Ganzen recht gut gehen, wie ich von KommilitonInnen erfuhr.

Universität

An der HU zu studieren empfand ich in verschiedener Hinsicht als grosses Glück. Zunächst ist die zentrale Lage zwischen Unter den Linden und Friedrichsstrasse zu nennen, wo auch die meisten Veranstaltungen der Kulturwissenschaft stattfinden, und die es erlaubt, die Hauptbibliothek Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in ca. zwei Gehminuten zu erreichen.

 Die von mir besuchten Kurse, unter anderem zu Walter Benjamin, Technikphilosophie und Hauntology, waren von engagierten DozentInnen und KommilitonInnen geprägt und gehörten zum fruchtbarsten, was ich in meinem Studium erlebt habe. Auch in organisatorischer Hinsicht kann ich bisher nur Positives berichten. Die verschiedenen Koordinationsstellen und Beratungsstellen für internationale Studierende sind gut erreichbar, antworten schnell und sind unkompliziert im Umgang.

Leben/Freizeit

Da sich viele der Studierenden aus gemeinsamen Seminaren der Vorsemester kennen, ist ein gewisser Aktivismus nötig, um Zugang zu sozialem Umgang mit ihnen ausserhalb der Seminarräume zu finden. Referatsgruppen und die Diskussion in den Seminaren erwiesen sich hier als Andockstelle über den Seminarinhalt hinaus.

Das Angebot an Sehenswürdigkeiten, Parks, Clubs, Bars, Konzerten, Museen, Wochenendmärkten sowie Vorstellungen in Kinos und Theater und politischen Veranstaltungen ist so gross, dass es sich empfiehlt, einige dem eigenen (sub-)kulturellen Profil entsprechende (oder es herausfordernde) online-Agendas zu verfolgen, die einen Teil der Sichtung des riesigen Angebots für einen übernehmen. Ebenso gut möglich und spannend kann es aber auch sein, die überall in der Stadt zu findenden Hinweise auf Veranstaltungen zu beachten. Speziell im Sommer kann es sich lohnen ein Fahrrad anzuschaffen, da die Stadt flach und sehr gut mit Radwegen und –schnellstrassen erschlossen ist.

 Bei dem pulsierenden Stadtleben wäre es schade zu vergessen, dass sich am Rand von und um Berlin viel schöne (und mit dem öffentlichen Verkehr leicht erreichbare) Natur mit Wäldern und vielen Seen findet.