Erfahrungsberichte

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Wer

gian.fink[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Die Möglichkeit im Rahmen meines Bachelors ein Auslandsemester zu absolvieren ist meines Erachtens eine der eindrücklichsten Erfahrungen die ich während meinem Studium erleben durfte. Aus verschiedensten Medien wissen wir zwar, dass sich China für eine grosse Zukunft vorbereitet und in den vergangenen Jahren unglaublichen Wachstum durchlaufen hat. Um die Dimensionen dieser Entwicklungen vollumfänglich zu begreifen muss man jedoch hier gewesen sein.

Die Menschen in Shanghai sind genau so vielfältig und interessant wie die unzähligen Möglichkeiten die einem täglich offen stehen. Die Zeit in Shanghai hat mir vor allem wegen den vielen spannenden Bekanntschaften gefallen. In der Freizeit bietet die Stadt ein unglaubliches Angebot von Aktivitäten die man mit seinen neuen Freunden aus der ganzen Welt geniessen und erleben kann.

Menschen mit einer starken Naturverbundenheit sollten sich eventuell einen anderen Ort für ihren Austausch aussuchen. Um von Shanghai ins Grüne zu kommen muss man schon einen Tagestrip einplanen (etwas an das man sich als Schweizer erst mal gewöhnen muss). Ebenfalls erwähnenswert ist das Klima. Als ich im Februar ankam war es sehr kalt und meist windig. Sonnentage waren während meinem Austausch eher selten und von April bis Juni hat es sehr ausgiebig geregnet, was zu einem sehr heiss-feuchten Klima führte. Das Wetter in Shanghai lässt sich durchaus mit dem Wetter in Zürich vergleichen, wobei es einem in einer solchen Megastadt etwas extremer vorkommt.

Vorbereitung

Bei der Reisevorbereitung gibt es eigentlich nur zwei wichtige Punkte. Einerseits sollte man alle Fristen von der Universität einhalten und andererseits sollte man sich um sein Visum kümmern. Vor der Abreise erhält man einige Male Login-Daten und Anweisungen von der Fudan Universität. Da muss man eigentlich nicht viel machen ausser diese auszuprobieren. Man sollte sich dabei nicht verunsichern lassen, wenn das eine oder andere online-Tool in Mandarin vor einem auf dem Bildschirm erscheint. Wichtiger ist da schon das Visum. Grundsätzlich bestehen mit den Unterlagen die Ihr von der Fudan Universität bekommt keine Schwierigkeiten dieses zu erhalten. Die normale Bearbeitungszeit im chinesischen Konsulat in Zürich dauert etwa fünf Arbeitstage. Gegen einen Aufpreis hat man zudem die Möglichkeit für eine Expressbearbeitung. Man sollte trotzdem nicht zu lange mit dem Visum warten, da das Chinesische Konsulat in Zürich eher kurz gehaltene Öffnungszeiten hat und man manchmal mit langen Wartezeiten rechnen muss. Ansonsten habe ich mich etwas mit der Geschichte von Shanghai und mit Sehenswürdigkeiten in China auseinander gesetzt. Damit weiss man in etwa was man erwartet und der Kulturschock hält sich dem entsprechend moderat. 

Ankunft

Ich habe mich entschieden „off-campus“ zu wohnen und musste deshalb erst einmal eine Wohnung finden. Ich habe aus der Schweiz ein Zimmer im Shanghai Bund Fish Inn gebucht. Dieses Hotel ist sehr zentral an der East Nanjing Road gelegen und befindet sich in etwa 10 Minuten Laufdistanz zum Bund. Mit seinen günstigen Preisen, schönen Zimmern und überaus hilfsbereiten Personal kann ich das Hotel als erste Station definitiv empfehlen. Vom Pudong International Airport gibt es drei Wege ins Stadtzentrum (Nanjing Road). Mit der normalen Metro dauert es etwa eine Stunde und man bezahlt 3RMB (man muss umsteigen). Alternativ kann man mit dem Hochgeschwindigkeitszug (Maglev) ins Stadtzentrum was etwa 15 Minuten dauert und 50 RMB kostet. Die letzte Option ist ein Taxi. Ganz generell sollte man bei Taxifahrten darauf achten das der Zähler läuft und keine Preise verhandeln. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt dauert je nach Verkehr zwischen 40-80 Minuten und sollte um die 180 RMB kosten. Shanghai hat eines der fortschrittlichsten U-Bahn Netze der Welt. Um zurecht zu kommen empfehle ich die App „Explore Shanghai“ zu installieren (existiert auch für Beijing). Darin könnt ihr einfach Metro-Stationen suchen und Routen planen. Die App zeigt auch relativ akkurat die erwartete Fahrtzeit an. Des Weiteren empfehle ich folgende Upgrades für euer Smartphone bevor ihr nach China geht: (1) lades Offline Maps herunter (v.a. für Android weil man für google.maps immer VPN braucht), (2) smartshanghai App (bis jetzt nur für iPhone), (3) Ihr braucht einen kostenpflichtigen VPN. Ansonsten ist das Leben eher mühsam. Ich hate Express VPN und war sehr zufrieden. Kauft erst mal nur einen Monat (ca. 8CHF). Dann könnt ihr neuen Freunden diesen VPN empfehlen und beide erhalten weitere gratis Monate. (4) Für alle die schon Mandarin Kenntnisse haben sind zudem die Baidu Apps sehr zu empfehlen. (5) Google funktioniert nicht in China. Damit ihr ohne aktiven VPN Dinge nachschlagen könnt, empfehle ich euch während dem Aufenthalt Bing als Standardsuchmaschine einzustellen.

Zimmersuche
Wohnen

Wie schon erwähnt habe ich nicht auf dem Campus gewohnt. Das hat Vor- und Nachteile. Nachteil ist sicher das man je nach Lage zwischen zwei- bis viermal mehr bezahlt als in den Studentenzimmern. Die Preise für WG-Zimmer in Shanghai können mühelos mit Preisen im Zürcher Stadtzentrum mithalten, wobei der Ausbaustandard in der Regel tiefer ist. Dazu kommt das rund um das Universitätsgelände relativ viele günstige Einkaufsmöglichkeiten zu finden sind. Das Campusgelände ist im Vergleich zur Innenstadt sehr ruhig. Ist es eure Absicht viele verschiedene Restaurants, Bars und Clubs auszukundschaften solltet ihr in die Innenstadt. Wollt ihr jedoch ab und zu Joggen und eher einen ruhigen Austausch erleben würde ich auf dem Campus wohnen. Nun zur Wohnlage (aus meiner Sicht ist das etwas vom Wichtigsten bei der Ankunft). Es dauert eine ganze Weile bis man sich in der Stadt orientieren kann und weiss wo was zu finden ist. Viele Erfahrungsberichte empfehlen entlang der Linie 10 zu wohnen, weil man damit direkt zur Fudan fahren kann. Das ist meiner Ansicht nach überbewertet. Natürlich ist es angenehm ohne umsteigen in die Universität zu kommen und dennoch würde ich darauf nicht mein Hauptaugenmerk richten. Ich empfehle die eine Wohnung in der Nähe der folgenden Subways zu finden: Jing’an Temple, Shaanxi South Road, Dapuqiao. Damit ist man in der alten französischen Konzession und hat viele Restaurants, Bars, Shops und Cafe’s. Ich selbst habe an der East Nanjing Road ein Apartment gefunden. Mit den Stationen People’s Square und East Nanjing Road (Linie 2, Linie 10) in der Nähe hat man sehr gute Anschlüsse. Im Vergleich zur French Concession ist man jedoch weiter entfernt von Szenebars und speziellen Restaurants. Mir fiel es zu Beginn recht schwer die Wohnungspreise einzuschätzen und habe leider auch nichts in den alten Erfahrungsberichten gefunden. Hier ein paar Referenzpunkte (Wohnungspreise in Shanghai verändern sich laufend): In meinem Austauschjahr (2016) waren Preise zwischen 3000-5000 RMB (450-750CHF) normal für ein WG-Zimmer. Bei den teureren hat man in der Regel den Master Bedroom mit einem grösseren Zimmer und privatem Bad. Dazu kommt noch ein anderer wichtiger Punkt. In Shanghai gibt es zwei Typen von Wohnungen. Die einen werden von lokalen Agenturen betreut und die anderen werden privat untervermietet. Die lokalen Agenturen verlangen oft 1-3 Monatsmieten Deposit. Diese bekommt man nur zurück wenn man nach seinem Auszug einen Nachmieter findet. Dies ist sehr schwer und ich habe keinen getroffen der sein Deposit zurückbekommen hat. Ich habe bei einer Amerikanerin als Untermieter gewohnt, einen Monat Deposit bezahlt (und zurückbekommen) und musste keinen Nachmieter finden. Dies ist sehr praktisch insbesondere wenn man danach beabsichtigt zu Reisen. Zudem konnte ich flexibel Mitte Monat ausziehen. Dies war sicher ein Glücksfall, aber ich würde euch dennoch raten etwas ähnliches zu suchen, da ihr ansonsten mit hoher Wahrscheinlichkeit das ganze Deposit verliert. 

Universität

Die Fudan Universität ist eine der bekanntesten und meist angesehenen Universitäten in China und für bestimmte Studienrichtungen in ganz Asien. Ihr seid hier also an einer guten Adresse. Der Campus ist gigantisch gross und es schadet sicher nicht sich das Ganze schon einmal vor Vorlesungsbeginn anzuschauen. Administrativ ist die Universität unkompliziert organisiert und ihr habt wie auch in der Schweiz die Möglichkeit Vorlesungen zu besuchen und dann erst später zu definitiv zu buchen. Ihr müsst auch keine Angst haben das Kurse irgendwann ausgebucht sind. Es hat genügend Plätze und sonst kann man auch gut mit dem Office für Foreign Students reden. Während eurem Aufenthalt habt ihr einen Studienkoordinator dem ihr immer Fragen stellen könnt um allfällige Unklarheiten zu beseitigen.  Ich konnte Kurse aus einer Liste auswählen die mir von Fudan per Mail zugesendet wurde. Schlussendlich habe ich drei Kurse für 18 ETCS gebucht. Die Fudan Credits werden mit einem Faktor 2 zu ETCS umgerechnet. Development of Chinese Economy hat 3 Fudan Credits (6 ETCS) gegeben und wurde mir als VWL Fach angerechnet. Das Fach war sehr auf die poltischen Entwicklungen und die chinesischen Reformprozesse der letzten 70 Jahre fokussiert. Grundsätzlich war das Fach spannend und ich konnte interessante Punkte mitnehmen. Etwas mühsamer war das Englisch des chinesischen Dozenten. Teilweise war es wirklich schwierig ihn zu verstehen. Das Fach wurde mit einer Abschlussprüfung abgeschlossen und hatte keine Präsenzpflicht. Des Weiteren habe ich Entrepreneurial Development (6 ETCS) besucht das von Marcos Michel doziert wurde. Der Professor ist aufgestellt und der Unterricht interaktiv. Der gleiche Stoffumfang würde an der Universität Zürich vermutlich etwa in 3-4 Wochen vermittelt, was nicht heissen soll das man wenig zu machen hat. Kurse mit ausländischen Professoren verlangen trotzdem ein paar Dinge für den Leistungsausweis. Oft hat man Midterms, Endprüfung, Präsentationen und einen oder mehrere Reports. Da fast alle diese Dinge auf den gleichen Zeitraum fallen, würde ich empfehlen nicht zu viele davon zu buchen. Man könnte sonst eventuell ein bisschen in Zeitnot geraten. Als letzten Kurs habe ich Elementary Chinese besucht. Hier werden die Grundlagen in Mandarin vermittelt. An der Universität Zürich werden einem diese Credits nicht für den Bachelor angerechnet. Natürlich ist es gut sich die Grundlagen der Sprache anzueignen. Ich würde rückblickend jedoch Privatlektionen empfehlen. Die werden an vielen Orten angeboten und kosten etwa 15 CHF/h. Im Fudan Kurs ist das Tempo langsam und man wartet oft bis auch der Letzte die richtige Aussprache hinbekommen hat. Ganz allgemein möchte ich noch erwähnen, dass man nicht ein bisschen Mandarin lernen kann. Möchte man in dieser Sprache Fortschritte machen muss man wirklich Zeit investieren und geduldig lernen. Seid ihr dazu nicht bereit sind die Mandarin Klassen nur lästig. Zusammenfassend würde ich sagen das die Vorlesungen in der Fudan Universität zwar auf jeden Fall weniger anspruchsvoll sind, jedoch nicht zwingend weniger Zeit (Reports, Midterm,etc.) beanspruchen. Die Arbeit verteilt sich etwas mehr über das Semester. 

Leben/Freizeit

Shanghai mangelt es als letztes an Freizeitaktivitäten. Ich war in zahlreichen Bars, Clubs und Restaurants. Ich habe heisse Quellen in der Nähe von Shanghai besucht, in einem der vielen Parks grilliert und einige Freunde von mir waren sogar einmal am public beach (künstlich). Wir haben Laser Tag gespielt, sind ins Kino gegangen und haben unsere Singkünste im KTV auf die Probe gestellt. Es ist immer etwas los in dieser Stadt und jedes Mal wenn man das Haus verlässt lernt man neue Leute kennen. Auch zu empfehlen sind verschiedene Community Events. Diese gibt es praktisch für alle verschiedenen Anlässe und Gruppen in Shanghai. So habe ich an einem Swiss Event in Shanghai auch einige Schweizer getroffen, was durchaus auch zu Jobangeboten führen kann. Solltet ihr beabsichtigen noch mehr von China zu sehen kann ich Peking nur empfehlen. Man merkt das diese Stadt eine enorm alte Geschichte hat und man sieht mehr traditionelle Gebäude und Kultur. Zudem bietet die Stadt eine unglaubliche Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Meine Favoriten waren die Grosse Mauer, die Verbotene Stadt und der Sommerpalast. Zudem sollte man einige Stunden in den Hutong's (Stadtviertel) verbringen in denen man entspannt shoppen, essen und trinken kann.