Erfahrungsberichte

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Wer

elina.stoffel[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 WS + SS

Universität

AT-WIEN64
Wien - Medizinische Universität Wien

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Ein Jahr im Ausland zu verbringen war wahrscheinlich die beste Entscheidung, die ich während meinem Studium gemacht habe. Es ist so schwierig in Worte zu fassen, wie viel ich mitnehmen konnte von dieser Erfahrung. Nicht nur habe ich einen neuen akademischen Einblick bekommen in das Wiener Gesundheitssystem, ich konnte auch neue Bekanntschaften schliessen und mich weiterentwickeln in einem neuen Umfeld. Die Freundschaften, die ich dieses Jahr gemacht habe, zählen zu den engsten (wir planen schon die nächsten Ferien zusammen) und bleiben somit eine lebenslange Bereicherung. Es war auch in persönlicher Hinsicht eine unvergessliche Erfahrung, sich neu zu entfalten und zu lernen, wie man selbstständig und selbstbewusst sich neuen Herausforderungen stellen kann. Ich habe im Laufe des Jahres die Bedeutung von ausländischen Erfahrungen wertzuschätzen gelernt und nehme auch in medizinischer Sicht viele positiven Eigenschaften mit. Ich würde zweifelslos jeden ermutigen, einen Auslandserfahrung zu machen - und zwar jetzt umso mehr!

Vorbereitung

Als Vorbereitung habe ich den LA zusammengestellt, welche mit Hilfe von Frau Dupuis, problemlos umsetzbar war. Ich habe mich mit zwei Studenten getroffen, die selber den Austausch in Wien verbracht haben, und sie konnten mir Empfehlungen geben zu den Kursen bzw. Auskünfte über das online Websystem. Also bei Fragen/Tipps beim Zusammenstellen, könnt er mir gerne anschreiben!

Ansonsten gab es ausser den Ticket dorthin und Unterkunft nicht viel zu tun. Das meiste habe ich dann vor Ort gemacht (Studentenkonto eröffnen, neue SIM-Karte, etc). Über die Wohnungssuche steht mehr unten.

Ankunft

Ich bin mit dem Nachtzug in der Früh angekommen mit einem riesigen Koffer, meinem Fahrrad und viel Aufregung. Netterweise hat mich der Bruder einer Bekannten abgeholt und mir den Weg zu meinem Studentenwohnheim gezeigt. Er war selber Student und hatte mir erzählt, dass man für 75.- Euro ein Studentenpass kaufen kann, der das ganze Semester gültig ist, und man überall in Wien fahren kann (Wie ein GA für Wien).

In der ersten Wochen waren sehr viele Begrüssungsveranstaltungen vom Erasmus organisiert und ich bin oft auch allein hingegangen. Dort haben sie uns alle sehr herzlich empfangen - alle bekamen ein Buddy (meistens ein österreichische Student von der Uni), die wir anschreiben oder dort kennen lernen konnten, und es gab Präsentationen über das Studium, Wien, etc. Wir bekamen auch eine Tasche mit Broschüren mit den besten Cafés, Sehenswürdigkeiten, und konnten Fragen an den Organisatoren stellen. Ich kann nur empfehlen, an diesen Veranstaltungen hinzugehen, da am Anfang alle Studenten neu sind und wie du offen sind, neue Bekanntschaften zu machen. So habe ich die meisten von meinen engeren Kollegen bei diesen Events kennengelernt und man ist sofort integriert. Es bilden sich schnell Whatsapp Chats, wo man überall hinzugefügt wird und gleich hat man jeden Abend etwas zu unternehmen! 

Schwierig war es am Anfang, den österreischen Dialekt zu verstehen, aber nach 2-3 Wochen fängt man auch schon an Packerl, Sackerl und Semerl zu bestellen

Zimmersuche
Wohnen

Da ich im Sommer bei der Wohnungssuche nicht vorher nach Wien gehen konnte, um mir Wohnungen anzuschauen, habe ich alles über das Internet organisiert. Ich wollte unbedingt mit anderen Studenten zusammenkommen und dadurch habe ich zuerst nach Studentenwohnheime gesucht. Diese sind in Wien sehr beliebt und daher schnell ausgebucht, daher kann ich empfehlen, schon ein paar Monate im Voraus zu suchen, falls ihr das auch machen wollt. Ich hatte Glück und habe ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in 9. Bezirk gefunden, welche ca. 10 Minuten weit weg vom AKH war und direkt an der UBahnstation U6 lag. Zusätzlich war das nebenangelegte Gebäude ein Hofer (heisst so anstatt Aldi in Österreich) und drum war ich mit 6 Schritten schon im Supermarkt. Das Studentenheim hiess Studentenheim Auge Gottes und war ca. 70% Österreicher und 30% Ausländer. Auf meinem Stockwerk gab es auch ein Medizinstudent und wir haben manchmal am Abend in unserem Zimmer gegenseitig Venflons stechen geübt. Es gab auch von allen Mitbewohnern ein Chat, wo wir Fragen stellen konnten, Einladungen schicken konnten, und zB reinschreiben konnten, ob jemand Lust hat joggen zu gehen, etc. Es hatte ein Gemeinschaftsraum, wo ich oft neue Freunde zu mir eingeladen habe, wo mehrere international dinners zusammen verbracht haben (jeder bringt etwas von sein Heimatland mit - bei mir wars immer Fondue und Schokolade ;) ), sowie im Fernsehen die Wahlen oder Sport geschaut haben. Da es ein Altbau war, waren die Wände wie bei so vielen österreichischen Wohnungen sehr hoch und es hatte Platz für ein Bett, 2 Schränke, einen Schreibtisch und ein Minikühlschrank. Ausserdem war es mir wichtig, dass ich ein eigenes Bad mit Dusche hatte. Und das beste noch - es kam eine Putzfrau einmal der Woche! ;) Für 340.- pro Monat war es das günstigste und qualitativ bestes Angebot unter meinen Kollegen - also bewirbt euch früh!

Universität

Da ich im 5. Jahr eingeteilt war bei sogenannten Tertialen, war man eigentlich nur im AKH (= Allgemeines Krankenhaus) stationiert. Alle Vorlesungen und die meisten klinischen Praktikas war also in diesem riesigen Krankenhaus. Der Vorteil daran war, dass man oft nur ein paar Stockwerke hinauf oder hinunter musste, und man schon in der Klinik war (einen riesigen Kontrast zu den langen Wegen, die man zum Teil hier ablegen muss..).

Das ganze Jahr war ich in sogenannte Tertiale eingeteilt. Das bedeutet, dass das Semester in 3 Teile eingeteilt wird. Im Herbstsemster war das ORL/Ophthalmologie, Neurologie, Psychiatrie. Im Frühlingssemester waren es Notfall/Anästhesie, Gyn/Geburtshilfe und Kinderheilkunde. In jedem Tertial hat man meistens 3 Wochen Vorlesungen am Vormittag und dann 3 Wochen klinische Praktikas. Somit hat man im Vergleich viel mehr Freizeit, was die Selbstständigkeit sehr unterstützt. Somit hat man Zeit, die Stadt anzuschauen und die Vorlesungen von Zürich nachzuarbeiten.

Die Vorlesungen sind freiwillig, und viele gehen auch nicht hin, aber die Seminare sind unterschriftspflichtig. In den Seminaren ist man ca. 10-20 Studenten und sind oft sehr interaktiv, was mir sehr gefallen hat, da man aktiv Antworten geben kann, und v.a. in der Psychiatrie die Chance ausnutzen konnte, die Patienten direkt fragen zu stellen. In den Praktikas musste ich mich mit der Zeit lernen, wie man das meiste rausholt. Denn im Gegensatz zum 3 Jahr wird man nicht einem Arzt zugeteilt, sondern man wird an einer Station geschickt und dann ist die Selbstinitiative angefragt. Anfangs wusste ich nicht genau wohin ich gehen sollte und was ich machen sollte, aber mit der Zeit habe ich das zum Nutzen gemacht und oft einen sympathischen, erklärungsbereiten Arzt gesucht und ihn über den Vormittag begleitet. Da es ziemlich frei ist, was man macht, kann man die Stunden selber gestalten (zB wenn gerade nichts am Vormittag läuft, kann man fragen, ob man bei einer Nachtschicht dabei sein kann) und wenn man gerade interessiert ist in der Chirurgie, kann man fragen, ob man die Zeit im OP verbringen kann. So habe ich zum Beispiel in HNO oft mitassistieren dürfen (zB Parotoidektomie, Tonsillektomie) und in der Gyn bei Geburten und Sekios auch. Auf der Notfallambulanz, wo nichts viel los war, habe die Zeit genutzt, um Venflon stechen zu üben, da von ziemlich jedem Patient ein Blutgas/Labor abgenommen wird. Dort war es grundsätzlich so: Wenn man fragt und Interesse zeigt, kann man auch viel machen!

Leben/Freizeit

Wenn man kulturell aufregende Stadt sucht, um den Auslandaufenhalt zu verbringen, ist Wien der richtige Ort. Sei es Musik, Kunst, oder Theater wird es einem nie langweilig. Für die Staatsoper kann man mit 3 Euro Stehplätze bekommen und das gleiche gilt für das Burgtheater. Es hat auch ein ganzer Quartier mit Museen, der sog. Museumsquartier, wo man alle Seiten der Kunst bewundern kann - sei es moderne Kunst in der Mumok, das Albertinamuseum, Haus der Musik, Leopoldmuseum, das Naturhistorische Museum, etc. Musikalisch kann ich das Musikverein wärmstens empfehlen - dort spielen sie viel Klassik, aber auch Blues oder Jazz. Auch ist der Kabarett dort sehr bekannt und sorgt immer für einen super lustigen Abend. 

Im Zentrum gibt es unzählige Caféhäuser, wo man sich auf einen grossen Braunen oder Sachertorte treffen kann. Beliebt ist auch der Prater, ein ganzjährlicher Vergnügungpark, wo man Spass auf dem Riesenrad haben kann. Im Park laufen oft junge Familien herum und man kann schöne Spaziergänge dort machen. Im Frühling ist es der Startpunkt für den Vienna City Marathon, das durch die ganze Stadt geht und ich allen Laufbegeisterten empfehlen kann!

Ein Vorteil von Wien, ist die östliche Lage, denn man ist innerhalb von 1-3 Stunden aufregende Städte wie Prag, Bratislava, Budapest, etc. So ist es sehr einfach über das Wochenende einen kurzen Ausflug in die Tschechische Republik oder andere Städte Österreichs, wie Salzburg, Hallstadt, etc zu machen. Vom Erasmus werden unzählige Ausflüge organisiert - so kann man sich einfach anmelden und mitgehen, denn die ganze Reise ist schon geplant. Eine unvergessliche Reise bleibt die nach Novi Sad in Serbien, und während der Winterzeit zu den weltberühmten Weihnachtsmärkten in Prague und Dresden.