Erfahrungsberichte

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Wer

orlando.schneider[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Kulturanalyse (7380)

Gesamteindruck

Mein Erasmus in Berlin war eine auf allen Ebenen bereichernde Zeit sowohl für das Studium als auch bezüglich Freiheitsaktivitäten und Kultur. Berlin hat ein riesiges Angebot an Museen, Konzerten, Clubs, Kinos, Restaurants und Bars sowie zahlreiche Parks und die Stadt umgebende Seen und die Menschen hier waren stets kontaktfreudig und offen für Begegnungen. An der Humboldt-Universität konnte ich neue Themengebiete vertiefen und von den unterschiedlichen Perspektiven der Dozierenden profitieren.

Vorbereitung

Mein Koordinator an der UZH hat alles ganz unkompliziert in die Wege geleitet, ich hatte viel Glück mit der Wohnungssuche, was in Berlin nicht selbstverständlich ist, und obwohl gewisse Punktanrechnungen in Berlin anders waren als in Zürich, konnten diese Unterschiede im Learning Agreement problemlos überbrückt werden. Ansonsten gabe es einige Formulare (Verpflichtungserklärung, Nominierungs- und Meldeformular etc.) zu unterschreiben, aber auch diese hielten sich in Grenzen. Man muss bei den Vorbereitungen zwar immer darauf achten, dass man die Fristen einhält und nichts vergisst, doch wurde ich bei kleineren Versäumnissen immer freundlich darauf hingewiesen und ich fühlte mich bei den Vorbereitungen stets unterstützt.

Ankunft

Ich bin 2 oder 3 Wochen vor Semesterbeginn angekommen und hatte so gut Zeit mich einzuleben, meine Bürgeramts- und Immatrikulationstermine wahrzunehmen, ein Fahrrad zu kaufen, einen Bankaccount zu erstellen und mir ein Handyabo zuzulegen. Dies hat sich für mich alles bewährt und mir ein sorgenfreies Studium im Ausland ermöglicht. Ich würde allerdings das nächste Mal ein Konto bei der Sparkasse anstatt bei der Deutschen Bank eröffnen, da deren Automatendichte in Berlin wesentlich höher ist und man so viel leichter ohne Zuschlag zu Geld kommt. Ich kann das Fahrradfahren in Berlin nur empfehlen: Auch wenn teils holprig, sind die Fahrradwege meist gut markiert, ich habe mich sicher gefühlt, die Stadt ist ziemlich flach und lässt sich mit dem Fahrrad viel besser erkunden als mit der U-Bahn.

Zimmersuche
Wohnen

Ich hatte das Glück ein Wohnungsinserat in der WOZ zu entdecken und wurde für die Wohnung auf Anhieb genommen. Dies ist wohl alles andere als repräsentativ, da ich immer wieder gehört habe, wie schwer es sei, in Berlin eine Wohnung zu finden. Trotz dieser Schwierigkeiten ist eine Wohnung oder Wohngemeinschaft innerhalb des Rings - also der Ringbahn - zu empfehlen. Freunde von mir haben mit viel Ausdauer auch gute Zimmer in Friedrichshain gefunden, doch wählerisch kann man in Berlin vermutlich nicht sein...

Universität

Die Universität hatte für mich genau das Angebot, das mir in Zürich gefehlt hat! Während das musikwissenschaftliche Institut in Zürich relativ klein und familiär ist und einen Schwerpunkt auf die Historische Musikwissenschaft legt, steht die Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität in engem Verhältnis zu den Medienwissenschaften und es gibt vier Professuren für Theorie und Geschichte der populären Musik, Systematische Musikwissenschaft, Transkulturelle und Historische Musikwissenschaft. So war mein Studium eine deutliche Horizonterweiterung.

Die Professoren waren grösstenteils kompetent und sehr umgänglich und flexibel, was die Leistungsnachweise betrifft. Mir schien die Diskussionskultur in den Seminaren etwas freier und weniger von den Dozierenden geleitet, was einerseits sehr anregend, andererseits auch zuweilen etwas ausschweifend war. Der Ansatz der Seminare war teils ziemlich experimentell, indem aus einer These und aus den Diskussionen nach und nach auch die zu lesenden Texte und Referate gewählt wurden, was ich als ein erfrischendes Austreten aus der comfort zone des üblichen Seminarformats erfahren habe.

Ich fand die gegenüber Zürich verschobenen Semesterdaten (Frühlingssemester ist Sommersemester und Herbst- ist Wintersemester) vor allem bezüglich der Fristen von Formularen manchmal etwas anstrengend, da ich immer in Zürich melden musste, dass ich alles etwas später einreichen werde. Die wussten das natürlich, aber trotzdem ist das stets mit bürokratischem Aufwand verbunden.

Leben/Freizeit

Berlin ist eine grossartige Stadt. Ich hatte nur wenig Kontakt mit internationalen Studierenden oder den Leuten aus meinem Institut und musste auch auf das Angebot für internationale Studierende kaum zurückgreifen. Wenn man einfach rausgeht und offen ist für die Menschen, scheint sich alles von selbst zu ergeben. Das Sommersemester kann auf jeden Fall empfohlen werden, da man selten Gutes vom nebligen und kalten Winter in Berlin hört. Man sollte auf alle Fälle Ausflüge an die angrenzenden Seen machen, die verschiedenen Parks besuchen, die Clubkultur kennenlernen und sich, wenn man sich dafür interessiert, die Classic Card mit ihrem grossartigen Angebot für Abendkassentickets in verschiedenen Konzertsälen und Opernhäusern zutun.