Erfahrungsberichte

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Wer

larissa.haas[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Populäre Kulturen (7722)

Gesamteindruck

Berlin hat extrem viel zu bieten, sodass es mir während meines Aufenthaltes keine Sekunde langweilig wurde. Natürlich, das riesige Angebot lenkte auch hie und da von dem Studium ab…

Die Stadt ist Riesig, erst als ich hier Wohnte, wurden mir die Dimensionen bewusst. Dadurch hat man jeweils extrem lange Fahrt- und Reisewege, auch nur, wenn man sich mit Freunden verabreden oder ins Kino gehen will.

Von vielen Seiten wurde mir gesagt, dass die Berliner extrem forsch, direkt und kühl seien. Mir ist das ehrlichgesagt erst aufgefallen, als ich mich bewusst darauf geachtet habe. Klar, die Kassiererin im Supermarkt oder der Ticketkontrolleur in der Bahn kommt natürlich nicht an die Freundlichkeit der Schweizer an.

An der Uni ist es relativ schwierig, Berliner kennenzulernen. Besser funktioniert das in einem lockereren Rahmen: im Café, Bars, Kino etc.

Alles in allem wurde Berlin in dieser Zeit zu einer meiner Lieblingsstädte. Man findet sich (auch dank der Sprache) schnell zurecht, die Atmosphäre ist total kreativ, jung und frisch und man findet hier einfach alles, was man sich nur wünschen kann. 

Vorbereitung

In der Vorbereitungsphase wurde ich von beiden Seiten, sowohl von Zürich als auch von Berlin, extrem unterstützt. Die Mobilitätsverantwortlichen an beiden Universitäten sind kompetent und können schnell weiterhelfen. Das erleichtert nicht nur die Organisation, sondern gibt auch Sicherheit.

Wenn jemand sagt, ein ERASMUS-Studium bedeute viel Papierkram und Organisation, dann ist das meiner Meinung nach eine faule Ausrede. Abgesehen von ein Paar Formularen gibt es in der Anmeldephase nichts zu tun. Sobald ich an der Freien Universität eingeschrieben war, hatte ich Zugang zum Portal ‚Campus Management’, das vergleichbar mit unserem Olat ist. Dort sind sämtliche Punkte, die man bei der Vorbereitung zu beachten hat, aufgelistet und detailliert beschrieben. Hat man trotzdem Fragen, werden diese innerhalb wenigen Tagen beantwortet.

Das Vorlesungsverzeichnis der Freien Universität extrem breit und vielfältig. Am meisten Zeit der Vorbereitung ging bei mir an das Zusammenstellen meines Stundenplans.

WICHTIG: unbedingt die Spezialbedingungen für Austauschstudenten bzg. ECTS-Punkte beachten! Es gibt diesbezüglich einige Formulare und komplizierte Tabellen zu durchforsten.... 

Ankunft

Ich ging bereits drei Wochen vor Vorlesungsbeginn nach Berlin, um die Stadt bereits auf eigene Faust zu erkunden. Auch die Freie Universität kümmert sich um eine reibungslose Ankunft der Studenten. In den ersten Wochen finden Orientierungstage für alle Austauschstudenten statt, die ich wirklich empfehlen kann. Man lernt bereits die ersten Leute und auch der riesige Campus kennen. Ausserdem wird man nochmal persönlich über sämtliche Angebote informiert und man hat die Möglichkeit, sich direkt mit den Verantwortlichen auszutauschen.

Zimmersuche
Wohnen

Ich hatte mit meiner Zimmersuche einen eher holprigen Start. Es gibt in Berlin einige Studentenquartiere, sogenannte ‚Studentendörfer’, wo man günstig wohnen kann. Nach der Anmeldung für das Austauschprogramm wird einem von der Freien Universität via Mail das Wohnen in diesen Studentendörfer empfohlen. Da ich die Stadt vor meinem Aufenthalt noch nicht gut kannte und ich die Zimmersuche möglichst rasch abschliessen wollte, habe ich mich für ein Zimmer in einem dieser Studentendörfer beworben. Diese Entscheidung hat sich im Nachhinein als sehr schlecht erwiesen. Sämtliche dieser Studentendörfer sind ausserhalb der Stadt. Zwar einigermassen nah an der Uni, aber bis man im Zentrum Berlin ist, dauert es ewig. Bereits nach zwei Tagen habe ich mein Mietvertrag wieder gekündigt: die Zimmer sind schmutzig, gammlig und in einem sehr schlechten, renovationsbedürftigen Zustand. Glücklicherweise war ich bereits einige Wochen vor Vorlesungsbeginn in Berlin. Auf wg-gesucht.de suchte ich daraufhin nach einem neuen Zimmer. Diese Art der Zimmersuche kann ich jedem Empfehlen. Am besten vereinbart man in der Schweiz bereits zwei, drei Besichtigungstermine und kommt dafür dann nach Berlin. So funktioniert die Zimmersuche super, da es in Berlin enorm viele Möglichkeiten gibt. Zwar sind diese dann nicht so günstig wie diejenigen in diesen Studentendörfer, aber die Anbindung, der Komfort und der Kontakt zu den Leuten waren es mir Wert.

Universität

Der Campus der Universität ist riesig. Er erstreckt sich quasi über drei bis vier Ubahn-Stationen. Ganz Berlin-Dahlem besteht entweder aus Villen oder Universität. Daher ist die Gefahr am Anfang gross, dass man sich irgendwo verirrt. Trotz der Campusführung an den Orientierungstagen, irrte ich oft in der Gegend herum. Alleine das Hauptgebäude ist ein riesiger Gebäudekomplex, dessen Aufteilung jedoch sehr systematisch ist. Hat man das einmal durchblickt, ist die Orientierung kein Problem mehr. Aber am Anfang sollte man sicherlich genug Zeit für den Weg einberechnen.

Die Freie Universität beherbergt enorm viele Studenten und es kommen laufend mehr dazu. Die Gelder allerdings, die bleiben gleich. Und das macht sich auch bei der Infrastruktur bemerkbar. Es gibt in Berlin keine maximale Teilnehmerbeschränkung für Seminare, daher sind diese oftmals überbesetzt. In Kursen die eigentlich für 20 Personen geeignet wären, sitzen plötzlich bis zu 60 Studenten. Es fehlen Tische und Stühle, warum man sich dann an den Boden oder auf die Fensterbank setzen muss. An dieser Überbesetzung leidet dann leider auch die Qualität der Kurse. 

Leben/Freizeit

Berlin bietet extrem viel! In Berlin studieren, ist heikel: zu schnell wird man von dem riesigen Angebot abgelenkt! Täglich gibt es irgendwo irgendwelche Veranstaltungen und Events, die interessant sind. Die Stadt ist enorm kreativ und innovativ und es kommen ständig wieder mehr Angebote dazu. So lebte ich nach dem Credo, alles auszuprobieren, was mich interessiert. Vor allem kulturell habe ich viel neues und interessantes gesehen. Auch das Nachtleben ist extravagant. Man kann eigentlich täglich, 24h feiern gehen. Die Stadt schläft nie. Mir persönlich haben vor allem die kleinen Bars und die versteckten Kneipen in Neukölln, Prenzlauer Berg und Kreuzberg enorm gefallen.

Ausserdem habe ich mich ab Mitte des Aufenthaltes auf Jobsuche gemacht, da mein Konto sichtlich unter dem neuen Lebensstil litt (obwohl in Berlin alles viel günstiger ist). So habe ich regelmässig in einem Café ausgeholfen, was rückblickend eine super Erfahrung war. Ich habe dadurch nicht nur enorm viele neue Leute kennengelernt, sondern der Job gab mir Ablenkung zum Uni-Leben und das Gefühl, richtig in Berlin angekommen zu sein.

Ich empfehle jedem: keine Sekunde zuhause in der Wohnung ‚verschwenden’ – raus gehen und Neues entdecken!