Bilder zum Bericht

Die Brunnenstrasse (Mitte)

Volkspark am Weinbergsweg (Mitte)

Der Innenhof der Freien Universitt im Herbst

Die Bibliothek der Freien Universitt

Die Rostlaube, Haupteingang der Freien Universitt (Geisteswissenschaften)

Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

wernerjeanne[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft (7360)

Gesamteindruck

Ich bin sehr froh, diesen Austausch gemacht zu haben. Ich habe sowohl auf akademischer, als auch auf kultureller und zwiemenschlicher Ebene viel gelernt und viel Kostbares erlebt. Davon abgesehen, dass ich es für wichtig halte, dass man sich im Leben ab und an einen Ruck gibt, um aus der altbekannten Routine auszubrechen, ist es sicher auch für die berufliche Vita interessant, wenn man seinen zukünftigen Arbeitgebern zeigen kann, dass man sich neuen Herausforderungen zu stellen weiss und offen für Unbekanntes ist.

Vorbereitung

Sowohl von Seiten der Studierendenberatung des DS, als auch von der Erasmus-Koordination der FU wurde ich schon früh ausgiebig beraten. Anmelden muss man sich ja - egal ob man den Austausch im HS oder im FS machen möchte - sehr frühzeitig vor dem Januar des vorhergehenden akademischen Jahres. Vom Zeitpunkt meiner Anmeldung an bis zum Beginn des Austausches wurde ich sowohl vom DS als auch von der FU per Mail regelmässig mit Informationen versorgt. Es ist also, wenn man sich an die Instruktionen hält und sie zu dem Zwecke auch liest, fast unmöglich was falsch zu machen.

Ankunft

Ich reiste mit dem Flugzeug und einem einzelnen Koffer an. Das klingt nach wenig, aber Berlin ist so billig und es gibt dort so viele interessante Sachen zu erstehen, dass man wirklich nur das Nötigste mitnehmen sollte. Die drei 'Orientierungstage' der FU, welche zwei Wochen vor Vorlesungsstart obligatorisch stattfinden, orientieren -  wie der Name es verspricht - auf ausgiebige und regelrecht redundante Weise. Vieles wird doppelt wiederholt, auf Deutsch und Englisch, da es unzählige nicht deutsch-sprachige Erasmus-Studierende gibt. Dies kann äusserst zäh und mühsam sein, doch am Ende weiss man zumindest genauestens, was man zu tun hat. Zudem gibt es zu Beginn einige Events für Erasmus-Studierende. Obwohl ich von vorherein kein Fan davon war, wagte ich mich eines Abends in eine Neuköllner Kneipe, wo ein solches Apéro stattfand. Dort lernte ich vier Erasmus-Studierende kennen, mit denen ich mich das ganze Semester über regelmässig traf. Dies gab mir besonders am Anfang viel Rückhalt. Ich empfehle also wärmstens, sich an ein solches Event zu begeben!

Zimmersuche
Wohnen

Man sollte sich frühzeitig um eine Wohnung in Berlin bemühen. Ich hatte das Glück, bei einer Freundin wohnen zu dürfen und dadurch auch bereits einen guten Kontakt dort. Deshalb kann ich leider nichts zu den Studentenwohnheimen sagen, bzw. auf welchen Plattformen man am ehesten eine geeignete WG findet. Ich habe nur immer von Erasmus-Kommilitonen gehört, dass es total schwierig ist, etwas zu finden. Deshalb empfiehlt es sich, sich früh mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Freie Universität hilft insofern, als dass sie frühzeitig nützliche Links und Studentenwohnheime ausschreibt. Die Informationen, die man von der FU zu dem Thema erhält, sind sehr hilfreich.

Universität

Die Erasmus- Koordination der FU funktioniert sehr gut: Da sie jedes Semester eine sehr hohe Anzahl an Austausch-Studenten empfangen, wird wirklich jeder logistische Schritt genauestens kommuniziert. Das Buchungs-System ist etwas unübersichtlicher als das in Zürich. Achtung: Es gibt Kurse die man irreführenderweise separat zu zwei verschiedenen Zeiten buchen kann. Ich hatte das bei einem Kurs gemacht und dann erst viel zu spät - der Dozent war die ersten zwei Wochen auf 'Forschungsreise' - gemerkt, dass es sich dabei um einen vierstündigen Kurs handelt, der sich mit einem anderen Kurs überschneidet. So Dinge passieren gerne mal, da das Campus-Management System nicht das Ausgeklügelste ist. 

Auf den ersten Blick ist die Universität sehr gross und nicht besonders schön: Äusserlich erinnert sie an ein Parkhaus. Die Räume sind auf sehr ausgefallene Art und Weise nummeriert und am Anfang irrt man etwas herum. Zudem sind die Räume oft unterheizt. Doch dies sind alles Dinge, an die man sich rasch gewöhnt. Dafür ist die philologische Bibliothek architektonisch ansprechend und äusserst gut ausgestattet. Man findet ein breites Arsenal an Forschungsliteratur. Die Mensa ist fast lächerlich billig und mässig gut. Doch immer wieder findet man ein anständiges Gericht.

Ich hatte zwei Kurse in der Mediävistik, sowie einen Französisch-Kurs belegt. Da ich nebenbei schon die Bachelor-Arbeit vorbereitet habe und noch eine Leseliste zu absolvieren hatte, konnte ich nicht mehr machen. Besonders die beiden Mediävistik-Kurse waren von der Qualität jedoch herausragend und ich habe gute Kontakte mit Dozierenden und Studierenden geknüpft, für den Fall, dass ich meinen Master an der FU machen werde. Die Dozierenden sind zu Beginn etwas zurückhaltender und kurzangebundener als diejenigen in Zürich. Dies ändert sich aber rasch, wenn sie einen im Laufe des Semesters in einem Seminar besser kennenlernen. Motivierten Studierenden gegenüber sind sie dann sehr aufgeschlossen und entgegenkommend.

Leben/Freizeit

Berlin ist als Stadt viel anstrengender als Zürich und auch nicht ganz so malerisch. Allem voran sind die Distanzen erheblich - man läuft viel zu Fuss, wenn man nicht ständig in der dunklen U-Bahn sitzen möchte. Es ist von der Landschaft her insgesamt grauer und industrieller, hat aber nicht desto trotz ruhige und hübsche Nebenstrassen mit Kleinhändlern und schönen Gebäuden. Verglichen mit Paris und London ist es also eine relativ gemütliche Metropole, im eigenen Kiez (Quartier) fühlt man sich bald wie in einer Kleinstadt. Dieser Effekt ist sehr angenehm und man fühlt sich nicht ganz so verloren. Besonders im Winter (ich war im WS im Austausch) kann es allerdings viel rauher zugehen als in Zürich - die Berliner sind um einiges barscher und kurzangebundener, d.h. wenn sie schlechte Laune haben, geben sie sich wenig Mühe, dies mit Höflichkeit abzudämpfen. Hingegen sind sie viel offener für neue Bekanntschaften und kontaktfreudiger, als man es in anderen Grossstädten gewohnt ist (auch in Zürich sind die Leute tendenziell etwas zurückhaltender, was das angeht). Einzigartig ist in Berlin das kulturelle Angebot: Ich habe Museumsausstellungen und Theateraufführungen, Clubbesuche und Konzerte erlebt, die haben mich begeistert und inspiriert. Die hochkarätigsten Künstler der Welt sammeln sich dort. Falls man in Berlin einen Austausch macht, tut man gut daran, ausgiebig von diesem Angebot zu profitieren. Denn das macht zu 70 % den grossen Reiz dieser Stadt aus. 

Dann muss noch gesagt werden, dass Berlin verglichen mit Zürich unfassbar billig ist. Dies führt dazu, dass man schnell in Shoppingrage gerät (es hat wunderschöne Läden), was dann doch zu hohen Ausgaben führt. Davor sei auch gewarnt. Sonst aber ist es für Schweizer Studenten eine Freude, überall so billig und gut essen zu können.