Erfahrungsberichte

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Wer

philipp.waltle[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Wenn man in Berlin ein Austauschsemester macht fehlt es einem an nichts. Die Stadt bietet ein enorm breites Angebot an Kultur und Freizeitaktivitäten, die gut zu erreichen sind und man sich als Student - auch durch die oft grosszügigen Vergünstigungen - auch leisten kann. Die FU Berlin ist eine top organisierte Institution die bestens ausgestattet ist. Dies gilt sowohl für die Infrastruktur (mehrere Mensen, Bibliotheken, Sportanlagen, ...) als auch für das Studienangebot. Die doch längere Distanz zur Stadtmitte macht sie zumindest im Sommer durch ihre Nähe zu den Berliner Seen wieder wett. Auch mit den Studenten und Professoren habe ich ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht. Die Hilfsbereitschaft ist stets gross und man kommt leicht mit den Leuten in Kontakt. Kurz: Es ist Ort wo man gerne studiert. Ich könnte mir durchaus vorstellen für längere Zeit dort zu sein.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für mein Erasmussemester verliefen - auch dank der einwandfreien Beratung der Mobilitätsbeauftragen Sibilla Flury - einwandfrei. Im Vorlesungsverzeichnis der FU erhält man Einblick über das breite Kursangebot der Universität. Als Erasmus-Student können auch Vorlesungen und Seminare höherer Semester besucht werden, was das Angebot nochmals vergrößert. Zu beachtet ist, dass das aktuelle Vorlesungsverzeichnis relativ spät aufgeschaltet wird, da das Semester in Deutschland rund zwei Monate nach jenem in der Schweiz beginnt. Das Learning Agreement muss sowohl von den jeweiligen Fachverantwortlichen (im Hauptfach und Nebenfach) der UZH als auch von der FU Berlin unterschrieben werden, was ebenfalls schnell erledigt ist.

Ankunft

Aus privaten Gründen konnte ich leider nicht an der Einführungswoche teilnehmen. Meine Mitbewohner haben mir dann die wichtigsten Informationen zukommen lassen. Trotzdem denke ich, dass die Teilnahme durchaus hilfreich gewesen wäre. Man erhält die Zugangsdaten für die Universitätswebseiten welche alle Kursinformationen enthalten, den Studentenausweis mit dem man alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Berlin gratis nutzen kann und erste Orientierungshilfen auf dem riesigen Campus der FU. Die meisten meiner Mitbewohner haben vor allem in dieser Woche ihre ersten Kontakte geknüpft.

Zimmersuche
Wohnen

Weil ich mir den Aufwand ersparen wollte nur für die Dauer eines Semesters eine Wohnung auf dem hart umkämpften Berliner Wohnungsmarkt zu suchen, habe ich mir ein Zimmer im Studentendorf Schlachtensee gemietet. Hier sollte man die Anmeldefrist nicht verpassen. Auch das Studentendorf ist seit meiner Ankunft Mitte April ständig belegt. Zu beachten ist, dass man ein Zimmer hier für mindestens sechs Monate mieten muss. Die Preise liegen zwischen 270 und 400 Euro. Menschen mit übermäßigen hygienischen Ansprüchen sollten das Studentendorf allerding meiden (auch wenn angeblich zweimal die Woche geputzt wird). Mit den ÖV braucht man von dort aus ca. 20 min. zum Campus und rund 40 min. in die Stadt selbst. Allerdings sind die schönsten Seen der Stadt (Schlachtensee, Krumme Lange und Wannsee) von dort aus mit dem Fahrrad in nur 5 bis 10 min. zu erreichen. Für gerade mal 60 Euro kann man ein halbes Jahr ein Fahrrad mieten, das man mit dem Studentenausweis gratis mit in die S-Bahn nehmen kann. Das Fahrrad eignet sich besonders gut wenn man die weitläufige Stadt ausgiebig erkunden möchte. Die Der Club A18, der im Studentendorf liegt, kann man von Montag bis Sonntag besuchen. Er bietet eine entspannte Atmosphäre, Verpflegung rund um die Uhr und ab und an Karaoke-Abende ;) Der größte Pluspunkt im Studentendorf sind aber die vielen Studis von überall her die man kennenlernt und das kommende Semester verbringen darf.

Universität

Die FU Berlin ist eine beeindruckende Institution. Dies gilt sowohl für den riesigen Campus im Grünen als auch das immense Studienangebot. In den mehreren Mensen finden sich Menus für jeden Geschmack und wenn man noch mehr Abwechslung braucht, kann man auf die vielen Kleinimbisse rund um den Campus ausweichen. Die zahlreichen Bibliotheken erleichtern die Recherche für die zu absolvierenden Hausarbeiten massiv. Die passende Literatur ist meist mehrfach vorhanden. In meinem Hauptfach (Politikwissenschaft) habe ich drei Vorlesungen und ein Seminar besucht. Aufbau und Schwierigkeitsgrad der Veranstaltungen sowie der zu erbringende Zeitaufwand ist mit jenen im IPZ zu vergleichen. Jede Veranstaltung kann in zwei Intensitätsstufen absolviert werden. Beim Erwerb eines Teilnahmescheins ist die regelmäßige Teilnahme und das Lesen der Pflichtlektüre sowie das Bestehen eines Kurztests oder die Abgabe einer Rezension im Umfang von rund zwei Seiten erforderlich. Will man einen Leistungsschein erwerben, muss man am Semesterende ein zwei-stündiger Test in Essay-Form absolvieren, im Falle eines Seminars eine Hausarbeit im Umfang von 12 bis 15 Seiten. Besonders interessant erschien mir die Vorlesung Einführung in die Internationale Politische Ökonomie. Dort wird das globale Wirtschaftssystem aus der Perspektive verschiedener Theorieansätze (Liberalismus, Konstruktivismus usw.) beleuchtet, was soweit ich weiss in diese Form am IPZ nicht angeboten wird. Im Nebenfach (Geschichte der Neuzeit) besuchte ich ein Seminar über den Kalten Krieg und eine Vorlesung über Populismus und Faschismus. Auch hier ist das Niveau mit der UZH zu vergleichen wobei in Deutschland die Beteiligung der Studenten in Seminaren ungleich grösser zu sein scheint als in der Schweiz. Das von Prof. Cornelius Torp geleitet Seminar ist meiner Ansicht nach sehr zu empfehlen. Es gelingt ihm die wichtigsten Grundkonzepte einfach und verständlich zu erklären und inhaltlich die entscheidenden Informationen zu vermitteln. Das Verfassen einer Hausarbeit fällt einem da wesentlich leichter.

Leben/Freizeit

Trotz seiner Größe ist Berlin eine sehr grüne Stadt. Überall gibt’s Parkanlagen, Wälder und Seen, wo man dem hektischen Stadtleben entfliehen kann (falls man das denn möchte ;) Man müsste wohl mindestens zwei Jahre dort leben, um wenigstens halbwegs den Überblick über das endlos scheine kulturelle Angebot zu bekommen. Wenn man mal ein bisschen Abwechslung braucht kann man bloss ein anderes Kitz besuchen und schon fühlt es sich als sein man in einer anderen Stadt. Am besten selbst ausprobieren!