Erfahrungsberichte

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Wer

fabienne.saurer[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Populäre Kulturen (7722)

Gesamteindruck

Ich habe meinen Austausch in  Wien sehr genossen. Am meisten hat mir an meinem Aufenthalt die Kombination aus qualitativ hochwertiger Lehre und riesigem Freizeit- und Touristenangebot gefallen, man kann am Morgen eine Vorlesung besuchen und am Nachmittag ein obskures Museum entdecken oder einen der vielen Paläste ansehen. Kulturell ist es eine der vielseitigsten und interessantesten europäischen Städte, die ich bisher besucht habe, als Ausgangslage für Reisen weiter in den Osten ideal und das alles bei sehr hoher Lebensqualität und zu erschwinglichen Preisen (für Schweizer Verhältnisse). Wenn man aber einen grossen Kulturschock sucht oder eine völlig andere Lebensweise kennen lernen will, ist Wien sicher nicht der richtige Ort für Schweizer. Wenn dies allerdings keine Priorität ist, kann ich Wien als Austauschort nur wärmstens empfehlen.

Vorbereitung

Die bürokratischen Vorbereitungen für den Erasmusaufenthalt halten sich in Grenzen. 2-3 Treffen mit den jeweiligen Fachkoordinatoren (falls mehrere Fächern belegt werden), sorgfältiges Durchlesen aller Informationen, die von der Universität Zürich und Wien bereitgestellt werden, Erstellen eines Learning Agreements. Die Checkliste war überschaubar und sehr hilfreich.

Grössere Mühe kann die Modulbuchung machen, da die Webseite nicht  sehr übersichtlich ist, die Fächer anders aufgeteilt und die Buchung nach einem ganz anderen System funktioniert, bzw. nach drei verschiedenen, wobei jedes Fach eines auswählt. Die Fristen hängen auch völlig vom Fach ab und sind nicht übergreifend gültig.

Mein grösster Problempunkt war die Suche nach einer Unterkunft. Ich habe zwar früh genug angefangen (ca. Anfang Juni für das Herbstsemester), aber es gibt sehr grosse Konkurenz bei Studentenunterkünften. Für Wohnheime muss man sich sehr früh melden, wobei ich inzwischen froh bin, dass ich eine WG gesucht habe. Die Suche über das Internet ist aber sehr schwierig, viele Leute melden sich nie zurück oder wollen jemanden, der länger bleibt und persönlich vorbeikommt. Ich habe über verschiedene Internetportale und Facebookgruppen sowie Freunde in Wien gesucht und hatte erst ganz knapp vor meiner Abreise Glück. Empfehlen kann ich die Seite housinganywhere.com, die speziell auf studentische Kurzaufenthalte ausgerichtet ist. Von Freunden habe ich aber gehört, dass auch die persönliche Suche vor Ort für Austauschstudierende nicht so einfach ist, tagelange WG-Castings scheinen normal zu sein.

Ankunft

Ich bin etwa eine Woche vor dem Semesteranfang mit dem Zug nach Wien gereist. Der Flug kostet etwa gleich viel und ist auch empfehlenswert (wenn man das Gepäcklimit einhalten möchte). Studierenden, die im Herbstsemester nach Wien gehen, kann ich auch empfehlen, schon 1-2 Wochen früher da zu sein und erstmal die Sehenswürdigkeiten abzuklappern, da diese im September oft noch schöner sind als im Winter (insbesondere Pärke, die Donau, Schönbrunn, Prater etc., eben alles, was draussen ist).

Schweizer Studierende müssen sich hier im jeweiligen Bezirksamt und im Magistratsamt anmelden (letzteres kostet viel Zeit, Geld und Nerven!). Vor dem Semesterstart wird  einstündige Informationsveranstaltung an der Uni Wien durchgeführt, die mir aber nicht viel brachte, da ich die Informationen von der Webseite her schon kannte und viele Erklärungen, wie zur Modulbuchung, für die meisten gar nicht mehr aktuell war, weil sie schon im Voraus ein Learning Agreement erstellen mussten. Man erhält aber den Studierendenausweis, den man für das Semesterticket des ÖV braucht. Offizielle Führungen durch die Uni oder Bibliothek werden leider nicht angeboten, man kann sich aber beim Programm für die Erstsemestrigen anhängen (wobei ich nicht sicher bin, ob es das zu Beginn des Frühlingssemesters auch gibt.

 Tip: Nach der Informationsveranstaltung und bei der offiziellen Willkommensfeier ist es besonders leicht Leute kennenzulernen und Freunde zu finden. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche war wie erwähnt sehr langwierig und mühsam, ich fand erst mit viel Glück im letzten Moment noch eine WG. Studierende, die zwei Semester bleiben, haben es wahrscheinlich einfacher, in eine WG zu kommen. Wenn man sich früh genug anmeldet, sind Wohnheime eine Option (eine Liste gibt es auf der Uni Wien Homepage), wobei ich nicht sehr viel Gutes über einige gehört habe. In einem, das ich wegen einer Freundin besucht habe, hat sich niemand an das Rauchverbot gehalten, selbst in der Küche wurde geraucht, wenn andere Leute gekocht haben. Es war auch nicht sehr sicher, Fremde können einfach hinter Bewohnern durch die Tür und in die Gemeinschaftsräume, was in meinem Bekanntenkreis auch zu mehreren Übergriffen durch die selbe Person geführt hat, ohne dass das Heim etwas unternommen hätte. Die Qualität der Heime kann aber sicher variieren. Mir war die WG trotzdem lieber, auch da sie wie viele Wiener Wohnungen in einem Altbau mit hoher Decke und Innenhof gelegen war.

Bei der Zimmersuche würde ich empfehlen, sich erst über die Bezirke ein bisschen schlau zu machen, einige sind ruhiger und vornehmer als andere. Wenn es nicht absolute Priorität ist, im Stadtzentrum zu wohnen, darf man sich bloss nicht davon abschrecken lassen, auch in den zweistelligen Bezirken zu suchen, die weiter aussen liegen. Wichtig sind eine nache U-Bahnstation oder Tram/Bushaltestelle. Die U-Bahn fährt kreisförmig um das Zentrum, die Trams und Busse aber oft quer dazu direkt ins Zentrum und können daher auch sehr schnell sein. Ich habe am inneren Rand des 18. Bezirks gewohnt und es dauerte nur etwa 20 Minuten zum Unihauptgebäude bzw. 30 Minuten in die Innenstadt. Die Lage gefiel mir sehr gut, da es auch ein bisschen ausserhalb der Touristenzone ist, in den Cafés viele Einheimische sitzen und man sich mit der Bäckerin um die Ecke anfreunden kann.

Universität

Das Unihauptgebäude ist ein absoluter Prachtbau und unbedingt einen Besuch wert, insb. die Harry Potter Bibliothek am Abend, wenn alle Lämpchen an sind. Ansonsten ist sie aber etwas altmodisch, sehr verwirrend für Leute mit schlechtem Orientierungssinn wie ich und an vielen Orten hat man kein WLAN. Der Innenhof ist sicher im Sommer wunderschön, im Winter aber kaum in Verwendung. Das Institut für Europäische Ethnologie ist im Stadtzentrum gleich gegenüber der Staatsoper und hat tolle Aussicht (allerdings noch weniger WLAN).

 Die Qualität der Kurse war im Allgemeinen hoch (wobei man immer manche lieber mag als andere). Ich wurde immer gut integriert und konnte der Lehre bestens folgen. Es war für mich sehr interessant zu sehen, wie verschiedene Fächer an anderen Unis strukturiert sind und mit einem anderen Fokus vermittelt werden. Das Institut für Europäische Ethnologie selbst ist sehr klein, die Auswahl an Modulen daher auch nicht so gross. Für ein Semester hat es mir aber gereicht. Der Fachkoordinator hier die Austauschstudierenden willkommen und  Fachschaft hat einen Willkommensapéro  für alle neuen Studierenden organisiert.

Leben/Freizeit

Kulturell bietet Wien wirklich für denen etwas (nachzulesen in jedem Reiseführer). Besonders gefallen hat mir die grosse Anzahl Museen, die einem viel über die Stadtgeschichte vermitteln, und die imperiale Architektur aus dem 19. Jahrhundert, die die Innenstadt ganz anders aussehen lässt als andere mittelalterliche Städte mit engen Gässchen. Im Winter sind die besonderen Attraktionen sicher die zahlreichen Weihnachtsmärkte, die Eisbahn auf dem Rathausplatz, die Beleuchtung in der Innenstadt und natürlich die Ballsaison für alle, die Wiener Walzer und viel Pomp erleben möchten (Januar-März).

Meiner Erfahrung nach lebt man sich sehr schnell ein in Wien, es gibt nicht wirklich einen Kulturschock (bis auf einige kleine Sprachunterschiede). Der öffentliche Verkehr ist extrem effizient, die Stadt erscheint einem dadurch nicht allzu gross. Wien ist im Vergleich zu Zürich auch recht erschwinglich, besonders was Wohnen und Restaurants angeht.

Freizeitangebote gibt es Unmengen. Vor der Uni aus kann man an einem sehr breiten Sportprogramm teilnehmen, muss sich aber für die Kurse registrieren und einen Beitrag bezahlen. ESN Wien veranstaltet viele Anlässe und Reisen, wobei diese aber besonders am Anfang des Semesters extrem schnell ausgebucht sind. Ausflüge lassen sich aber auch selber  gut organisieren. Bratislava, Budapest, Prag, Salzburg etc. sind alle sehr nah und in wenigen Stunden mit Bus oder Bahn zu erreichen.