Erfahrungsberichte

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Wer

faleena.22[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

16/17 WS

Universität

BE-LIEGE01
Liège - Université de Liège

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Für mich ging das Semester sehr schnell vorbei, vor allem am Ende, was zeigt, dass ich mich eingelebt hatte. Liège hat einen Stadtteil mit französischem Flair, wenn auch die Stadt insgesamt nicht gerade zur schönsten zählen wird. Doch sie hat einen Charakter, den man mit der Zeit immer mehr bemerkt und zu schätzen weiss. Da es sehr viele Austauschstudenten hat, wird man auch immer per Zufall jemand in der Stadt treffen. Schade fand ich jedoch, dass viele Austauschstudenten nur Englisch reden konnten, weil ich gerade Liège gewählt hatte, um Französisch zu sprechen. Es gab aber natürlich auch andere Gleichgesinnte, die ihr Französisch verbessern wollten. Insgesamt kann ich auch sagen, dass ich mich verbessert habe in meinen Sprachkenntnissen, wenn auch nicht so fest, wie ich es gekonnt hätte, wenn ich mehr mit einheimischen Belgiern in Kontakt gewesen wäre. 

Vorbereitung

Das Austauschsemester erfoderte nich viel Vorbereitung, da ich mein Maturzeugnis als Sprachnachweis schicken konnte und auch kein Visum oder ähnliches nötig war. Nur das Learning Agreement war ein wenig schwer, umzusetzen, weil die Psychologie-Kurse in Liège nur 3 ETCS geben, ich aber 4 ETCS pro Kurs brauchte. Aber auch das klappte am Schluss. Ich habe dann einen Kurs genommen für 2 ETCS, der zwei andere Kurse mit 3 ETCS abdecken konnte.

Ankunft

Liège ist auch gut per Zug erreichbar. Wenn man am Bahnhof ankommt, muss man den Bus 48 nehmen, falls man in der Universitätsresidenz wohnt. Das Busabo lohnt sich ungemeint, da es nur 15 Euro pro Monat kostet. Das Abo kann direkt am Bahnhof gekauft werden. Die Busfirma heisst TEC. Es lohnt sich ausserdem, schon eine Woche vor Semesterbeginn anzukommen, da esn (erasmus student network) und die Uni eine Willkommenswoche organisiert, in der sich schon alle Austauschstudenten kennenlernen und in der man schon mal in Ruhe den Campus und die Stadt erkunden kann. Es gibt jedoch auch das ganze Semester durch immer wieder Veranstaltungen von esn, dass es also auch nicht tragisch ist, wenn man später ankommt.

Zimmersuche
Wohnen

Die Uni bietet mehrere Unterkunftsmöglichkeiten an. Da meine Vorlesungen in Sart Tilman (ein wenig ausserhalb des Stadtzentrums) stattfanden, reservierte ich ganz bequem ein Zimmer in der Studentenresidenz in Sart Tilman. Ich musste dazu lediglich ein Formular ausfüllen und per Mail an den Verantwortlichen schicken. Alle Infos findet man gut auf der Homepage der Universität. Die Studentenresidenz ist sehr praktisch in Bezug auf das soziale Leben, da alle Erasmus-Studenten in einem Turm (Residenzbereich) wohnen, was ich aber gleichzeitig auch schade fand, da ich gerne auch mehr mit belgischen Studenten in Kontakt gekommen wäre. Man muss ausserdem sagen, dass die Residenz ziemlich alt ist und die Zimmer auch nicht mehr so auf dem neuesten Stand sind. Ausserdem kann es auch ziemlich laut werden; was aber davon abhängt, ob man selber gerne Parties macht oder nicht. Es gab auch ein kleines Problem mit den Kühlschränken, die man einzeln mieten muss: es gab nämlich nicht genug Kühlschränke für alle Studenten, sodass ich am Schluss eine eigene Kühltruhe besorgte. 

Universität

Die Leute des Büros der internationalen Beziehungen sind äusserst freundlich und tragen einen Teil dazu bei, dass man sich an der Uni wohl fühlt. Sie organisieren auch ein Patenprogramm, bei dem ein belgischer Student als Patenonkel/-tante für ein Austauschstudent fungiert. Meine Tante hatte leider nie wirklich Zeit, sodass ich sie am Schluss nie gesehen habe. Aber es hat einige, die sehr viel mit ihrem Paten gemacht haben. Es gibt auch einen table de conversations, an dem ich immer gerne teilgenommen habe. Jede Woche treffen sich deutsch- und französischsprechende zusammen und man spricht 45 Minuten Deutsch und 45 Minuten Französisch. Für Psychologie-Studenten kann das Kursangebot spannend sein, weil man auch Kurse von Kriminalistik nehmen kann. Ich selber habe eine Vorlesung über Rechtsmedizin und Kriminalistik genommen, aber dann gemerkt, dass mir die Bilder in der Vorlesung dann doch zu krass waren. Man muss ausserdem sagen, dass die Uni nicht so organisiert ist wie in Zürich. Einmal kam die Professorin zwei Stunden zu spät, weil sie dachte, dass ihre Vorlesung um 10 und nicht um 8 beginnt und ein anderes Mal stand auf der Homepage, dass die Vorlesung an einem bestimmten Datum beginnt, der Professor ist dann aber nie erschienen, bis es dann hiess, dass die Vorlesung erst 2 Wochen später beginnen würde. All das ist im Nachhinein natürlich auch lustig, da man kulturelle Unterschiede erkennen kann. Auch die Busse sind nicht immer so pünktlich wie bei uns.  Wenn die Kurse dann aber stattfanden, sah ich keinen Unterschied zur Uni Zürich. Eher hatte ich das Gefühl, dass ich in Liège mehr Zeit hatte, während der Vorlesung nachzudenken und das Wissen besser verknüpfen konnte. Es besteht auch ein direkterer Kontakt zwischen Dozenten und Studierenden. Man kann jederzeit in der Vorlesung Fragen stellen und nicht selten geht der Professor von selbst auf Studenten zu, um mit ihnen zu plaudern. Ich hatte zuerst ein wenig Mühe mit den Vorlesungen auf Französisch, da einige Dozenten sehr schnell sprechen, aber man kommt rein und sollte sich nicht davor scheuen. 

Leben/Freizeit

Belgien ist auf jeden Fall das perfekte Land für Austauschstudenten, da man unglaublich günstig reisen kann und viele Länder an Belgien grenzen. Es gibt den GOPASS bis 26 Jahre, mit dem man für 5 Euro von einer zur anderen beliebigen Stadt in Belgien reisen kann. Auch Flüge sind extrem billig. Die Uni bietet auch ein Sportprogramm an, man kann für 30 Euro eine Sportkarte kaufen. Einige Kurse sind da schon inbegriffen, andere muss man jedoch noch dazubuchen und extra zahlen. Esn bietet viele Events und auch Wochenendtrips nach Paris oder in die Ardennen an. Schade fand ich nur, dass esn aus jedem Event ein Party- und Saufevent machte. Ich habe es auf jeden Fall noch nie gesehen, dass man so viel Bier trinkt. Manchmal gab es auch keine anderen Getränke ausser Bier. Die Uni bietet ausserdem viele kulturelle Angebote an. So kann man zum Beispiel mit der Uni für 5 Euro in die Oper gehen.