Bilder zum Bericht

Orientation Day

Herbstlicher Kampus

Skyline vom Mount Royal aus

canu camping

Montreal Strassenkunst

Erfahrungsberichte

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Wer

rivana.cerullo[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

CA-
Montreal - McGill University

Studienfach

Anthropologie (8580)

Gesamteindruck

Mein Aufenthalt in Montreal und Austausch an der McGill war eine riesige Erfahrung für mich und sehr bereichernd. Nicht nur fachlich ist die Universität so anders als an der UZH, aber auch das Studentenleben. Der Kampus ist sehr schön, schöner als einige Elite Unis in der USA, wie zum Beispiel  Berkeley. Wenn ihr euch für die McGill entscheidet, seid auf extrem hohe akademische Anforderungen gefasst. Persönlich haben mich diese Anforderungen sowohl weiter gebracht, wie auch ausgelaugt. Montral ist sehr spannend, auch, da es im französischen Teil von Kanada ist, der eine sehr kleine Minderheit darstellt. Das Quebecois Französisch war für mich anfangs ein bisschen schwierig zu verstehen, hat sich aber dann schnell ergeben. Alles in allem würde ich dieses halbe Jahr gegen nichts eintauschen.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen waren nicht sehr kompliziert. Ich musste einfach alle nötigen Dokumente für die Bewerbung an der McGill zusammentragen und die Formulare ausfüllen. Eines der kostspieligeren Dinge dabei war die Übersetzung des Leistungsnachweises, da ich schon in fortgeschrittenem Semester war. Ich habe sehr viele der Übersetzer angeschrieben und um einen Kostenvoranschlag/Einschätzung gebeten und dann entschieden, wo ich es übersetzen lasse. Das hat sich bei mir sehr gelohnt, da die einen sehr viel teurer waren. Bei mir gab es noch einige Schwierigkeiten mit den Modulbuchungen, da ich die fortgeschrittenen Module nicht buchen konnte. Der Service Point der McGill ist aber sehr hilfsbereit und antwortet meist sehr schnell. Für die einen Kurse musste ich direkt bei der Professorin oder dem Professor eine Erlaubnis einholen. je nachdem was man studiert, lohnt es sich die Modulbuchung so bald als möglich vorzunehmen, da die fortgeschrittenen Anthropologiekurse jeweils auf 15-25 Teilnehmer beschränkt waren und sonst schnell ausgebucht sind. Falls es einen Kurs hat, der voll ist, man ihn aber trotzdem besuchen möchte, lohnt es sich meiner Erfahrung nach, die unterrichtende Person anzufragen, da sie oft sehr zuvorkommend sind und einem gerne trotzdem noch im Kurs haben, wenn man sehr motiviert ist. Wenn man nur ein Semester geht, braucht man für Kanada kein Visum, was sehr praktisch war. Man muss einfach die Bestätigung der McGill an der Immigration vorweisen.

Ankunft

Bei meiner Ankunft ist alles sehr glimpflich abgelaufen. Ich musste das Geld für die Krankenversicherung überweisen, dazu habe ich bei CIBC (es hat eine Filiale direkt auf der gegenüber vom Campus auf der anderen Strassenseite von Sherbrook) ein Konto eröffnet (man bekommt Konto als Studierende kostenlos, inklusive Bank- und Kreditkarte) und kann Rechnungen dann gratis am Schalter oder im E-Banking bezahlen. Besitzt man kein Konto wird eine Gebühr verrechnet. Es lohnt sich etwas Geld für den Anfang dabei zu haben. Danach habe ich von meinem Schweizer Konto mittels WorldRemit Geld auf mein Kanadisches Konto überwiesen (das funktioniert mittels Kreditkarte, sie ziehen es aber in der eigenen Währung ab, somit wird die Umwandlungsgebühr der Kreditkarte nicht berechnet, sondern es wird wie ein Kauf in der Schweiz gehandhabt.) Pro Transaktion kostete mich das 4CHF, anstatt 20CHF wenn ich es über meine Schweizer Bank überweisen lassen hätte. Für die McGill Stundent Card, geht man einfach an den Service Point, wo sie direkt ein Foto machen und die Karte drucken. Dies würde ich sobald als möglich nach Ankunft machen, denn je näher der Studienbeginn heranrückt, desto mehr Leute stehen an. Ich habe mir auch gleich eine Kanadische Nummer besorgt. Dazu bin ich zu Best Buy gegangen, dort kann man sich über die monatlichen Abos informieren lassen. Mein Telefonabo ist das einzige was mich in Kanada mehr gekostet hat als in der Schweiz. Wer noch billig ein Paar Dinge wie Badetücher ect. braucht, kann ich empfehlen in Winners vorbei zu gehen, dort habe ich alles was ich noch brauchte sehr billig finden können. Winners ist einer dieser Läden der die Restware von anderen Läden aufkauft und zu sehr grossem Rabatt verkauft. Es gibt auch einen Walmart, der ist aber ziemlich weit aus dem Zentrum. Da es doch einige Dinge zu erledigen gab bevor die Uni beginnt, war ich sehr froh noch 2 Wochen Zeit zu haben bevor es los ging. Da ich im Herbstsemester da war, erlebte ich auch den Orientation Day und die Frosh Week, das war sehr eindrücklich, da wir diese Unikultur gar nicht besitzen. Die ‚normale’ Frosh Week ist eine Partywoche, bei der alle Neuankömmlinge bereits morgens mit dem betrinken beginnen. ich habe mich entschieden eine der alternative Frosh Weeks zu besuchen, nämlich die Rad Frosh Week, welche von QPIRG McGill organisiert wird. QPIRG ist eine aktivistische links ausgerichtete Studentenorganisation der McGill, welche sehr interessante Events organisiert. Unsere Events bestanden aus Dingen wie einer Queer Open-Mic Night, Workshops zu Indiginous Feminism, Decolonialisierungskampagnen und Anti-Rassismustraining, veganem Zmittag, einem Besuch bei der politisch engagierten Studentenzeitung/dem Studentischen Radio. Es gibt aber auch andere alternative Frosh Weeks wie Outdoorfrosh, wo man Kanu-zelten und Wandern geht. Ich empfehle auf Jeden Fall an einer der Frosh Weeks teilzunehmen, es gibt für jeden irgendeine die passt und sie schafft erste Verknüpfungen und führt einem in das sehr vielseitige und aktive studentische Leben an der McGill ein.

Zimmersuche
Wohnen

Zuerst habe ich mir überlegt in Student housing zu ziehen, da ich das komplette amerikanische Collegeerlebnis haben wollte. Schlussendlich habe ich mich aber dagegen entschieden und bin froh habe ich das so gewählt. Stundet housing ist extrem viel teurer als was ihr sonst für ein Zimmer in Montreal bezahlen würdet (und damit meine ich doppelt oder mehr!). Bei den ‚billigeren’ Varianten teilt man sich das Zimmer sogar. Ausserdem wohnen meistens die Studis des ersten Jahres in den Residences, wenn man sich also schon in fortgeschrittenem Semester befindet wo wie ich, ist es vielleicht nicht so toll. Man sollte dabei auch bedenken, dass viele der Studierenden an der McGill kommen von den USA, wo sie mit 18 noch nicht legal trinken konnten, in Kanada hingegen schon. Von was ich gehört habe, hat das deutliche Konsequenzen in den Res.  ich habe auch schreckliche Geschichten gehört davon wie sich 40 Leute eine Küche teilen. Meistens ist ein Meal-Plan obligatorisch wenn man in den Res wohnt, was mehrere tausend Dollar im Jahr kostet. Das Geld wird einem dann gutgeschrieben und man kann damit auf dem Campus Essen beziehen. Ich sehe denn Sinn dieser Meal-Plans aber trotzdem nicht, denn auch wenn man gar nicht kochen möchte, sind die Dinge auf dem Campus eher teuer. Aus all diesen Gründen habe mich deshalb entschieden nicht in den Res zu wohnen. Ich habe mein Zimmer auf offcampuslistings.ca gefunden. Die meisten möchten ihre Zimmer für das komplette Jahr/Schuljahr vermieten, es ist also nicht ganz einfach gute Angebote für nur ein Semester zu finden, vor allem wenn man auch etwas möbiliertes möchte. Man muss also damit rechnen, dass man tendenziell etwas mehr bezahlen muss. Wenn man zu Fuss zum Campus gehen möchte ist es auch nochmals etwas teurer, da die Schule sehr zentral gelegen ist. Viele Studis wohnen im sogenannten McGill Ghetto, das ist aber relativ langweilig. Ich habe etwas weiter unten Downtown gwohnt, bei dem Place des Arts (grosser Festival und Event-Platz der Stadt). Viele mögen die Quartiere Lower Plateau und Mile End. Sie sind beide eher als alternative Künstlerviertel populär geworden, inzwischen sind sie aber komplett gentrifiziert und von Hipsters übernommen, was natürlich heisst es gibt eine Tonne überteuerte aber leckere Restaurants/Cafes/Bars. Am besten informiert ihr euch selbst ein bisschen über die Quartiere, um eine Gegend zu finden die euch zusagt. Zurück zur Zimmersuche: Meiner Erfahrung nach, sind ausgeschriebene Zimmer relativ schnell weg. Oft wenn ich ein Tag zwei nachdem das Inserat aufgeschaltet wurde eine e-Mail geschrieben habe, war das Zimmer schon weg. Ich musste sicher 40 e-Mails schreiben. Mein Tipp wäre konsequent jeden Tag die neuen Inserate checken und sofort e-Mails schreiben. Wir haben dann ein Skype meeting ausgemacht, um zu sehen ob die Mitbewohner und ich uns sympathisch sind. Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe, da ich nach dem ersten Skype meeting nicht mehr in diese Wohnung ziehen wollte und ohne Skype meeting das Zimmer genommen hätte.

Universität

Wer an die McGill in den Austausch geht, kann sich darauf gefasst machen akademisch herausgefordert zu werden. Die McGill gilt als beste Universität Kanadas und es wird auch dementsprechend viel von den Studierenden erwartet. Alle Kurse an der McGill geben 3 Kreditpunkte (6 ECTS) und die Punkte sagen nichts über den Aufwand aus. Die Kurse sind in Levels geteilt, je nachdem wie fortgeschritten man ist, bucht man Kurse mit höherer Zahl im Kürzel. Je höher die Zahl, desto höher der Aufwand. Da ich in meinem zweitletzten Semester an der McGill war und fortgeschrittene Kurse besuchen wollte, um akademisch möglichst viel zu profitieren, hat sich das auch in meinem Aufwand widergespiegelt. Ich hatte für alle meine Kurse 4 Lektionen in der Woche, meistens in 2 Sitzungen aufgeteilt. Mehrere meiner Kurse verlangten wöchentliche Reading Reports, neben den anstehenden Arbeiten, Präsentationen und den üppigen Mass an Lesestoff. Ich hatte jede Woche mindestens eine Arbeit abzugeben oder Präsentation zu halten. Da ich den Anspruch hatte gute Noten zu schreiben, hiess das für mich viele lange Nächte in der Bibliothek (die Hauptbibliothek ist 24h offen und egal um welche Tages- oder Nachtzeit man dort ist, hat es Studierende am arbeiten) und ich bin ziemlich an meine Grenzen gekommen. Ich habe aber dementsprechend viel profitiert. Meine Kurse waren super, die Professoren sind enorm engagiert in der Lehre. Sie erwarten viel aber sind auch bereit viel zu geben. Alle haben Office Hours, wo man Arbeiten und Präsentationen Vorbesprechen gehen kann und sie geben viel Feedback. Ich habe sehr viel für meine weiterführende akademische Laufbahn gelernt.

Leben/Freizeit

Die Freizeitmöglichkeiten in Montreal sind für junge Leute enorm gross, da es eine Studentenstadt ist. Alleine die McGill selber hat ein riesiges Angebot von interessanten studentischen Gruppen und Organisationen, die tolle Events schmeissen und es hat wirklich für jeden was dabei. Ich empfehle sich einmal für alles, wofür man sich interessiert auf die e-mail Liste setzen zu lassen, dass man Events zugeschickt bekommt. Ich hatte leider nicht Zeit für die Hälfte der Dinge, die ich gerne gemacht hätte. Der McGill Outdoor’c Club ist sehr empfehlenswert für alle, die die wunderschöne Kanadische Natur entdecken wollen. Ausgangstechnisch hat Montreal auch einiges zu bieten: St-Laurent, Picnic Electronic im Sommer, Igloo Fest im Winter. Wer sich gerne sportlich betätigt hat McGill ein recht gutes Sport Center in dem man relativ billig das Fitnessstudio/Schwimmbad benutzen und Kurse besuchen kann. Schulsport ist ein grosses Ding an der McGill und wer dieses School Spirit Feeling erleben möchte, sollte umbedingt ein Footballspiel, Basketballmatch oder Hockeymatch zu besuchen. Am besten gehen wenn sie gegen Concordia spielen, da das die zweite grosse Amerikanische Schule in Montreal ist und ein grosser Konkurrenzkampf zwischen den Schulen herrscht. Was ich noch gelernt habe lebenstechnisch, ist dass es finanziell einen enorm grossen Unterschied macht, wo man Lebensmittel kauft. Die grossen Kettesupermärkte sind tendenziell sehr teuer. Ich hatte gleich einen Provigo um die Ecke und dort kosteten 2 Avocados 5CAD, bin ich aber in den kleinen arabischen Supermarkt kostete 1 Avocado 1CAD. Auch haben sie oft die genau gleichen Produkte von den gleichen Marken einfach billiger. Es lohnt sich sehr sich ein wenig umzuschauen nach solchen Supermärkten in der Gegend, wo man wohnt.