Erfahrungsberichte

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Wer

caspar.pfrunder[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

CA-
Montreal - McGill University

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck meines Austauschsemesters an der McGill University in Montréal gestaltet sich äusserst positiv. Auf verschiedenen Ebenen konnte ich viel profitieren. In erster Linie waren das Kursangebot und die Dozenten hervorragend. Darüber hinaus erwies sich Montréal als lebenswerte und sehr studentenfreundliche Stadt. Die zahlreichen Unis bringen viele junge Menschen nach Montréal, die Preise sind für Kanada tief (insbesondere der durchschnittliche Mietzins) und das Französisch sorgt für eine spezielle Atmosphäre. 

Vorbereitung

Die Vorbereitung für mein Semester in Kanada bestand für mich vor allem im Studium des Kursangebots auf der Website und im Ausfüllen aller nötigen Formulare. Für Semesteraustausche ist kein Visum notwendig, der bürokratische Aufwand hält sich diesbezüglich also in Grenzen. Ich habe ein Zimmer bereits im Voraus reserviert, es ist aber auch problemlos möglich, vor Ort zu schauen, da der Wohnungsmarkt nicht besonders angespannt ist. 

Ankunft

Ich bin zwei Wochen vor Semesterbeginn nach Kanada geflogen und habe zunächst noch eine Woche in Toronto verbracht. In Montréal hatte ich dann noch eine Woche Zeit, um mich einzurichten. Dazu gehörte vor allem die Registrierung für die Uni (Legi etc.), wofür man ziemlich anstehen muss sowie das Anmeldeprozedere für einen Französischkurs, der einen Placierungstest voraussetzte. Montréal im Sommer ist sehr empfehlenswert, es ist warm und sehr viel los - eine super Gelegenheit, um erste Kontakte zu knüpfen. McGill bietet auch Treffen für Austauschstudenten an und verfügt über eine Organisation für international students. In der ersten Woche des Herbstsemesters findet die sogenannte Frosh Week (Einführungswoche) statt. Als Austauschstudent kann man daran teilnehmen, man sollte sich aber bewusst sein, dass die Frosh Week sich in erster Linie an Erstsemestrige richtet und diese meist einiges jünger sind (17jährig-18jährig). Die reguläre Frosh Week ist vor allem eine Partywoche.

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche habe ich wie erwähnt noch in Zürich begonnen und bin auch fündig geworden (per email). Es ist gut möglich ein Zimmer im Preisrahmen von CAD 300-600 zu finden (darüber ist schon eher teuer für Montréal). Das Quartier Milton-Parc (genannt das McGill Ghetto) ist gleich neben der McGill Uni und voll von McGill Studenten. Die meisten sprechen hier Englisch, es ist ein sehr internationales Umfeld und die Lage ist sehr gut. Allerdings ist das Ghetto eben auch eine Bubble. Wer das echte Montréal entdecken und erleben will, ist vielleicht besser beraten, eine Bleibe im Plateau (und insbesondere im Mile End) zu suchen, auch wenn man dann die U-Bahn an die Uni nehmen muss (die U-Bahn ist immerhin sehr günstig für Studenten). Mir hat das Leben in einer 8er WG sehr behagt und ich verbrachte viel Zeit mit meinen Mitbewohnern.

Universität

Die McGill University geniesst einen hervorragenden Ruf in Kanada, aber auch darüber hinaus (sie wird in den USA manchmal als Harvard des Nordens bezeichnet). Die Studenten sind stolz auf ihre Uni und haben, soweit ich weiss, ein strenges Selektionsverfahren durchlaufen. Persönlich hatte ich das Glück Kurse zu buchen, die mir thematisch sehr entsprachen. Die Dozenten waren hervorragend und ich habe akademisch viel profitiert. Da ich in erste Linie Seminare besucht habe, waren die Gruppen klein (8-12 Leute) und der Austausch mit dem/der Dozenten/in intensiv. Ich verfügte bei Ankunft bereits über gute Englischkenntnisse, musste mich aber daran gewöhnen, Arbeiten auf Englisch zu verfassen. Es gelang aber gut und ich konnte auch im sprachlichen Bereich nochmals Fortschritte machen. Der Arbeitsaufwand für Geschichtskurse ist im Vergleich zur UZH eher höher. Insbesondere werden auch während des Semesters immer wieder kleinere Arbeiten etc. verlangt und das Lesepensum ist meist relativ hoch. Fünf Kurse (soviel muss ein McGill Student besuchen, um den Bachelor in drei Jahren zu absolvieren) sind ein hartes Programm. Falls man wirklich fünf Kurse besuchen will, sollte man darauf achten, nicht nur Seminare zu wählen, da diese einen vergleichsweise höheren Aufwand bedeuten (obwohl sie nach McGill-System die gleiche Anzahl Punkte geben wie eine einfache Vorlesung). Das Kursangebot ist relativ breit, aber sicherlich nicht grösser als an der UZH. 

Leben/Freizeit

Montréal bietet als Stadt sehr viel. In den Stadtteilen Mile End und Plateau finden sich viele hippe Bars und Cafés. Viele Studenten ziehen das Café der Bibliothek als Lernort vor, weshalb die Cafés oft mit vielen lernenden Studenten gefüllt sind. Es herrscht eine gute Kaffeekultur - in der Nähe von McGill kann ich insbesondere das Pikolo und das Humble Lion empfehlen. Die Bagels von Saint-Viateur und Fairmount vermisse ich schon. Ein Besuch beim Marché Jean-Talon lohnt sich auf jeden Fall. Die Altstadt halte ich hingegen für nichts besonderes. Im Sommer läuft sehr viel in Montréal, es findet jede Woche irgendwo ein Festival statt. Ein bekanntes allwöchentliches unverbindliches Trommeln und Picknicken findet jeden Sonntag im Parc du Mont-Royal bis in die Herbstmonate statt: das Tamtam (wird oft als typisch Montréal bezeichnet). Eine interessante Website, um sich einen Einblick zu verschaffen, ist: http://www.mtlblog.com/