Erfahrungsberichte

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Wer

selina.hartmann[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

CA-
Victoria - University of Victoria

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Der Austausch an der University of Victoria (UVic) war eine geniale Erfahrung, welche ich jedem nur empfehlen kann!

Die Universität ist sehr international ausgerichtet und mit fast 170 Austauschstudenten alleine schon an der Business Faculty ist es auch sehr leicht schnell neue Kontakte zu knüpfen. Der Unterricht ist sehr interaktiv und praxisbezogen, womit er sich klar vom Unterricht der UZH unterscheidet.

Die atemberaubenden Landschaften, aber auch die herzlichen Leute in Kanada, haben mich während meines Aufenthalts immer wieder aufs Neue fasziniert.

Vorbereitung

Als erstes sollte man sich frühzeitig über die verschiedenen Abkommen der Universität Zürich informieren, um die passende Uni zu finden. Die UZH bietet verschiedene Informationsveranstaltungen bei denen man sich über die entsprechenden Abkommen (gesamtuniversitäre Abkommen, Fakultätsabkommen, SEMP) informieren und Fragen stellen kann.

Hat man sich dann für eine oder mehrere Universitäten entschieden, heisst es das Bewerbungsdossier zusammenzustellen und fristengerecht einzureichen. Ich habe mich für drei verschiedene Universitäten aus drei verschiedenen Abkommen beworben. Es ist zu beachten, dass für die verschiedenen Abkommen zum Teil unterschiedliche Unterlagen im Bewerbungsdossier erforderlich sind!

Für die Bewerbung an der UVic ist ein Englischzertifikat erforderlich. Deshalb sollte man sich frühzeitig darum kümmern, wann die verschiedenen Sprachtests stattfinden. Ich persönlich habe im Herbstsemester einen TOEFL-Vorbereitungskurs am Sprachzentrum der Universität Zürich besucht und anschliessend den TOEFL-Test absolviert. Es werden an der UVic auch andere Sprachdiplome anerkannt. Am besten informiert man sich direkt auf der Homepage der UVic über die anerkannten Sprachzertifikate und welche Punktzahl / Level erreicht werden muss.

Ende Januar habe ich von der Nominierung für die UVic seitens der UZH erfahren. Im März hat sich dann der International Student Advisor der UVic bei mir gemeldet und mir viele wichtige Informationen zugestellt betreffend Einschreibung an der UVic, Unterkunft, Modulen etc. Bis Ende April hatte ich dann Zeit mich bei der UVic einzuschreiben. Der Einschreibungsprozess war somit ganz leicht und bei Fragen konnte ich mich immer an den Student Advisor wenden.

Die UVic bietet ein Buddy Program an, das ich sehr empfehlen kann. Man kann sich für das Programm gleich bei der Einschreibung anmelden und erhält dann einen Businessstudent der UVic zugeteilt mit dem man dann an Buddy-Events teilnehmen, sonst etwas unternehmen oder auch Fragen zur Uni stellen kann. Mein Buddy hat sich vor meiner Abreise bei mir gemeldet und mir hilfreiche Tipps gegeben was ich alles mitbringen soll und was ich gut zu Hause lassen kann. Während der ersten Unterrichtswoche wurde mir sogar noch einen zweiten Buddy zugeteilt. Es sind zwei schöne Freundschaften dadurch entstanden und ich habe vieles mit den beiden während meiner Zeit in Kanada unternommen.

Ankunft

Es ist sicher empfehlenswert etwas früher nach Kanada zu reisen. Ich persönlich bin rund eine Woche vor Unterrichtsbeginn angereist. Da ich bereits im Vorfeld ein Zimmer in einer WG gefunden hatte, konnte ich direkt dort einziehen. Viele Austauschstudenten, die noch kein Zimmer gefunden hatten oder später in ein Cluster auf dem Campus zogen, hatten sich zu Beginn für ein paar Tage im Ocean Island Inn einquartiert.

In derselben Woche fanden die zwei Orientierungstage statt, bei denen wir wichtige Informationen zum Unialltag erhielten.

Direkt im Anschluss an die Orientierungstage wurde ein West Coast Trip für die Austauschstudenten von der Uni aus organisiert, wo man bereits Kontakte mit anderen Austauschstudenten knüpfen konnte und die kanadische Wildnis geniessen konnte.

Zimmersuche
Wohnen

Bezüglich der Unterkunft gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: Residence (On-Campus), Homestay und Off-Campus.

Wie bereits angetönt, wohnte ich nicht auf dem Campus sondern in einer WG Off-Campus. Ich habe mich auch für die beliebten Clusters (4er-WG auf dem Campus) beworben. Leider wurden dieses Mal die Zimmer nicht mehr nach „First come, first serve“ sondern nach dem Zufallsprinzip vergeben. Ich hatte leider nicht das Glück auf Anhieb ein Zimmer auf dem Campus zu bekommen, was aber auch kein Weltuntergang war.

Da für mich Homestay nicht in Frage kam, habe ich mich dann im Internet auf die Suche nach einem Zimmer gemacht. Es gibt einige Facebookseiten der Uni (z.B. Housing und Victoria, BC Community House Network) wo man andere Studenten findet die ebenfalls auf der Suche nach einem Zimmer sind oder sogar Vermieter, die Zimmer inserieren. Ich persönlich habe mein Zimmer (in einer 5er-WG nur 7 min mit dem Bus zur Uni) über victoria.craiglist.ca  gefunden.

Falls man so wie ich kein Zimmer auf dem Campus erhält, würde ich empfehlen ein Zimmer in der Nähe der Uni auf den verschiedenen Busstrecken zwischen UVic und Downtown zu suchen. Es kann sein, dass man ab und zu auch recht lange am Abend Unterricht hat. Die letzten Klassen sind um 21:20 Uhr fertig und dann ist es angenehm, wenn der Weg nach Hause nicht allzu lange dauert.

Abschliessend würde ich empfehlen, sich für ein Cluster auf dem Campus zu bewerben. Falls man auf Anhieb nicht ein Zimmer auf dem Campus bekommt, sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Ich habe auch im Nachhinein (etwa Mitte/Ende August) ein Angebot für ein Zimmer auf dem Campus erhalten, was ich dann aber ablehnte, da ich bereits ein Zimmer Off-Campus gefunden hatte. Jedoch würde ich nicht darauf spekulieren und mit der Zimmersuche zuwarten, da es mühsam ist, wenn man dann doch kein verspätetes Angebot von der Uni bekommt und dann während denn ersten Unterrichtswochen noch parallel ein Zimmer suchen muss.

Universität

Der Unterricht an der UVic unterscheidet sich stark von dem an der UZH. Da die „Klassen“ meist zwischen 35 und 70 Studenten bestehen, ist das Verhältnis zu den Professoren viel persönlicher. Die Professoren kennen meist jeden Studenten beim Namen und der Unterricht ist dadurch auch wesentlich interaktiver. Theorien und Modelle werden viel schwächer gewichtet und die praktische Anwendung liegt klar im Fokus des Unterrichts. So wurde oft ein Modell oder eine Theorie erklärt und die Studenten danach direkt aufgefordert das soeben besprochene Modell in Gruppen anzuwenden. Zu Beginn war das für mich als UZH-Student etwas ungewohnt und schwierig, ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und Gefallen daran gefunden.

Ein weiterer Unterschied ist die Zusammensetzung der Noten. Die Schlussnote setzt sich meist aus 4-5 Komponenten zusammen, die meist aus einer mündlichen Note, 1-2 Midterm(s), Präsentationen, Einzel- oder Gruppenarbeiten und einer Final Exam bestehen. Die Final Exam zählt in den wenigsten Fällen mehr als 30% der Schlussnote. So wird einem Druck zum Ende des Semesters ein wenig genommen, jedoch ist der Aufwand während des Semesters klar höher.

Des Weiteren gilt an der UVic Anwesenheitspflicht. Diese wird von den Professoren mehr oder weniger auch geprüft. In gewissen Modulen wird das unentschuldigte Fehlen von mehr als 2 oder 3 Mal mit einem Abzug in der mündlichen Note bestraft.

Als Vollzeitstudent kann man an der UVic zwischen 3-5 Module besuchen. Die bestandenen Module werden mit je 1.5 Units (was in der Schweiz 6 ECTS entspricht) belohnt. Ich habe vier Module besucht und somit umgerechnet 24 ECTS erhalten. Für mich persönlich war der Aufwand an der UVic für die 24 Credits bedeutend grösser als an der UZH. Obwohl das Niveau nicht höher war als dasjenige an der UZH, waren viele Assignments sehr zeitintensiv (vor allem Gruppenprojekte). Der Aufwand hängt natürlich auch mit den gewählten Modulen zusammen.

Achtung: Das Outline, das wir per Mail vom Student Advisor im Vorhinein bekommen hatten um uns für die Module anzumelden, entspricht nicht den Informationen im Syllabus der Module. Der Aufwand und die Zusammensetzung der Schlussnote können also nicht anhand vom Outline abgeschätzt werden!

Ich habe die folgenden 4 Module besucht:

Canadian Business Environment:

Dieses Modul wird ausschliesslich für Austauschstudenten angeboten, mit dem Ziel ihnen einen Einblick in die kanadische Wirtschaft zu geben. Zu Beginn des Semesters erhält man auch einen kurzen Einblick in die Geschichte und die Kultur Kanadas, was sehr spannend ist. Allerdings ist der Rest des Moduls nicht allzu sehr auf Kanada ausgerichtet. So werden viele allgemeine Modelle der BWL behandelt und der Bezug zu Kanada fehlt. In den ersten Wochen war der Zeitaufwand für das Fach eher gross, da viel gelesen werden musste. Nachdem die Professorin aufgrund eines Krankheitsfalls ausgewechselt wurde, war auch der Aufwand um einiges geringer.

International Environment of Business:

Dieses Modul hat mir am besten gefallen! Die Thematik hat mich sehr interessiert, aber auch der Dozent war spitze! Das Fach beschäftigt sich mit der Globalisierung der Wirtschaft und wie diese die Strategie und die Entscheidungen der Unternehmen beeinflussen. Der Unterricht kam schon eher dem der UZH nahe. So bestand die Klasse aus etwa 70 Studenten und die mündliche Beteiligung war freiwillig. Der Dozent wird meines Wissens ab nächstem Jahr dieses Modul leider nicht mehr unterrichten.

Cross-National Management:

Das Fach „Cross-National Management“ zielte darauf ab uns auf das Führen und Mitarbeiten in internationalen und multikulturellen Teams vorzubereiten. So hatten Gruppendiskussionen bei denen verschiedene kulturelle Erfahrungen ausgetauscht werden konnten, einen hohen Stellenwert. Des Weiteren mussten wir am weltweit bekannten X-Culture Project teilnehmen. Dabei werden Teams aus 5-7 Studenten von Universitäten aus aller Welt gebildet, die dann zusammen für ein Unternehmen einen Expansion Plan erarbeiten müssen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man sich nie persönlich treffen kann und somit nur online kommunizieren kann. Aufgrund dieses Projekts und zusätzlich viel Lesestoff und vielen Hausaufgaben, die abgegeben werden mussten, war dies ein sehr aufwändiges Modul.

International Marketing:

Dieses Modul gefiel mir ebenfalls sehr gut! Es gibt einen guten Einblick in den internationalen Kontext des Marketings. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erarbeiten und Diskutieren von Case Studies. Es kann ein Case ausgewählt werden, der dann von der Gruppe dem Plenum vorgestellt wird und anschliessend auch die Theorie dazu erarbeitet wird. Zum Schluss des Semesters muss eine Einzelarbeit über eine Marketing-Erfolgstory geschrieben werden.

Ich würde empfehlen 3-4 Module zu besuchen. Der Stundenplan ist zwar mit dieser Anzahl an Modulen nicht sehr voll, jedoch wird vor allem zu Beginn der Aufwand neben dem Unterricht unterschätzt und schlussendlich möchte man auch etwas vom Land sehen und mal etwas unternehmen.

Leben/Freizeit

Victoria liegt auf Vancouver Island, einer traumhaften Insel, die vor der kanadischen Westküste liegt. Victoria ist ein gut gelegener Ausgangspunkt für diverse Trips. So kann man von dort aus Ausflüge in die Rockies, nach Vancouver, Seattle, Kalifornien oder sogar nach Hawaii unternehmen. Viele nutzten die Zeit während des Reading Breaks eine der obengenannten Destinationen zu bereisen.

Eigentlich muss man nicht einmal so weit weg fahren oder fliegen, denn Vancouver Island bietet so vieles! Sei es einen Trip übers Wochenende nach Tofino um zu surfen oder eine Walbeobachtungstour – es wird einem nie langweilig. Die vielen Nationalpärke laden zum Wandern ein und ab und zu trifft man dort auch einen Bären.

Victoria selbst ist klein, aber fein. Es gibt viele sehr gute Restaurants, Pubs und Bars. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Auch die Universität bietet ein grosses Freizeitangebot an. Ein grosszügiges und modernes Sportzentrum bietet jede Menge verschiedene Sportlektionen an. Des Weiteren kann man auch diversen Sportclubs beitreten. Diese werden zu Beginn des Semesters vorgestellt.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Einblicke in das Studentenleben an der UVic geben und wünsche dir viel Spass bei deinem Austauschsemester!