Erfahrungsberichte

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Wer

riccarda.danuser[at]bluewin.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester an der Tsinghua war eine sehr gute Wahl, eine unvergessliche Zeit. Der Beginn, das «sich eingewöhnen», war nicht immer einfach. Nach einer Weile gewöhnt man sich aber an alles und fängt an, die Zeit zu geniessen. Vieles geht nicht ganz so schnell und einfach wie man es sich gewöhnt ist, aber irgendwie geht alles. Auch Dinge, die zu Beginn aussichtslos erscheinen, funktionieren irgendwann, wenn man hartnäckig bleibt. Wichtig ist aber, dass man nicht genervt wirkt, sondern alles mit einem Lächeln diskutiert und immer geduldig bleibt. Das Gesicht wahren ist in Peking, oder allgemein in China, extrem wichtig.

Auch wenn ein Austauschsemester an der Tsinghua schwieriger ist als andere Universitäten in Europa oder Amerika, lohnt sich ein Austausch auf jeden Fall. Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, an der Tsinghua ein Semester zu studieren!

Vorbereitung

Die benötigte Vorbereitung für einen Austausch in Peking ist wahrscheinlich grösser als für viele andere Länder. Es muss an vieles gedacht werden. Zum einen, das vielleicht wichtigste, ist die Sprache. Ich lege allen ans Herz, Mandarin zumindest ein bisschen zu lernen. In Peking können nur sehr wenige English. Zu Beginn des Aufenthaltes und beim Reisen sind Chinesisch-Kenntnisse sehr vorteilhaft. Ich selber habe vor dem Austauschsemester nur wenig chinesisch gelernt. Im Rückblick muss ich sagen, dass sehr viele Erschwernisse mit Kenntnis der Sprache zumindest leichter gewesen wäre. Aber auch ohne Kenntnisse kann man überleben, es ist einfach ein bisschen schwieriger. Weiter sollte man sich unbedingt einen Reiseplan überlegen. Das Visum kann nur für einen einmaligen Eintritt nach China beantragt werden. Das Beantragen auf dem Campus für zwei weitere Einreisen ist zwar einfach, dauert aber seine Zeit. In dieser Zeit muss der Pass abgegeben werden und man sollte sich nur in Peking aufhalten. Weiter muss beachtet werden, dass in China einige Internetseiten blockiert sind. Es sollte unbedingt ein VPN vor Einreise installiert sein, und zwar auf Laptop und Handy. Ich habe keinen zusätzlichen VPN installiert, nur jenen der Universität Zürich. Dieser hat zu Beginn perfekt funktioniert, innerhalb des Campus bis zum Schluss. Ausserhalb des Campus wurde die Verbindung immer schlechter, es brauchte immer mehr Versuche bis man sich erfolgreich anmelden konnte. Wenn ihr beispielsweise auf Seiten wie Google-Mail angewiesen seid, würde ich vorschlage einen zweiten VPN client vor Beginn des Austauschsemesters zu installieren.

Weiter haben mir diese Apps das Leben vereinfacht: Pleco (Übersetzung Englisch-Chinesisch), Beijing Metro, Baidu Map (google funktioniert nur mit VPN) und Wechat (die chinesische Variante von unserem Whats App, diese App wird garantiert benötigt).

Weiter habe ich mich vor Abreise bei der Schweizer Botschaft angemeldet. Ich bekam sofort eine Einladung zu einer grossen Veranstaltung. Diese und weitere Veranstaltungen wie beispielsweise das Weihnachtsessen waren sehr gut, ich habe viele Leute kennen gelernt.

Ankunft

Die Einreise verlief ohne Probleme, wenn auch sehr langsam. Das ganze Prozedere bis man endlich die Stadt betreten kann dauert seine Zeit. Danach habe ich von dem Pekinger Flughafen ein Taxi genommen. Unbedingt die chinesischen Schriftzeichen zur Hand haben! Die Fahrt ging in das Peking Uni Youth Hostel, welches sich nahe der Uni befindet. Die Lage ist sehr gut und der Preis extrem günstig. Der Komfort ist dementsprechend nicht ganz so hoch. Das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich sehr gut und würde es wieder buchen. Man lernt möglicherweise schon die ersten Mitstudenten kennen.

Zimmersuche
Wohnen

Da ich kein Dorm auf dem Campus bekommen habe, musste ich ein Zimmer ausserhalb suchen. Aus diesem Grund ging ich auch zu Beginn in das Hostel (man bekommt alle Nächte zurückerstattet die man nicht benötigt). Ich habe mich im Vornherein nicht allzu gross mit der Zimmersuche beschäftigt ausser dem Versuch ein Dorm zu bekommen. Da dies leider nicht geklappt hat, habe ich mich als erstes auf Facebook mit anderen Studenten ausgetauscht. Mehr habe ich in der Schweiz nicht gemacht. In China habe ich dann mithilfe einer Agentur ein Zimmer gefunden. Das Zimmer war nicht in Wudaokou, wo die Universität sich befindet, sondern in Liudaokou. Dies ist ein bisschen weiter weg aber mit dem Fahrrad gut zu bewältigen. Ich wollte lieber ein besseres Zimmer und einen weiteren Weg haben.

Universität

Der Universitätscampus ist hat mir sehr gut gefallen. Er ist riesig, trotzdem aber sehr schön. Vor allem der Teil mit dem kleinen See ist im Sommer wunderschön. Aufgrund der Grösse hatte ich zu Beginn ein bisschen Orientierungsschwierigkeiten, was sich aber schnell gelegt hat. Ganz wichtig ist ein Fahrrad. Die Distanzen innerhalb des Campus sind einfach zu gross um zu Fuss zu gehen.

Der Unterricht ist ganz anders aufgebaut als an der Universität Zürich. Teilnahme am Unterricht und Anwesenheit sind sehr wichtig. In vielen Vorlesungen muss man unterschreiben. Auch gibt es in vielen Vorlesungen Hausaufgaben. Kurze Arbeiten und Präsentationen, zum Teil in Gruppen, sind in den meisten Kursen der wichtigste Teil der Note. Der Rest ist Teilnahme und Anwesenheit am Unterricht. Ich hatte nur im Fach Chinesisch für Anfänger eine Prüfung, in allen anderen «nur» Arbeiten und Präsentationen. Ich habe folgende Fächer besucht:

·       China Roots (würde ich wieder nehmen, war einfach und interessant)

·       Leadership (sehr interessant, sehr empfehlenswert)

·       Technology and Strategy (sehr aufwändig und nicht so interessant, würde ich nicht mehr buchen)

·       Knowledge Management (nur mässig interessant, würde ich eher nicht mehr buchen)

·       Strategic Alliance (interessant, würde ich wieder buchen)

·       Marketing Research (nicht so interessant aber relativ einfach eine gute Note zu bekommen)

·       Chinesisch für Anfänger (hat mir sehr Spass gemacht, empfehle ich allen. Die Punkte werden aber nicht angerechnet)

Der totale Aufwand für das Studium hält sich in Grenzen und lässt einem viel Freiraum die Stadt zu erkunden und je nach Stundenplan zu reisen.

Was mich sehr erstaunt hat waren die Englisch-Kenntnisse der Professoren. Ich kam mit der Vorstellung, dass mindestens in einigen Fächern das Verständnis nicht ganz einfach wird. Doch ich habe mich sehr getäuscht, alle Professoren konnten gut bis sehr gut Englisch.

Die Universität verfügt über ein Buddy-Programm. Ich selber habe mich bereits im Vornherein mit meinem Buddy anfreunden können. Er konnte mir bei vielen Problemen helfen. Sehr empfehlenswert!

Weiter verfügt die Universität über viele Sportmöglichkeiten. Ich selber habe mich dem Schwimmverein angeschlossen. Das hat mir sehr viel Spass gemacht und ich konnte so viele chinesische Freunde gewinnen.  

Leben/Freizeit

Peking ist riesig und hat alles was man möchte. Man sollte so viel wie möglich unternehmen. Eine unglaubliche Anzahl an Sehenswürdigkeiten befinden sich in Peking, wobei die Chinesische Mauer, die verbotene Stadt und der Sommerpalast unbedingt gesehen werden sollte.

Auch der Ausgang kommt nicht zu kurz. Entweder man versucht es wie die Chinesen in einem KTV oder man geht in eine Bar oder einen Club. In Wudaokou und Sanlitun gibt es viele Bars und Clubs und dementsprechend viele Ausländer.  

Wenn man Zeit hat sollte man auch unbedingt ein bisschen reisen. Ich habe mehrere Kurztrips unternommen (Innermongolien, Shanghai, Nanjing, Xi’an). Eine grössere Reise habe ich in der Provinz Yunnan gemacht. Alle Ausflüge waren sehr interessant, es gibt aber noch sehr viele andere Destinationen welche von Peking aus gut unternommen werden können. Viel Spass!:)