Erfahrungsberichte

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Wer

corinnajosefine.baden[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

AU-
Perth - The University of Western Australia

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Mein Semester in Perth war eine ganz besonders tolle Zeit. Klar, der Einstieg in einem fremden Land ist nie einfach. Woche um Woche habe ich aber wertvolle Erfahrungen machen dürfen, habe Freunde aus aller Welt gefunden, wurde kulinarisch immer wieder aufs Neue inspiriert, habe das Leben am Meer zu schätzen gelernt, die Sonne genossen, habe Australien und seine Ureinwohner und zuletzt mich selbst besser kennen gelernt. Ich kann jeder und jedem ein Auslandssemester in Australiens sonnigster Stadt wärmstens empfehlen.

Vorbereitung

Nachdem ich die Zusage erhalten hatte, wurde ich von Seiten der UZH und meiner Partneruniversität perfekt betreut, sodass ich immer wusste, was ich als nächstes zu tun hatte. Sobald ich alle nötigen Dokumente beisammen hatte, wurden diese online bei der UWA eingereicht, woraufhin mein Austauschplatz zeitnah bestätigt wurde.

Danach musste ich mich um Flüge, das Visum und die Anrechnungsvereinbarung kümmern. Letztere kann aber in Perth noch geändert werden, daher sollte man sich diesbezüglich nicht zu viel den Kopf zerbrechen. Insgesamt lief die Vorbereitung reibungslos ab.

Ankunft

Ich bin eine Woche vor Beginn der Orientierungswoche nach Perth geflogen, um mich einzuleben. Da ich in der Nacht ankam, blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem Taxi in die Stadt zu fahren. Tagsüber und abends fahren die Busse 380 (international), 37 und 40 (domestic) für 3 Dollar in die Stadt, was natürlich wesentlich erschwinglicher ist. Es gibt auch einen Shuttle, der sich aber preislich nicht lohnt (15 Dollar). Die ersten beiden Nächte verbrachte ich in einem Hostel und die folgende Woche in einer Airbnb Unterkunft.

Auch wenn in Perth fast immer die Sonne scheint – ich war von den kalten Temperaturen abends und nachts (und auch teilweise tagsüber) total überrascht. Als ich ankam waren es gerade mal 4 Grad. Tagsüber kann es im Winter Perths zwar sehr warm werden, aber nachmittags setzt dann meist ein kalter Wind aus der Antarktis ein. Dieser macht eine Jacke zwingend erforderlich. Wenn man nicht so abgehärtet wie die Australier ist, sollte man sich daher auf jeden Fall ein paar Kleidungsstücke für kälteres Wetter einpacken. Es wird dann übrigens ab September warm, ab Oktober gibt’s die ersten heissen Tage und dann folgte die trockene Dauerhitze ab Ende November.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe bewusst kein Zimmer vorab gesucht und das kann ich jedem empfehlen! Mir war es wichtig, das Zimmer und die Umgebung selbst zu sehen. Wohnen on Campus kam für mich nicht in Frage: Dort bezahlt man viel Geld für eingepferchtes Wohnen. Man hat nicht wirklich eine Küche und die Auslandsstudenten wohnen meist in den alten Bauten. Einziger (und für manche sehr relevanter) Vorteil ist, dass man von Anfang Anschluss zu anderen Austauschstudenten hat.

Ich habe eine Woche nach Zimmern gesucht und auch mehrere Zusagen erhalten. In Australien kaufen sich häufig schon junge Erwachsene ihre eigenen Wohnungen/Häuser und suchen dann händeringend nach Mitbewohnern. Es gibt auch die Möglichkeit, mit Familien zusammen zu wohnen. Das habe ich dann in meinem ersten Monat auch gemacht, da ich für ein bisschen Putzen und Kochen eine geringe Miete gezahlt habe. Allerdings empfand ich dies nach einer Weile einschränkend und habe innerhalb von 3 Tagen ein Zimmer in einer WG gefunden und bin prompt umgezogen.

Ich habe in Claremont gewohnt. Dieser Stadtteil liegt genau zwischen Universität und Strand. Weitere Suburbs, die ich empfehlen kann, sind Crawley, Nedlands, Subiaco und Cottesloe. Perth ist eine sehr sichere Stadt und ich habe mich niemals unwohl gefühlt. Für die Miete in einem WG-Zimmer zahlt man 130-200 Dollar pro Woche.

Universität

Die UWA ist eine grosse, schöne Uni. Sie liegt direkt an der Matilda Bay und hat einen sehr grünen Campus. In der Orientierungswoche gibt es unzählige Veranstaltungen, die mir das Einleben auf dem Campus sehr erleichtert haben. Es gibt nicht nur vom International Office Veranstaltungen, sondern auch von den einzelnen Fakultäten. Diese kann ich auch sehr empfehlen.

Als die Vorlesungen angefangen haben, war dann natürlich trotz guter Einführung alles etwas chaotisch und ich habe zwei meiner Kurse geändert, da sie doch nicht so gut zu meinem Profil gepasst haben. Das ist aber kein Problem. Ich empfehle jedem bei der Kurswahl auch mal über den Tellerrand zu schauen. Man kann nahezu jeden Kurs auf Bachelorebene belegen und viele auf Masterebene, wenn man schon ein bisschen Vorwissen hat. Ich bin so zu einem tollen Kurs in Indigenous Studies gekommen.

Meine Kurse waren insgesamt sehr interaktiv gestaltet. Im Gegensatz zur UZH musste ich viel regelmässiger Arbeiten abliefern und Aufgaben erledigen. In einem Kurs hatte ich z.B. jede Woche ein Onlinequiz. Dafür gibt es am Ende vom Semester keine riesige Klausur (kommt jedoch auf das Studienfach an). Ich habe in jedem Fach auch ein Essay geschrieben. Diesbezüglich lohnt es sich, sich mit dem Essayschreiben in Australien vertraut zu machen, z.B. über die Kurse des Study Smarter Teams. Dieses bietet auch zwei wöchentlich stattfindende (kostenlose!) Englischkurse an – toll, um Grammatik und Konversationsregeln aufzufrischen und Kontakte zu knüpfen.

Neben dem Studieren gibt es natürlich allerhand Clubs und Sportmöglichkeiten auf dem Campus. Es gibt keine zentrale Mensa, dafür Cafés und Foodtrucks. Es gibt auch einige vegane Essmöglichkeiten. Wer sich für veganes Leben in Australien interessiert, kann mir gern ein Mail schicken!

Leben/Freizeit

Perth ist nicht so bekannt wie Sydney oder Melbourne, hat aber freizeitmässig allerhand zu bieten. Und muss sich meiner Meinung nach überhaupt nicht hinter den beiden Städten verstecken. Outdoor- und Naturliebhaber sind hier absolut richtig. Ich war sehr oft am Meer (und sobald es wärmer wurde natürlich auch im Meer) und bin in den umliegenden Nationalparks wandern gegangen.

Darüber hinaus ist Perth – wie alle australischen Städte – ein Multi-Kulti-Ort. Man trifft Menschen aus aller Welt und diese bringen natürlich auch gerne ihre landesspezifischen Küchen mit! Es gibt viele Streetfood-Märkte, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Ich habe mich ziemlich schnell in die vielen Cafés verliebt. Perth hat eine grosse alternative Kultur, die man auf Stadtspaziergängen sehr gut aufschnappen kann. Die CBD ansich ist überschaubar und es geht nicht zu hektisch zu. Mit den Zügen kommt man schnell in die umliegenden Städte. Fremantle ist ein toller Ort!

Ich habe mir in meinen ersten Tagen ein Fahrrad gekauft (mehr als 100 Dollar sollte man nicht bezahlen), was einer meiner besten Entscheidungen war. So war ich unabhängig und sogar meist schneller als der öffentliche Verkehr. Auch wenn viele Australier lieber das Auto nehmen, gibt es erstaunlich viele schöne Fahrradwege. Eindeutiger Vorteil im Gegensatz zu den grösseren Städten des Kontinents.

Im Frühjahr hat man 1 Woche Ferien, die man natürlich auch etwas ausweiten kann. In dieser Zeit habe ich einen Roadtrip in den Norden Westaustraliens gemacht. Während des Semesters bin ich ausserdem nach Brisbane und Melbourne geflogen. Da ich keine Klausuren hatte, war mein Semester schon Ende Oktober zu Ende. Dementsprechend blieb noch sehr viel Zeit, bis ich wieder in Zürich sein musste – perfekt zum Reisen. Flüge von Perth sind zwar innerhalb Australiens nicht so günstig wie an der Ostküste, aber ein Flug von Perth nach Brisbane dauert immerhin 6 Stunden! Perth ist die entlegenste Grossstadt der Welt und das bekommt man dann auch zu spüren. Allerdings muss man gar nicht unbedingt wegfliegen – der Norden und Süden hat landschaftlich viel zu bieten und ist wesentlich weniger überlaufen als die Ostküste Australiens. Im Outback ist man ebenfalls schnell.