Erfahrungsberichte

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Wer

roman.s.zeller[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

AU-
Brisbane - University of Queensland

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester war mehr als positiv; es war eine einmalige Erfahurng. Brisbane als Stadt, Australien als Land und die ‚University of Queensland’ als Gastuniversität kann ich wärmstens empfehlen. Hinzukommt die kommunikative, umgängliche Art der Australier, aber vor allem die Vielfalt eines faszinierenden Kontinents mit attraktiven Ausflugszielen.

Vorbereitung

Meine Vorbereitung war dürftig, beginnt das 'Semester 2' in Brisbane auch bereits Mitte Juli, demnach direkt nach unseren Jahresprüfungen. Erst Ende Juni habe ich mich intensiv mit dem Bevorstehenden zu befassen begonnen. Visa und Flug waren wichtige Traktanden, die wohl früher hätten abgehandelt werden sollen.

Die Anmeldung an der University of Queensland war mühsam und langwierig. Bis das Akzept von Seiten der Gastuniversität eintraf, verstrichen mehrere Wochen. Eine frühe und intensive Vorbereitung wäre demnach zu empfehlen. Dadurch lässt sich vermeiden, dass nach Ankunft und bei Semesterstart Hektik bei der Kurswahl entsteht. Die Fächerwahl ist sinnvoll im Voraus zu überprüfen und zu buchen. Nach Semesterstart laufen die Anlaufstellen auf Hochtouren. Langes Anstehen bei den Informationsbüros ist die Folge.

Angefügt werden muss, dass ebendiese Anlaufstelle in Queensland ab Eintreffen der endgültigen Bestätigung unglaublich speditiv und hilfsbereit kommunizierte – trotz Zeitverschiebung. Auch persönliche Hilfeleistungen bez. Wohnungssuche der UQ-Supporter waren wertvoll.

Ankunft

Gleich nach der Ankunft wurde ich von einem Bekannten in Richtung meiner vorgängig organisierten Unterkunft gefahren. Taxis oder ein Shuttle der Universität könnten alternativ genutzt werden. Empfehlenswert ist diesbezüglich allerdings die Firma Uber. Diese befindet sich in Brisbane (noch) in einem rechtlichen Graubereich und funktioniert tadellos.

Das Zurechtfinden in Brisbane fiel mir leicht: Die UQ bietet eine Orientierungswoche, wo Kennenlernen des Campus und erstes Kontakteknüpfen erleichtert werden. Vor allem die Campus-Touren empfand ich als nützlich. Dessen Fläche ist immens. Daneben verabreicht eine Applikation (UQ Map) portable Übersichtlichkeit.

Der Stadtkern in Brisbane ist klein und fein. Die umliegenden Quartiere (Southbank, Fortitude Valley, West End etc.) lassen sich zu Fuss oder per Bus/Train (durch die ‚StudentID’ – sollte sofort bei der Uni beantragt werden – erhält man eine sog. GoCard, die vergünstigtes Reisen mit dem ÖV ermöglicht) erkunden. Etliche Erholungszonen geben der Stadt Charme und Cachet. Schnell fühlt man sich wohl.

Was bedacht werden sollte und meinerseits klar unterschätzt wurde, ist, dass im Juli bei der Ankunft Australischer Winter vorherrscht. Klar, 'Australischer Winter' – genau das habe ich mir gedacht; dass die erste Nacht in Brisbane die Kälteste seit 30 Jahren war und das Thermometer auf 4 Grad Celsius sank, war wohl etwas Pech. Gleichwohl sollte die Packliste entsprechend angepasst und nicht bloss die Badehose, Flipflops beinhalten.

Zimmersuche
Wohnen

Das Angebot ist vielfältig, und es können primär zwei Haupttypen unterschieden werden: Living on- vs. off-campus.

Zuerst zum Wohnen auf dem Campus:

Rund um die ‚UQ’ präsentieren sich ansehnliche Gebäude, sog. Colleges. Dort erhält man drei Mahlzeiten und ein Zimmer, zu stattlichem und für die Semesterrechnung belastenden Preis. Das Rundherum ist jedoch Spektakulär und gemäss meiner Optik empfehlenswert; vor allem wer in einer ‚fraternity’ gemäss amerikanischen Vorbild leben möchte. Wer beispielsweise im Kings College, dem International House oder Women College hausiert, wird von lebenslustigen Studenten umzingelt sein. Mit Sicherheit wird allerdings keine Ruhe herrschen. Regelmässig steigen Riesenpartys, kleinere Events fast täglich. Das Studieren könnte zur Nebensache werden.

Gemäss eigener Erfahrung sind die Aktivitäten der Colleges ein eindrückliches Erlebnis und unbedingt auszuprobieren – wenn irgendwie möglich. Dort zu wohnen war mir zu teuer und wegen den geregelten, vorgekochten Mahlzeiten keine Option.

Persönlich bevorzugte ich ein Zimmer ausserhalb des Campus (off-campus). Mehrere Plattformen bieten Räume in ‚shared-houses’ an, die erschwinglicher sein können (je nach Lage und Ausstattung). Auch die Universität hat eine mit privatrechtlichen Firmen verlinkte Website. An Hilfe und Angebot mangelt es nicht (Gumtree und Flatmates als alternative Plattformen). Über diese verknüpfte Homepage habe ich bei der Agentur ‚the Pad’ mein Zimmer gebucht. Aufgrund eines unflexiblen Vertrages (bez. Kündigung) würde ich dies nicht noch einmal gleichermassen arrangieren.

Daneben gibt es noch Einzelzimmer (ähnlich den Colleges) wie es die Firma ‚Urbanest’ anbietet. Diese sind ebenfalls kostspielig.

Mein persönlicher Tipp für Brisbane wäre, dass man nach Ankunft in einem Backpackers oder ‚Airbnb’ zwischenzeitlich überbrückt. Auch ohne übermässig frühe Ankunft bleibt Zeit genug, um etwas Passendes zu finden. Einige Tage vor der Orientierungswoche sollten genügen, um fündig zu werden.

Der grosse Vorteil dabei ist, dass man sich selbst ein Bild von der Bleibe mitsamt Mitbewohnern und Lage machen kann und nicht Bilder und ein Stadtplan als Anhaltspunkt dienen. Verschiedene Möglichkeiten können so auf Lage, Preis und Ausstattung verglichen werden.

Universität

'The University of Queensland' ist eine Spitzenuniversität mit weltweitem Ansehen. Dementsprechend präsentiert sich auch der Campus, ein Campus der Superlative. Unzählige kulinarische Angebote verteilt auf Restaurants, Bars, Coffee-Shops, Kantinen. Vor allem die violetten ‚Jacaranda-Trees’ verleihen dem sonst schon üppig bepflanzten Campus ein spezielles Flair.

Inmitten der Gebäude bietet eine grosse Wiese den Studenten Platz für Lunch, Kaffee oder sonstigem Zeitvertreib. Rundherum formieren sich mehrere ‚Ovals’ (Rugbyfelder), Fussballplätze, Volleyballanlagen, Cricketfelder etc. Insgesamt 12 Bibliotheken (davon mehrere 24/7) versuchen nebst den zahlreichen Ablenkungsgefahren den Blick fürs Wesentliche einigermassen zu sichern.

Auch die Betreuung muss hervorgehoben werden: Die Abteilung für die internationalen Studierenden ist sich für nichts zu schade und gibt gerne Auskunft, auch wenn man nach langem Mailverkehr die Kurswahl immer noch nicht abgeschlossen oder die interne Plattform ebenfalls nicht begriffen hat. Ins gleiche Muster fallen die Professoren: Sie sind nahe an den Kommilitionen und gehen auf besondere Bedürfnisse oder Fragen ein.

Bezüglich des Unterrichts ist die Universität in Brisbane sicherlich strikter auf Anwesenheit ausgerichtet als die Uni Zürich. Präsenzpflichten sind keine Seltenheit, wöchentliche Handouts ebenso wenig. Die 'Mid-terms' verlangen ein konsequentes Dranbleiben, und die 'Finals' folgen nach kurzer 'Swot-Vac' (Study Without Teaching Vacation) nach dem offiziellen Semesterende.

Hervorheben möchte ich ein besonders universitäres Erlebnis: Die Teilnahme an den Australian University Games, welche im ‚Mid-semester break’ stattfanden. Sofern ‚Try-outs’ diesbezüglich geplant sind, demnach wieder ein Turnier bevorsteht, sollte die Möglichkeit zwangsläufig gepackt werden – irgendeine Sportart wird man bestimmt finden. Die Vielfalt ist auch hier gewaltig (von Frisbee über ‚Touch-Rugby’ bis hin zu Fussball, Basketball oder Field-Hockey). Man wird dabei an einer nationalen Olympiade teilnehmen, einem Turnier mit über 8'000 Studenten aus jeder Ecke Australiens. Sowohl sportlich als auch sozial-interstudentisch ein gewaltiges, unvergessliches Erlebnis.

Leben/Freizeit

Die herausragende Eigenschaft Brisbanes ist die nahezu perfekte Lage auf halber Höher der East Coast. Inmitten von Gold und Sunshine Coast, unweit von Sydney und Melboure stehen einem zahlreiche und verschiedenste Möglichkeiten offen. Ob ein Abstecher nach Surfers Paradies, Byron Bay oder Noosa, alles ist mit ÖV problemlos erreichbar – besser noch mit gemietetem oder sogar gekauftem Auto. Mein Ratschlag lautet, dass man sich nebst dem Akademischen auch stark auf die Freizeit in Form von Ausflügen und spezifisch Outdoor-Aktivitäten zu konzentrieren getraut. Eine gesunde Balance ist erstrebenswert. 

In der Stadt selber lädt die Weitläufigkeit mit Grünanlagen ebenfalls zu Outdoor-Aktivitäten. Joggen oder Velofahren entlang des Flusses oder im Park ist beliebt. Mehre Clubs (UQ Surfers, UQ Wakeboard Club, UQ Dive Club etc.) organisieren wöchentliche Trips. Zahlreiche Restaurants, Pubs und Clubs offerieren Nachtschwärmer ein ausreichendes Setting (Fortytude Valley, West End etc.).