Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

BW-
Gaborone - University Botswana

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester an der University of Botswana war in jedem Aspekt eine Bereicherung. Nicht nur hatte ich durch die eher spezielle Länderwahl und einen Platz an einer überschaubaren Universität die Möglichkeit, in ein Umfeld und eine Kultur einzutauchen, die ich sonst wohl nie kennengelernt hätte, sondern durch den Fokus auf afrikanische Politik und Sprachen auch die Chance, akademisch viel zu profitieren. Ich kann Botswana als Zielland jedem ans Herz legen, der spannende und abwechslungsreiche Monate in einem sehr herzlichen Umfeld erleben möchte, dafür aber bereit ist, einen etwas tieferen akademischen Standard als von der UZH gewohnt in Kauf zu nehmen: Mit vielen Modulausfällen, Verspätung des Vorlesungsbeginns und einem tieferen Niveau in Vorlesungen und Seminaren sahen wir uns konfrontiert. Wer die Module jedoch als generelle Bereicherung sieht (wie ich z.B. mit Schwerpunkt Afrika), gerne neue spezielle Dinge erlernt (z.B. Sprachkurs Setswana) und eine andere Unterrichtsart als Horizonterweiterung und nicht als kategorischen Unsinn betrachtet, profitiert ganz bestimmt.

Vorbereitung

Zugegebenermassen nahmen die Vorbereitungen einige Zeit in Anspruch. Sowohl ISEP wie auch die Verantwortlichen der UZH sind dabei jedoch sehr hilfreich. ISEP lässt einem ein detailliertes Portfolio mit allen wichtigen Eckdaten zukommen, stellt Videokonferenzen und YouTube-Informationsvideos zur Verfügung und setzt einem mit der zuständigen Koordinatorin/ dem zuständigen Koordinator in Verbindung, die für mich eine der wichtigsten Ansprechspersonen wurde und mir bei allem sofort und unkompliziert geholfen hat. 

Die Module hatte ich mir wie verlangt frühzeitig zusammengestellt und von meiner UZH-Koordinatorin absegnen lassen, jedoch wurden, wie in Botswana festgestellt, die wenigsten davon angeboten. Ein Kurs, der sogar im Handbuch aufgelistet wurde, stellte sich erst drei Wochen nach Studienbeginn als inexistent heraus. Man sollte sich also nicht darauf verlassen, dass die gewünschten Module angeboten werden, die University of Botswana und die UZH-Koordinatoren sind aber meiner Erfahrung nach sehr flexibel und hilfreich.

Ansonsten muss nichts Ausserordentliches vorbereitet werden, ein Visum wird bei der Einreise nicht erfordert.  

Ankunft

Wir wurden am Flughafen von freiwilligen studentischen Mitarbeitern des International Office abgeholt und haben auf dem Weg zurück zur Universität auch gleich noch die nötigsten Einkäufe getätigt (SIM-Karten, Schlösser etc.). Danach wurden wir zu unseren provisorischen Zimmern gefahren, da unsere richtigen noch gestrichen wurden. Wir wurden mit dem Nötigsten ausgestattet (Bettdecken etc.) und dann uns überlassen. Der Präsident der Schülerorganisation und weitere Engagierte waren jedoch jederzeit da, um uns zu helfen (mit Kühlschrankversorgung, Tips etc.). Am nächsten Tag gab es ein Treffen im International Office, wo wir alle Informationen erhalten haben. Die Ankunft hat reibungslos geklappt.

Zimmersuche
Wohnen

Durch ISEP wurden uns Zimmer auf dem Campus zur Verfügung gestellt, die wir jeweils zu zweit bewohnten. Wir hatten die freie Wahl, mit wem wir ins Zimmer wollen (ob International oder Local). Die Zimmer befanden sich alle in den besten Dorms der Universität, die jeweils mit zwei Betten (dazwischen eine halboffene Trennwand), abschliessbaren Schränken, Schreibtischen und Regalen ausgestattet sind. Eine Küche gibt es nicht, wir haben aber einen Kühlschrank gemietet und einen Wasserkocher gekauft, um nicht immer vom Mensa-Essen abhängig zu sein. Die Mensa war einige Meter von unseren Zimmern entfernt und hat sieben Tage die Woche Menüs angeboten (leider immer die gleichen). Man teilt zwei Badezimmer (eines war bei uns kaputt) mit etwa zwölf Frauen. Trotz Wassermangel hatten wir meistens fliessendes Wasser (ausser in den ersten Wochen), oft war es sogar warm. Eine Putzfrau kommt täglich für die Gemeinschaftsräume und ein Mal monatlich für den Zimmerboden. Sauber waren die Gemeinschaftsräume trotzdem fast nie. Im Winter wird es sehr kalt in den Zimmern, während man es der Hitze wegen im Sommer kaum aushält. Passende Kleidung mitzunehmen kann ich deshalb nur empfehlen! Zudem ist Diebstahl ein grosses Problem, es muss also die Hauptzimmertür wie auch jede Schranktür jederzeit mit einem Vorhängeschloss/Veloschloss abgeriegelt werden. Die Dorms werden aber zusätzlich auch von Securities bewacht. Die Zimmer sind zudem Dreh- und Angelpunkt des sozialen Campus-Lebens und mit den richtigen Leuten um sich kann das Wohnen in den Dorms trotz wenig Platz und vielen Unzulänglichkeiten sehr familiär anfühlen. 

Universität

Der mittelgrosse Campus liegt in der Hauptstadt Gaborone und bietet alle gängigen Studienrichtungen an. Der besondere Stolz der Uni gilt der Bibliothek, die als eine der grössten im südlichen Afrika angepriesen wird und die tatsächlich eine grosse Auswahl an Büchern bietet. Auch Forschungsfreiheit nimmt einen wichtigen Stellenwert ein, was auch eine freie Lehre ermöglicht. Die ganze Organisation erschien mir jedoch etwas chaotisch, so waren Vorlesungsausfälle an der Tagesordnung und bei organisatorischen Problemen schien oft niemand zuständig. Es wird hingegen grossen Wert gelegt auf persönlichen Unterricht, meine Module (es waren fünf) fanden in Klassen von 6-50 Leuten statt und selbst im grossen Rahmen waren mündliche Mitarbeit und hitzige Diskussionen gängig. Die Professoren kennen einem und man kann sich jederzeit persönlich an sie wenden. 

Pro Modul (6 ECTS) hatte ich drei bis fünf Einzelstunden in der Woche. Die meisten Module werden mit einer finalen Prüfung abgeschlossen, die zusammen mit Essays, Vorträgen und Zwischenprüfungen die Note ergeben. Die Endprüfungen waren keine allzu grosse Herausforderung, die ständigen Leistungsnachweise während dem Semester hingegen war ich mir von der UZH nicht gewohnt. Die fünf Essays, die ich schreiben musste, haben mir persönlich aber viel geholfen.

Im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass sicherlich nicht so viel von den Studenten erwartet wird wie an der UZH. Viel weniger Stoff wurde in viel mehr Zeit behandelt. Internationals aus anderen Studienrichtungen haben zudem oft bemängelt, dass sie den Stoff zuhause schon längst durchgearbeitet hatten. Ich hingegen habe trotzdem profitiert, weil ich Fächer auswählen konnte, die für mich völlig neue Themen abhandelten, von denen ich zuvor noch nicht viel wusste. 

Leben/Freizeit

Dank dem überschaubaren Arbeitsaufwand hatten wir viel Zeit zum Reisen. Wir haben an den meisten Wochenenden Botswana bereist, Nationalpärke durchfahren, gecampt. Ebenso sind wir in der vorlesungsfreien Zeit nach Zimbabwe, Südafrika und Namibia gereist. 

Abgesehen von den Ausflügen an den Wochenenden verbrachten wir natürlich viel Zeit in der Hauptstadt Gaborone, die aber nicht so viel Unterhaltung zu bieten hat, wie wir das von Europa kennen. Es gibt z.B. wenige gute Restaurants, dafür einige tolle Bars und Clubs. Die Stadtzentren bilden die Malls, die Kinos, Restaurants, Bars und Einkaufsläden zusammenbringen. Das alles hat man aber nach einigen Wochen gesehen.

Daher sind Hauspartys und Einladungen zu Freunden die dominante Freizeitbeschäftigung, zumindest am Abend und an Wochenenden. Die Uni bietet zudem einen Olympia-grossen Pool, Basketball- und Fussballplätze. Ebenfalls gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren.     

Trotz diesen beschränkten Möglichkeiten wurde mir aber nie langweilig.