Erfahrungsberichte

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Wer

dominic.leu[at]hispeed.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

CL-
Santiago - Pontificia Universidad Catolica de Chile

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Das Studium an der Católica hat mir sehr gut gefallen. Die Vorlesungen finden eher im kleinen Rahmen statt, wodurch die Studenten ein relativ nahes Verhältnis zu den Professoren haben. Der Leistungsnachweis erfolgt nicht mit einer einzigen Prüfung am Ende des Semesters, sondern setzt sich zusammen aus mehreren kleineren Prüfungen oder Arbeiten, die man während des Semesters absolviert, respektive einreicht und einer Abschlussprüfung, die in der Regel aber nicht mehr als 50% der Endnote ausmacht. Der Campus ist riesig und bietet alles, was man braucht. 

Santiago als Stadt ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Die Stadt ist nicht sehr touristisch, eignet sich aber hervorragend für Austauschstudenten. In und um Santiago bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für verschiedenste Aktivitäten. Chile bietet generell dank seiner einzigartigen Vielfalt in reisetechnischer Hinsicht natürlich alles, was das Herz begehrt. 

Vorbereitung

Der allgeimene Bewerbungsprozess ist nicht allzu umständlich. Per Homepage der Católica erhält man alle notwendigen Informationen und kann die verlangten Dokumente dann bequem per Dropbox einreichen. 

Online kann man versuchen herauszufinden, welche Module angeboten werden, allerdings wechselt das Angebot relativ häufig. Am Informationstag vor Ort erhält man genügend früh alle notwendigen Informationen bezüglich Modulangebot und -buchung.  

Verlangt wird offiziell ein DELE B2-Diplom. Akzeptiert wird aber auch eine Bescheinigung eines früheren Spanischlehrers (z.Bsp. aus der Kantonsschule) mit dem Stempel der UZH. Es empfiehlt sich aber dennoch, über ausreichende Spanischkenntnisse zu verfügen, da dies den Studentenalltag in vielerlei Hinsicht vereinfacht. 

Die Católica bietet einen freiwilligen, kostenpflichtigen, 4-wöchigen Spanischkurs vor Beginn des Semesters an. Ich habe diesen nicht absolviert und bin problemlos klargekommen.

Ankunft

Bestenfalls reserviert man ein Hostel in Santiago bevor man abreist, damit man sich nach dem langen Flug nicht noch um die Unterkunft bemühen muss. Ein Hostel im Viertel Bellavista ist ideal, so ist man in der Nähe des Ortes, an dem der Infotag stattfindet und in einem Barrio, in dem immer etwas los ist.

Die billigste Variante, in die Stadt zu gelangen, ist per Bus, der regelmässig für umgerechnet 2 CHF bis zur Metrostation Los Héroes fährt. Von dort gelangt man per Metro praktisch überallhin. Um die Metro benützen zu können, muss man eine sogenannte tarjeta BIP kaufen, die man dann an jeder Metrostation aufladen kann (allerdings nur mit Bargeld). 

Das Taxi ins Zentrum sollte nicht mehr als 20'000 chilenische Pesos kosten. Am besten man macht keinen Fixpreis ab, sondern verlangt Taximeter. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich erst in Santiago um meine Unterkunft gekümmert. Ich kam einen Tag vor dem Infotag an und habe dann per Website namens compartodepto.cl eine Unterkunft gesucht. Man erstellt ein Profil, gibt seine Kriterien an und tritt dann mit den Anbietenden in Kontakt. Dann wird ein Termin vereinbart für eine Wohnungsbesichtigung. Genau das haben fast alle Austauschstudenten gemacht, was dazu führte, dass viele gute Angebote relativ schnell weg waren. Bezüglich Sauberkeit entspricht nicht immer alles schweizerischen Vorstellungen, schlussendlich haben aber alle irgendetwas gefunden. Ich war vor meiner Ankunft noch auf Reisen, sonst wäre ich wohl rund eine Woche vor Infotag nach Santiago gereist, um in Ruhe nach Unterkünften Ausschau zu halten. Die Universität kümmert sich keineswegs um die Unterkünfte der Austauschstudenten. 

Es empfiehlt sich meiner Ansicht nach, mit Chilenen zusammenzuwohnen. Ich hatte grosses Glück und lebte in einem Haus mit 4 Chilenen, was in kultureller und sprachlicher Hinsicht eine riseige Bereicherung war. Die besten Wohnviertel sind Providencia, Santiago Centro und Bellavista.  

Universität

Die Católica gilt als die beste Universität Chiles. Sie hat ungefähr ähnlich viele Studenten wie die UZH und verfügt über 4 Campus. Ius wird in der Casa Central gelehrt, welche im Zentrum Santiagos liegt, aber einen eher kleinen Campus darstellt. Der Hauptcampus namens San Joaquin, in dem der Grossteil der Fakultäten lehrt, liegt etwas im Süden der Stadt. Er ist aber sehr gut per Metro erreichbar (8 Stationen von der zentralsten Metrostation namens Baquedano entfernt). 

Die meisten angebotenen Kurse geben 10 chilenische Credits, was 6 ECTS entspricht. Austauschstudenten wird empfohlen, 3 bis 4 Kurse zu besuchen, je nach Sprachniveau. Der Unterricht ist relativ interaktiv, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Vorlesungen in aller Regel von maximal 60 Studenten besucht werden. Einige Module verlangen Anwesenheit in mind. 75% der Vorlesungen. Die sogenannte Cauc organisiert zahlreiche Veranstaltungen, gerade zu Beginn des Semesters, man lernt dadurch sehr viele andere Austauschstudenten kennen. Das Seminar über chilenische Kultur ist extra für Austauschstudenten konzipiert und informiert über Geschichte, Soziologie, Wirtschaft und Politik rund um Chile. Es ist teilweise sehr interessant, teilweise weniger, bedeutet nicht allzu viel Aufwand und garantiert praktisch 6 ECTS. 

Ich empfehle, Module möglichst so zu wählen, dass verlängerte Wochenenden möglich sind. Chile ist ein riesiges Land und vernünftige Reisen sind in 2 Tagen schlicht nicht möglich.  

Die von der Universität angebotenen Spanischkurse sind kostenpflichtig und nicht wirklich empfehlenswert. Ich habe im Zuge dieses Kurses nicht viel gelernt.  

Leben/Freizeit

Santiago ist eine geniale Stadt für Austauschstudenten. Innerhalb von wenig mehr als einer Stunde ist man entweder in Valle Nevado, wo man Ski fahren kann oder in Valparaíso, einer der schönsten Städte Südamerikas. Santiago ist umgeben von den Anden auf der einen und von verschiedensten Hügeln auf der anderen Seite. Trekkings aller Art sind eine gute Möglichkeit, der vor allem im Winter schlechten Luftqualität auszuweichen. Cajón del Maipo, das Naherholungsgebiet für Santiaguinos wartet mit allerlei unvergesslichen Aktivitäten auf. Die Barrios Lastarria, Yungay und Bellavista eignen sich für Parties. 

Ein Ausflug in die Atacama-Wüste ist ein Muss. Wenn man sich früh genug um die Flugtickets bemüht, bezahlt man nicht mehr als 60 CHF. Die zumgebung rund um Pucón ist wunderschön und bietet zahlreiche grossartige Outdoor-Aktivitäten. Patagonien ist teuer und braucht Zeit, lohnt sich aber auf jeden Fall. Das Valle del Elqui ist ebenfalls eine Reise wert. 

Der Winter in Santiago ist kalt. Es empfiehlt sich, warme Kleidung einzupacken, die Isolation ist generell katastrophal. Ab Mitte September beginnt der Frühling und ab November herrschen sommerhafte Temperaturen in Santiago.