Erfahrungsberichte

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Wer

irisfranziska.beck[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Erziehungswissenschaft (7220)

Gesamteindruck

Allgemein

Ich habe meinen Austausch sehr genossen. Wien ist eine tolle Stadt, die viel bietet. Weil ich schon vor langer Zeit zuhause ausgezogen bin und längst mein eigenes Leben lebe, würde ich nicht sagen, dass ich hier selbständiger geworden wäre. Allerdings habe ich gelernt, dass nicht alles planbar ist und ich glaube, dass ich nun besser weiss, wohin meine Reise später hingehen könnte, weil ich mich selber wieder ein Stück besser kennengelernt habe.

Ich habe hier viele tolle Menschen kennengelernt. Angefangen bei meinen Erasmus-Kolleginnen aus der Schweiz über die Mitbewohner im Studentenheim bis hin zu den Einheimischen (--> ESN Buddy System). 

Ich würde den Austausch auf jeden Fall jedem weiterempfehlen. Wer so eine Chance hat, der soll sie unbedingt nutzen. Die Kurse an der Uni Wien waren äusserst lehrreich. Besonders gefallen hat mir der starke Praxisbezug der Seminare und das sehr breite Kursangebot, das mir bei der Uni Zürich manchmal fehlt. 

Wetter

Wie man so sagt, hat Wien einen kalten, langen, harten Winter. Ich bin im Februar angekommen und musste mich wirklich erstmal mit wärmerer Kleidung eindecken. Es ist nicht alleine die Temperatur, äusserst ungewohnt ist der ständige Wind, der einem um die Ohren bläst. Es windet wirklich IMMER. Wir ERASMUS-Studenten haben uns alle darüber beschwert. Anziehen nach dem Zwiebelprinzip macht Sinn. Der Sommer hingegen kann wieder unfassbar heiss sein. Stell dich darauf ein, dass es gut ein paar Grad wärmer werden kann als in der Schweiz. Und zwischen den dicht besiedelten Häusern in der Stadt wirds erst recht schnell richtig heiss.

ÖV

Wenn du dich in Wien mit Hauptwohnsitz anmeldest, erhältst du das ÖV (hier Öffi) Ticket für den halben Preis, nämlich 75.- statt 150.- Euro. Ich würde jedem empfehlen, sich mit Hauptwohnsitz anzumelden. Dies ist theoretisch zwar nicht ganz korrekt, es fragt dich aber niemand nach deinem Lebensmittelpunkt. Zuallerletzt die Beamten auf den Magistratsämtern, wo du dich anmelden kannst.
Ein absolutes Muss ist die Qando-App. Sie ist die Verkehrsapp der Wiener Linien und sagt dir immer und überall, wie du von A nach B kommst.  

Sicherheit

Hier gehen die Meinungen auseinander. Freunde von mir haben Wien als sehr sicher erlebt, während ich mich nicht wirklich überall sicher gefühlt habe. Es lohnt sich, die U6 ab 22:00 Uhr zu meiden. Hier befinden sich die Drogenhotspots und, sagen wir mal, das Klientel ist hier ein etwas anderes. Du kannst in Wien prima das Taxi nehmen, die Preise sind im Vergleich zur Schweiz wirklich gering und die Taxidichte fast überall sehr hoch, sodass du wirklich immer ein Taxi findest.

Bevölkerung

Nicht erschrecken: den Wienern wird nachgesagt, dass sie grantig sind und unhöflich. Das sind tatsächlich einige, muss ich zugeben. Sie schimpfen und stänkern viel. Allerdings gibt es bei jeder Regel Ausnahmen. Ich habe hier auch sehr viel Gastfreundschaft erlebt und witzige Gespräche. Allgemein habe ich beobachtet, dass man hier schneller zu einem Gespräch findet als daheim. Die Menschen sind nicht nur sehr offen, sie nehmen sich auch gerne Zeit. Wien ist diesbezüglich das österreichische Pendant zu Bern. 

Vorbereitung

Ich habe alles geplant. Wirklich alles, und das bis ins kleinste Detail. Heute weiss ich, dass das wirklich nicht nötig gewesen wäre. Es kommt nämlich sowieso alles immer ganz anders, als man es sich so vorstellt. Ich war ein kleiner Pechvogel, alles lief zu Beginn drunter und drüber. In dieser Zeit war der Kontakt zu meinem Buddy (--> ESN Buddy System) Gold wert. Hier ein paar Dinge, die du vielleicht dennoch vorzeitig beachten solltest:

- Drucke dir die Checkliste der Uni Zürich aus und hake ab, was du schon erledigt hast.

- Schau, dass du an deinem Ort möglichst schnell zu Internet kommst. Viele Studentenheime haben kein WLAN, sondern nur Netzwerkkabel. Stelle sicher, dass dein Laptop einen Netzwerkkabel-Slot hat.

- Melde dich beim Magistratischen Bezirksamt innerhalb der ersten 3 Tage an.  Es ist egal, welches Amt du dabei wählst. Es muss nicht dasjenige sein, in welchem du auch wohnst. Melde dich mit Hauptsitz an! (siehe Beitrag zum ÖV)

- Nehme an der Orientation Veranstaltung der Uni Wien teil (Einladung kommt automatisch per Mail) und gehe an den Welcome Event der Uni Wien und des ESN (European Student Network). Hier lernst du viele Menschen kennen, findest Anschluss und erhältst Informationen.

- Melde dich für das ESN Buddy System an. Ein Wiener Student wird dir dann zugeteilt, der in den nächsten paar Monaten deine Ansprechperson sein wird. Daraus können tolle Freundschaften entstehen. 

- Schliesse kein Handy-Abo ab, sondern kauf dir eine Wertkarte. Ich habe mir bei MediaMarkt eine Georg!-Simkarte gekauft. Hat 5.- Euro gekostet. Für 9.90 Euro erhältst du dann unbegrenzte Gesprächsminuten und 3 GB Internet. Da es in Wien praktisch überall WLAN gibt, wirst du nicht viele Daten brauchen.

- Du kannst z.B. bei der Ersten Bank ein Studentenkonto in Euro eröffnen. Studentenkontos sind gratis und jederzeit aufkündbar. Rechne bitte damit, dass es bis zu 2 Wochen dauern kann, bis du deine Maestro-Karte erhältst. Zur Eröffnung des Bankkontos brauchst du einen Studentenausweis oder eine Immatrikulationsbestätigung und eine ID.

- Sei flexibel. Stell dich auf alles ein. Hier in Wien läuft alles etwas langsamer. Und ob es dann auch wirklich klappt, wenn jemand joa passt scho sagt, steht in den Sternen. ^^

Ankunft

Es gibt die Möglichkeit, mit dem Zug (tagsüber ca. 8h Fahrt, nachts ca. 11h) direkt von Zürich nach Wien zu fahren. Ich bin allerdings mit dem Flugzeug gereist. Erstens wollte ich nicht mit 2 Koffern im Zug reisen, zweitens war mit die Zugfahrt zu lange. Wenn du genug früh buchst, kannst du schon für 100 Euro hin und zurück fliegen. Tipp: buche Zürich-Wien oneway. Die Flüge von Wien nach Zürich kosten, falls du zwischendurch nach Hause fliegst, viel weniger, als von Zürich nach Wien. Zusätzliches Gepäck konnte ich sehr günstig dazubuchen (15 Euro, bei Austrian).

Der Flughafen Schwechat liegt ausserhalb Wiens. Es gibt Flughafenbusse, die dich in die City bringen, oder die normalen Züge. Es lohnt sich übrigens nicht, den CAT (City Airport Train) zu benutzen. Er kostet oneway 12 Euro. Wenn du den normalen Zug nimmst (gleicher Abfahrtsort, Fahrt dauert 15min länger) zahlst du um die 4 Euro. Das Taxi vom Flughafen aus lohnt sich übrigens auch nicht. Da die Strecke so lange ist, zahlst du dafür einfach zu viel.

Tipp: Kauf dir bei Ankunft eine Wochenkarte, bis du dein ÖV-Studenten-Abo lösen kannst. Sie kostet um die 16 Euro und du fährst damit von Montag bis Montag, 9:00 Uhr. Lass dich nicht verwirren: die 72h-Karte ist teurer als die Wochenkarte.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe sehr früh nach einer Unterkunft zu suchen begonnen. Das ist für Personen, die ein Studentenwohnheim bevorzugen, auch wirklich ratsam. Wer lieber in ein WG-Zimmer ziehen möchte, der sollte etwas spontan sein. Viele WGs schreiben ihre Zimmer eher knapp vor Einzugstermin aus. Auf Online-Portalen wirst du aber bestimmt fündig. Von uns hat am Schluss noch jede ihr Plätzchen gefunden.

Ich hatte mit meinem 1. Studentenwohnheim wirklich Pech. Es war im 15. Bezirk und beherbergte nebst mir und meiner Mitbewohnerin noch kleine Schädlinge, die sich in allen Lebensmitteln niederliessen. Ich bin - aus diesem Grund und aus anderen - nach 10 Tagen in ein anderes Heim im 12. Bezirk umgezogen. Grundsätzlich würde ich dir raten, nach einer Unterkunft in den inneren Bezirken zu suchen (Bezirke 1-9). Ich beneidete meine Kolleginnen oft darum, dass sie einfach aus von ihrem Zuhause ins nächste Café stolpern konnten, um dort etwas zu lesen oder zu lernen. Auch, dass sie nach dem Ausgang schnell daheim waren, während ich noch 40min durch die Stadt tingelte, sprach sicher nicht für meinen Wohnort. Diese Kolleginnen kauften sich hier auch günstig ein Rad, womit sie dann durch die Stadt kurvten. Die Distanz zu mir nach Hause wäre da zu weit gewesen, als dass ich das auch hätte machen können. Besonders toll finde ich den 7. Bezirk. Hier fündig zu werden, ist vielleicht schwierig, aber auf jeden Fall einen Versuch wert. 

Universität

Start

Der Start an der Uni Wien ist etwas anders als in Zürich. Hier verlaufen die ersten paar Wochen ziemlich chaotisch. Veranstaltungen finden teils statt, teils nicht. Informiere dich über U:FIND, das Vorlesungsverzeichnis der Uni Wien.

Wichtig: Sei bei Seminaren UNBEDINGT beim ersten Termin anwesend, ansonsten wirst du aus dem gebuchten Kurs einfach rausgelöscht und dein Platz wird weiter vergeben.

Modulbuchung

Ich konnte über das Buchungssystem alles buchen, was ich wollte. Nur bei fachfremden Belegungen (Fächer, für die du nicht nominiert wurdest, z.B. Nebenfach) gelten gesonderte Bestimmungen. Du findest sie auf der Website der Uni Wien. Oft ist es kein Problem, Vorlesungen zu besuchen. Bei Seminaren ist es allerdings selten möglich, weil die Teilnehmerzahl beschränkt und die Kurse überfüllt sind.

Falls es bei einem Kurs Parallelveranstaltungen gibt, muss du z.T. Punkte setzen (1000 total verfügbar), wie wichtig dir die Veranstaltung ist. Obwohl ich das Maximum an Punkten gesetzt hatte, wurde ich trotzdem zu einer anderen Gruppe hinzugefügt. Ein Wechsel war leider nicht mehr möglich, obschon der Fachkoordinator mir gesagt hatte, ich könne mit den Dozenten sprechen und ein Wechsel würde in der Regel bei Erasmus-Studierenden gut klappen. So haben sich dann Veranstaltungen überschnitten. Die Studienfachkoordination konnte mich aber glücklicherweise noch so in weitere Veranstaltungen einbuchen, sodass es schliesslich aufgegangen ist.

Aufwand 

Wer glaubt, das Studium der Bildungswissenschaft sei an einer ausländischen Uni bestimmt leichter als in Zürich, der täuscht sich mit der Uni Wien gewaltig. Ich hatte das Gefühl, dass hier eher mehr erwartet wird als an der UZH. Die Teilnahme an den Seminaren ist Pflicht, es kursiert eine Anwesenheitsliste. Dazu kommen Vorträge, schriftliche Leistungsnachweise, z.T. noch weitere Abgaben und am Schluss eine Seminararbeit von mind. 10 Seiten. Ich besuchte nur eine Vorlesung, die war vom Aufwand her ganz ok.

Tipp: Mach nicht zu viele ECTS. Die Zeit in Wien verfliegt im Nu, es gibt so viel zu entdecken und zu sehen. Es wäre schade, würdest du dich schulisch in den grössten Stress begeben (so wie ich es getan habe ^^).  

Fachkoordination

Die Fachkoordinatoren sind sehr nett, allerdings war ich erstaunt, dass sie sich nicht wirklich für das Learning Agreement zu interessieren schienen. Beide zuständigen Fachkoordinatoren unterzeichneten das LA zwar, aber der eine wollte es noch nicht mal anschauen, der andere überflog es nur kurz. Ich hatte den Eindruck, dass die Fachkoordinatoren unheimlich viele Studierenden betreuen mussten. Ihre Sprechstunden waren zu Semesterbeginn sehr begehrt (keine Anmeldung möglich, man muss mit allen, die kommen, im Gang warten). 

Student Point

Solltest du irgendwann zum Student Point müssen (z.B., weil dein ÖH-Beitrag nicht angekommen ist), stelle dich zu Semesterbeginn auf lange Wartezeiten ein. Man muss ein Ticket mit einer Nummer darauf ziehen und dann warten, bis man dran kommt. Ich habe in der ersten Studienwoche leider über 2 Stunden warten müssen. 

Leben/Freizeit

Kultur und Freizeit 

Wien ist eine wirklich wundervolle Stadt und für Studenten perfekt. Es gibt keinen Tag, an dem hier nicht irgendwas los ist. Besonders Kulturinteressierte kommen voll auf ihre Kosten. Ich habe noch nie irgendwo sonst auf dieser Welt ein so dichtes Programm an Theater, Oper, Konzerten jeder Art, Openairs, Poetry Slams etc. vorfinden können. Und das gute dabei ist: Kultur ist hier wirklich sehr preiswert. Bei Opern- und Theaterbesuchen, z.B. in der Volks- und Staatsoper oder im Volks- und Burgtheater, lohnt sich die Abendkasse besonders. Je nach Institution erhält man 45min bis 30min vor Vorstellungsbeginn nicht besetzte Plätze um die 6-10 Euro und sitzt dann neben Personen, die ein Vielfaches für ihre Plätze im Voraus bezahlt haben. Stehplätze in der Oper gibt es sogar für 3 Euro. Das ist hier der Vorteil, wenn man Student ist.

Über Events informierst du dich am besten über Facebook. Viele Events sind nicht auf den offiziellen Kanälen wie events.at zu finden. Auch die ESN-Events sind auf Facebook publiziert. 

Tipps:

- das Café Phil (Buchhandlung und Café in einem)
- das Tel Aviv Beach oder Strandbad Herrmann am Donaukanal (bei gutem Wetter im Sommer, Strandfeeling, Sand und Liegestühle) 
- das Kussmaul in der Spittelberggasse im 7. Bezirk (tolle, selbstgemacht Limos)
- das Burggasse24 in der Burggasse im 7. Bezirk (Second Hand und Café in einem)
- allgemein der 7. Bezirk, alternativ und hip 
- Augarten (Park im Prater, wunderbar zum Sonnen und Ausruhen)
- Strudlhofstiege (zum Spazieren und Sitzen)
- Poetry Slam Freispruch im Spektakel, einmal monatlich für 5.- Euro
- Englische Buchhandlung Shakespear & Co 
- Theater im Burg- und Volkstheater (an der Abendkasse als Student um die 6-10 Euro)

Einkaufen

Merkur, Spar und Billa sind hier eher teurere Läden. Bei Hofer, Lidl, Penny etc. kannst du günstig einkaufen. Wobei die Preise natürlich in allen Lebensmittelgeschäften deutlich unter den Schweizer Preisen liegen. Sei nicht überrascht: Kosmetik, Duschmittel etc. sind hier teurer als in Deutschland.

Shoppen

Zwischen der U3/U6 (Westbahnhof) und U4 (Museumsquartier) liegt die Mariahilfer Strasse. Hier findest du alles, was du brauchst. 
Im 7. und 8. Bezirk,  die hippen Bezirke, findest du kleine, individuelle Läden.
An der Endstation der U6 (Siebenhirten) führt dich ein gratis Shuttlebus zum SCS (Shopping City Süd). Der perfekte Ort für einen regnerischen Shoppingtag. 

Möbel, Einrichtung etc.

Falls du Töpfe, Besteck oder Teelichter brauchst: im SCS gibt es auch eine IKEA. Ansonsten gibt es am unteren Teil der Mariahilfer Strasse (U4, Museumsquartier) ein grosses Haushalts-Kaufhaus namens Leiner.