Bilder zum Bericht

Cradle Mountain in Tasmanien

CBD Campus

Sunset in Sydney

Outback

Blue Mountains Nationalpark

Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 SS

Universität

AU-
Sydney - The University of New South Wales

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Ein Semester an der University of New South Wales (UNSW) zu verbringen, ist eine überaus wertvolle Erfahrung und ohne Einschränkungen zu empfehlen. Einblick in das Common Law zu gewinnen, ist eine wichtige fachliche Horizonterweiterung, auch wenn der Blick aufgrund der beschränkten Zeit an der Oberfläche bleibt. Ein Semester in einem der Schweiz so verschiedenen Land zu verbringen, ist aber insbesondere auch eine unschätzbare persönliche Erfahrung. Australien ist ein faszinierendes Land, welches sich trotz den unzähligen Fotos die man schon davon gesehen hat, definitiv zu bereisen lohnt. Und wer in Sydney gewohnt hat, versteht all jene Leute, die nicht mehr in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.

Vorbereitung

Die Vorbereitung, von der Bewerbung über das Fachabkommen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bis hin zum Boarding, nimmt einige Zeit in Anspruch. Da sich die Vorbereitungszeit aber über mehrere Monate erstreckt, ist es aber auf jeden Fall machbar und kein Grund, vor einer Bewerbung zurückzuschrecken. Ausserdem bietet die Mobilitätsstelle der UZH und insbesondere auch jene der UNSW (das meiste fällt in deren Zuständigkeitsbereich) gute Unterstützung an. Meine Vorrednerin (http://www.int.uzh.ch/static/single/berichteonline/bericht.php?l=de&ri=OUT&id=11206) hat den ganzen Ablauf (für ein HS) bereits bestens im Detail beschrieben, daher möchte ich nur Folgendes anmerken:

- Bewerbung an der UZH: Hierbei ist es wie auch für den gesamten Anmeldeprozess wichtig, die Fristen einzuhalten (sollte für Juristen ja nichts Neues sein). Die UNSW ist wohl aufgrund ihrer guten Reputation und Lage sehr beliebt, weshalb man sich mit den anderen zwei Universitäten, welche auf dem Anmeldeformular anzugeben sind, anfreunden können sollte. Es lohnt sich daher auch Zeit in die Bewerbung (bspw. Motivationsschreiben) zu investieren. Hilfreich ist es zudem, wenn man bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung an der UZH die nötigen Englischkenntnisse (https://www.unsw.edu.au/english-requirements-policy) nachweisen kann. Ausserdem führt das Council of International Schools jeweils im Herbst eine Zurich College Night durch (http://www.cois.org/page.cfm?p=2205), an welcher die UNSW üblicherweise auch vertreten ist. Dort kann man sich ein gutes Bild von der Uni machen, erste Kontakte knüpfen und - wohl am Wichtigsten - in der Bewerbung aufzeigen, dass man wirklich nach Sydney will.

- Bewerbung an der UNSW: Nach der Nominierung der UZH, bewirbt man sich über ein Online-Portal an der UNSW. Dabei muss neben den Kontaktangaben auch die Finanzierung dargelegt und eine erste Fächerwahl (acht Fächer, wobei schlussendlich nur vier zu belegen sind) getroffen werden. Diesbezüglich ist zu empfehlen, alle erforderlichen acht Fächer mit dem Antrag auf Anrechnung bei der UZH einzureichen. So kann man (falls nötig) im Nachhinein an der UNSW einfach die Fächer wechseln, ohne auf die Anrechnungsbestätigung der UZH warten zu müssen. Im Gesuch auf Anrechnung, welches nach den Prüfungen einzureichen ist, streicht man die überzähligen bzw. nicht belegten Fächer einfach raus. Schliesslich ist anzumerken, dass es sich bei der Bewerbung aufgrund des Fachabkommens mit fix zugeteilten Plätzen wohl nur um eine Formsache handelt. Es ist kein Fall bekannt, bei dem ein von der UZH nominierter Student von der UNSW abgelehnt worden wäre.

Ankunft

Wer nicht den Wasserweg gewählt hat, wird auf dem Kingsford Smith Airport ankommen. Dieser liegt am südlich Stadtrand, werden die Suburbs aber miteinbezogen, befindet sich der Flughafen mitten in der Stadt - dies macht die Fahrt an die UNSW umso einfacher und kürzer.

Wer auf dem Campus wohnt, profitiert (zu vorgegebenen Zeiten) von einem Shuttle Service der Uni, den ich nicht genutzt habe, aber offenbar gut funktionieren soll. Die UNSW ist indessen auch mit ÖV (wirklich sinnvoll ist in diesem Fall nur der Bus, da für die Zugfahrt mit der Airport Line eine Access Fee von AUD 13 bezahlt werden muss und man danach ohnehin auf den Bus umsteigen muss) oder dem Taxi (der Preis kommt auf den Anbieter an, ab AUD 30 wird man hingefahren) gut erreichbar. Busfahren in Sydney ist eine Wissenschaft für sich (siehe insbesondere für Infos zur Opal Card Rubrik Freizeit). Busstationen hat es sowohl vor dem International als auch dem Domestic Terminal (http://www.sydneyairport.com.au/go/buses-limousines-and-shuttles.aspx). Eine Opal Card kann bei einem Newsagent gekauft werden (am Flughafen sind dies Newslink, Relay und WH Smith). Mit dem 400er Bus (Richtung Bondi Junction) gelangt man für AUD 3.50 direkt an die Uni. Da der Bus beinahe eine Schlaufe um den Campus fährt und dabei an zwei Haltestellen hält, kann man die UNSW nicht verfehlen.

Zimmersuche
Wohnen

Wohnst du noch oder lebst du schon? Weder noch tendiert man in Sydney zu antworten, da beides vergleichsweise teuer ist (und ja, es gibt drei IKEA in Sydney, Google Maps weiss wo). Wer sich Zürcher Mietpreise gewohnt ist, wird immerhin keine böse Überraschungen erleben, da sich die Preise auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Zu beachten ist, dass die Mietpreise meist in Wochen und nicht Monaten angegeben werden.

- On Campus: Die UNSW bietet einen wunderschönen Campus (siehe Rubrik Universität), auf dem es sich definitiv auch gut wohnen lässt. Grundsätzlich wird zwischen Colleges (http://www.rc.unsw.edu.au/collegeas/unsw-colleges) und Apartments unterschieden (http://www.rc.unsw.edu.au/apartments/accommodation). Beide werden von den Residential Communities der UNSW vermietet und unterscheiden sich wohl v.a. dadurch, dass die Colleges in der Regel catered und die Apartments self-catered sind. Private Anbieter auf dem Campus sind das UNSW Village (http://www.unswvillage.com.au), das International House (https://ihunsw.edu.au) und das New College (http://www.newcollege.unsw.edu.au). Preislich sind alle Varianten eher teuer (unter den obigen Links finden sich auch Informationen zu den fees), aber sicherlich äusserst praktisch, da alle nur wenige Gehminuten vom Law Building entfernt sind, wo (fast) alle Vorlesungen abgehalten werden. Ausserdem hat es unzählige Restaurants und gemütliche Cafes etc. (siehe Rubrik Universität) auf dem Campus.

- Off Campus: Wer sucht, der findet selbst im Central Business District (CBD) bezahlbare Zimmer. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber in den Suburbs Kensington (wo auch der Campus liegt), Randwick, Maroubra oder Coogee umzuschauen. Diese sind von der UNSW entweder zu Fuss, mit dem Fahrrad oder Bus einfach erreichbar.

Einen perfekten Wohnort in Sydney gibt es nicht. Jeder muss selbst entscheiden, wo seine Prioritäten liegen: Am Strand wohnen? Dann in Coogee, Maroubra oder Bondi suchen! Morgens lange schlafen? Definitiv Randwick, Kensington oder am einfachsten den Campus in Betracht ziehen. Einmal richtige Grossstadtluft schnuppern? Ab in den CBD!

Universität

- Kensington Campus: Die UNSW hat in Kensington einen Campus, der diesen Namen auch verdient. Wie man es sich aus Nordamerika (oder zumindest Hollywoods Version davon) gewohnt ist, bildet der Campus im Grunde eine kleine Stadt in der Stadt. Der wohl auffallendste Unterschied ist jedoch dessen Alter. Wer ein an europäischen Standards gemessen altes Gebäude sucht, der sucht vergeblich. Was ihm an Geschichte fehlt, macht der Kensington Campus aber an Grösse und Infrastruktur wett. Eine Umrundung dauert an die 30 Minuten, eine Durchquerung (wohl auch aufgrund unzähliger Treppenstufen) rund 15 Minuten. Da kann man sich zu Beginn schon ein wenig verloren fühlen. Die Karte (http://www.facilities.unsw.edu.au/sites/all/files/Campus%20Map.pdf) oder die App Lost on Campus verhilft einem auf die korrekten Pfade und letztendlich gilt immer noch das Sprichwort viele Wege führen nach Rom reps. Law Building/Cafe/.... Neben unzähligen Cafes und Restaurants dienen zwei grössere Food Courts als Mensa (preiswert, ein Menu gibts ab AUD 9). Die Verpflegung ist vielseitig und wer dem Klischee vom dicker werdenden Europäer entgehen will, findet auch gesundes Essen. Bei den University Terraces gibt es zudem einen mittelgrossen und eher teuren IGA-Supermarkt (billiger sind Coles oder Woolworths in Randwick) und hinter dem Roundhouse den Thoughtful Foods Store, der von bio bis organisch alles im Angebot hat. Ebenfalls neben den University Terraces findet man das Fitness & Aquatic Centre mit einem hervorragend ausgestattetem Gym, Group Fitness, Squash und diversen anderen Sportarten sowie zwei Swimming Pools. Auf dem Village Green kann man Rugbyluft schnuppern oder abends nach den Trainings einfach eine Runde Joggen gehen. Das Law Building ist modern (wenn auch Geschmacksache) und verfügt neben Vorlesungssälen über eine im Vergleich zum RWI kleine und schlecht ausgestattete Bibliothek. Wer dort keinen Arbeitsplatz findet, der besteigt den UNSW-Berg und nimmt in der viel grösseren, neunstöckigen Main Library Platz. Das Äussere trügt, die Bibliothek ist im Innern top modern und bestens eingerichtet, den Lounges sei dank fühlt sich sogar an die Büros von Google erinnert. 

- CBD Campus: Die UNSW verfügt im gesamten über acht Campus, wovon man als Law Student am wahrscheinlichsten noch im CBD Campus landet. Inmitten des CBD gelegen, hat sich die Uni im sechsten Stock eines modernen Hochhauses eingemietet (unbedingt Rooftop Terrace und gratis Kaffe/Tee in der Cafeteria nicht verpassen). Mit Sneakers neben den geputzten Damen und Herren im Aufzug zu stehen, hat etwas für sich, das Pendeln in die Innenstadt zur Rush Hour ist aber eine wahre Geduldssache.

- Studenten: Die absolut überwiegende Mehrheit der Studenten stammt aus dem asiatischen Raum. Als Schweizer findet man aber immer gut Anschluss, besonders die Australier scheinen die Schweizer beinahe schon aus Prinzip toll zu finden. Da der LL.M. Studiengang der UNSW bekannt ist, dürfte man mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht der einzige Schweizer an der Uni sein.

- Unterricht/Prüfungen: Die Postgraduate Kurse sind wie die meisten Masterkurse an der UZH mit rund 20 Studenten sehr klein. Das Klima ist sehr familiär, sowohl die anderen Internationals (und davon hat es in beinahe jedem Kurs mindestens eine Hand voll), als auch die Australier sind sehr offen. Der Unterrichtsstil der Professoren ist sehr interaktiv und die mündliche Beteiligung wird in den meisten Fächern mitbewertet. Davor braucht man aber keine Angst zu haben. Die Professoren sind emphatisch und vielfach hat man mit Schweizer Englischkenntnissen sogar eine bessere Sprache als so manche Mitstudenten. Zudem ist es ausreichend, sich ein bis zweimal pro Vorlesung zu melden (auch wenn häufigere Wortmeldungen von den Professoren sehr geschätzt werden). Die Vorlesungen an sich werden meist als Blockkurse angeboten, d.h. man hat bspw. während vier (in der Regel nicht aufeinanderfolgenden) Tagen durchgehend Unterricht. Die Assessments sind von Fach zu Fach unterschiedlich. Meist wird indessen ein oder mehrere Essays verlangt. Bezüglich dem Arbeitsaufwand empfiehlt es sich an der vorgegebenen Zeichenanzahl zu orientieren. Von sehr kurzen bis zu einer ganzen Bachelorarbeit kann alles dabei sein. Der Lesestoff variiert ebenfalls. Grundsätzlich ist dieser aber weniger umfangreich als an der UZH bzw. ihm kommt schlicht weniger Gewicht zu, da für ein Essay ohnehin nochmals und u.U. in eine andere Richtung recherchiert werden muss. Die Professoren lehnen den Unterricht im Unterschied zur UZH zudem meist nur an den Lesestoff an und stützen diesen nicht vollends darauf ab.

Grundsätzlich lohnt es sich bei der Fächerwahl (http://www.handbook.unsw.edu.au/2015/index.html) bereits die Unterrichtszeiten (findet man für jedes Fach im Handbook unter Further information: See Class Timtable) und die Form der Assessments im Auge zu behalten. Wer bspw. so wählt, dass er zu Beginn des Semesters viel Präsenzzeit hat, der kann ab Mitte Semester ohne Stress seine Essays verfassen. Wer sein Studium an der UZH ernst genommen hat, der sollte ein Semester an der UNSW ohne Probleme bestehen und dennoch ausreichend Zeit finden Sydney zu geniessen.

Leben/Freizeit

 - Sydney: Die Hauptstadt von New South Wales ist eine Weltstadt, die sich aber meist mehr wie ein gemütliches, mitten in der Natur gelegenes Dorf anfühlt. Abgesehen von einem vergleichsweisen eher kleinen CBD, ähnelt Sydney ewigen Vorstädten wie man sie bspw. in Los Angeles findet. Der Unterschied ist jedoch, dass Sydney mit seiner viktorianischen Architektur und auffallend grünen Strassen ungemein schöner ist. Weltbekannte Strände direkt vor der Haustüre (der touristische Bondi Beach, der genauso schöne aber ruhigere Coogee Beach und unzählige kleine Strände dazwischen) und umringt von Nationalparks (Blue Mountains im Nordwesten, Royal National Park im Süden), lässt Sydney wenig Wünsche offen. Die Mentalität der Sydneysider ist dementsprechend gelassen. Man geht Freitags bereits um 3 Uhr an den Strand oder zum Feierabendbier. Sport wird grossgeschrieben, was bei den umwerfenden Joggingwegen im Centennial Park und dem Bondi to Coogee Coastal Walk nicht weiter überraschend ist.

- Transport: Spätestens auf der ersten Busfahrt wird man Zürich vermissen. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren mit einer prepaid Karte namens Opal Card (https://www.opal.com.au/en/about-opal/what-is-the-opal-card/) und sind ziemlich teuer. Ein Vorteil ist hingegen, dass man Sonntags den ganzen Tag für AUD 2.50 in der Stadt herum- oder bis in die Blue Mountains fahren kann. Buse sind notorisch zu spät oder zu früh, Fahrpläne sind Mangelware und da an den Stationen nur auf Verlangen gehalten wird, aber diese im Bus nicht ausgerufen werden, ist man ganz schön verloren im Grossstadtlabyrinth. Kaum verwunderlich also, soll Google Maps in Australien erfunden worden sein. Google Maps funktioniert mit allen Verkehrsmitteln und ersetzt die SBB Mobile App aus der Schweiz bestens. Noch ein Tipp: Von Google Maps angezeigte Wegzeiten sind durchaus ernst zu nehmen, da es bestimmt irgendwo noch einen wirklich steilen Hügel zu erklimmen gilt.

- Freizeit: Sydney isst ausgezeichnet, geht sieben Tage die Woche feiern und zelebriert eine authentische Kaffee-Kultur, die nicht auf Starbucks basiert (in der Innenstadt gibt es nur sieben Starbucks-Filialen, im viel kleineren Zürich sind es neun an der Zahl). Wer vor oder nach dem Semester bzw. im Mid-Semester Break Zeit hat, der sollte unbedingt das Land bereisen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: das Great Barrier Reef und ewige Party an der Ostküste; nicht weniger schöne, dafür viel ruhigere und naturbelassenere Strände an der Westküste; der authentische Outback im Zentrum des Landes und die umwerfende, little-New Zealand-Insel Tasmanien. Preiswerte Inlandflüge werden von Virgin Australia, Jetstar und Tigerair angeboten. Und von Sydney erreicht man mit dem Auto oder dem Zug bequem die umliegenden Nationalpärke.