Erfahrungsberichte

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Wer

nhatquang.phamhuu[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS + SS

Universität

CN-
Hong Kong - Chinese University of Hong Kong

Studienfach

Mathematik (8160)

Gesamteindruck

Das Austauschjahr in Hong Kong war eines der besten Erfahrungen in meinem Leben. Ich würde jedem empfehlen, sich für ein Austauschsemester zu bewerben. Für diejenigen, die eine neue Kultur entdecken wollen, ist Hong Kong das ideale Ziel. 

Hong Kong hat vieles zu bieten, nebst der Skyline und Skybars, hat man auch viel Natur in naher Umgebung. So gibt es unzählige schöne Wanderwege und auch verschiedene Strände sind schnell erreichbar. Weiter ist Hong Kong der perfekte Ort um Südostasien zu bereisen.

Da Hong Kong ein beliebtes Ziel für viele Austauschstudenten und Expats ist, hat man hier die Möglichkeit Leute aus der ganzen Welt zu treffen und besser kennenzulernen.

Vorbereitung

Die Bewerbungsphase an der UZH war sicherlich am zeitintensivsten, jedoch hat sich der Aufwand klar gelohnt. Da Hong Kong eine beliebte Destination ist, empfehle ich jedem die Bewerbung ernst zunehmen. Die Motivation im Bewerbungsschreiben sollte ersichtlich sein.

Nach dem OK von der UZH erhält man das Bewerbungsdossier zurück. Danach sendet man das Dossier sowie weitere Formulare an die Gastuniversität. An der Chinese University of Hong Kong (CUHK) muss man sich nicht gross um eine Wohnung kümmern, da dies allen Austauschstudenten zu Verfügung gestellt wird. Mehr dazu werde ich später erwähnen.

Ungefähr einen Monat vor Beginn des Semesters erhält man fast täglich Mails von der CUHK. Man wird auch aufgefordert eine Vorselektion von Kursen anzugeben. Danach wird bekannt gegeben, ob man die Kurse erhalten hat. Es kommt auch vor, dass Studenten keinen Ihrer Kurse erhalten haben. Wie ich später erfahren habe, spielt dies jedoch nicht so eine wichtige Rolle, da man während einer zwei wöchigen Add-Drop-Period nochmals Kurse hinzufügen kann.  

Ankunft

Kurz bevor das Semester beginnt, erhält man einen Link, um sich in eine Facebook Gruppe mit allen Exchange Students einzutragen. Viele der Austauschstudenten in der Gruppe haben sich koordiniert und so das Taxi an die CUHK geteilt.

Grundsätzlich empfehle ich das Taxi an die CUHK zu nehmen. Die Taxifahrer verstehen grösstenteils Englisch. Die Fahrt kostet ca. 250 – 300 HKD. Für diejenigen, die sparen möchten und sich schon mal mit der ÖV vertraut machen wollen, besteht die Möglichkeit den Bus A41 nach Shatin zu nehmen und von dort die MTR nach University Station. Jedoch muss man noch den Campusbus (kostenlos) bis zu den Collegehalls nehmen. 

Bevor das Semester anfängt gibt es noch eine Orientation week. Diese ist ideal, um neue Gesichter kennenzulernen, die Namen konnte ich mir jedoch anfangs nie merken. 

Zimmersuche
Wohnen

Wie bereits erwähnt, wird von der CUHK ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Nach der Bewerbung werdet Ihr gebeten eure Präferenz für ein College anzugeben. Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten: International house, College, College with mandatory meal plan.

Ich war im Ihouse 2, welches ich nur teils empfehlen kann, da die Lage nicht sehr zentral war. Um vom Ihouse 2 an die University Station zu gelangen, dauerte es zu Fuss ca. 25 Minuten. Das Ihouse 3 ist schon deutlich besser gelegen (ca. 10 min). Jedoch kann man bei der Präferenz das gewünschte Ihouse nicht angeben. Das gilt auch für die verschiedenen Colleges. Der Vorteil des Ihouses ist sicherlich, dass hier der Anteil der Austauschstudenten am grössten ist. Von den Colleges mit mandatory meal plan rate ich ab, da man pro Woche an drei gemeinsamen Dinnern teilnehmen muss.

Grundsätzlich stehen nur Double- und Triple-Rooms für Austauschstudenten zu Verfügung. Das Zimmer teilt man sich dann in den meisten Fällen mit einem Local. Das kann man sich in der Schweiz kaum vorstellen, gehört aber irgendwie zur Erfahrung des Austauschsemesters in Hong Kong. Einer meiner Roomates hat zum Beispiel täglich 12 Stunden gelernt und der andere hat sich täglich dreimal von Cup Noodles ernährt. Natürlich kann man auch Pech haben und einen Local zugeteilt bekommen, der nachts um vier Uhr im Zimmer seine Haare föhnt oder mit seiner Freundin skypt. Lasst euch aber davon nicht abschrecken, das ist eher die Ausnahme. 

Universität

Die Universität ist auf einem Hügel verteilt und liegt in den New Territories in Hong Kong. Ich habe die Lage bei der Auswahl ein wenig unterschätzt. Vom Ihouse bis in die Stadt dauert es schon eine Stunde oder teilweise länger. Falls ich nochmals wählen könnte, würde ich die HKU vorziehen, da die HKU einfach zentraler liegt und man mehr von der Stadt mitbekommt. Für alle, die die Natur vorziehen oder es ein weniger ruhiger mögen, ist die CUHK ideal. 

Das Sportangebot an der CUHK ist ziemlich gross, der Campus bietet alles was das Herz begehrt, von Tennisplätzen, Fitnesscentern bis hin zu einem Swimmingpool und vieles mehr. 

Weiter gibt es im Zentrum eine moderne Bibliothek. Der Vorteil gegenüber der UZH ist, dass die Plätze selbst in der Prüfungsphase um 8:01 Uhr noch nicht voll besetzt sind, da die Asiaten eher Nachtmenschen sind und lieber mal bis 4:00 Uhr morgens lernen.

Auf dem Campus gibt es auch einen ParknShop, in welchem man die wichtigsten Lebensmittel einkaufen kann. Jedoch ist er von der Grösse her mit einem VOLG zu vergleichen und soll 14’000 Studenten versorgen. Das bedeutet für euch, dass ihr am besten dort vormittags hingeht, weil dann die meisten Locals noch schlafen.

Ansonsten falls ihr zu faul seid, um selber zu kochen gibt es auch zahlreiche Kantinen. Einige der Kantinen sind ungeniessbar. Meine Favoriten waren Chung Chi, Coffee Corner, Ebenezzer (Kebab und Pizza) und Morning Side. Ich empfehle euch keine europäischen Gerichte wie Pasta zu nehmen, natürlich könnt ihr das gerne mal ausprobieren. Apropos Kochen, der Vorteil des Ihouse 1 und 2 ist zusätzlich, dass ihr wie in einer WG wohnt und somit auch die Küche nur mit 7-10 Leuten teilt. Falls ihr aber in einem anderen College oder Ihouse 3 wohnt, teilt ihr die Küche zum Teil mit 40 Studenten. Im Kühlschrank wird es somit fast keinen Platz haben oder es wurde auch schon mal die Milch gestohlen (Milchprodukte sind teuer in Asien).

Nun zu dem akademischen Teil. Ich habe in jedem Semester nur 3 Kurse belegt (18 ECTS pro Semester). Das tönt jetzt nach wenig und ist es auch, aber ich empfehle euch nicht mehr zu buchen. Klar geht man in den Austausch, um auch etwas zu lernen, aber es ist auch nicht Sinn der Sache die ganze Zeit in der Bibliothek zu verbringen. Ich habe im 2. Jahr an der UZH einfach viel mehr gebucht, damit ich das Austauschjahr auch nutzen kann um zu reisen und andere Dinge zu sehen als nur die Bib. Für alle, die nicht viel Stoff an der UZH verpassen wollen, empfehle ich einfach sich für ein Semester zu bewerben, was auch die meisten machen.

Für Mathestudenten gibt es bei der Vorselektion der Kurse nicht so eine grosse Auswahl. Jedoch kann man bei der Add-Drop-Periode Mathekurse nachwählen. Ich wusste im ersten Semester nicht, dass grundsätzlich alle Kurse, die auf Englisch gehalten wurden, zur Verfügung standen. Jedoch muss man, falls der Kurs während der Vorselektion nicht zur Verfügung stand, beim Professoren eine Unterschrift einholen und dies dem Mathedepartment einreichen. Falls man mit der Auswahl beim Mathedepartment nicht happy ist, kann man zusätzlich auf das Statistikdepartement ausweichen.

Meine Kurse waren unter anderem: Stochastic Processes, Time Series, Ordinary Differential Equations, Risk Analysis for Financial Engineering. Das Niveau in Hong Kong ist wesentlich tiefer als an der UZH. Der Unterschied gegenüber zu Hause ist dass man in der Mitte des Semesters ein Midterm schreiben muss und das Final nie mehr als 50% zählt. Zusammenfassend hat man während dem Semester mehr zu tun, vor den Finals ist die Lernphase dafür weniger intensiv.

Leben/Freizeit

In Hong Kong ist grundsätzlich immer was los. Im ersten Semester habe ich selten meine Zeit in meinem Zimmer verbracht. Neben der Uni kann man Sport treiben und wenn man zu den besseren gehört, sich auch für ein Sportteam eintragen lassen. Es gibt teilweise auch Competitions zwischen den Universitäten in Hong Kong.

Ansonsten hat das Nachtleben in Hong auch einiges zu bieten. Am Mittwoch geht man oft zuerst ins Happy Valley, wo wöchentlich das Pferderennen stattfindet und dann schliesslich nach Wan Chai. Dort treffen sich alle Exchange Students und Expats. Ab Donnerstag ist sowieso überall etwas los. Falls man es ruhiger angehen möchte, gibt es in Hong Kong tausende von Essmöglichkeiten und Skybars. Am besten lädt man sich einfach die App “Openrice” herunter. Mit der App sieht man in welcher Preis-range sich das Restaurant befindet und auch die jeweiligen Bewertungen.

Das Wochenende nutzen einige, um wandern zu gehen oder sogar für einen Daytrip nach Shenzhen oder Macao. Falls Ihr euren Stundenplan optimiert habt und beispielsweise nur Kurse von Montag bis Mittwoch habt, könnt Ihr das verlängerte Wochenende verwenden um Länder wie Vietnam, Kambodscha, Indonesien, etc. zu bereisen. Und für die anderen, die sich mehr auf die Uni konzentrieren möchten, ihr habt noch genug Zeit nach dem Semester, weil die Prüfungsphase an der CUHK schon im Dezember oder Ende April aufhört. So könnt ihr die Semesterferien zwischen CUHK und UZH nochmals zum Reisen nutzen.