Erfahrungsberichte

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Wer

robert.erbe[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 SS

Universität

CN-
Hong Kong - The Hong Kong Polytechnic University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Hong Kong ist sicherlich schon für sich genommen ein unglaublich aufregender Ort für einen Austausch – Apartmentgebäude ragen ganz selbstverständlich 40 und mehr Stockwerke gen Himmel und die Stadt ist nach wie vor das Einfallstor für westliches Kapital nach China. Hier treffen asiatische und westliche Kultur aufeinander, wie kaum irgendwo sonst. Hong Kong selbst ist stickig, nicht überall besonders hübsch, teilweise verfallen und dann mancherorts doch sehr modern und überhaupt auch überraschend grün. 

Während meiner Zeit hatte ich Gelegenheit viele, sehr unterschiedliche und spannende Persönlichkeit von quasi jedem Flecken der Erde kennen lernen zu dürfen. Auch das Studium an der PolyU war durchweg spannend und vielfältig – auch wenn inhaltlich doch ein anderer Schwerpunkt gelegt wurde. Grundsätzlich bietet die Gastuniversität ein recht weites Spektrum an Themenbereichen, die man so nicht zwangsläufig auch an der UZH belegen könnte – also eine gute Gelegenheit, um auch einmal über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Auch die  Professoren waren stets aufgeschlossen und engagiert und insgesamt war die Universität stets bemüht auch über die blossen Vorlesungen hinaus, Veranstaltungen, Ausflüge, etc. anzubieten. 

 Alles in allem gibt es in Hong Kong sehr wenig Dinge, die es dort nicht gibt und so war auch mein Austausch eine ausgesprochen wertvolle Erfahrung.

Vorbereitung

Meine Vorbereitungen beschränkten sich weitestgehend auf die einzelnen administrativen Punkte, die es vor der Abreise zu erledigen galt – allerdings war dies auch der Prüfungszeit zum Ende des Semesters an der UZH geschuldet. Darüber hinaus sollte man sich ein paar Gedanken machen, welche Dinge man erleben und welche Reiseziele man besuchen möchte – rückblickend vergeht die Zeit dann doch wie im Flug. Ansonsten kann man auch noch einen kurzen Blick auf die Website der jeweils eigenen 'Chamber of Commerce' in Hong Kong werfen, falls denn vorhanden. Häufig bieten diese die Möglichkeit, sich allwöchentlich auf einen Apero zu treffen und so auch ausserhalb der Universität, den ein oder anderen Kontakt knüpfen zu können. 

Ansonsten empfiehlt sich auch noch mal ein Blick in das Impfheft, allerdings lässt sich dies auch problemlos in Hong Kong, beim universitätseigenen Arzt preiswert und ohne grössere Umstände nachholen. 

Ankunft

Die Ankunft gestaltet sich weitestgehend unproblematisch – das Studentenvisum hatte ich kurz vor meiner Abreise erhalten und abgesehen vom Packen waren ansonsten auch keine weiteren, grossen Vorbereitungen vonnöten. Sollte man vorab entschliessen, gleich zu Beginn ein Round-Ticket für die Anreise nach Hong Kong zu buchen, so sollte man einerseits berücksichtigen, dass der Abflugtermin für die Rückreise zeitlich nach der Prüfungsphase liegt (leider werden die Termine erst im März/April bekanntgegeben) und andererseits empfiehlt es sich nach dem Semester noch die Gelegenheit zu nutzen, ein wenig in Südostasien oder Japan umherzureisen – so preiswert und einfach lässt sich dies vermutlich nur selten einrichten.

Sofern man im Studentenwohnheim der PolyU unterkommt, empfiehlt es sich den Bus A23 direkt vom Flughafen zu nehmen und dann bis zur Endstation Hung Hom Station zu fahren – das ganze kostet etwa 40 HKD, ist also deutlich günstiger als Airport Express + Taxi, und man gewinnt auch einen ersten Eindruck von der Stadt und Kowloon. Von der Endhaltestelle selbst sind es dann noch etwa 7-10 Minuten Fussweg, die sich auch mit Gepäck problemlos bewerkstelligen lassen.  

Zimmersuche
Wohnen

Rückblickend würde ich jedem ans Herz legen, im Studentenwohnheim unterzukommen, welches in fussläufiger Entfernung vom Campus der PolyU liegt. Zwar war ich anfangs ein wenig skeptisch, da man sich das Zimmer mit einer weiteren Person teilen muss – man gewöhnt sich aber doch recht schnell an die etwas eingeschränkte Privatsphäre und kann sich ja dann doch immer irgendwie arrangieren. In jedem Fall schon deshalb eine Erfahrung wert. Daneben ist es bei weitem auch die beste und einfachste Möglichkeit, weitere Austauschstudenten kennenzulernen, da rund 98% von jenen auch dort unterkommen und nicht zuletzt ist es auch die bei weitem preiswerteste Alternative. Lediglich das Badezimmer, was man sich mit einem weiteren Zimmer teilt, war ein Graus und wirkte, als hätte dieses seit geraumer Zeit, mindestens aber einem Jahr keinen Schwamm und Putzmittel gesehen – kommt aber auch sicherlich immer darauf an, mit wem man sich Zimmer und Bad teilt. 

Universität

Die PolyU liegt ausgesprochen zentral im Herzen von Kowloon und nur einen Katzensprung vom Stadtteil Tsim Sha Tsui entfernt. Im Gegensatz zur UZH verfügt die Gastuniversität auch über einen zusammenhängenden Campus von Backsteinbauten – quasi wie eine kleine, eigenständige Stadt. Daneben finden sich auch mehrere Sportanlagen, ein Schwimmbecken sowie auch eine kleine Driving Range. Auch finden sich mehrere Kantinen und Cafes auf dem Campus und für etwa 2 bis 3 CHF gibt es schon ein vollwertiges Mittagessen. 

 Die Vorlesungen unterscheiden sich schon recht deutlich konzeptionell von denjenigen an der UZH – während viele Vorlesungen in Zürich doch eher theoretischer Natur und tendenziell auch recht quantitativ sein können, so sind die Vorlesungen in Hong Kong doch deutlich praxisbezogener. Man sollte sich also bewusst sein, dass man hier keine aufregenden neuen Konzepte lernen wird, sondern vielmehr Anwendungsfälle und Schwierigkeiten einfacherer Modelle untersuchen und besprechen wird – aber auch das kann recht reizvoll sein. 

Rückblickend war mein Eindruck daher schon, dass der akademische Anspruch doch ein anderer ist und insgesamt ein weniger geringer ist. Nichtsdestoweniger können die einzelnen Vorlesungen doch recht zeitintensiv sein, da während des Semesters meist Midterms stattfinden und zusätzlich zu den Finals auch weitere Gruppenarbeiten und Reports einzureichen sind. Ich hatte insgesamt vier Module während meiner Zeit belegt – mindestens muss man aber drei Vorlesungen besuchen. Auch hatte ich lediglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Vorlesung. Hierfür muss dann dann aber zu Beginn des Semesters recht frühzeitig die Kurse wählen, da auf Masterebene Plätze meist auf first-come-first-serve Basis vergeben werden. 

 Ich hatte überwiegend Fächer aus dem Full-time Programm Master of Finance (Investment Management) belegt – rückblickend waren diese schon aufwendiger, als diejenigen Fächer, welche in einem berufsbegleitenden Master angeboten werden. 

Leben/Freizeit

 Wie schon eingangs erwähnt gibt es in Hong Kong wenige Dinge, die es nicht gibt. Sportlich habe ich meist mit Freunden im Park trainiert und war auch zu Beginn recht viel wandern. Daneben verfügt Hong Kong aber auch über eine Vielzahl von Stränden und an einigen (vor allem im Süden der Insel) kann man sich sogar mit seinem Surfbrett in die Wellen stürzen. 

 Darüber hinaus ist Hong Kong auch kulinarisch ausgesprochen spannend – bekannt ist Hong Kong für Dim Sum und auch Seafood, daneben finden sich aber auch eine Vielzahl regionaler, chinesischer Küchen sowie aber auch alle übrigen asiatischen und westlichen Küchen. In Hong Kong kann man in jedem Fall sehr preiswert leben und vor allem auch essen gehen. 

 Schliesslich kann man von Hong Kong aus auch den kompletten asiatischen Raum unglaublich einfach und preiswert erkunden – wir waren in Taiwan, auf den Philippinen, Shanghai, Beijing und Shenzhen, in Russland, Japan und auch Nord Korea. Das ist sicherlich auch einer der grössten Vorzüge von Hong Kong, weshalb ich auch jedem, der Asien ein weniger näher erkunden möchte, Hong Kong als Austausch und Ausgangspunkt empfehlen würde.