Bilder zum Bericht

Der McGill Campus im Frhling (Blick von den Roddick Gates zum Arts Gebude)

Dass der Campus mitten in der Stadt liegt ist wirklich nicht bertrieben!

Erfahrungsberichte

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Wer

larissa.rhyn[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 SS

Universität

CA-
Montreal - McGill University

Studienfach

Politikwissenschaft (7615)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester an der McGill University hat sich gelohnt. Ich hatte herausfordernde und spannende Kurse, habe viel erlebt und die Stadt hat mir gut gefallen. Aber wenn ich nochmal die Wahl hätte, würde ich auf jeden Fall das Schweizer Herbstsemester statt des Frühlingssemesters wählen, denn die Stadt ist viel belebter und spannender im Sommer und bei Minus 20 Grad hat man weniger Möglichkeit, sein Gastland zu entdecken.

Vorbereitung

Ich habe drei Monate vor Semesterbeginn begonnen, ein Zimmer zu suchen, und nach rund einem Monat hatte ich den Vertrag zur Untermiete unterschrieben. Ansonsten hab ich mir vor allem die Visabestimmungen der USA genau angesehen, weil ich aus der USA zurückgeflogen bin. Wer beide Wege über die USA fliegt, braucht ein Visum für die USA (Esta reicht dann nicht, weil Zeit in Kanada als Zeit in den USA gilt)–also unbedingt abklären, falls ihr einen Gabelflug plant. Ansonsten war die Vorbereitung der Dokumente für die UZH und die McGill das aufwändigste, ein Visum für Kanada braucht man mit dem Schweizer Pass nicht, wenn man weniger als 6 Monate in Kanada verbringt. 

Ankunft

Der Bus 747 bringt einen direkt in die Innenstadt, wo man mit Métro oder einem anderen Bus an den gewünschten Ort kommt. Taxis sind auch bezahlbar und vor allem Abends empfehlenswert, wenn man die Stadt noch überhaupt nicht kennt. Meine Ankunft hier verlief nicht so rosig, weil meine Mitbewohnerinnen beide noch in den Ferien waren, und der Schlüssel nicht dort war, wo er hätte sein sollen. Also unbedingt lieber einmal zu viel versichern, dass der/die UntervermieterIn die Schlüsselübergabe gut organisiert, weil man als Austauschstudent ja gerne ein paar Tage vor Semesterbeginn da ist. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche verlief bei mir beinahe reibungslos. Ich habe auf der Homepage von McGill Off-Campus-Housing (https://offcampuslistings.ca/home.html) gesucht, aber es kann sich auch lohnen der McGill Facebookgruppe beizutreten (allgemeine Gruppe der McGill, von dort aus die Housing-Gruppe suchen). Das Viertel Plateau ist sehr zu empfehlen, wenn man an der McGill studiert und trotzdem auch was von der francophonen Lebensweise mitbekommen will. Ich habe zu Fuss rund 15 Minuten zur Uni gebraucht, dafür aber gleich neben einer der besten Strassen Montreals (Boulevard St. Laurent) gewohnt. Im McGill Ghetto (sprich im Gebiet im Umkreis von rund einem Kilometer um die Uni) zu wohnen ist zwar praktisch, aber im Winter wird man schnell gemütlich und bleibt nur in seinem Viertel – da wird es rund um die McGill irgendwann langweilig und es ist recht einseitig. Studierendenresidenzen würde ich nicht empfehlen, weil man bei fast allen einen Meal-Plan dazuzahlen muss, und sie auch sonst überteuert sind. Und die Plateau-Apartments sind viel zu schön-heruntergekommen um sie zu verpassen. Wer auch gerne den Bus zur Uni nimmt (extrem voll früh morgens), für den ist auch Mile End eine super Wohngegend, und die Mieten sind möglicherweise noch etwas tiefer als im Plateau. 

Universität

Wer einen erholsamen Austauschaufenthalt anpeilt und nicht zu viel für die Uni tun will, ist an der McGill falsch. Das Semester hier war mit Abstand das strengste meiner bisherigen Unikarriere. Neben den vier Kursen (24 Ects) die ich belegt habe, habe ich meine Bachelorarbeit im Ausland geschrieben, was das ganze noch etwas arbeitsintensiver gemacht hat. Aber auch mit 5 Standardkursen hier ist man fast das ganze Semester beschäftigt. Ich habe Kurse in Politischer Philosophie und andere 400/500-Level Kurse in Politikwissenschaft belegt, die sehr schreibintensiv sind. In anderen Fächern wird es vor allem um die Midterms und Finals herum streng, dafür hat man während des Semesters weniger Abgabetermine und etwas mehr Freiraum. So oder so: Man muss als Austauschstudent dran bleiben. Doch gerade weil der Arbeitsaufwand so gross ist, habe ich auch das Gefühl, viel gelernt zu haben in den 4 Monaten. Und die „Reading Week“– an anderen Unis Spring Break genannt– bietet immerhin die Möglichkeit, mal etwas länger aus der Stadt zu kommen. 

Leben/Freizeit

Ein paar Worte zum Montréaler Winter dürfen hier nicht fehlen. Man denkt ja, als Schweizer würden einen die paar Grad minus nicht allzu hart treffen. Aber der kanadische Winter ist echt eine andere Liga. Bei einer Durchschnittstemperatur von -15Grad über zwei Monate hinweg habe ich einen der härtesten Winter hier erlebt, aber es wird auch in den anderen Jahren nicht warm. Deswegen: Wenn ihr schon den Schweizer Winter nicht mögt, wählt auf jeden Fall das HS und nicht das FS.
Nun, da dies gesagt ist, komme ich zu den erfreulichen Teilen des Winters für alle Schnee- und Kältefans: Igloofest (Ein Electrofestival am Old Port von Montréal), ist ein spezielles Erlebnis–alle sind in Skianzügen unterwegs und die Stimmung ist trotz Minustemperaturen super. Die Winteraktivitäten sind extrem vielseitig, auch wenn einem beim Skifahren schnell langweilig wird, wenn man sich Schweizer Berge gewohnt ist. Aber Langlaufen, Eishockey/Schlittschuhlaufen auf dem Mont Royal (dem Hausberg Montréals), Schneeschuhlaufen oder Huskyschlittenfahren in den Suburbs von Montréal oder etwas weiter draussen ist definitiv ein Versuch wert. Montréal en Lumière, ein weiteres Winterfestival, lohnt sich, genauso wie ein Besuch in den umliegenden Gebieten (die Laurentides sollen vor allem im Herbst fantastisch aussehen, sind aber auch verschneit sehr schön), sowie in den Städten des Ostens (Toronto, Ottawa und Quebec City. An der McGill selbst ist die Auswahl an Clubs und Freizeitaktivitäten oder ehrenamtlichen Engagements quasi unbeschränkt. Wer gerne Mannschaftssport macht, kommt bei den Intermurals (einem Turnier mit lauter McGill Teams und in diversen Sportarten) auf seine Kosten. Für Wintersport lohnt sich der McGill Outdoors Club; der Club und die einzelnen Mitglieder organisieren jede Woche mehrere Trips, und das Haus in Prévost ist gemütlich und liegt in einem kleinen Dorf, gleich neben diversen Langlaufloipen etc. Auch die Kurse in der McGill Gym können sich lohnen und sind preislich ganz ok für ein Semester, wenn auch nicht so günstig wie das ASVZ. Ansonsten braucht man nicht viel Insiderwissen, um in Montreal viel zu erleben– auf St. Laurent und St. Denis ist auch im Winter viel los (auch wenn die Leute von A nach B rennen, weil es so kalt ist), die Bars und Restaurants kann man unmöglich alle abklappern, und wer Theater und Konzerte im kleinen Rahmen mag, kommt hier voll auf seine Kosten.