Erfahrungsberichte

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Wer

jlonca.g[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 WS

Universität

AT-WIEN64
Wien - Medizinische Universität Wien

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Wien habe ich vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. Es war ein sensationelles Semester und ich kann wärmstens empfehlen, für ein Erasmus nach Wien zu fahren und das Leben in dieser schönen Stadt in vollen Zügen zu geniessen. 

Vorbereitung

Die Anmeldung und Organisation des Semesters via Herrn Dr. Salemi war unkompliziert und hat bestens geklappt. Alle benötigten Informationen werden einem per Mail zugestellt. Aufgrund der Fächer Auswahl wurde ich in das 5. Studienjahr eingeteilt. Die Mitstudenten waren somit zwar fachlich bereits etwas weiter, dafür konnte ich aber viel profitieren.

Ankunft

Zwei Wochen vor Unistart bin ich in Wien angekommen, so dass genügend Zeit blieb für alles Administrative und um die Stadt in Ruhe zu entdecken.

Angereist bin ich mit dem Zug - die Strecke Zürich-Wien entlang der Alpen ist bereits ein Erlebnis. Bei ÖBB sind Spartickets für 39 Euro erhältlich. Das Halbtax nennt sich in Österreich übrigens Vorteilskarte und als Student bezahlt man lediglich 20 Euro im Jahr. Für Ausflüge rund um Wien oder in Österreich also sehr empfehlenswert.

Dies die wichtigsten Tipps: Man sollte nicht vergessen, sich beim Bezirks- und Meldeamt zu melden. Dies ist mit dem ganzen Papierkram zwar etwas mühsam, aber eigentlich halb so wild. Am günstigsten telefoniert man mit einer SIM Karte von Hofer. Bei der Ersten Bank kann man ein kostenloses Studentenkonto eröffnen, was sich als sinnvoll erweisen kann. Für die ÖV kann man als Student eine Semesterkarte für 150 Euro beziehen.

Zimmersuche
Wohnen

Eine Unterkunft habe ich einen Monat vor Anreise via Internet gesucht und nach rund zwei Wochen bei easywg.at gefunden. Das Studentenheim war für mich keine Option, weshalb ich von Beginn an eine WG suchte. Schlussendlich wohnte ich mit zwei gleichaltrigen österreichischen Studenten in einer WG.

Empfehlen kann ich die Bezirke 6-9, welche zentral liegen und wo auch viele Studenten leben. Unsere Wohnung war in der Josefstadt (8. Bezirk), welche angenehm ruhig ist, sich aber trotzdem viele gemütliche Lokale finden lassen. Von der Lage her ist der 8. Bezirk ideal - zu Fuss  war ich in 10’ beim AKH oder in 15’ in der Innenstadt.

Universität

An der MedUni Wien (MUW) habe ich die Tertiale Psychiatrie, Pädiatrie und Neurologie besucht, welche jeweils aus Vorlesung/Seminar und Spitalpraktikum bestanden. Für die fünfwöchigen Tertiale wird man einem „Zug“ (Teil der Studierenden) zugeteilt.

Das AKH (Allgemeines Krankenhaus) ist echt riesig und man findet alles mögliche - Bäckerei, Imbissstand, Spar, Post, Rollbänder wie am Flughafen und sogar einen Starbucks.

Die Vorlesungen und Seminare finden am AKH statt. Sie waren grösstenteils gut und interessant - gefallen hat mir vor allem der praxisbezogene Lehrstil. Mit Unterschriften wird die Anwesenheit in den anwesenheitspflichtigen Seminaren und Vorlesungen kontrolliert.

Für die Praktika wird man in Kleingruppen in verschiedensten Spitälern eingeteilt. In einem sogenannten Logbuch werden einem die Lerninhalte attestiert.

Das Psychiatrie-Praktikum habe ich am AKH auf der Alkoholentzugsstation absolviert. Die zuständige Professorin war äusserts bemüht, mir etwas beizubringen, hat mir vieles erklärt und mich schon ab dem ersten Tag Patienten-Aufnahmen machen lassen. In diesen knapp drei Wochen habe ich viel gelernt.

Für Pädiatrie war ich im Gottfried von Preyer'sches Kinderspital eingeteilt, welches sich etwas ausserhalb befindet und ziemlich klein ist. Die Betreuung von uns Studenten war gut und wir konnten selbstständig zwischen den verschiedensten Stationen wechseln. So hatte ich Einblick in Spezialsprechstunden, die Neuroreha, die Neugeborenenabteilung, die Station, die Radiologie und die Notfallstation. Wirklich selbst Hand angelegt, haben wir zwar kaum, aber je nach zuständigem Arzt viel gelernt.

Für das letzte Tertial Neurologie war ich dann im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Der zuständige Arzt hat sich sehr lieb um uns Studenten gekümmert. Wir sind auf Visiten mit, waren bei Aufnahmen dabei und haben an Patienten den Neurostatus geübt. Da ich für die Semesterprüfung zurück nach Zürich musste, habe ich einige Tage gefehlt. Das Nachholen war aber überhaupt kein Problem.

Einmal pro Semester hat man in einem zufällig bestimmten Tertial eine praktisch/mündliche Tertialsprüfung. Anscheinend kann man bei dieser Prüfung sozusagen kaum durchfallen, also keine Sorge. 

Am Montag Nachmittag findet das Lines and Rounds statt mit fallbasierten, fächerübergreifenden Vorlesungen. 

Leben/Freizeit

Mit anderen Erasmus-Studenten fand man sich bei Semesterbeginn sehr schnell zusammen und das ganze Semester hindurch haben wir zahlreiche lustige Stunden beim gemeinsamen Erkunden und Geniessen der Stadt verbracht. Auch die österreichischen Studenten waren offen und sehr lieb. Dadurch, dass man die gleiche Sprache spricht, ist man schnell integriert. Gerne haben sie einem bei Fragen weitergeholfen, einem Tipps für die MUW oder Wien gegeben oder einem zwischendurch mal an ein Konzert oder in ein Beisl mitgenommen.

Die Österreicher mit ihrem charmanten Dialekt und der bekannten österreichischen Gastfreundschaft habe ich allgemein als sehr freundlich erleben dürfen. Als Schweizer hat man oft einen Sympathie-Pluspunkt und über eine Kostprobe des Schweizerdeutsch freuen sich so manche.

Am Sprachenzentrum der Uni Wien kann man verschiedene (jedoch kostenpflichtige) Sprachkurse besuchen. Mit rund acht weiteren Studenten zusammen habe ich wöchentlich einen Kurs in Ungarisch besucht.

In der Stadt des Walzers zu studieren, bedeute für mich auch, selbst Wiener Walzer lernen zu wollen. An zwei Abenden pro Woche besuchte ich folglich Kurse in Standardtanz und habe es sehr genossen, zu Dreivierteltakt das Tanzbein zu schwingen. Im Januar und Februar ist in Wien die Ballsaison und es finden jede Woche zahlreiche Bälle statt. Wer gerne tanzt, würde ich einen Besuch sehr ans Herz legen. Einen Ball habe ich als Debütantin miteröffnet, was ein Highlight war. Interessierte informieren sich am besten bei den zuständigen Tanzschulen.

Es gibt unglaublich viel zu entdecken in Wien - von zahlreichen kulturellen Highlights über architektonische Meisterwerke bis hin zu kulinarischen Gaumenschmeichlern. Dies nur eine kleine Auswahl an Ideen: In die Staatsoper mit Stehplatz für 3 Euro, an klassische Konzerte für unschlagbare Studentenpreise, die lange Nacht der Museen bis zur letzten Minute auskosten, sich beim Schloss Schönbrunn oder Belvedere unter die Wochenendtouristen mischen oder in einem der vielen Parks die Ruhe suchen. Im Herbst beim Heurigen Sturm trinken mitten in den Rebbergen mit Blick über Wien oder am Wiener Weinwandertag die Seele baumeln lassen. Im Advent die unzähligen stimmungsvollen Weihnachtsmärkte besuchen und dabei Punsch mit und ohne Schuss probieren. Wiener Schnitzel und Kaiserschmarren im gemütlichen Beisl oder Apfelstrudel, Sachertorte und Melange im Kaffeehaus geniessen. 

Wien ist einfach ur leiwand - viel Spass!