Erfahrungsberichte

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Wer

alexandravonfabercastell[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck meines Erasmus-Aufenthaltes ist durch und durch positiv. Ich bin sehr froh, dass ich mich dabei für Berlin entschieden habe und würde es jedem empfehlen. Die Stadt bietet unheimlich viel Vielfalt und es ist 24h was los. Jeden Tag habe ich neues entdeckt und hätte auch problemlos ein Semester anhängen können, da ich mir sicher bin, noch lange nicht alles gesehen und erlebt zu haben und es mir hier viel Spass macht. Die Stadt ist gross und in viele Teilgebiete gegliedert, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Diese unterscheiden sich auch sehr voneinander, sodass man sozusagen von Stadt zu Stadt läuft bzw Ubahn fährt und jedesmal aufs Neue überrascht wird. Ob man sich für Kunst, Kulinarisches, Sport oder Musik interessiert- in Berlin kommt man auf jeden Fall nicht zu kurz. Es dauert zwar eine gewisse Zeit, bis man sich in der Grossstadt eingelebt hat, aber sobald man sich wohl fühlt und sich etwas auskennt, macht es jeden Tag viel Spass. 

In Berlin kann man sich entscheiden, ob man Vorlesungen und Kurse an der Uni besucht oder sogenannte Famulaturen (eine Art Praktikum) macht. Ich habe mich für vier je einmonatige Famulaturen entschieden und somit unglaublich viele neue Einsichten in den Spitalalltag erhalten. Je nach Krankenhaus darf man auch viel selber machen und lernt dabei gleich viele praktische Fähigkeiten. Ich fand es auch ganz praktisch, dass ich das ganze auf Deutsch machen konnte, da ich mit so vielen neuen Informationen konfrontiert wurde und diese mir so besser einprägen konnte.  

Vorbereitung

Da ich keine Vorlesungen oder Kurse besucht habe, war der organisatorische Aufwand gar nicht so gross. Natürlich muss man sich selber um die Famulaturen kümmern, aber das ist in etwa zu vergleichen mit dem Organisieren der Uhu-Stellen. Und beim Erstellen des Learning-Agreements war mir die Uni Zürich eine grosse Hilfe, sodass ich auch da gut zurecht kam. Die Berliner Krankenhäuser und das Internationals Büro sind recht gut strukturiert, somit lief eigentlich alles glatt. Da ich über Freunde eine Wohnung gefunden habe, war auch das nicht mit viel Aufwand verbunden. Ich weiss aber von anderen Erasmus-Studenten, dass das eine Hürde darstellen kann. Etwas aufwändiger war es, alle Termine an der Uni Zürich einzuhalten, d.h. hin und her zu fliegen für den OSCE und die Semesterprüfung. Aber da Berlin ja nicht so weit weg ist, geht auch das einigermassen gut. 

Ankunft

Um mich gut einleben zu können, bin ich extra schon 2 Wochen vor Beginn der ersten Famulatur nach Berlin gezogen. So hatte ich genug Zeit, um z.B. zum Betriebsarzt zu gehen, mich im Bürgeramt anzumelden und mal im Internationals Büro vorbei zu schauen. Da ich am Tag der Infoveranstaltung von Erasmus schon im Krankenhaus tätig war, habe ich diese leider verpasst, sodass ich nicht viel über das Willkommensprogramm von Erasmus sagen kann. Man kommt aber auch ganz gut alleine zurecht.  

Zimmersuche
Wohnen

Wie schon oben erwähnt, habe ich über Freunde eine Wohnung gefunden. Somit war das für mich nicht mit besonderem Aufwand verbunden. Meine Wohnung, in der ich alleine lebe, befindet sich in Kreuzberg und somit mitten im Ausgangsquartier. Wer keinen tiefen Schlaf hat, der sollte sich vielleicht besser ein ruhigeres Viertel auswählen, da hier gern mal 24h laute Musik läuft und die Wände dünn sind. Da mich das aber nicht stört, fand ich die Lage toll und war auch sehr zufrieden mit meiner Wohnung. Preislich lässt es sich in Berlin sehr günstig leben, d.h. man findet gut Wohnungen für ein paar hundert Euro, die zentral gelegen sind. Aber die sind natürlich auch sehr begehrt, sodass man vielleicht erstmal viele Besichtigungstermine hat, bevor man dann endlich eine Wohnung bekommt. Deshalb empfehle ich genug früh nach Berlin zu gehen, damit man Zeit für all das Organisatorische hat und bei Famulaturbeginn sich nicht mehr um solche Dinge kümmern muss. 

Universität

Wie mehrfach bereits erwähnt, habe ich weder Vorlesungen noch Kurse besucht, sondern vier Monate lang Famulaturen in vier verschiedenen Krankenhäusern gemacht. Dabei habe ich in der Rettungsstelle an der Charité die erste Famulatur begonnen, was erst mal recht stressig war, da auf dem Notfall natürlich immer viel los ist und es auch mal recht hektisch werden kann. So wird man ein wenig ins kalte Wasser geworfen, was aber rückblickend gut war. Man wird sofort eingebunden und hat eigentlich immer was zu tun. Ob Blutentnahmen, Kanülen legen, Gipsen, Nähen, Anamnese machen oder Untersuchen- es wird nie langweilig. Die zweite Famulatur habe ich in der Neurologie gemacht, was mir auch sehr gut gefallen hat. Man wird sofort ins Team integriert und lernt auch mal den Stationsalltag kennen. Anschliessend habe ich noch einen Monat in der Anästhesie verbracht, was wieder völlig anders war, da man fast immer den ganzen Tag im OP steht und somit einerseits den Chirurgen über die Schulter blicken kann und andererseits viel über Anästhesie lernt. Noch vor mir habe ich eine Famulatur in der Pädiatrie, über die ich jetzt natürlich noch nichts sagen kann. Bin aber sehr gespannt.

Leben/Freizeit

Dadurch, dass ich eigentlich täglich im Krankenhaus war und das meistens auch etwa 8-9h, hatte ich nicht jeden Tag Zeit noch viel zu unternehmen, da so ein Tag im Krankenhaus auch mal recht anstrengend sein kann. Es lohnt sich aber trotzdem, nicht nur am Wochenende die Stadt entdecken zu gehen, da man sonst nämlich einfach nicht genug von der Stadt sieht. Am besten nimmt man sich schon vor dem Beginn der Famulaturen Zeit in Berlin und hat so Zeit den ganzen Tag zu flanieren, zu shoppen oder in den Ausgang zu gehen. Wer sich ein neues Hobby suchen will, kommt auch da bestimmt nicht zu kurz, da es hier wirklich alles gibt, was man sich überhaupt vorstellen kann. Es gibt auch viele Veranstaltungen jeder Art, die man meist gratis besuchen kann und die nie langweilig sind. 

Da Berlin so gross ist, ist es nicht ganz einfach mit dem Kennenlernen von Leuten, bzw. Leute zu finden, mit denen man regelmässig Sachen unternimmt. Es gibt aber natürlich die Möglichkeit über Erasmusveranstaltungen andere Erasmus-Studenten kennen zu lernen, was ich aber nicht gross gemacht habe. Mit der Zeit lernt man nämlich auch im Krankenhaus oder bei Veranstaltungen in der Stadt viele Leute kennen, mit denen man dann auch in der Freizeit abmacht. Das muss aber jeder für sich herausfinden, da diesbezüglich ja auch jeder seine eigenen Ansprüche hat. 

Wer gerne in den Ausgang geht, ist in Berlin natürlich bestens aufgehoben. Kaum eine Stadt bietet solch eine Vielfalt an Clubs, Bars und Open-Air-Veranstaltungen. Und ich bin mir sicher auch nach diesen 5 Monaten nicht mal 1/10 davon gesehen zu haben. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei und immer wieder lustig. Und ich bin mir sicher in Berlin viel erlebt zu haben, was ich zuhause nie erlebt hätte. Ich empfehle auch denjenigen, die nicht so gerne feiern gehen, sich ein paar Clubs und Bars anzuschauen, da die Berliner ihre ganz eigene Art haben die Nacht zum Tag zu machen und das ganz klar auch ein Teil der Berliner Kultur ist.