Erfahrungsberichte

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Wer

Alexander.rohrer[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck ist top und eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Die Kultur und Sprache könnte im Vergleich mit Europa nicht unterschiedlicher sein. Die gesammelten Eindrücke lassen einem mit einem anderen Blickwinkel auf die Welt schauen. Die Universität ist hervorragend und die renommierteste Institution von ganz China. Das Privileg dort studieren zu können, ist für jeden Chinesen einer der grössten Träume. Die Lehre ist nicht sehr theorielastig und man kriegt eine praxisnahe Ausbildung mit Harvard Business Cases und Gastvorträgen vom Format McKinsey, Apple, Microsoft und Facebook. Das Leben als Student in Peking ist abweschlsungsreich und man kann neben dem Studium viel unternehmen und dieses ausergewöhnliche Land kennenlernen.

In jeder Hinsicht kann ich allen diese Erfahrung wärmstens empfehlen.

Vorbereitung

Ich besuchte die Chinesischkurse im Sprachenzentrum der Universität Zürich und der ETH. Mir persönlich hat diese Art von Vorbereitung extrem geholfen, da ich besser mit den Chinesischen Studenten und auch der Bevölkerung im Alltag kommunizieren konnte. Insbesondere beim Reisen ist Chinesisch von Vorteil, da oft auch Hotels oder Restaurants kein Wort Englisch reden. In Bezug auf meine zu leistenden Kurse habe ich keine spezielle Vorbereitungen getroffen. Für die Visageschichten sollte genug Zeit eingeplant werden und eventuell ein Proxy Server installiert werden, damit man den üblichen Internetzugriff von China aus erhalten kann. (Google, Gmail, Facebook und dergleichen blockiert)

An dieser Stelle ist ein grosses Dankeschön an die Zürich Versicherung gerichtet, welche mich während meines Aufenthaltes mit einem grosszügigen Stipendium unterstützte. 

Ankunft

Endlich ist es soweit: Ankunft Peking Airport um 23:20, 16.9.2014. Nach einer relativ unbeschwerten Anreise mit Emirates Airlines (sehr zu empfehlen) mit Zwischenhalt in Dubai verbrachte ich meine erste Nacht in einem Hotel in der Nähe des Campus. Da ich bei meiner Wahl des Hotels nur den Preis (44 Dollar/ Nacht) und die Lage berücksichtigte, war die Qualität veglichen mit dem westlichen Standard nicht sehr hoch, aber doch ausreichend. Besonders zu erwähnen gilt es die in China übliche, etwa 3 Zentimeter dicke Matraze, welche die Schlafqualität merklich senkt und die sehr dünnen Wände, die einem die Privatsphäre nur minimal gewährleisten. Als Neuankömmling ist es auch wichtig, die Adresse in chinesischen Schriftzeichen für den Taxifahrer bereit zu halten, da wirklich niemand auch nur wenig Englisch spricht.

Als Tipp für die erste Woche: Buddy Programm besuchen und genügend Zeit für Formalitäten einplanen, da alles viel länger dauert als in der Schweiz.

Zimmersuche
Wohnen

Nach meiner ersten Nacht im Hotel konnte ich meine Unterkunft bei einer Gastfamiliie in der Nähe der Universität beziehen. Um meinem Ziel, besser Chinesisch zu lernen, gerecht zu werden, entschied ich mich gegen die Studentenunterkunft auf dem Campus und für eine direkte „Konfrontation“ mit Chinesen. Durch das Leben in einer Gastfamilie erhoffe ich mir einen intensiveren kulturellen Austausch und das Kennenlernen des alltäglichen Lebens der Chinesen. Unter anderem bedeutete es auch, täglich aktiv oder passiv mit der chinesischen Sprache konfrontiert zu sein. Meine „Gastfamilie“ konnte ich online auf dem Portal homestay.com finden. Meine Gastfamilie würde ich im chinesischen Kontext als obere Mittelklasse bezeichnen; beide Elternteile arbeiten (Er: Ingenieur, Sie: IT Systeme für Oracle in mullltinationaler Firma). Sie verfügen beide über sehr gute Englischkenntnisse, was die Kommunikation erheblich erleichtert und es ermöglicht, bei Unklarheiten in der chinesischen Sprache direkt nachzufragen. Zur Suche einer Unterkunft ausserhalb des Campus gibt es zu sagen, dass dies ein sehr zeitintensiver Prozess ist, dem genügend Aufmerksamkeit zugemessen werden soll. Die Distanz zur Uni und der allgemeine Standard der Unterkunft sowie der Umgebung sind entscheidende Faktoren. Meine Empfehlung: Lieber etwas mehr Zeit und Geld investieren und dafür ein ansprechendes Zuhause zu erhalten, wenn möglich mit gewissen Mahlzeiten inklusive, um im Alltag Zeit zu sparen.

Universität

Am 18.9.2014 sowie der Rest der Woche wurden die Studenten der SEM (School of Economics and Management) schrittweise in die vorlesungsrelevanten Themen sowie Campuseigenheiten eingeführt. Das Programm indem ich studierte, ist teilweise ein MBA Programm (in Zusammenarbeit mit MIT Sloan, Harvard und Stanford). Die insgesamt 98 Studenten studieren teilweise als Vollzeit MBA Studenten oder als Austauschstudenten, die, wie ich, nur ein Semester teilnehmen. Diese Komposition verschaffte dem Studium eine extrem praxisorientierte Ausrichtung und bereichterte den Austausch mit erfahrenen Berufsleuten, die nach ungefähr 3-5 Jahren in der Arbeitswelt noch einen MBA dranhängen. Aus meiner Sicht ist dieses Programm eine sehr lohnenswerte Erfahrung und erlaubt neben dem akademischen Fokus der UZH einen verstärkten Blick in die Arbeitswelt. Die Tsinghua Universität spielt dabei auf einem eigenen Niveau und entspricht etwa einem Harvard in China. Bei der Einführung wurde ich mir des Privilegs dieser Ausbildung bewusst: Von ganz China werden nur die besten Studenten an diese Uni geschickt (Eine Handvoll unter Millionen von Studenten). Eine Folge davon ist, dass die Abgänger die hohen Funktionen im Land erfüllen (Faktisch kommt der Präsident des Landes sowie alle höheren Funktionäre aus der Tsinghua Universität).

Man muss anmerken, dass die Präsenzzeit und der Aufwand für ein Fach an der Tsinghua viel höher ist als an der Universität Zürich. Die reguläre Vorlesungsdauer beispielsweise ist von 8:50-12:15, was wirklich sehr langatmig ist. Bei mir hatte es sich manchmal so getroffen, dass ich drei solche Blöcke an einem Tag hatt, was etwas gedrängt war. Gutes Zeitmanagement für die vielen Papers und Präsentationen ist daher sehr wichtig.

Meine Fächerliste für das Herbstsemester sah wie folgt aus:

Analysis of “Pillar Industries” –Section One : BMW and the World Auto Industry     4 ECTS

Dieser Kurs fokussierte sich auf das Unternehmen BMW und trägt zum Verständnis bei, wie eine internationale Unternehmung in China agieren kann/muss. Die Praxiseinblicke sind vielseitig, repetieren sich aber ab und zu.

Business Innovation in an Interconnected World      4 ECTS

Es ist ein sehr aufwendiger Kurs, vom Inhalt her sehr interessant. Es werden vor allem Social Media und die neuen Möglichkeiten im Online Bereich angesprochen. Dies wird anhand von Case Studies erarbeitet und in Präsentationen diskutiert.

China Roots Seminar 1 (Economy & Industry)       2 ECTS

Für das Kulturverständnis in China sehr relevanter Kurs. Des Weiteren werden die wirtschaftliche Entwicklung und die momentanen Probleme, welche durch den enormen Boom entstanden sind, angesprochen.

Consumer Behavior      4 ECTS

Ist eine spannende Vorlesung über Konsumentenverhalten in China und zeigt Vergleiche zu westlichen Denk- und Verhaltensmustern auf.

Leadership in A New Era       4 ECTS

Beste Vorlesung, die ich belegt hatte. Gastreferate von hochkarätigen Individuen wie z.B CEO von McKinsey, CPPIB oder New Zealand Telecom schauen vorbei.

Marketing Research     4 ECTS

Es werden sehr grundlegende Sachen der Statistik besprochen und Cases präsentiert, welche sich mit Marketing Research auseinandersetzen.

R&D Investment and Intellectual Property Management      6 ECTS

Ein aufwendiges, aber spannendes Fach, dass Einblicke in Research and Development Aktivitäten von grossen Unternehmen gibt und sich auch mit Patenten (Europa, Chinesisches Verständnis) befasst. Realoptionen werden mittels verschiedener Methoden berechnet, wobei man unter anderem auch Black-Scholes anwendet. Alles in allem gut machbar.

Strategic Alliance and Cooperative Strategy      4 ECTS

Dieser Kurs war sehr interessant, beginnt aber erst im November. Sehr viele Praxisbeispiele, wo es um strategische Allianzbildung geht. Anhand von Cases wird das Gefühl für das Management von Allianzen geschärft und sich daraus ergebende Problemfelder angesprochen.

Technology Driven Business Innovation      4 ECTS

Der Kurs wird in Kollaboration mit British Telecom gehalten. Der Titel passt nicht ganz so zum Fach, es geht nämlich mehrheitlich um die Präsentation von Geschäftsbereichen, wo Britsh Telecom aktiv agiert. Von Gastreferaten geprägt und eher langweilig. 

Leben/Freizeit

Das Studentenleben ist gut in Peking. Die Stadt bietet viele Ausflugsziele, welche in Tagesausflügen erreicht werden können. Die Chinesische Mauer, der Sommerpalast und die verbotene Stadt (mit Tiananmen) sind dabei die obligatorischen Stationen. Empfehlenswert ist auch mit dem Zug nach Shanghai zu reisen. Mit dem Flugzeug erreicht man innerhalb China Hongkong und Guilin für etwa 250 CHF (Hin- und Rückflug) sehr gut. Ausgangsmöglichkeiten gibt es zuhauf in Wudoakou (beim Campus) oder Sanlitun. Speziell gut sind die vielen Restaurants auf und neben dem Campus. Es soll vor allem ausprobiert werden, denn oft kriegt man die besten Menues von 5-10 CHF pro Person inklusive Getränken. Man muss anmerken, dass die Luft an gewissen Tagen schon nicht optimal war und ab einem Wert von 200 (gewisse Personen vielleicht auch tiefer) sollte die Atemmaske getragen werden. Dies kam bei mir in der gesamten Zeit etwa 10 mal vor. Von Sport draussen rate ich eher ab, aber es gibt Fitnesscenter im und auch neben dem Campus, wo man doch ein Mindestlevel an Bewegung aufrechterhalten kann.
Das Land ist in seiner Dimension so riesig und daher wäre mehr Zeit zum Reisen sicher angebracht gewesen. In die Provinz Yunann sowie auch nach Tibet und Taiwan wäre ich gerne gegangen. Darüber hinaus sind auch die Destinationen Japan, Südkorea, Thailand, Burma und Malaysia wirklich lohnenswerte und auch erreichbare Ziele, wenn man schon einmal da ist.