Bilder zum Bericht

Blick vom Mont des Arts zum Zentrum

Park in Ixelles

Konzert BXL Colours an der Bourse (Januar 2016)

Place de la Bourse (Brse) mit Blumen, Kerzen und Flaggen nach dem 22. Mrz 2016

Strand in De Panne/La Panne

Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

julienne.karzig[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 WS + SS

Universität

BE-BRUXEL04
Bruxelles - Université Libre de Bruxelles

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

 Brüssel ist eine noch unbekannte und meiner Meinung nach absolut geniale Stadt. Ich würde allen empfehlen, hier einen Erasmusaufenthalt zu machen. Brüssel ist gutes Bier, Frites mit Sauce Andalouse, Liège-Waffeln mit Spekulooscrème, freundliche Einheimische, Menschen von einfach überall, wahnsinnstolle Konzerte, Regen jeden Tag.

--> Dies ist ein sehr ausführlicher Bericht. Er ist vor allem für jene gedacht, die sich für Brüssel entschieden haben und genaue Informationen brauchen. Meine Hoffnung ist, dass die Details zukünftigen Erasmusstudenten in Brüssel das Leben erleichtern.

DAS ALLERWICHTIGSTE: den Französischkurs im August machen, ein Zimmer in einer grossen WG mit coolen Mitbewohnern suchen, sich vom chaotischen Vorlesungsverzeichnis nicht beirren lassen, jeden Sonnenstrahl geniessen. Und immer einen Schirm dabeihaben.

Vorbereitung

Wichtig bei der Anmeldung zum Austauschjahr: einige Universitäten erlauben offiziell nur 1 Semester. An der ULB war dies der Fall, weshalb ich zuerst für meine Zweitwahl Paris eingeteilt wurde. Meine UZH-Koordinatorin hat dann aber nochmal in Brüssel nachgefragt, und am Ende war es doch möglich, zwei volle Semester in Brüssel zu studieren (merke, fragen kann man immer :) ). Leider gab es bei mir Probleme mit der Anmeldung; Ende Juni hatte ich immer noch keine Nachricht von der ULB erhalten. Erst nach mehrmaligem Nachfragen stellte sich heraus, dass meine Anmeldung untergegangen war. Also: Deadline im Auge behalten und notfalls die UZH-Koordination umgehen, um direkt bei der Gastuni anzufragen!

* DOKUMENTE: Allgemein gibt es einiges an Papierkram zu erledigen, doch die Angaben auf der IRO-Website sind ziemlich klar. Das Learning Agreement muss unbedingt Ende zweite Woche von UZH-Koordinatorin unterzeichnet werden. Hier ist es also besser, zuerst „irgendwelche“ Kurse nehmen, dann sich in Ruhe alles anzuschauen und später das „Changes“-Dokument einzureichen.

* SPRACHKURS: Im August wird an der ULB ein Französischkurs angeboten, der vier Wochen lang von Montag bis Freitag dauert. Dieser ist sehr zu empfehlen! Nicht nur ermöglicht er einen guten Einstieg ins Französisch, sondern man lernt  auch gleich Erasmusstudenten von ganz verschiedenen Fächern kennen, die auch alle neu in Brüssel sind und die Stadt entdecken wollen. Mein Schulfranzösisch war hier ausreichend, um in die Gruppe mit dem höchsten Niveau eingeteilt zu werden.

* ZIMMER: Vor meiner Abreise habe ich online ein Zimmer für den Monat August gefunden (siehe Zimmersuche) und mit den Mitbewohnern per Skype telefoniert. Die Vermieterin hat auch verlangt, dass vor der Ankunft ein Vertrag unterzeichnet wird.

* REISE: Brüssel ist sehr gut per Zug zu erreichen. Die Verbindung über Paris ist mit Gepäck etwas mühsam, da man die RER vom Gare de Lyon zum Gare du Nord nehmen muss. Die Strecke über Frankfurt dauert etwas länger und es gibt nur eine Verbindung pro Tag, sie ist aber viel gemütlicher. Ansonsten gibt es günstige Flüge (wenn mit Handgepäck) mit EasyJet ab Basel und natürlich fliegt Swiss ab Zürich.

Ankunft

Ich hatte wie erwähnt bereits vor dem Antritt meiner Reise ein Zimmer gefunden. In Brüssel angekommen habe ich also den Französischkurs besucht, die Stadt erkundet und mich an mehreren Stellen angemeldet:

* VERKEHR: Für Metro, Tram und Bus gibt es ein Abonnement von MOBIB/STIB für Studenten. Dieses ist ein Jahr lang gültig und kostet seit Januar 2016 nur noch 50 Euro. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Es lohnt sich also gar nicht, hier schwarz zu fahren, die 50 hat man in wenigen Wochen rausgeholt. Für das Abonnement ist die offizielle Bestätigung (attestation pour les transports communs) von der Uni nötig. Diese ist in einem PDF-Dokument auf monulb.ac.be zu finden.

* HANDY: Gleich nach meiner Ankunft habe ich bei Viking Mobile eine Sim-Karte bestellt. Der beliebteste Anbieter ist wohl Mobistar. Die meisten Anbieter haben ähnliche Preise. Feste Abonnements wie in der Schweiz sind unüblich. Stattdessen besitzen alle eine Prepaid-Karte, für ca. 15€ kauft man sich dann ein Daten-/Telefon-/SMS-Paket, das 30 Tage lang gültig ist.

* KONTO: Die Bank ING hat eine Filiale auf dem Campus Solbosch. In dieser können Erasmusstudenten kostenlos ein Konto eröffnen. Ein belgisches Konto lohnt sich sehr, da die Gebühren für Geldabheben sonst einfach zu hoch sind. Bezahlen mit einer belgischen Karte wird „Bancontact“ genannt (oft angegeben in Restaurants, Läden etc.)

* ERASMUS-GRUPPE: Ab Anfang September im Büro Express Erasmus anmelden. Die Gruppe organisiert tolle Ausflüge!

* FAHRRÄDER: Brüssel ist keine Fahrradstadt wie Amsterdam oder Berlin. Die Autofahrer halten sich nicht wirklich an Regeln (was jeder einzelne meiner Freunde aus der Schweiz und Deutschland angemerkt hat). Wer davor keine Angst hat, sollte unbedingt „Villo!“-Fahrräder ausprobieren. Diese können für 30 Minuten gratis ausgeliehen werden. Villo-Stationen sind in der ganzen Stadt verteilt (unbedingt App runterladen um zu sehen, wo noch wieviele Fahrräder/Parkplätze verfügbar sind). Im monulb.ac.be-Portal befindet sich ein persönlicher Code, mit dem ein solches Abonnement für nur 2€ gekauft werden kann. Das Abo lädt man sich am besten auf die Mobib-Karte. So hat man alle Transport-Abonnements beisammen :)

Zimmersuche
Wohnen

In Brüssel ein Zimmer zu finden ist nicht unbedingt einfach. Besonders im August/September und im Januar/Februar werden Anzeigenschreiber mit Nachrichten bombardiert. Ich hatte erst nur für August ein Zimmer, was ich sehr empfehlen kann. In diesem Monat habe ich dann viele Zimmer besucht (und sehr nette Leute kennengelernt). Nach einem halben Jahr (September-Januar) in einer WG mit 5 Personen habe ich gewechselt in ein riesiges Haus mit 14 Mitbewohnern (Februar-Juli). Das war eine absolut chaotische, laute, geniale und ganz sicher einmalige Erfahrung.

* wie: ich persönlich kann jede Person verstehen, die gerne ihre Ruhe hat und deswegen alleine wohnen möchte. In einer neuen Stadt würde ich aber sehr davon abraten. Je mehr Mitbewohner, desto besser! Wenn Belgier von „kots“ sprechen, meinen sie WG-Zimmer, meist solche mit kleiner Kochplatte/Küchenecke im Zimmer. Für mich ist kochen mit meinen Mitbewohnerdas allertollste, weshalb ich für Gemeinschaftsküchen bin. Ich würde nicht empfehlen, bei einer Familie zu wohnen.

* mit wem: unbedingt mit französischsprachigen Mitbewohnern! Alle meine WGs waren mehr oder weniger international, doch man lernt einfach so viel mehr, wenn die Hauptsprache Französisch ist.

* wo: Studenten der ULB wohnen eigentlich alle in Ixelles. Dieser Stadtteil reicht vom Ring (Rand vom Zentrum) bis in den Süden und schliesst die ULB mit ein. Die meisten Studenten wohnen rund um den Cimetière d’Ixelles, ein lebendiges Quartier, 2 Minuten vom Campus Solbosch weg. Wer gerne nicht nur mit ULB-Studenten abhängen möchte, sucht sich am besten etwas rund um Flagey, den Place Fernand Coq oder Châtelain (alles in Ixelles).

* Anbindung: wenn möglich eine WG entlang Tram 94, Bus 71 oder Bus 95, da diese zum Campus Solbosch fahren.

* Suche: Facebookgruppen sind hier sehr hilfreich (BXL à louer, Bruxelles de couche à oreilles, Colocation Bruxelles etc). Letztendlich habe ich aber alle meine Zimmer über die Webseite appartager.be gefunden. Eine weitere Alternative wäre kot.be

* Preis: Zimmerpreise inklusive Nebenkosten reichen von 350 (weniger wenn in Aussenbezirken) bis 600€ pro Monat.

* Hausregeln: Unbedingt fragen, ob Leute eingeladen werden dürfen! Ich war einmal kurz davor, einen Vertrag zu unterschreiben, bis mir der Punkt „Besuch muss angemeldet werden“ aufgefallen ist. Richtig, Freunde hätten nicht einfach so mal schnell vorbeikommen können, von Übernachten ganz zu schweigen.

* Idealvorstellung: Brüssel besteht hauptsächlich aus schmalen, hohen Häusern. Diese bilden nicht selten eine grosse WG. Für mich sind Altbauwohnungen der absolute Traum, weshalb ich natürlich in Maisons bruxelloises mit Holzboden, hohen Decken und verschnörkelten Türknöpfen gewohnt habe. In Zürich sind diese Art Zimmer ja meist unbezahlbar, weshalb ich spezifisch danach Ausschau gehalten habe.

Universität

Belgische und französische Unis zählen keine Semester, sondern funktionieren in Jahren. Somit haben bspw. alle, die im 5. Semester Ethnologie studieren, praktisch den gleichen Stundenplan. Es ist daher auch unüblich, länger als 3 Jahre für den Bachelor zu studieren. Man wird auch immer gefragt, in welchem année man ist (bei mir also BA3).

* VORLESUNGSVERZEICHNIS: viel zu kompliziert. Es ist nicht einfach ersichtlich, welche Kurse in welchem/n Semester/n stattfinden. Achtung, kann sich in den ersten zwei Wochen noch ändern! Anstatt sich auf den Catalogue de programme zu verlassen sollte man stattdessen auf Gehol (Stundenplan-Website) den gewünschten Studiengang eingeben, z.B. „Bachelier en anthropologie – poursuite de cursus“.

* WAHL: Für die Wahl der Kurse ist Gehol essentiell, da dort die Zeiten angegeben sind. Unbedingt die Vorgaben der Gastuniversität beachten, wir mussten ¾ aller Kurse im Fach buchen. Im Gegensatz zur UZH gibt es keine elektronische Einschreibung. Stattdessen wird die Wahl der Vorlesungen von Hand auf Papier geschrieben, das dann vom Fachkoordinator und von der Erasmuskoordinatorin unterzeichnet werden muss.

* QUALITÄT: Von meinen Kursen war ich eher enttäuscht, mit Ausnahme der Einführungen in Philosophie und in Soziologie, die ich aber nur für mich besucht habe, ohne ECTS zu bekommen. Fast alle Kurse geben 5 Punkte, der Leistungsaufwand ist aber sehr unterschiedlich. Offensichtlich ist es in französischsprachigen Unis üblich, Vorlesungen zu halten und dann Prüfungen abzulegen, anstatt Seminare in kleineren Gruppen zu halten. Für Geisteswissenschaften und vor allem Sozialwissenschaften finde ich diese Unterrichtsart eher ungeeignet.

* LERNHILFE: Unbedingt den Facebookgruppen beitreten (Beispielsweise BA3 en anthropologie 2015/2016)

* CAMPUS: Es ist ziemlich cool, an einer Campus-Uni zu studieren. So ist alles nahe beieinander. Die Kaffeebar KafKaf serviert tollen Kaffee zu guten Preisen, die Pastabar ist genial, im Campuce gibt es ein reichhaltiges Salatbuffet. In der Bibliothek sind nicht einmal 10 Computer mit Anschluss zum Drucker vorhanden, was Recherchieren etwas kompliziert macht. In den Prüfungszeiten muss man auch schon vor 10 Uhr da sein, sonst findet man keinen Platz mehr.

* VERANSTALTUNGEN: Während dem Jahr wurden tolle Lesungen angeboten, ausserdem eine geniale Masterclass in der Filmwissenschaft (mein Nebenfach) und mehrere Konzerte. Nocturne nicht verpassen! Die Events sind fast alle auf Facebook zu finden.

* ERASMUS-VERANSTALTUNGEN: Partys, Reisen, Führungen – die Gruppe „Express Erasmus“ organisiert viele Events, die auch immer gross angekündigt werden. Teilnehmen lohnt sich, um Leute kennenzulernen.

Leben/Freizeit

* NACHT-VERBINDUNGEN: Unter der Woche nur bis 12 Uhr, was sehr erstaunlich ist für eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohner. Danach fahren Taxis, Collecto genannt, von vorbestimmten Abholpunkten aus für 5€ zu jeder Adresse. Uber ist ebenfalls sehr im Kommen. Freitag und Samstag fahren Nachtbusse, die Noctis (aber auch nur bis allerhöchstens 3 Uhr morgens)

* AUSGEHEN: Place Flagey, Cimetière d’Ixelles, Zentrum rund um Bourse und Saint Cathérine

* SPORT: BasicFit hat Filialen in der ganzen Stadt und günstige Abos

* MUSIK: Brüssel ist so vielseitig. Man findet wirklich alles an Musik hier. Auf Facebook informieren!

* KINO: Cinematek-Abonnement für nur 5 €, dann für 2€ pro Vorstellung (für mich als Filmwissenschaftsstudentin natürlich genial), plus die grosse Kinokette UGC-Cinema. Ein Abonnement lohnt sich dort ebenfalls (18.90€ pro Monat – nach drei Vorstellungen schon rausgeholt!)

* BRÜSSEL: ausserdem zu entdecken : Parc de Forêt, Parc de Cinquantenaire, Bois de la Cambre, Marché Gare du Midi, Marché Place Jourdan, Marché Place Jeu de Balle