Erfahrungsberichte

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Wer

mirahannah.imhof[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Im Grossen und Ganzen eine sehr wertvolle Erfahrung, die mich sowohl auf persönlicher, als auch auf akademischer Ebene weiter gebracht hat. Meiner Meinung nach ist es auf jeden Fall wichtig, den zahlreichen Herausforderungen eines Erasmusaufenthaltes mit grösstmöglicher Flexibilität zu begegnen. Die Zeit an einer ausländischen Universität kann nämlich vor allem dann zu einem Erfolgserlebnis werden, wenn der/die Studierende nicht zu streng an Vorstellungen festhält, die er/sie möglicherweise beim Antritt des Aufenthaltes im Kopf hatte. Um genügend Raum für Anpassungen/Reflexionen zu haben, empfehle ich dringend, für zwei Semester ins Ausland zu gehen. Die Umstellungen an ein neues System brauchen Zeit, insbesondere um die Fortschritte im persönlichen und akademischen Bereich wirklich sehen und zulassen zu können. Alles in allem denke ich, dass ein Erasmusaufenthalt zu einem grossen Teil Arbeit im persönlichen Bereich bedeutet (die sich sehr lohnt!).

Vorbereitung

Zur Vorbereitung führte ich mehrere Gespräche mit der Fachkoordination Erasmus der UZH und informierte mich zusätzlich übers Internet. Für die konkrete Semesterplanung an der HU im Fach Geschichte empfehle ich wärmstens folgende Internetseite: https://www.geschichte.hu-berlin.de/de/internationales/erasmus-programm-1/incoming-students. Hier finden sich zahlreiche sehr relevante Informationen (die von der HU selbst leider erst zu einem (zu) späten Zeitpunkt über eine Informationsveranstaltung vermittelt werden). Ansonsten ist die an der HU zuständige Fachkoordination für Geschichte per E-Mail kontaktierbar. 

Ankunft

Ich empfehle 2-3 Wochen vor offiziellem Vorlesungsbeginn in Berlin sein, da zahlreiche organisatorische Sachen anstehen, die am Besten an Ort und Stelle geklärt/erledigt werden können (Immatrikulation, evtl. Eröffnung eines Kontos, Anmeldung beim Bürgeramt etc.)

Zimmersuche
Wohnen

Für die Wohnungssuche, insbesondere von WG-Zimmern empfehle ich wg-gesucht.de, in Berlin herrscht ständiges Kommen und Gehen, das heisst, dass es an Angeboten nicht mangelt. Die Mietpreise steigen jedoch zunehmend, weshalb für ein WG-Zimmer an attraktiver Lage mittlerweile fast schweizerische Preisverhältnisse herrschen. Die WG-Suche lege ich jeder/m sehr ans Herz, da so am ehesten stabile Kontakte geknüpft werden können (an der Uni ist das eher schwieriger). Ausserdem verspricht sie etwas Unabhängigkeit von der Erasmus-Community, was die Authentizität des Aufenthaltes steigert. 

Universität

 Die HU ist wie Berlin selbst ein Ort mit bewegter Geschichte - eine Kulisse, die gerade das Studium der Geschichtswissenschaften bereichert. Häufig finden Veranstaltungen im Hauptgebäude statt, was aufgrund der Lage und Architektur ebenfalls sehr angenehm ist. Für viele Schweizer Studenten/Studentinnen ist der teilweise etwas desolate Zustand der Veranstaltungsräume wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig - mich persönlich hat das nicht gestört. Die Veranstaltungen selber sind mit wenigen Ausnahmen spannend und vermitteln kompakte Inhalte, das Niveau entspricht in etwa der UZH. Ein besonderer Schwerpunkt wird praktisch immer auch auf deutsche Geschichte gelegt, teilweise habe ich einen innovativeren Zugang zu bestehenden Inhalten vermisst (z.B. eine postkoloniale oder Gender-geschichtliche Perspektive). Der Auslandsaufenthalt bietet aber die Möglichkeit, mehr Wert auf Qualität statt Quantität zu legen, d.h. weniger Veranstaltungen, dafür mit individueller Vertiefung zu besuchen.

Die Kontaktaufnahme mit StudentInnen der HU ist ziemlich schwierig, daran merkt man den Grossstadtcharakter der Uni besonders. Die meisten StudentInnen sind nicht an der Uni, um neue Freunde zu finden. Dennoch ergeben sich immer wieder interessante Gespräche. Hier verweise ich erneut auf die Vorteile eines Lebens in einer WG, das deutlich mehr stabile Bekanntschaften verspricht. 

Die Universität selber ist leider ziemlich chaotisch organisiert, ich empfehle jedem/jeder viel Geduld nach Berlin mitzubringen (das gilt nämlich für alle Verwaltungsbereiche der Stadt, z.B. das Bürgeramt). Grundsätzlich gilt: Besser persönlich vorbeigehen. So weiss man direkt, woran man ist. Ausserdem ist das Chaos manchmal auch von Vorteil, man fällt nämlich weniger auf, wenn man mal etwas noch nicht begriffen hat :) Nach 4-5 Wochen wirds besser! 

Leben/Freizeit

Die Freizeit selbst kann, angesichts der überbordenden Angebote die die Berliner Kulturlandschaft zu bieten hat, manchmal zur Herausforderung werden. Hier findet sich für jede/n etwas, das ihm/ihr gefällt. Vor allem bietet das Erasmus die Möglichkeit, bisherige Definitionen von Leben/Studium/Freizeit zu reflektieren und teilweise zu erweitern. Die bereits erwähnte Flexibilität ist auch hier von grossem Vorteil.