Erfahrungsberichte

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Wer

juliangabriel[at]sunrise.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

15/16 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Klassische Archäologie (7680)

Gesamteindruck

Ein Studienaufenthalt in Berlin ist in vielerlei Hinsicht lohnenswert. Zum Einen ist das Leben in einer Großstadt mit allen positiven und negativen Seiten eine sehr gute, persönliche Erfahrung, und zum Anderen bietet die Freie Universität Berlin gerade in kleineren Fächern eine hervorragende Lehre mit einem breit abgestützten Forschungsschwerpunkten. Gerade im Bereich der Archäologie ist das Lehrangebot sehr breit gefächert und umfangreich, sodass ich in fachlicher Hinsicht enorme Schritte weiter gekommen bin. 

Aber natürlich gibt es neben dem Leben an der Universität noch ein Privatleben, und das lohnt es sich in Berlin vollends auszukosten! Berlin ist derzeit die Kulturmetropole par excellence, es gibt für jeden Geschmack unzählige Veranstaltungen. Von der Oper, zur ranzigen Kneipe bis zum abgedrehten Techno-Club gibt es unzählige Freizeitaktivitäten, welche sich zu erkundigen lohnen. Berlin ist somit eine Stadt, in der man sich längerfristig wohlfühlen kann und wo ich einen längerer Aufenthalt unbedingt empfehlen kann! Vor allem das zweite Semester hat mir sehr geholfen, die Stadt nach dem anfänglichen Einleben nochmals von einer anderen Seite kennenzulernen und den Berliner Style richtig zu erfahren. 

Vorbereitung

Als Vorbereitung für meinen Aufenthalt habe ich zuerst das Gespräch mit meinem Professor und mit den Assistenten des Instituts für Archäologie gesucht. Da die Archäologie ein verhältnismässig kleines Fach ist, lohnen sich diese Gespräche sehr. 

In einem zweiten Schritt habe ich dann Kontakt mit dem Institut für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin aufgenommen, um ein Treffen zu vereinbaren. Bei einem Städte-Trip in Berlin im Winter vor meinem Aufenthalt habe ich mich zu einem kurzen Gespräch mit der Studienberatung der Klassischen Archäologie verabredet. Dieses Gespräch hat mir ein sehr gutes Gefühl für meinen kommenden Aufenthalt gegeben und hat mir gezeigt, dass Austauschstudenten in Berlin im Institut mehr als willkommen sind. Gerade bei kleineren Instituten lohnt sich meiner Meinung nach eine persönliche Kontaktaufnahme, da die Stimmung im Institut in Berlin sehr familiär ist und sich auch jeder beim Namen kennt. Auch bei allfälligen Fragen stehen die zuständige Personen einem sehr hilfsbereit zur Seite!

Ankunft

Die Ankunft in der Großstadt Berlin war für mich als Schweizer eine grössere Umstellung. Ich brauchte zu Beginn ein wenig Zeit, um mich an die Dimensionen (eine Reisezeit von A nach B von 30-40min mit dem ÖV ist auch bei verhältnismässig kleinen Distanzen völlig normal) und an den Puls der Stadt zu gewöhnen. Als Schweizer musste ich mir zuerst die für Berliner Verhältnisse übertriebene Höflichkeit abgewöhnen. Man sollte immer genau wissen was man will und auch manchmal ein wenig aufsässig sein, dann kommt man zum Ziel. Diese Eingewöhnungsphase dauert wohl bei jedem individuell lange (oder kurz), je nach dem ob man schon einmal in einer Großstadt gewohnt hat.

Wichtig ist vor allem, dass man sich in den ersten Tagen sich offen gibt und kontaktfreundlich ist. Wenn man früh gute Freunde oder Kumpels findet, dann erleichtert dies der Start enorm. Zu empfehlen ist vor allem, sich an die Tipps von waschechten Berlinern zu halten, welche man bald im Studium oder in der Freizeit kennenlernt. Die können einem nämlich vor Touristenfallen bewahren, da man gerade zu Beginn wenig vertraut mit der Stadt ist. Diese Tipps sind oftmals Gold wert!

Gerade für den Start des Semesters hätte ich mir von der Freien Universität Berlin mehr erwünscht. Ein erstes Erasmus-Treffen hat erst gut einen Monat nach Semesterbeginn stattgefunden, so dass man in dieser Hinsicht ziemlich auf sich allein gestellt war. Im Vergleich zu anderen Universitäten (z.B. Hamburg) bietet Berlin diesbezüglich herzlich wenig an Willkommens-Aktivitäten und Kennenlern-Events, um erste Kontakte zu knüpfen. Es ist also umso wichtiger, sich im Studium oder in sonstigen Freizeitaktivitäten einen Freundeskreis aufzubauen. 

Zimmersuche
Wohnen

Für die Zimmersuche in Berlin bieten sich zwei Möglichkeiten an: Zum Einen gibt es Studentenzimmer in Wohnheimen (Studentenwerk) und zum Anderen den freien Wohnungsmarkt mit WGs. Als Austauschstudent hat man die Möglichkeit, sich für ein Studentenzimmer im Wohnheim anzumelden, um da einen Platz zu bekommen. Diese Zimmer sind günstig (ca. 200-250 Euro warm), aber ziemlich weit vom Zentrum entfernt. Jedoch ist es eine gute Möglichkeit, die Unterkunftssituation zu sichern und dann zu Beginn mehr Zeit für anderes zu haben.

Wer sich für ein Zimmer in einer WG irgendwo in der Stadt entscheidet, der muss sich auf eine längere Suche gefasst machen. Die Stadt Berlin hat mit ihren unterschiedlichen Kiezen wahnsinnig viel zu bieten. Wohnungen in guten und trendigen Bezirken wie Kreuzberg, Friedrichshain, Neukölln etc. sind somit sehr rar. Generell lässt sich die Wohnungsnot in Berlin ziemlich deutlich spüren, meist bewerben sich in wenigen Minuten dutzende Interessenten auf ein Inserat im Internet. So kann es sein, dass man über mehrere Wochen hin keine feste Unterkunft findet und bei Freunden oder im Hostel unterkommen muss. Das hängt jedoch auch vom persönlichen Glück ab. Bei den einen klappt es beim ersten Versuch, bei den anderen erst beim 80 (kein Witz!). Hat man jedoch eine gutes Zimmer erwischt (kostet zwischen 350 und 550 Euro warm, je nach Kiez), dann kann man natürlich das Stadt-Feeling vollends auskosten und wohnt da, wo der Bär tanzt.

Ich persönlich habe mich für die zweite Variante entschieden und bin auf Risiko gegangen, dass ich längere Zeit eine Wohnung suchen muss. Zwischenzeitlich bin ich bei einer Bekannten unter gekommen und habe dann von da aus gesucht und bin an die WG-Castings gegangen. Bei mir hat es jedoch ca. 6 Wochen gedauert, bis ich einen Mietvertrag in einer WG unterschreiben konnte. 

Die von mir gewählte Variante lohnt sich vor allem, wenn man 2 Semester in der Stadt bleibt. Dann kann man sich ein wenig mehr Zeit nehmen für die Suche und dann das Leben im Kiez auch mehr und über längere Zeit geniessen. Wer ein Semester bleibt, dem würde ich das Studentenzimmer empfehlen. Ansonsten versäumt man zu viel von der wertvollen Berlin-Zeit mit der Wohnungssuche und kann sich gar nie richtig einleben. Bei mir gings auch erst richtig los mit dem Berlin-Feeling, als ich eine definitive Bleibe gefunden habe!

Universität

Die Freie Universität Berlin bietet ideale Voraussetzungen für eine vielseitige Ausbildung der Studenten. Vor allem in kleineren Fächern, wie zum Beispiel die Klassische Archäologie, oder Geisteswissenschaften im Allgemeinen, bietet die FU ein breites Spektrum an Forschungsschwerpunkten, die auch in der Vielzahl der Lehrveranstaltungen zur Geltung kommen. So hat man vor dem Semester oftmals die Qual der Wahl, für welche Kurse man sich einschreiben soll. Die Dozenten sind sehr kompetent und freundlich, was eine angenehme Atmosphäre im Seminarraum garantiert. In der Regel wird viel Eigeninitiative und Selbständigkeit gefordert und vorausgesetzt, was den Lernprozess des Studenten jedoch nur fördert.

Zudem bietet die FU eine Vielzahl von Sprachkursen und sonstigen Veranstaltungen (wird als ABV, also Allgemeine Berufsvorbereitung definiert), an denen man als Austauschstudent teilnehmen kann. Allerdings herrscht bei fast allen Kursen eine Platzbeschränkung und man muss beim Buchen der Module unterschiedliche Prioritäten setzen. Als Austauschstudent hat man da aber teilweise einen Sonderstatus und kriegt auch mal Vorrang, sollte der Kurs platzbeschränkt sein. 

Bezüglich Archäologie ist die Freie Universität Berlin bestens vernetzt. Durch das Exzellenzcluster TOPOI, das Deutsche Archäologische Institut (DAI) mit der Zentrale in Berlin und die Archäologische Gesellschaft zu Berlin gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Vorträge, an denen man teilnehmen kann und die sich wirklich lohnen.

Leben/Freizeit

Berlin hat als Kulturmetropole par excellence natürlich wie wohl kaum eine europäische Stadt eine Vielfalt an Freizeitaktivitäten und Kulturprogrammen zu bieten. Wer gerne ins Theater geht, der kann sich die sog. ClassiCard für Studenten unter 30 machen lassen, damit bekommt man an der Abendkasse vieler Opern- und Konzerhäusern die besten verfügbaren Plätze für 10 Euro. Wer gerne feiern geht, der kann das täglich tun, nahezu überall in der Stadt und nach jedem Musikgeschmack. 

Gerade zu Beginn lohnen sich auch Stadtrundfahrten sehr, vor allem Fahrradtours. So gewinnt man einen Überblick über die Stadt. Am meisten empfehlen kann ich das flanieren in den verschiedenen Stadtvierteln. So entdeckt man den einen oder andern trendigen Shop, eine tolle Kneipe oder einen hübschen Park. Vor allem im Sommer ist Berlin wunderschön, mit all den vielen Grünflächen, Parks und belebten Fussgängerpassagen mit kleinen Kaffees und Restaurants, die zum Verweilen im Freien einladen!

Auch Ausflüge ausserhalb oder in der Region Berlin Brandenburg sind mit den zahlreichen Fernbussen sehr kostengünstig und empfehlenswert.

 Berlin muss man einfach erleben! Es lohnt sich auf jeden Fall, genug Freizeit im Wochenplan einzuteilen, um das Feeling der Stadt geniessen zu können. Jeder findet, wonach er sucht und kann dies nach belieben geniessen!