Erfahrungsberichte

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Wer

alessandro.rigamonti[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

AU-
Sydney - University of Technology Sydney

Studienfach

Informatik (3030)

Gesamteindruck

Mein Auslandsemester in Sydney war mein erster (und letzter) Austausch, den ich gemacht habe. Dementsprechend toll war es dann auch. Es hat Spass gemacht, einfach mal über eine längere Zeit im Ausland zu leben und zu geniessen, dass alles etwas anders als zu Hause ist. Es ist eine Erfahrung, die es Wert ist gemacht zu werden, wenn man sie sich leisten kann.

Vorbereitung

Der Vorbereitungsprozess war eher mühsam. Man braucht beispielsweise ein Empfehlungsschreiben eines Professors. Das ist Meinung nach ziemlich absurd, da es bei den grossen Klassen an der Uni Zürich schwer ist, einen Professor zu finden, der einen beim Namen kennt. In meinem Fall hat das Schreiben der Professor meiner Bachelorarbeit gemacht.


Weiter braucht man ein Motivationsschreiben, was ich total sinnvoll finde. Aber man muss drei Prioritäten angeben und braucht für jede davon ein Motivationsschreiben. Nachdem ich geschrieben hatte, warum ich unbedingt nach Sydney wollte, kam ich mir etwas blöde vor, als ich dann im zweiten Motivationsschreiben erklärt habe, warum ich unbedingt nach Brisbane wollte.


Man muss also früh anfangen, um alle Unterlagen bis Anfang Januar des vorangehenden Studienjahres zusammenzustellen. Zweiter wichtiger Punkt sind die Kosten. TOEFL kostet 250 Dollar, Visum kostet über 500 Dollar, obligatorische Versicherung für ausländische Studierende kostet über 200 Dollar, und wenn mal einmal bei der UTS angenommen ist, gibt es hier und da kleine Gebühren (wofür genau weiss ich nicht mehr), die sich halt aufsummieren. Dafür bekam ich von der Uni Zürich ein Stipendium, das meiner Meinung nach sehr grosszügig ist. Sydney ist etwa gleich teuer wie Zürich. Es lohnt sich also, das ganze mal durchzurechnen (Flug, Unterkunft, Essen und was immer man noch tun will).

Ankunft

Die Ankunft war toll. Man wird von einem Shuttle abgeholt und die Leute kümmern sich um einen. Man darf den australischen Winter allerdings nicht unterschätzen. 15 Grad klingen nicht kalt, aber Juli und August sind die windigsten Monate und machen damit eine einigermassen vernünftige Jacke unumgänglich. Diverse Events oganisiert vom Studentenwohnheim und der Uni selbst bieten einen herzlichen Empfang, den man so in Zürich wohl nicht kriegen würde.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe mich für das Studentenheim Gumal entschieden. Ich war in einem 9er Apartment (war halt das günstigste), wobei ich jetzt eher das 8er empfehlen würde. Kostet 10 Dollar mehr pro Woche, hat aber grössere Zimmer und mehr Platz in den Wohnzimmern. Bei den Wohnungen mit weniger Leuten kenne ich mich nicht aus. Die Distanz zur Uni ist im Nachhinein betrachtet kein Argument mehr. Yura ist auf dem „Campus“, Gumal gleich daneben, Bulga ein klein wenig weiter weg als Gumal und Geegal ist auch nur zehn Minuten von der Uni entfernt. Yura ist am ehesten wie ein Hotel, Geegal am ehesten wie normale Wohnungen. In Geegal und Bulga leben weniger Leute als in Yura und Gumal, daher sind die Leute da eher etwas besser vernetzt. Bulga hat allerdings unglaublich hässliche Wohnungen ohne Fenster im Wohnzimmer.


Als ich ankam war ich erstmal etwas schockiert wegen der mangelnden Sauberkeit. Wenn man mit acht weiteren Studenten zusammenlebt, fühlt sich nicht jeder immer verantwortlich für die Sauberkeit in der Küche zum Beispiel. Ausserdem ist es ein Kommen und Gehen. Es leben hauptsächlich Austauschstudenten im Wohnheim, die nach einem halben Jahr wieder weg sind. Aber man gewöhnt sich daran.

Universität

Ich muss vorwegnehmen, dass in Australien viele Leute nach dem Bachelor einige Jahre arbeiten und danach den Master berufsbegleitend machen. Es kann also sein, dass einige Dinge, die ich hier aufliste, damit zu tun haben, dass ich ausschliesslich Master Fächer belegt habe.


Es empfiehlt sich aus zwei Gründen, die Modulbuchung frühzeitig vorzunehmen. Erstens sind viele Fächer stark begrenzt. Zweitens ist der Prozess von Buchungen und Umbuchungen sehr schlecht gelöst. Man muss für jedes Fach einen Request erstellen, der von einer Person im Backoffice bearbeitet wird. In den ersten zwei Wochen des Semester entsteht logischerweise eine Flut von Requests, sodass Wartezeiten von über einer Woche entstehen. Und wenn man dann gegen Ende der zweiten Woche erfährt, dass man das Modul jetzt doch nicht buchen kann, ist das halt ärgerlich (ist mir zum Glück nicht passiert).


Die Atmosphäre an der Uni ist gut. Egal ob Professor oder Sachbearbeiter, man nennt sie alle beim Vornamen. Zudem sind die Klassen oftmals kleiner, was einen engeren Bezug zu den Dozenten schafft. Wie die meisten Austauschstudenten empfand auch ich das Niveau als nicht so hoch. Für meinen Austausch fand ich das ganz in Ordnung. Auch die Struktur des Studiums scheint etwas anders zu sein. Ich hatte mit meinen 24 Credits (entspricht 30 ETCS Punkten) gerade mal 11 Vorlesungs- und Übungsstunden, die meisten davon von 6 bis 9 Uhr abends. Abschlussprüfungen hatte ich überhaupt keine. Die Noten wurden aus Hausaufgaben und Abschlussarbeiten/Abschlusspräsentationen zusammengesetzt. War bei mir zwar nicht der Fall, aber oftmals sind es Gruppenarbeiten.


Ich hätte nicht gedacht, dass es eine Uni gibt, bei der die Sommerferien noch länger dauern als bei der Uni Zürich. Jetzt weiss ich es besser. Das Frühlingssemester beginnt Ende Juli und endet, wenn man Abschlussprüfungen hat, spätestens Ende November. Bei mir hätte es noch früher geendet, wenn ich nicht ins Spital hätte müssen. Wenn man im Studentenwohnheim wohnt, kann man das Zimmer nur bis Mitte Januar buchen, nicht mehr und nicht weniger. Es bleibt nach dem Semester also noch einiges an Zeit um Sydney zu geniessen oder, wie das unter Studenten fast schon Pflicht ist, jede australische Stadt, Bali, Fidschi und Neuseeland zu besuchen.

Leben/Freizeit

Der Lifestyle macht Spass. Es gibt diverse Clubs, denen man beitreten kann. Ich ging beispielsweise an die Uni Games in Volleyball. Die dauern eine Woche lang, wobei Partys ebenso wichtig sind wie der Sport selbst. Das war eines meiner Highlights. Zudem werden andauernd vom Studentenwohnheim kleinere Events organisiert. Freunde finden ist definitiv kein Problem. Und die Stadt an sich bietet sehr viel mehr, als man in sechs Monaten entdecken könnte.


Was ich ein bisschen schade finde, ist dass es schwierig ist, Australier kennen zu lernen. Natürlich lernt man den eint- oder anderen kennen, aber das Übergewicht an Austauschstudenten und International Students ist enorm. Ähnlich wie in Zürich trifft man in Sydney viele Schweizer und Deutsche an. Aber auch Skandinavier, Inder und Chinesen sind gut vertreten. Wer findet, in der Schweiz habe es viele Ausländer, sollte mal durch Inner Sydney spazieren.


Surfen kann man gut in Sydney, aber nicht wenn man im Studentenwohnheim wohnt und sich kein Auto leisten kann. Zum nächsten Strand hat man schon gegen 45 Minuten und mit einem Anfängerboard durch die Stadt zu reisen ist äusserst mühsam. Wenn man schon auf einem Short Board unterwegs ist, geht es einigermassen. Man kann auch Boards am Strand mieten, aber das wird irgendwann teuer.