Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

BR-
São Paulo - Universidade de Sao Paulo

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester in Brasilien war eine einmalige Erfahrung, von welcher ich insbesondere persönlich profitiert habe. Ich würde sie jedem empfehlen, der eine andere Kultur und einen anderen Unialltag erleben möchte, welche in Brasilien doch sehr von der schweizerischen abweichen.

Vorbereitung

Ich empfehle genug früh mit den Vorbereitungen zu beginnen, insbesondere wenn man wie ich bis 2 Wochen vor Abflug Prüfungen hat (das HS an der USP Direito beginnt grundsätzlich Anfang August und dauert bis Ende November / Anfang Dezember), ich habe nach der Zusage Ende Januar begonnen mein Portugiesisch zu festigen, eine Wohnung zu suchen, etc.

Die Beantragung des Visums beim brasilianischen Konsulat in Zürich kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da dieses häufig überlastet ist oder etwas in den Unterlagen fehlen kann (N.B. einige Dokumente müssen beglaubigt sein, vgl. Homepage brasilianisches Konsulat). 

Das universitäre Leben kann meiner Erfahrung nach in der Schweiz nur schwer organisiert werden. Ich empfehle mich nicht zu intensiv mit Vorlesungsplan, Voraussetzungen, Vorlesungsinhalt, etc. auseinander zu setzten, vieles wird noch Änderungen unterworfen sein und die Organisation fällt definitiv leichter mit Hilfe anderer brasilianischer Studenten.

Ankunft

Da ich São Paulo schon ein wenig kannte und zusammen mit einer anderen Person aus der Schweiz gereist bin, haben wir uns selbst empfangen und den Weg vom internationalen Flughafen Guarulhos ins Zentrum zu unserer Wohnung per Taxi gefunden. In den ersten Tagen habe ich die Innenstadt erkundet und administrative Dinge wie die Anmeldung bei der Fremdenpolizei, das CPF, eine brasilianische Natelnummer, etc. erledigt.

Ausserdem bekommt man von der USP einen oder mehrere USP Friends zugeordnet, welche vor der Abreise kontaktiert werden können. Meine Friends waren alle sehr hilfsbereit und haben mich in den oben genannten administrativen Dingen unterstützt/begleitet und allgemein in der Stadt rumgeführt und in ihren Freundeskreis integriert.

Zimmersuche
Wohnen

Ich war in den ersten zwei Monaten in einer Wohnung über Airbnb.com Untermieterin,  danach bin ich in eine WG mit anderen Brasilianern und Austauschstudenten gezogen. Viele andere europäische Austauschstudenten haben sich für eine Woche oder so in einem Hotel einquartiert und von dort ein WG-Zimmer gefunden. Ein Zimmer kann man auf Facebook-Seiten (Facebook ist äusserst populär in Brasilien, vieles wird ausschliesslich im Facebook organisiert oder mitgeteilt) wie Sem teto- São Francisco, Aluguel: Apartamento/Quarto São Paulo , Brasil, o.ä. finden, seinen USP Friend fragen oder einfach die anderen Austauschstudierenden kontaktierten (die Fakultät lässt einem vor Semesterbeginn eine Liste mit allen Austauschstudenten zukommen).

Universität

Die USP zählt zu den besten Universitäten Südamerikas. Die Faculdade de Direito ist sehr renommiert und funktioniert meiner Meinung nach gut und vermittelt Wissen auf einem guten Niveau. Die Vorlesungen sind ausschliessliche auf Portugiesisch. Den Austauschstudenten steht das ganze Vorlesungsprogramm zur Auswahl. Ich habe vier Fächer besucht, wobei mir nicht alle an der UZH angerechnet werden (vgl. Voraussetzungen Anrechnung MLaw bzw. BLaw). M. E. sind Grundkenntnisse der portugiesischen Sprache Voraussetzung. Durch den vielen Kontakt mit Brasilianern verbessert sich das Sprachniveau sehr schnell, da muss man also nicht stressen.

An der Uni werden viele extracurrikuläre Aktivitäten wie ein Rechtsdienst für sozial Benachteiligte, politische Gruppierungen, Gefängnisbesuche, etc. angeboten. Dabei lernt mal viele tolle, engagierte Leute kennen, kann seinen Horizont erweitern und kommt vor allem mit unbekannten oder versteckten Seiten der Grossstadt und des Landes in Kontakt.

Leben/Freizeit

Brasilianer sind sehr kontaktfreudig und hilfsbereit. Sie verbringen viel Zeit in Gesellschaft und es ist sehr einfach Anschluss zu finden. Falls man offen und neugierig ist, lernt man die tollsten Menschen kennen und erlebt die brasilianische Kultur am eigenen Leibe. Ich liebe São Paulo als Grossstadt, die sehr vielfältig ist und nie schläft. Negative Erfahrungen gehören jedoch leider dazu, so muss z. B. vor allem Abends und Nachts auf die eigene Sicherheit geachtet werden oder der Kontakt mit Armut kann schockieren.

Ausflüge und Reisen in die Gegend rund um São Paulo, sowie nach Rio de Janeiro, Minas Gerais, Foz do Iguaçu, Florianópolis, aber auch in den Norden/Nordosten Brasiliens nach Salvador, Chapada Diamantina, Fortaleza, Natal, Manaus, São Luiz, Jericoacoara oder auch in die umliegenden Länder nach Bolivien, Peru, Argentinien sind natürlich sehr empfehlenswert. Reisen ist grundsätzlich billig. Per Bus kann das ganze Land bereist werden, es gibt aber auch einige Billigfluglinien wie Gol oder Tam.