Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS + SS

Universität

CN-
Beijing - Beijing Normal University

Studienfach

Sinologie (7280)

Gesamteindruck

Die Beijing Normal University ist eine gute Uni für solche, die schon Vorkenntnisse der chinesischen Sprache haben. Der Unterricht ist interaktiv, die Lehrer sind motiviert, die Lage ist top und es gibt nicht zu viele Studenten aus dem Westen. Eine sehr gute Grundlage also für den Spracherwerb und ein spannendes Austauscherlebnis.

Vorbereitung

Ich hatte zwei Jahre lang Chinesisch im kleinen Nebenfach an der Uni Zürich. Auf meinen Aufenthalt habe ich mich nicht speziell vorbereitet, da die Uni eigentlich alles hat, was man braucht. Man wird per Email kontaktiert, und es werden Infobroschüren zugeschickt. Das wichtigste ist, dass man vorher das Studentenwohnheim reserviert. Darüber werdet ihr auch per Email informiert.

Ein bisschen Geld solltet ihr am Airport wechseln, damit ihr wenigstens eine Kleinigkeit zu Essen kaufen könnt. 

Ankunft

Vom Flughafen bis zur Uni dauert es ca. eine Stunde. Man kann sich auf der Seite der BNU  für einen Pick-up Service anmelden. Von dieser Option habe ich durch meine etwas frühe Ankunft nicht Gebrauch machen können, und bin stattdessen mit dem Taxi zur Uni gefahren (ca. 90-100 Yuan). Wenn ihr kein Chinesisch könnt, druckt ihr am besten die folgenden Zeichen aus und zeigt es dem Fahrer: 北京师范大学. Bitte passt darauf auf, dass der Taxifahrer das Zählgerät einstellt! Sie versuchen oft, etwas mehr Geld zu verdienen. Mit der Ubahn kann man natürlich auch gehen: einfach Airport Express nach Dongzhimen (东直门,ca. 25 Yuan) und dann auf die Linie 2 bis Jishuitan (积水潭,ca. 3-4 yuan), danach den Bus (es fahren viele, u.A. Linie 22) nach Tieshizifen (铁狮子坟,ca. 3 Stationen und 1-2 yuan).

Unbedingt die Buchung des Studentenwohnheims ausdrucken, und euch die Nummer eures Studentenwohnheims merken. :) Studentenwohnheime 1 und 3 sind im Campus (wenn ihr mit dem Taxi kommt, sagt dem Fahrer, dass er euch beim Macdonalds (麦当劳 )bei dem grossen Osttor (东门) absetzen soll. Der Eingang von Wohnheim 3 ist neben dem McD, und ins erste Wohnheim kommt ihr, wenn ihr durch einen kleinen Tunnel läuft. Sehr einfach zu finden. Studentenwohnheim 2 ist auf der anderen Strassenseite, etwas gegen Süden. Nebenan ist eine Bank of China (中国银行). 

Zimmersuche
Wohnen

Man muss sich noch in der Schweiz für ein Studentenwohnheim entscheiden und sich dafür registrieren. Dies läuft alles online, und ihr bekommt die Infos per Email zugeschickt. Das Wichtigste dabei ist, dass die Registration um 9 Uhr morgens (Peking-Zeit!) beginnt, und die besten oder billigsten Zimmer sehr schnell ausgebucht sind. Es lohnt sich also, früh zu buchen.
Ich war im 2. Studentenwohnheim, in einem Einzelzimmer mit einem Bad, welches ich mit einem anderen Mädchen teilte. Es kostete 75 Yuan pro Tag. 
Am Anfang ist es etwas gewöhnunhgsbedürftig, denn die Zimmer sind eindeutig nicht auf unserem Niveau. Das Positive am Zimmer ist, dass es einen Kühlschrank und einen Mini-Wasserkocher hat. Die Putzfrau kommt jeden Tag, leert die Abfalleimer und fegt den Boden. Man kann diesen Service nicht abbestellen, aber man kann einen “nicht stören”-Zettel (今天不用打扫,谢谢)an die Tür hängen und sie kommt später wieder vorbei. 

Wenn ihr in Wohnheim 1 oder 2 wohnt, lohnt es sich, bereits vor der Abreise Tücher und WC-Utensilien zu kaufen. Ausser den Möbeln ist nämlich nichts drin.  

Obwohl es mich selber nicht betraf, sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass viele Studenten mit den Studentenwohnheimen Nr. 3 und Nr. 1 nicht zufrieden waren. Es wurden mitten im Winter Umbauarbeiten gemacht, was bedeutete, dass die Studenten ausziehen mussten. Es wurden ihnen keine Ersatzwohnungen zur Verfügung gestellt. Einige hatten das Glück, dass sie in anderen Studentenwohnheimen unterkommen konnten, aber andere mussten sich ausserhalb der Uni eine Wohnung suchen – und das in kürzester Zeit.

In meinem Wohnheim kam es einige Male vor, dass einen Abend und eine Nacht lang Wasser oder Strom abgestellt wurde, jedoch wird man jedes Mal gewarnt. Im August gab es eine Woche, in der wir ohne Vorwarnung weder Strom, Wasser oder Internet hatten. Wir wurden am Ende des ersten Tages in ein anderes Wohnheim umgesiedelt, jedoch wurden wir nie informiert, wie lange die Situation andauern würde. Auf Fragen diesbezüglich reagierten die Hauswärte und die Mitarbeiter des International Student Office stets gereizt. Die Kommunikation mit den Studenten ist also nicht ideal geregelt. Wenn euch so etwas stört, dann würde ich euch raten, eine Gastfamilie oder Wohnung in Betracht zu ziehen.

Universität

Anfangs muss man einen Einstufungstest machen. Bei der Registrierung wird der Ort und die Zeit bekannt gegeben (bei mir war es 15:00 im Lehrgebäude 2, 3. Stock). Es bekommen alle Studenten den gleichen schriftlichen Test. Dieser ähnelt sehr der HSK-Sprachprüfung. Zuerst gibt es ein Hörverständnis, wo man die richtige Antwort ankreuzen muss. Danach kommt ein Teil mit Textfragen (einen Abschnitt lesen und dann Fragen beantworten) und ein bisschen Grammatik. Schreiben muss man nur auf der letzten Seite. Der Test dauert insgesamt 1 Stunde, aber Leute ohne Vorkenntnisse dürfen schon nach 30 Minuten gehen. Vom Niveau her würde ich den Test einem hohen HSK 4 zuordnen. Wenn ihr für den Test üben wollt, würde ich euch vorschlagen, ein grammtikspezifisches HSK 4 Buch zu Rate zu nehmen. Der zweite Teil der Prüfung war ein kurzes Interview. Es wurden Fragen zu meiner Person gestellt (woher kommst du, wie lange lernst du schon Chinesisch, was denkst du über die Luftverschmutzung in China, wieso ist sie so schlimm, ist es in der Schweiz nicht so...). Anschliessend musste ich noch zwei kurze Abschnitte laut vorlesen. Das ganze war sehr relaxed, man muss sich wirklich keine Sorgen machen! Die Resultate werden einige Tage später bekannt gegeben.

Unterricht
a. Unterrichtsstil
Die Beijing Normal University ist eine pädagogische Hochschule, und man merkt am Unterrichtsstil, dass die Lehrer spezialisiert darauf sind, Ausländer zu unterrichten. Ich fand den Unterricht interaktiv, man bekommt jede Stunde eine Chance, das Gelernte anzuwenden oder seine Meinung zu äussern. Auch scheue Leute werden von den Lehrern ermutig, etwas zu sagen. So macht man sehr schnell Fortschritte. Wir machten immer relativ zügig vorwärts. Man hat vier Fächer: Lesen(读写), Hörverständnis(听力) (bzw.视听说 in höheren Stufen), Zeitungslesen (报刊) und gesprochenes Chinesisch (会话). Der Lektionsablauf ist für fast alle Fächer gleich: In der ersten Stunde wird immer das Vokabular behandelt: wir lesen die Wörter zusammen und für jedes Wort werden einige Beispiele gegeben. In der zweiten und dritten Stunde lesen wir den Lektionstext, danach behandeln wir die Grammatikpunkte und als Abschluss machen wir noch Übungen. Es mag repetitiv klingen, aber mit dieser Methode kann man sich die Wörter ziemlich gut merken. Hausaufgaben gibt es nach fast jeder Stunde, und sie bestehen meistens aus Textvorbereitung, Aufgabenlösung oder Aufsatzschreiben. In Unterricht für Zeitungslesen muss man jede Woche einen Zeitungsartikel einer gewissen Länge (500 für das mittlere Nivea, 800+ für das höhere) lesen sowie eine Zusammenfassung und Meinungsäusserung anfertigen. Man ist also immer beschäftigt.

b. Prüfungen
Es gibt zweimal pro Semester eine Prüfung: in der Mitte des Semesters und am Ende. Wenn man im Unterricht gut mitmacht und sich vorbereitet, sind die Prüfungen nicht so schwer.

c.Niveaustufen

Es gibt verschiedene Niveaustufen von 1 bis 3, welche je zwei Semester dauern. Jede Niveaustufe wird also in einen ersten Teil und einen zweiten Teil aufgeteilt. Wenn man in den Prüfungen über 90% erreicht hat, kann man ein Level überspringen. Weil ich schon zwei Jahre Chinesisch studiert hatte, wurde ich ersten Semester ins Nivea 201 eingeteilt, das ist das mittlere Niveau. Im zweiten Semester ging ich ins Niveau 301, und der Unterschied war ziemlich markant: längere Texte, anspruchsvolleres Vokabular und mehr Hausaufgaben. 

Leben/Freizeit

Die Uni liegt wirklich praktisch, circa 10-15 Gehminuten weg von Ubahnstationen der Linien 10 (牡丹园)im Norden  und 2(积水潭)im Süden, womit man wirklich überall hin kommt. Es ist sehr praktisch. Leider gibt es in der Nähe der Uni nicht wirklich viel zu unternehmen. Das macht jedoch nichts, denn das sehr bekannte Houhai (ein See mit vielen Bars und Restaurants) ist auch nur 15 Minuten entfernt. Mit der Ubahn und mit dem Bus ist man sehr schnell bei Wudaokou, dort kann man gut essen und in den Ausgang. Andere Partyviertel wie Sanlitun sind zwar etwas weiter weg, aber durchaus erreichbar.

Eines der ersten Dinge, die ihr tun solltet, ist, eine Verkehrskarte zu kaufen (交通卡). Geht dazu zur Ubahnstation der Lini 2 an den Schalter. Am Anfang würde ich 100 Yuan aufladen. 

Wenn ihr ehrgeizig seid, würde ich empfehlen, einen Sprachpartner zu finden, also einen Chinesen, der Deutsch oder Englisch lernen will und euch im Gegenzug mit Chinesisch hilft. Sowas hilft wirklich sehr. 

Ich fühlte mich in Peking eigentlich immer sicher, jedoch gibt es vor allem vor grossen Festen viele Diebe. Also immer aufs Portemonnaie und Handy aufpassen!  

Noch ein Tipp: tut euch ein Fahrrad zu, denn so kann man die Stadt ganz anders entdecken. Ihr könnt in der Nähe des Campus (beim Südtor) Secondhandvelos für ca. 350 yuan kaufen. Noch billiger gibt es sie auf dem Campus der Qinghua-Universität in Wudaokou, jedoch wird gemunkelt, dass diese meist dauerhaft ausgeliehene sind, wenn ihr wisst, was ich meine. Sonst könnt ihr auch bei Komilitonen rumfragen, es gibt garantiert jemanden, der bald nach Hause geht und sein Fahrrad loswerden will. :)

Egal was ihr tut, ihr werdet bestimmt eine tolle Zeit haben!